Duende sowie das spätere SSL Native Bundle waren übersichtlich und in ihrer signalflusstechnischen Eigenschaft klar strukturiert. Seitdem ist viel passiert: Fusions, Zuwachs, Zukauf – und jede Menge SSL Channel Strip Plugins. Aber braucht man das alles ?!

Da wäre das 4K Bundle mit drei saftigen SSL 4000er Inkarnationen namens 4K B, 4K E und 4K G. Alle drei sind einzeln erhältlich, genau wie der cleane SSL Native Channel Strip 2 auf Basis der 9000K.
Zusammen mit dem Harrison Audio 32Classic Channel Strip steckt dieser auch im SSL The Channel Strips Bundle. Und war da nicht noch auch was mit UC1 und SSL-360°-Integration?
- klassischer SSL Channel Strip als Plugins
- authentisches Modelling verschiedener SSL 4000 Generation
- übersichtlich und gut bedienbar, elegant steuerbar mit UC1
- keine Umschaltung der Ästhetik innerhalb der Plugins möglich
DETAILS
Macht das 4K Bundle für UC-1 User Sinn?
Nein, ohne Sonderangebote macht es preislich keinen Sinn. Es gibt aber regelmäßig Deals für rund die Hälfte. Für Nutzer von SSL 360° und Käufer des UC1 Hardware-Controllers stellt sich eher die Frage: Ist der UC1 mit den mitgelieferten Plugins SSL 4K B, Channel Strip 2 und Bus Compressor 2 nicht bereits bestens ausgestattet? Welchen Vorteil sollen weitere, nahezu identische SSL-Werkzeuge bringen?
Anders gefragt: sind die Zwischentöne der beiden Plugins 4K E und 4K G laut genug, um als solche die Diversifikation zu rechtfertigen? Eingeschlossen zwischen den “Außengrenzen” in Form früher 4k B und erster SuperAnalogue? Sollten die Unterschiede geringer oder größer sein? Aber der Reihe nach.
SL 4K Bundle: Drei Channelstrips zum Paketpreis
Das SSL 4K Bundle versammelt drei Kanalzug-Emulationen der legendären 4000er-Konsolenfamilie und bündelt mehrere SSL-Farben in einer gemeinsamen Bedien- und Klangwelt. Quasi wie bei Boots: 3 for 2. Statt regulär dreimal 149 Euro werden einmalig 299 Euro fällig.
Alle drei Plug-ins modellieren unterschiedliche Schaltungsvarianten und gehen entsprechend verschieden mit Bauteilen wie Jensen-Eingangsübertragern, dbx-VCAs, Gain-Staging, EQ-Kurven sowie Input- und Output-Sättigung um.
Dazu kommen übergreifend moderne Funktionen wie Parallelkompression, Gain-Compensation beim Drive, flexible Signalfluss-Optionen, skalierbare GUIs, HQ-Oversampling und eine solide Preset-Verwaltung. Über das kostenlose SSL 360° lassen sich die Plug-ins zudem in den Übersichts-Mixer einbinden und mit SSL-Hardware wie UC1, UF8 und UF1 fernsteuern.
SSL 4K B: Früher, roher, körniger
Der 4K B orientiert sich am frühen und raren SL 4000 B-Pult und liefert knusprigen SSL-Sound mit viel nichtlinearem Charakter und feiner Preamp-Sättigung. Dazu gibt es ein pragmatisches Dual-Filter, den SSL-typischen 4-Band-EQ mit bis zu 15 dB Gain sowie gerasterte Kompressor- und Gate-Zeiten inklusive De-Esser-Funktion. Fertig ist die Laube. Checkt dazu auch den Test des 500er-Comps!



SSL 4K E: Der klassische SSL-Biss
Der aufbauende 4K E markiert in der SSL-Geschichte die wesentliche Weiterentwicklung – und für viele die klassische 4000er-Konsole. Berühmt ist vor allem für den bissigen SSL-Mitten-Sound, der Gitarrenmusik besonders gut schmeichelt.
Der wählbare EQ-Schnickschnack mit braunen, schwarzen oder gar orangen Kappen sorgt für die meiste Esoterik, ist aber technisch nicht ohne Grundlage: Dahinter stecken unterschiedliche EQ-Revisionen mit abweichenden Kurven und anderem Regelverhalten. Die Dynamics-Sektion ist ebenfalls flexibler geworden: mehr Zwischenwerte, mehr Range sowie wichtige Fast-Parameter für Attack und Release kommen hinzu.
SSL 4K G: Glatter und kontrollierter
Der 4K G klingt dagegen glatter, detailreicher und moderner – ideal für aufgeräumte Produktionen, Pop, Hip-Hop und den großen Hollywood-Schimmer.
Hier stehen der Black-242-EQ sowie der umschaltbare Pink-292-EQ zur Wahl. Letzterer bringt mehr Flexibilität in den Mitten und mehr Gain. Straffere Dynamics und eine regelbare Eingangsimpedanz runden das Paket ab.
SSL Channel Strip 2: Der neutrale 9000er-Gegenentwurf
Der SSL Channel Strip 2 gehört streng genommen nicht mehr zur 4000er-Familie, sondern zielt auf den Kanalzug der SSL XL 9000 K SuperAnalogue-Konsole – also auf den neutralsten SSL-Ansatz.
Hier geht es um die digitale Variante des sauberen, breitbandigen und kontrollierten SuperAnalogue-Sounds, auf dem auch spätere Duality-Generationen aufbauen.
Die berühmte VHD-Vorstufe ist im Native Channel Strip 2 allerdings nicht enthalten. Wer gezielte harmonische Sättigung sucht, ist hier falsch. Ganz ehrlich: Viele dieser Aufgaben erledigt ein guter grafischer DAW-EQ schneller und präziser.
4000er-Charakter vs. 9000er-Sauberkeit
Diese Grundunterscheidung wurde in den bonedo-Tests zum SSL Revival 4000 und zum SSL Super 9000 bereits deutlich:
Die 4000er-Welt steht für crunchy Mitten, Charakter und den erkennbaren „Record-Sound“, während die 9000er-Generation einfach mehr Bandbreite, Druck und Sauberkeit liefert – beim Hardware-Vorbild sogar zusätzlich mit köstlichem VHD-Feature.
Auf Plug-in-Ebene relativieren sich diese Unterschiede allerdings. Deshalb haben die älteren, charakterstärkeren 4000er-Modelle als Plugin hier klar die Nase vorn.










