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Wren And Cuff Forest for the Trees Test

Das Wren and Cuff Forest for the Trees des US Boutique-Pedalhersteller kann man als wahr gewordene Wunschvorstellung eines Big Muff Fuzz-Fans betrachten. Sage und schreibe 23 Parameter können unabhängig voneinander geschaltet werden, sodass sich zumindest mathematisch Millionen von Möglichkeiten ergeben. Realisiert werden diese über drei Kipp- und 20 kleine DIP-Schalter, die laut Hersteller nostalgische Gefühle und Erinnerungen an die Bedienung des „most famous analog amp modeler“ wecken sollen, womit wohl der legendäre SansAmp gemeint ist.

Wren And Cuff Forest for the Trees Test

Beim Forest For The Trees handelt es sich um den Nachfolger des De La Riva, das nicht mehr hergestellt wird und sich dem Klang eines der berühmtesten Zerrpedale überhaupt widmet, dem Big Muff. Auch wenn beim Schalten auf dem „Mäuseklavier“ Fingerspitzengefühl gefragt ist, kann die Suche nach Sounds auf diese Art und Weise eine Menge Spaß machen. Klar, dass der in unserem Fall nicht zum Schnäppchenpreis zu haben ist. Aber ist das Pedal die immerhin mehr als 300 Euro auch wert? Und braucht man überhaupt all diese Schaltoptionen? Genau das soll dieser Test herausfinden!

2006 gab Matthew Holl seinem Hobby einen Namen und fertigte neben seinem regulären Job Gitarren- und Basseffekte. Wren and Cuff nannte er seine Pedalmanufaktur, die so erfolgreich startete, dass er sich schon ein Jahr später voll und ganz der Herstellung und Entwicklung hochwertiger Effektpedale widmen konnte.

Schaut man sich auf der Herstellerwebsite um, fällt auf, dass der überwiegende Teil der liebevoll gestalteten Pedale zur zerrenden Fraktion gehört, wie auch unser heutiges Testpedal mit dem klangvollen Namen Forest For The Trees. Darüber, ob die gleichnamigen Songs von Huey Lewis oder anderen Künstlern als Inspiration dienten, kann nur spekuliert werden, vermutlich aber nicht. Eher soll damit wohl auf die schier unendliche Menge an Möglichkeiten hingewiesen werden, was auch die passende deutsche Redewendung bildhaft ausdrückt, wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht.

Zurück zum Pedal, denn das hat es faustdick unter der Haube!

Fotostrecke: 3 Bilder Das Wren And Cuff Forest for the Trees kann sich getrost als das Chameleon unter den Overdrive-Pedalen bezeichnen.
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Wie üblich wird unser Kandidat in einem Karton geliefert, in dem sich auch vier Gummifüßchen und ein kleiner Bleistift befinden, mit dem sich neben dem Aufzeichnen von Notizen auch die DIP-Schalter auf der Oberseite bewegen lassen. Dazu später mehr im Laufe unseres Rundgangs um das tadellos schwarz lackierte Metallgehäuse mit den Abmessungen von 118 x 100 x 57 mm (L x B x H) und 382 Gramm Gewicht.

Der 9-Volt-Netzteilanschluss befindet sich an der Stirnseite und erlaubt den Anschluss eines Standard 2,1 mm Hohlsteckers mit dem Minuspol am Mittelkontakt, wie man in von den allermeisten Pedalnetzteilen kennt. Batteriebetrieb ist nicht vorgesehen.

Gefertigt wird das Zerrpedal in den USA auf sehr hohem Niveau, was man schon beim Betätigen der drei Potis bemerkt, die allesamt genau den richtigen Widerstand besitzen und so das “Löffel im Honigglas“-Feeling hinterlassen. Bei den drei Reglern handelt es sich um Volume (reguliert die Lautstärke), Tone (regelt die Bandbreite der passiven Mittenfrequenz) und Distortion (nun ja …).

Aktiviert wird das Pedal wie gewohnt mit einem Fußschalter, der das BM20-Ultra, so die Typenbezeichnung unseres Pedals, aus seinem True-Bypass weckt. Damit wird das eingehende Signal im deaktivierten Zustand direkt an den Ausgang geleitet. Beim Fußschalter handelt es sich um eine hochwertige 3PDT-Version.

Fotostrecke: 6 Bilder An der rechten Gehäuseseite sitzt die Inputbuchse, an die die Gitarre angeschlossen wird.
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Wie viele Pedalhersteller ist auch Mr. Holl ein Fan der Big Muff-Pedale, die üblicherweise Siliziumtransistoren besitzen. Unser Testpedal kann aber auch mit Germaniumtransistoren aufwarten, wobei gleich zwei Kippschalter mit der Bezeichnung Trans Select 1 und Trans Select 2 neben dem Fußschalter die Wahl zwischen beiden Varianten anbieten. Ich werde die klanglichen Auswirkungen im Praxisteil natürlich genauer untersuchen!

Ein weiterer Kippschalter mit dem Namen Tone Bypass umgeht die passive Klangregelung in der Schaltung.

Die DIP-Schalter ermöglichen folgende Möglichkeiten:

  • Input Gain

Bezieht sich auf den Widerstand der Schaltungsstufe 1, der die Stärke des dort anliegenden Eingangssignals bestimmt und simuliert den Effekt des Zurückdrehens der Lautstärke auf dem Instrument.

  • Input Lows

Bestimmt, wie viel Low-End anfänglich in die Schaltung gespeist wird. Wirkt sich stark auf die Kompaktheit des Klangs und auf das Spielgefühl aus.

  • Lows 2

Nach dieser ersten Stufe werden die tiefen Frequenzen zur Stufe 2 geleitet.

  • Gain-Sweep

Entscheidet, ob die erste Stufe clippen soll oder nicht. Steht der Schalter auf “ON“, geht das Pedal auf traditionelle Weise ans Werk.

Stage 2 besitzt eine Begrenzung, die mehr Verzerrung, aber weniger Output liefert. Das sorgt für einen eher traditionellen Overdrive Sound. Je nach Schalterstellung ändert sich auch der Zerrgehalt.

  • 2nd Stage Depth

Im Grunde wie beim Input Lows-Schalter, verändert die Tightness aber auf eine andere Weise.

Fotostrecke: 3 Bilder Neben den Potis und Schaltern auf der Oberseite des Pedals…
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  • 2nd Stage Input

Verändert die Signalstärke, die in die nächste Clipping-Stufe geführt wird. Im Grunde wie zwei Distortion-Pedale, die hintereinander geschaltet werden, wobei das erste mit dem Output-Regler den Input des folgenden Pedals mehr oder weniger anfährt.

  • Clipping Range

Bestimmt, wie viel Low-End in die Clipping-Sektion geführt wird.

  • Head Room

Wird vom Hersteller nicht weiter erklärt, den Effekt soll man sich einfach mal anhören – wird gemacht! Die Bezeichnung lässt aber erahnen, worum es geht.

  • Clean Gain

Hier wird der BIAS des 2nd Stage-Transistors eingestellt. Variiert, je nachdem, welchen Transistor man gerade aktiviert hat.

  • 3rd Stage Input

Verändert die Stärke des Signals, das in die nächste Clipping-Stufe geführt wird

  • Add Germanium

Aktiviert eine Germaniumdiode (nicht Transistor) in der zweiten Gain-Sektion, was für asymmetrisches Clipping sorgt.

  • 3rd Stage Depth 2

Ermöglicht ein weitergehendes Einstellen der dritten Clipping-Stufe. Hier werden hauptsächlich die tiefen Frequenzen durchgeleitet.

  • Headroom 2

Hier wird der Output der dritten Stufe verändert.

  • Clean Gain 2

Stellt den BIAS des Transistors der dritten Stufe ein. Verändert sich je nach verwendeter Variante.

  • Tone Configure

Die Tone-Sektion aller Muff-Pedale besitzt einen beweglichen passiven “Notch“, der den EQ des Pedals beeinflusst, was wiederum für den bekannten Midrange-Scoop sorgt. Die vier Schalter verändern die Arbeitsweise des verbauten Tone-Reglers und wie der Mitten-“Notch“ den Klang beeinflussen soll. Spannend wird es natürlich im Praxisteil, denn dort geht es darum, wie sie sich im Klang bemerkbar machen.

Aus dem Karton repräsentiert das Pedal die Schaltung eines “Triangle Knob“-Muff aus den 70er-Jahren. Auf der Herstellerwebsite steht eine sehr ausführlich geschriebene Bedienungsanleitung bereit, die auch ein Template zur Verfügung stellt, das man ausdrucken kann, um die eigenen Einstellungen festzuhalten. Denn wer kann sich schon all die Schalterstellungen merken?!!

Das in den USA gefertigte Pedal gibt keinerlei Anlass zur Kritik, womit wir dann auch schon im Praxisteil angelangt wären.

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Profilbild von roseblood

roseblood sagt:

#1 - 08.07.2022 um 09:04 Uhr

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Das WÄRE für viele spannend, wenn ein Schaltplan dabei wäre, um die Änderungen nachzuvollziehen. Bloß ist ständiges Schalten an den kleinen Dingern nicht praktikabel, dafür sind diese Bauteile auch nicht gedacht, zudem verdrecken sie schnell. Aber man kann lernen, wo die interessanten Varianten liegen: a) Eingangspegel kontrollieren. Am einfachsten per Volume an der Gitarre, dazu ist ein „treble bleed“ Kondensator ein sehr hilfreicher Mod, für 10 Cent b) Höhen kontrollieren, für den „Woman Tone“ à la Clapton, auch das am besten per Tone Poti an der Gitarre. Ein kleinerer Kondensator (10-15nF für SC's) ist dabei hilfreich, sonst wird es zu dunkel. Nochmal 10 Cent. c) Bässe vor der Zerre senken. Das ist für viele Zerrer sinnvoll. Deswegen wieder in der Gitarre: Ein Tone Poti opfern, das verbliebene zum Master Tone machen, oder, tricky, nur dem Hals-PU zuordnen, dann kann man direkt auf einen ganz anderen Sound am Steg umsteigen. Master Bass Poti einbauen, Kosten etwa 3€. d) Kontrolle über das „Mittenloch“ des Big Muff. Ein Bypass-Schalter für den Toneregler schafft flache Mitten, für ca 2€. So erreicht man 90€ der klanglich relevanten Optionen dieses Boutique Pedals mit einem Standard Big Muff, für 5€, und hat darauf beim Spielen Zugriff. Wenn Platz ist, würde ich den Drehschalter aus dem BYOC Large Beaver einbauen: abgesenkte Mitten wie im Original, flache Mitten, angehobene Mitten und Tone Bypass.

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