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Yamaha S70 XS Test

Praxis

Controllereinheit
Für den schnellen Eingriff beim Spiel sorgt die umfangreiche Controllereinheit. Sie ist komplett links neben dem Display untergebracht und hat es echt in sich. Den vier Slidern sind sinnvolle Funktionen wie Lautstärke, Panorama, Chorus- und Reverb-Send pro Part zugeordnet. Auch die vier Encoder sind mit Funktionen belegt, die sich je nach Kategorieanwahl über die X/Y-Matrix verändern. Zusätzlich dazu sind zwei Encoder in der Kategorie „Tone“ auch frei belegbar. Damit lässt sich schnell auf alles Wesentliche zugreifen. Die Anwahl eines zu bearbeitenden Parts geschieht mit der oberen Reihe des 16-Taster-Blocks, mit der zweiten Reihe kann man Parts aktivieren/deaktivieren. Die Option, Parameterveränderungen jeweils auf alle (Common), auf einzelne oder auf kombinierte Parts zu beziehen (Part Select), vereinfacht das Soundschrauben zusätzlich. Sehr hilfreich für den Live-Einsatz: Die meisten Taster sind beleuchtet! Im Display werden während des Editierens immer die jeweils betroffenen Parameterwerte angezeigt. Orientierungslosigkeit hat Seltenheitscharakter beim S70 XS!

Arpeggiator
Die restlichen acht Taster des Tastenblocks bestimmen die Funktionen des Arpeggiators für jeden Part. Ein links versetzter On/Off-Taster aktiviert ihn, anschließend kann er für jeden Part einzeln angewählt werden. Die Hold Funktion bestimmt für jeden Part, ob er nach dem Loslassen der Taste aktiviert bleibt oder nicht. Der Arpeggiator des S70XS bietet sagenhafte 6779 verschieden Pattern. Da können schon ein paar Nächte ins Land gehen, bis man die alle kennengelernt hat. Aber auch die sind nach Kategorien geordnet, wodurch sich geeignete Pattern recht schnell finden lassen. Hier ist ein kleines Soundbeispiel, das den Arpeggiator im Einsatz zeigt. Selbstverständlich hat der User auch die Möglichkeit, eigene Arpeggio-Patterns zu kreieren.

Viele Funktionen helfen beim Auffinden bestimmter Sounds. So kann ich beispielsweise über die Category-Search-Funktion die Kategorie auswählen, in der ich meinen Sound suchen möchte. Diese Funktion steht in allen drei Spielmodi zur Verfügung und erleichtert besonders im Perform-Modus das Auffinden und Austauschen einzelner Voices in bestehenden Multisounds.

Audio Samples
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Arpeggiator

Mikrofonanschluss
Für den stimmlich begabten Tastateur hält der S70 XS einen Mikrofoneingang bereit, der auf der Rückseite des Instrumentes inform eines Combo-Anschlusses für Klinke und XLR zu finden ist. Damit kann man in den S70 XS “hineinsingen”, Gesang oder Sprache mit den internen Effekten versehen und über den Keyboardoutput wieder ausspielen. Das macht sogar ein Mischpult für kleinere Gigs überflüssig. Hall und Chorus können mit Hilfe der Matrix hinzugemischt werden.

Vocoder
Und noch ein weiteres Feature schlummert unter der Haube des S70 XS: ein „klassischer“ Vocoder. Es gelang mir zwar nicht auf Anhieb, aber wenn man weiß, wie es geht, kann man mit wenigen Handgriffen und einem dynamischen Mikrofon schnell die beliebten Roboterstimmen aus diesem Stagepiano-Synthesizer-Workstation herausholen. MicroKorg & Co. lassen grüßen.

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Hip Vocoder Japanese Vocoder

DAW Steuerung
Yamaha hat dem S70 XS eine DAW Funktionstaste spendiert, die es mir erlaubt, Funktionen meines Hostsequenzers wie Start, Stop, Fwd/Rew oder Rec vom S70 XS aus fernzusteuern. Unterstützt werden dabei die Sequenzer Cubase, Logic, Digital Performer und Sonar.

Software Editoren
Yamaha und Steinberg sind ja seit einiger Zeit unter einem Dach vereint und spendieren dem Cubase-Benutzer noch ein ganz besonderes Schmankerl: Man kann den S70 XS in Cubase wie ein Softwareinstrument öffnen und über das dort aufspringende GUI bedienen. Der S70 XS als „quasi DSP PlugIn“ also. Dies ist aber nur für Steinbergs VST3 Schnittstelle vorgesehen.

Aber auch Benutzer anderer DAWs kommen auf ihre Kosten. Mit der universellen Software „Studiomanager“ lässt sich der S70 XS von jedem Rechner aus bedienen. Diesen Software-Editor lässt man dafür einfach parallel neben seinem Hostsequenzer laufen.

Sounds/Voicemodus

Piano
Die Pianoklänge des S70 XS gefallen mir durch die Bank sehr gut. Sie sind typisch für die neueren Generationen von Yamaha, handelt es sich hierbei doch um ein digitales Abbild des großen akustischen S6 Konzertflügels aus eigenem Hause. Der Klang ist reichhaltig und aktiv. Durch zahlreiche unterschiedliche Preset-Variationen im Soundspeicher lässt sich der Sound sehr vielfältig in alle Live- und Studioproduktionen einbetten. Unangenehm fällt mir nur die klangliche Härte in den oberen Velocitystufen auf.

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Ballad Piano Piano Rock Full Grand Natural Piano

E-Piano
Eine echte Stärke sind auch die vielseitigen E-Pianoklänge. Hier ist für alle Gelegenheiten etwas zu finden, von 70ger Vintagesound bis hin zu 80ger Popballaden. Klar, dass ich auch die legendären DX-Sounds finde. Geschickt ist auch die Namensgebung, da diese in den seltensten Fällen auf die Originalinstrumente verweisen, sondern eher Auskunft über die Beschaffenheit des Sounds geben: zum Beispiel Chorus Hard, 80s boosted oder Neo Soul.

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Vintage 74 Vintage Phase R&B Soft Full Tine DX7 II Bell DX

Orgel
Der S70 XS erhebt keinen Anspruch darauf, ein Stage Piano mit einer Orgelsimulation zu sein. Aus diesem Grund besteht das Angebot an Orgelsounds auch aus zahlreichen unterschiedlichen, fest programmierten Presets, auf deren Soundstruktur man beim Live-Spiel nur begrenzten Zugriff hat. Auch Features wie Zugriegel oder Hammond-typische Strukturen sucht man vergebens. Auf das dreckige Hammond-Solo sollte der S70 XS Eigner also besser verzichten. Nichtsdestotrotz klingen die Orgelsounds passabel und sind für diverse Einsatzmöglichkeiten vollkommen ausreichend. Sobald aber ein Overdrive-Effekt zum Einsatz kommt, bin ich vom Sound enttäuscht, da er von einer originalen, echten Verzerrung weit entfernt ist. Da sind die Sounds für jazzige oder soulige Einsätze schon wesentlich besser geeignet!

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Crunchy Rock Organ Jazzy Jazzy Chorus

Strings
Sounds sind in der Regel Geschmackssache. Vor allem ist es wichtig, ein Händchen für den richtigen Sound am richtigen Platz zu haben. Der S70 XS bietet dem User auch in Sachen Stringsounds ein großes Angebot. Ich persönlich favorisiere unauffällige, breite Streichersounds, da das Sample von Naturinstrumenten im Ensemble noch am authentischsten klingt. Solostreicher gehen mir hingegen aufgrund der immer gleichen Samplewaves und des meist gleich einsetzenden Vibratos leicht auf den Keks, da der Instrumentalist eines Cellos beispielsweise den Einsatz und die Stärke des Vibratos ständig variiert. Es liegt aber leider irgendwie in der japanischen Tradition begründet, alles zu sampeln, auch wenn das Ergebnis nur plakativen Charakter besitzt. Das ist auch beim S70 SX der Fall.

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Solo Cello Solo Viola Strings Ensemble Big Strings Dynamic Bow

Pads
Synthetische Flächensounds, sogenannte „Pads“, sind in zahl- und variationsreicher Form an Bord des Yamaha S70 XS und klingen durchweg interessant und schön.

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Dark Modulation 5th Lite Simple Air Remote Space

Brass und Reeds
Für Bläser und Reedsounds gelten dieselben Gesetze. Ist der eine oder andere Ensemblesound noch für Bläserlinien und Bläser-Hits verwendbar, fallen sämtliche Solobläsersounds aus meinem geschmacklichen Rahmen. Sie sind einfach plakativ und klingen schnell nach billigem Alleinunterhalterkeyboard. Da können auch Effekte nicht mehr viel retten:

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Soprano Soft Velo Grow Legato Sax Section Classical Trumpet Brass Section Lots o’ Brass

Synth
In dieser Kategorie wird Yamaha dem eigentlichen Namen des Instrumentes „Music Synthesizer“ wieder voll gerecht. Der User wird mit vielen sehr gut klingenden und abwechslungsreichen Sounds versorgt:

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Space Lead Nu Mini Jazzy Chorus In da night

Drums
Beachtung sollten hier natürlich auch noch die sehr guten Drumsamples finden, von deren hervorragender Qualität man sich in vielen meiner Soundbeispiele überzeugen kann. 64 verschiedene Drumkits sorgen für ein großes Einsatzspektrum.

Sounds im Performmodus

Performmodus heißt der Multimode des S70 XS. Hier können sämtliche Sounds gelayert, gesplittet und mit Arpeggiatorpattern versehen werden. Der Gestaltungsdrang des Besitzers hat in diesem Modus freien Lauf. Die Presets bieten jedoch bereits eindrucksvolle Multisounds mit ausgewählten Layern, Drum- und Arpeggiopattern und eignen sich hervorragend als Grundlage für eigene Editierungen. Die vielseitigen Programmierungen regen den Musiker zu eigenen Kompositionen an und oft muss nur eine Voice ausgetauscht werden, um in den Genuss eines individuellen Ergebnisses zu kommen.

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Andy Lucia Film Noir Perf. Trio Electric Monkeys Jembrana

Die Arpeggio Select Funktion in der Matrix ermöglicht des Weiteren einen schnellen Wechsel zwischen verschiedenen, aufeinander abgestimmte Arpeggio-Pattern. Diese eignen sich besonders für Song-Layouts, den Auftritt als Alleinunterhalter oder für kleinere Ensemblebesetzungen. Im Live-Beispiel “What is he doing?” werden zusätzlich Cutoff- und Resonance-Parameter verändert.

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Free Fall 5th Lite What is he doing? Remote Space

Insgesamt stecken im Yamaha S70 XS sehr viele klangliche und gestalterische Möglichkeiten, die dem „Hybrid-Dasein“ des Instrumentes gerecht werden. Sowohl für das Spiel in einer Band als auch im Studio erweisen sich die nötigen Funktionen und Sounds als äußerst wandlungsfähig.

Effekte
Wie es sich für ein Instrument aus Fernost gehört, gibt es kaum einen Effekt, der im S70 XS fehlt. Ich vermisse jedenfalls nichts. Die Technologie ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass erfreulicherweise eine gewaltige Effekte-Anzahl zum Standardprogramm eines solchen Instruments gehört. So sind selbstverständlich die verschiedensten Effekte aus den Kategorien …

Reverb
Delay  
Tremolo
Chorus / Flanger
Phaser
Distortion

… in mono wie stereo an Bord. Aber auch speziellere Effekte wie…

„Digital Turntable“ mit Vinyl-Knistern,
Verfremdungsfilter wie “LoFi” und “Isolator”
Ring- und Tech-Modulator und
Harmonic-Enhancer

bietet die Effektsektion. Single- und Multibandkompressoren sowie Effekte wie „Pitch Change“ und „Talking Modulator“, die das eigehende Mikrofonsignal bearbeiten können, runden das Angebot ab.

Die Effekte im Einzelnen zu beschreiben, würde diesen Bericht sprengen. Deshalb möchte ich zusammenfassend sagen, dass die Qualität der Effektsektion mich auf ganzer Linie überzeugt, hier bleibt kein Wunsch offen! In der Matrix können Parameterwerte der ausgewählten Effekte beim Spiel verändert werden. So gestaltet sich die Arbeit mit dem EQ sehr effektiv. Zur Verfügung steht ein Band für Höhen, Mitten und Tiefen, zusätzlich kann ein Frequenzband für die Mitten verändert werden. Genauso schnell und einfach kann der Hallraum oder das Choruspreset verändert werden, sowie deren Send-Werte.

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