Mit Genome Suite 2.0 schickt Two Notes die nächste Generation seiner Amp-Modeling-Plattform für Gitarre und Bass ins Rennen. Die Stärken des Vorgängers bleiben erhalten, neu kommen das ParadeX-Modul für hauseigene AmpNet-Captures, der Mixfit-Block für schnelle Erstellung von Mix-ready-Sounds sowie zusätzliche TSM-Ai-Amps sowie die iPad-Unterstützung hinzu.

Ob Two Notes eine Alternative zu Platzhirschen wie Neural DSP oder IK Multimedia darstellt, zeigt der Test.
- Sound und Ansprache
- Effektqualität
- Kompatibilität mit Open-Source-Profilen wie NAM, AIDA-X und Proteus
- Neues AmpNet-Capture-Format
- Intuitive Bedienung
DETAILS
Die Neuerungen der Two Notes Genome Suite 2.0
Die Two Notes Genome Suite 2.0 enthält eine Fülle virtueller Gitarren- und Bassverstärker – vor allem die Auswahl hochwertiger TSM-Ai-Ampmodelle wurde deutlich erweitert. Außerdem neu sind zahlreiche Pedal- und Studio-Effekte sowie Optionen für die Lautsprechersimulation.
Neben internen und Drittanbieter-IRs steht nun auch der firmeneigene DynIR-Block zur Verfügung. Der CodeX-Block konnte bereits bei Version 1 der Genome Suite punkten – er macht das Laden von Open-Source-Profilen wie NAM oder AIDA-X möglich.
In Version 2.0 geht Two Notes mit dem neuen ParadeX-Modul noch einen Schritt weiter – das werdet ihr später merken. Neu an Bord ist außerdem der Mixfit-Block, mit dem Presets schneller für den finalen Mix optimieren.
Mit Global Transpose lassen sich zudem komplette Rigs in Echtzeit um bis zu 24 Halbtöne nach oben oder unten transponieren. Da sich viele Funktionen aus Version 2.0 mit vorherigen überschneiden, konzentriere ich mich in diesem Test auf die Neuzugänge. Einen grundlegenden Überblick findet ihr in unserem letzten Test V1.12.

Genome 2.0: Drei Ausbaustufen für Desktop, Plugin und Standalone
Genome 2.0 gibt’s für Mac sowie Windows und unterstützt die Plugin-Formate VST, AU und AAX. Alternativ lässt sich die Software Standalone-Version betreiben. Two Notes bietet die Plattform in drei Ausführungen an: Genome Intro für den kostenlosen Einstieg, Genome mit vollständiger Stock-Ausstattung und erweiterten Funktionen sowie Genome Suite mit zusätzlichen Komponenten und größerer DynIR-Bibliothek. Daneben bekommt ihr Genome 2.0 auch als App für Apple-Tablets aktuell im Beta-Status.
Dynamischere Amp-Captures dank ParadeX und AmpNet
Genome 2.0 führt mit dem ParadeX-Modul eine neue Wiedergabe-Engine für AmpNet-Captures ein. Im Gegensatz zu klassischen Captures bilden diese nicht nur einen statischen Amp-Sound nach, sondern erlauben auch nachträgliche Anpassungen von Gain-Struktur, Klangregelung und Reaktionsverhalten. Dadurch soll ein dynamischeres und interaktiveres Spielgefühl entstehen, das näher an echten Amps liegt.

AmpNet-Captures positionieren sich als Bindeglied zwischen traditionellem Amp-Capturing und flexiblem Amp-Modeling. Um eigene Captures mit der AmpNet-Technologie zu erstellen, bietet Two Notes die kostenlose Capture-Studio-Software an.
Bedienung der Two Notes Genome Suite 2.0
Die skalierbare Benutzeroberfläche wirkt modern, aufgeräumt und optisch ansprechend. Dank klaren Strukturierung ist die Bedienung im Prinzip selbsterklärend. Die Signalkette umfasst 12 frei belegbare und verschiebbare Slots, die sich mit 13 Effektblock-Typen bestücken lassen.

Dabei sind Mehrfachbelegungen möglich und dank Dual-Lane-Architektur könnt ihr bis zu 24 Komponenten pro Rig verwenden. Zur Auswahl stehen Amplifier, Cabinet, Drive, Delay, Dynamics, EQ, Modulation, Pitch, Reverb, Stereo Width und Torpedo Post FX. Der Signalpfad lässt sich zudem flexibel splitten und wieder zusammenführen.
Genome Suite 2.0: Mehr Amps, mehr Captures, mehr Spielraum
Der Amp-Block der Genome Suite enthält aktuell 42 Modelle, darunter auch Bass-Amps und eine reine Endstufensimulation. Über das CodeX-Modul könnt ihr Open-Source-Profile wie NAM, Proteus oder AIDA-X laden, von denen bereits eine umfangreiche Auswahl an Bord ist. Auch das aktualisierte NAM-A2-Format unterstützt die Genome Suite 2.0.

Im neuen ParadeX-Modul stehen bereits 25 Captures bereit. Künftig soll auf der Two-Notes-Exchange-Website noch ein eigener Bereich hinzukommen, über den Nutzer ihre selbst erstellten AmpNet-Captures hochladen und mit anderen teilen können.
Wie beim Vorgänger lädt der Cabinet-Block klassische IRs und gewährt Zugriff auf das DynIR-Modul mit zahlreichen Cabinets und Mikrofontypen. Auch die übrigen Effektblöcke sind breit aufgestellt und decken klassische Sounds wie Delay, Reverb, EQ, Overdrive, Wah und Chorus ebenso ab wie speziellere à la Double Tracker oder komplexe Pitch-Shifter.
Gelungen ist auch das Bedienkonzept: Reset-, Undo- und Redo-Buttons erleichtern das Editieren, während Presets für Amp- und Effektmodule die Soundfindung beschleunigen und zusätzliche Inspiration liefern.
Genome Suite 2.0: Cleveres Preset-Management und flexible Stereo-Optionen
Eigene Sounds könnt ihr in Version 2.0 komfortabel speichern und in einer übersichtlichen Ordnerstruktur organisieren. Dabei stehen euch einzelne Bänke mit jeweils 128 Speicherplätzen zur Verfügung. Über das Einstellungsmenü gelangt ihr direkt zum Manual und zu den MIDI-Optionen. Außerdem lassen sich Input- und Output-Level, Noise Gate sowie verschiedene Automationsparameter konfigurieren.
Die Ein- und Ausgänge bieten flexible Stereo- und Mono-Optionen. Besonders praktisch ist der schaltbare Stereo-Input, wenn gedoppelte Gitarrenspuren über einen gemeinsamen Bus laufen sollen.
So klingt die Two Notes Genome Suite 2.0
Allein die Presets lassen bereits erahnen, welches Potenzial in Genome 2.0 steckt. Die Sounds sind durchweg praxisnah und decken ein breites Spektrum ab – von klassischen Standardsounds bis hin zu effektgeladenen Spezial-Presets. Das Spielgefühl ist authentisch, während die Software in der Oberliga plugin-basierter Amp-Modeler mitspielt.

Die Clean-Sounds überzeugen mit natürlicher Wärme, während Crunch- und High-Gain-Sounds mit Punch und Autorität auftreten. Die übersichtliche Ordnerstruktur sortiert Sounds nach Zerrgrad und sorgt so für eine sehr gute Übersicht. Dadurch beschleunigt sich der Workflow spürbar.
Neue Amps, starke Dynamik und ParadeX-Power in Genome 2.0
Als nächstes habe ich eigene Presets mit Fokus auf die neuen Verstärkermodelle erstellt und – abgesehen von etwas Reverb – bewusst auf zusätzliche Effekte verzichtet. Genome 2.0 erweitert das serienmäßige Amp-Angebot um eine neue Reihe von TSM-Ai-Amps, die von cleanen Plattformen über moderne High-Gain-Sounds bis hin zu Full-Range-Bass-Anwendungen ein breites Spektrum abdecken. Mit dabei sind Modelle, die sich am Soldano SLO-100, dem Orange Rockerverb 100 MKIII, dem Fender Twin Reverb, dem Vox AC30, Mesa/Boogie Mark V, dem Dual Rectifier und am Ampeg SVT orientieren. Die Vorlagen sind durchweg gut getroffen, wobei vor allem Dynamik, Ansprache und Durchsetzungsfähigkeit positiv auffallen. Etwas schade ist, dass sich bei der Auswahl der Marshall-inspirierten Modelle offenbar wenig getan hat und das Angebot hier weiterhin überschaubar ausfällt. Abhilfe schafft jedoch das CodeX-Modul, das dank wachsender NAM-Community eine große Auswahl zusätzlicher Profile bereithält. Das eigentliche Kernfeature ist jedoch der neue ParadeX-Block. Wo man sich bislang oft zwischen Modeling und Profiling entscheiden musste, verbindet Genome 2.0 hier beide Welten. Der Sound überzeugt, während die Regler deutlich tiefere und realistischere Eingriffe zulassen als generische EQs bei klassischen Captures.

Effektsektion: Starke Auswahl von Drive-Klassikern bis Spezialeffekten
Die Auswahl der Effektsektion ist beeindruckend. Sie umfasst sowohl klassische Brot-und-Butter-Effekte als auch ausgefallenere Spezialmodelle. Die Drive-Sektion deckt alle wichtigen Overdrive-, Distortion- und Fuzz-Klassiker ab, hält aber auch Exoten wie den JPTR FX Warlow oder Ola Englunds Chug Pedal bereit. Auch die Modulations-, Delay- und Reverb-Abteilungen sind breit aufgestellt und überzeugen mit sehr guter Klangqualität. Für ein Plugin ausgesprochen vielseitig präsentieren sich zudem die Wah- und Pitch-Blöcke. Ungewöhnlichere Effekte wie der Double Tracker oder das firmeneigene Wall-of-Sound-Modul runden die umfangreiche Sektion ab.

Mixfit-Algorithmus: Mehr Durchsetzungskraft für moderne Gitarrensounds
Die große Neuerung im Effektsegment ist der Mixfit-Algorithmus. Er kombiniert Low- und High-Enhancer mit High- und Low-Cut-Filtern und gestattet gezielte Eingriffe in Mitten, Pick-Attack und Tightness. Der zentral platzierte Character-Regler lässt sich von Vintage über Neutral bis Modern einstellen und färbt das Signal deutlich hörbar ein. Gerade bei High-Gain-Amps erweist sich das Tool als äußerst hilfreich, indem es Sounds griffiger, kompakter und mix-tauglicher formt. Dadurch erhöht sich die Durchsetzungsfähigkeit im Mix.

Two Notes Genome 2.0 vs. Neural DSP & IK Multimedia: Offene Amp-Modeling-Alternative mit NAM-Support
Vergleicht man Two Notes Genome Suite 2.0 mit Neural DSP und IK Multimedia, bewegen sich alle drei Plattformen klanglich auf sehr hohem Niveau, verfolgen aber deutlich unterschiedliche Ansätze. Neural DSP steht für extrem hochwertige, sofort einsetzbare Sounds, schnellen Workflow, moderne Optik und einen klaren Fokus auf zeitgemäße Gitarrenproduktionen. Allerdings ist das Portfolio stärker in geschlossene Einzel-Plugins aufgeteilt, die separat gekauft werden und meist bestimmte Artists, Amps oder Stilrichtungen abdecken.
IK Multimedia bietet mit AmpliTube und TONEX vermutlich die größte Gear-Auswahl. Das macht das System vielseitig, aber auch komplexer. Dafür punktet IK mit überzeugendem AI-Amp-Capturing, einer riesigen Community-Datenbank für Amp-Profile und kompakten TONEX-Hardware-Pedalen, die das Ökosystem auch für Live-Gitarristen interessant machen.
Genome 2.0 schlägt hier die Brücke zwischen beiden Welten: Die Suite kombiniert hochwertiges Amp-Modeling, Effekte und die beliebten Two Notes DynIRs mit Profiling über AmpNet-Captures sowie offener Kompatibilität zu NAM, AIDA-X und Proteus. Damit positioniert sich Genome weniger als Amp-Sammlung, sondern als flexibles Taschenmesser für moderne Studio-Gitarristen – mit viel Freiheit beim Sounddesign.
Fazit
Mit Genome Suite 2.0 baut Two Notes seine Amp-Modeling-Plattform konsequent aus und liefert ein starkes Update mit deutlich erweitertem Funktionsumfang. Die zusätzlichen TSM-Ai-Amps erweitern das Klangspektrum sinnvoll und überzeugen mit authentischer Ansprache, guter Dynamik und hoher Durchsetzungskraft. Das eigentliche Highlight ist jedoch das neue ParadeX-Modul samt AmpNet-Captures, das die Lücke zwischen klassischem Amp-Capturing und flexiblem Amp-Modeling geschickt schließt.
Auch der Mixfit-Block erweist sich in der Praxis als nützliches Werkzeug, um Gitarren- und Basssounds schnell kompakt, griffig und mix-ready zu formen. Trotz der zum Testzeitpunkt vorliegenden Beta-Version macht Genome 2.0 bereits einen ausgereiften Eindruck. Die Bedienung bleibt intuitiv, die Effektqualität hoch, und die Kompatibilität zu NAM, AIDA-X und Proteus erhöht den Praxiswert zusätzlich.
Ergänzt wird das Paket durch die kostenlosen Programme Genome Intro und Capture Studio sowie auch die neue Tablet-Unterstützung. Insgesamt ist Two Notes mit Genome Suite 2.0 ein überzeugendes Update gelungen, das die Plattform deutlich flexibler macht und sie noch stärker als ernstzunehmende Alternative zu Platzhirschen wie Neural DSP und IK Multimedia positioniert.
Features

- Two Notes Genome Suite Version 2.0 – Virtuelle Ampsoftware
- Ampmodelle: 42 plus CodeX-, ParadeX- und TSM-Power-Amp-Modul
- Cabinets: Two Notes DynIR-Cabs, IR-Loader
- Effekte: Amplifier, Cabinet, Delay, Drive, Dynamic, EQ, Enhancer, Filter, Modulation, Pitch, Reverb, Stereo Width, Torpedo Post FX und Mixfit
- Verfügbar als Plug-in, Standalone oder iPad-App – GUI stufenlos skalierbar
- Für Windows 64 Bit, macOS 64 Bit, iPadOS und die Plugin-Formate: VST3, AU, AAX
- Herstellerseite: https://www.two-notes.com/en/
- Preis: 299,99 Euro (Genome Suite), 129,99 Euro (Genome), kostenlos (Genome Intro) (Stand: Juni 2026)
























