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the box CL 108/115 MkII Power Bundle Test

Praxis

Der Aufbau des Aktiv-PA-Systems the box CL 108/115 MkII Power Bundle dauert nur wenige Minuten. Für meinen Praxistest schließe ich obendrein einen kleinen Mixer an und fahre die Anlage zunächst einmal im „DJ-Modus” an. Es soll also Musik aus der Konserve gespielt werden, und das Power Bundle soll zeigen, was an „Power“ in ihm steckt. Die musikalische Bandbreite reicht von Pop über Rock und Metal bis hin zu Elektro und House. Los geht’s, und ich drehe die Potis für den Main- und Sub-Level auf der Rückseite der Subwoofer auf rechts unten (voll auf). Den Phasenschalter lasse ich in der Null-Grad-Stellung. Bei den Topteilen wähle ich die Schiebeschalterstellung „0 dB“. Die Abstimmung der Tops auf die Subs gefällt mir gut. Das System klingt recht ausgewogen und nervt im harten Mittenbereich nicht mit übertriebenen Frequenzen. Der Hochtonbereich wird durch das 1-Zoll-Horn sauber wiedergegeben und suggeriert wie der Mittenbereich eine ordentliche Tiefenstaffelung und Transparenz.
Im Bass geht es mächtig zur Sache, hier liegt definitiv der Schwerpunkt des Systems. Die aktiven „15er“ lassen es ordentlich krachen und können mit einem „großvolumigen” Sound punkten. Im Sub steckt auf jeden Fall ordentlich Power, und jeder Freund von Elektromusik sollte damit auf seine Kosten kommen. Aber auch bei Rock- und Popmusik macht es Spaß, mit der Anlage zu arbeiten. Stimmen werden gut abgebildet und auch dichtere Instrumenten-Arrangements oder Gitarrenwände drohen einen nicht im negativen Sinne zu überrollen. Die Komponenten sind gut aufeinander abgestimmt und gewährleisten eine gute „Durchhörbarkeit“ gepaart mit einem angenehmen Frequenzgang.
Nun betätige ich an beiden Topteilen den Schalter „+3 dB“. Unverzüglich wird das ganze Klangbild etwas präsenter. Ich schiebe den Schalter wieder zurück und drehe das Sub-Level-Poti ein wenig herunter. Hier scheint sich ein ähnlicher Eindruck einzustellen. Ich vermag nicht genau zu sagen, wo oder ob es einen Unterschied gibt. Es bleibt also dem eigenen Geschmack oder der gerade vorherrschenden technischen Situation überlassen, welchen Weg man gehen möchte. Nun betätige ich noch einmal an beiden Bässen den Phasenschalter (180 Grad) und sofort geht der Bassbereich etwas in den Hintergrund, was für mich das Zeichen ist, dass die vorherige Position die richtige und bessere war. So soll es sein.
Als Nächstes fahre ich die Anlage an ihre Grenze, um zu hören, wie die Limiter arbeiten. Bei hoher Lautstärke beginnt das rechte Topteil, stark zu verzerren. Es klingt dabei nicht weich analog, sondern eher nach einer harten, ja fast schon digitalen Verzerrung, die bei einer weiteren Anhebung der Lautstärke Signalaussetzer zur Folge hat. Also fahre ich wieder etwas zurück und suche mir eine geeignete Position, aus der ich die Limiter-LEDs beobachten kann. Ich wiederhole den Vorgang und schiebe den Masterfader stetig weiter gen Norden, mit dem Ergebnis, dass die Box tatsächlich schon bei hoher Lautstärke zu zerren beginnt, bevor die Limiter-LEDs aufleuchten. Am Ende vernehme ich dann bei deutlich arbeitendem Limiter Signalaussetzer. Dies ist insofern merkwürdig, als dass das linke Topteil anfangs nur recht sanft verzerrt, dort das Lämpchen allerdings gar nicht anspringt, auch wenn ich die linke Seite so laut fahre, bis der Sound aussetzt.    

Fotostrecke: 3 Bilder Der NL4-Port und der Boost-Schalter der CL 108 MkII.
Fotostrecke

Ich vermute zunächst einen Defekt in meiner Verkabelung und tausche alles (inklusive Mischpult) aus. Das Phänomen bleibt das Gleiche. Okay, dann tausche ich mal an den Subs den Eingang und Ausgang zu den Tops. Beim Erhöhen der Lautstärke gehen beide Topteile erst sanft, dann härter in die Verzerrung, bis das Signal von Dropouts begleitet wird. Ein Effekt, den ich erwartet habe. Das Verhalten von links und rechts ist nun immerhin identisch, doch die Limiter-LEDs springen auf beiden Seiten nicht mehr an. Hat das vielleicht etwas mit Fertigungstoleranzen zu tun? Schwierig zu beantworten. Für mich steht somit aber fest: Finger weg vom Grenzbereich, denn bis dahin ist alles wunderbar.
Dies behalte ich auch im Hinterkopf, als eine Bandprobe ins Haus steht und die Anlage als Monitoring für den Proberaum eingesetzt werden soll. Es werden sämtliche Signale (Bass-Drum, Snare, Toms, Bass DI, zweimal E-Gitarre, Akustikgitarre, Keyboard und dreimal Gesang) über einen Mixer in das PA-System gespeist und der Band als Monitoring zugespielt. Die Musikanten sind begeistert vom Sound und vor allem von der Bassgewalt, die die beiden CL 115 MkII zur Verfügung stellen. Meine Ansage, dass dieses System nur 869 Euro kostet, hält die Band zunächst für einen Witz, denn es ist kaum zu glauben (und alle scheinen sichtlich beeindruckt von der Tatsache), dass so eine Aktiv-PA für einen derart niedrigen Preis zu haben ist. Nicht minder beeindruckt ist selbstverständlich auch der Tester.
Natürlich ist, was die Impulstreue, Gesamtlautstärke und Transparenz angeht, noch ein wenig Luft nach oben offen. Genauso findet man bei teureren Systemen eventuell eine Bluetooth-Fernsteuerung, ein regelbares Hochpass zu den Satelliten, kleine integrierte Mixer oder mehr Endstufen-Power, doch das Preis/Leistungs-Verhältnis ist beim „the box CL 108/115 MkII Power Bundle“ absolut stimmig. Das unterschiedliche Verhalten im Grenzbereich der beiden Seiten zueinander und das suboptimale Arbeiten der Limiter und deren Anzeige buche ich hier mal unter Fertigungstoleranzen ein. Das kann bei Großserienproduktion schon einmal vorkommen. Es ist außerdem nicht das erste Mal, dass ich so etwas erlebe, und es ist mir auch schon mit ganz anderem teureren Studioequipment passiert, ergo soll dies meinen Testbericht nicht weiter beeinflussen. Ziehen wir also Bilanz.

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