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TC Electronic RH450, RS210 und RS212 Test

Praxis

Anschalten und Ruhe! In diesem Fall ist es durchaus positiv zu bewerten, dass direkt nach dem Einschalten schon etwas fehlt, was man nicht unbedingt vermisst: das Rauschen.
Bassisten sind wie du und ich und mögen es wie die meisten Menschen möglichst unkompliziert. Deshalb werden die Mehrheit von ihnen auch hier begeistert sein, denn der eingestöpselte Bass klingt ohne Dreh an irgendeinem Knopf schon linear absolut brauchbar.

Die Eingangsempfindlichkeit ist ruckzuck eingestellt: Während man Leersaiten spielt und einen Maximalpegel liefert, dreht man den Gainregler so lange nach rechts, bis die Clip-LED aufleuchtet. Dann kann man sich bereits dem Gesamtsound widmen. Der wird bestimmt durch die 4-Band-Klangregelung, den integrierten Kompressor und den Tubesound-Regler. Alles läuft dabei absolut intuitiv ab. Das Ohr hat also unabgelenkt stets die Möglichkeit, direkt zu entscheiden, was gewollt ist. Ist ein Sound gefunden, so kann er ganz einfach auf einem der drei Memory-Speicherplätze abgelegt werden, indem man den anvisierten Memoryknopf für etwa zwei Sekunden drückt. Durch einfaches Betätigen einer der drei Memory-Knöpfe werden die dort abgelegten Sounds wieder abgerufen. Hat man die Shifttaste gedrückt und nimmt keine weiteren Veränderungen vor, so kehrt der Verstärker automatisch nach 20 Sekunden in den Normalmodus zurück.

TC Front von oben

Gehen wir nun etwas mehr ins Detail. Zunächst hören wir einen passiven Jazzbass in einem Mischverhältnis aus vier Signalen, die Klangregelung bleibt hierbei linear:
1)    DI
2)    Raum Mikro
3)    RS210 mit Shure SM57 Mikro
4)    RS212 mit Shure SM57 Mikro

Audio Samples
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Beispiel 2: Passiv, All Signals

Nun alle Signalquellen einzeln:

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Beispiel 2 Line Beispiel 2 Room

In den nächsten beiden Beispielen hört wir einen aktiven Bass, in diesem Fall einen Gibson RD Artist. Kristallklar bringt der RH450 alle Noten gleichmäßig hervor, die Höhenstruktur des Aktivsounds bleibt voll erhalten, obwohl die Höhen am Verstärker nicht angehoben wurden. Trotz der Klarheit wirkt der Sound nicht steril.

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Beispiel 3 Aktiv Beispiel 4 Aktiv

Das folgende Beispiel zeigt nun drei unterschiedliche passive Bässe (Jazzbass), die über den RH450 mit beiden Boxen eingespielt wurden. Zwischendurch setzt ein Slap-Bass ein. Hier wurden die oberen Mitten bei 800 Hz abgesenkt und der Spectracomp™ kam zum Einsatz.

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Beispiel 5 Passiv

Der Spectracomp™ ist ein Multibandkompressor, der im Gegensatz zu herkömmlichen Kompressoren, die das Gesamtsignal über die komplette Frequenzbreite beeinflussen, frequenzabhängig arbeitet. Das heißt, tiefe Töne auf der H- oder E-Saite werden stärker komprimiert als hohe Töne auf der D- oder G-Saite – daraus resultiert eine ausgewogenere Kompression. Bislang konnten mich eingebaute Kompressoren in Bassverstärkern und Bassvorstufen nicht wirklich beeindrucken. Stets hatte ich das Gefühl, der Sound würde eher verlieren als zu gewinnen. Man sollte natürlich nicht von einem Kompressor, der lediglich ein Zusatzfeature in einer Bassvorstufe ist, Qualitäten erwarten, die ein Studiokompressor in der Preisklasse von mehreren Tausend Euro leistet. Beim integrierten Spectracomp™ im TC RH450 verhält sich das allerdings tatsächlich etwas anders. Zum ersten Mal erlebe ich einen Onboard-Kompressor, der nicht pumpt, der den Sound nicht schmälert und nicht unmusikalisch klingt. Zudem verfügt der Spectracomp™ über eine gut justierte automatische Gain-Kompensation. Normalerweise reduziert sich der Ausgangslevel, wenn man einen integrierten Kompressor in den Signalweg regelt. Diesen Verlust muss man in der Mastersektion des Verstärkers wieder aufholen, denn keiner der integrierten Kompressoren verfügt über eine Vollausstattung mit regelbaren Parametern wie Threshold, Attackzeit, Releasezeit und Gain-Makeup. Deshalb ist bei solchen integrierten Lösungen oft nur ein bescheidener Kompromiss das Ergebnis, der nicht selten damit endet, dass man den Kompressor lieber gleich ausgeschaltet lässt. Da der Spectracomp™ beim Hinzuregeln den Levelverlust kontinuierlich ausgleicht und für einen stabilen Pegel sorgt, kann man sehr gut die Wirkung der Kompression beurteilen.

Der "Kleine" ist bestens ausgestattet
Der “Kleine” ist bestens ausgestattet

Im nächsten Beispiel hört man noch einmal deutlicher, wie unauffällig und doch wirksam der Spectracomp™ arbeitet.

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Beispiel 6 Compressed Slap

Der nächste Punkt auf der Liste ist das integrierte Feature „Tubetone™“. Fast schon zwanghaft wirkt es heutzutage, dass in jeden Transistorverstärker eine Röhrensimulation gehören muss oder der Vorstufe gleich eine Röhre eingepflanzt wird – oft genug mit zweifelhaftem Ergebnis. Den wenigsten gelingt es dabei, auch nur annähernd an den Sound eines Vollröhrenverstärkers heranzukommen. Ein Grund dafür ist, dass die meisten Simulationen lediglich vor der Klangregelung ansetzen, aber ein echter Vollröhrenamp im Sound nicht unwesentlich von der Klangregelung selbst sowie deren Auswirkungen auf die Endstufenperformance beeinflusst wird. Genau diesen Prozess hat man versucht, beim TC RH450 nachzuempfinden und ich muss zugeben, dass das Ergebnis absolut überzeugend klingt. Man hat nie das Gefühl, einer billigen Simulation auf den Leim zu gehen, sondern hört deutlich die Zunahme an angenehmen Obertönen und harmonischer Verzerrung, im Extrem bis zu hörbaren Verzerrungen, die auch im Bassbereich gerne eingesetzt werden.

Im folgenden Audiobeispiel hört man deutlich den rockigen Röhrencharakter, eingespielt mit einem passiven Jazzbass auf dem Halstonabnehmer.

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Beispiel 7 Tube Rock

Da durch die unterschiedlichen Regelkomponenten EQ, Kompressor und Tube-Simulation Pegelunterschiede zwischen den drei speicherbaren Presets entstehen können, die man nicht über den Input-Gainregler ausgleichen möchte, gibt es im Shiftmodus als Sekundärfunktion des Spectracomp™-Reglers die Funktion „Preset Level“. Hier lassen sich die Presetlautstärken aufeinander abstimmen und abspeichern.

Zuguterletzt widmen wir uns einem nicht unwesentlichen Faktor: Was gibt die Anlage nun her? Die Angabe von 450 Watt mutet nicht gerade leise an, aber auch nicht extrem laut. Hier sind wird dann auch ganz schnell wieder bei der allseits beliebten Frage nach dem subjektiven Lautstärkeempfinden und den obskuren Wattangaben der Hersteller, wo schon mal ein 200-Watt-Röhrenverstärker lauter erscheint als ein 1400-Watt-Transistorverstärker. TC Electronic hat sich auch diesem Phänomen gewidmet und geforscht. Dabei ist man mit dem TC Active Power Management™ angeblich der Lösung nahe gekommen. Transistorverstärker erzeugen üblicherweise im Clippingbereich eine unangenehme Verzerrung, die vor allem im dynamischen Anfangsbereich eines Bass-Signals auftritt, dem sogenannten Peaklevel. Um diese unangenehmen Zerrungen zu vermeiden, muss die Gesamtleistung der Transistorendstufe sehr hoch angesetzt werden. Das menschliche Lautstärkeempfinden orientiert sich jedoch mehr an der Ausklingphase eines Bass-Signals als an der Peak-Anfangsphase. Röhrenverstärker komprimieren im Sättigungsbereich das Anfangssignal auf sehr harmonische Weise nach unten, wirken aber in der Ausklingphase dafür um so lauter. Der Grund liegt darin, dass sie dafür genau so viel Energie brauchen wie ein Transistorverstärker, der aber einen großen Teil seiner Leistung lediglich für die klare Wiedergabe des Peaksignals benötigt. Der TC RH450 verhält sich nahe dem Clippingbereich aufgrund seiner Schaltung jedoch nicht wie ein Transistorverstärker, sondern verarbeitet das Signal, wie es ein Röhrenverstärker tun würde. Das Resultat ist eine wesentlich effektivere Leistungsausnutzung und ein subjektiv höheres Lautstärkeempfinden.

Wie auch immer, der Zwerg ist in der Tat unglaublich laut, ohne jemals spürbar in unangenehmes Clipping zu fahren, und darum geht es auf den Bühnen dieser Welt.

Kommentieren
Profilbild von Robert Lindmaier

Robert Lindmaier sagt:

#1 - 17.07.2015 um 05:17 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Eines verstehe ich nicht: Wenn der Amp min. 4 Ohm LS-Last verlangt, wieso kann man 3 x 8 Ohm anschließen? Das ergibt doch rund 2,7 Ohm ...

    Profilbild von Oliver (Bonedo Red. Bass)

    Oliver (Bonedo Red. Bass) sagt:

    #1.1 - 17.07.2015 um 18:51 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Gute Frage Robert !
    Transistoramps verhalten sich bezüglich Impedanzanpassung toleranter als Röhrenverstärker. Der RH 450 kann auch bis 2,7 Ohm betrieben werden. Der Grund warum TC Electronic in den Spezifikationen 4 Ohm als minimale Impedanz angiebt betrifft die Betriebssicherheit, auch bei der Verwendung mit Boxen anderer Hersteller.Die Impedanz von Lautsprechern ist nicht durchgehend konstant, sondern fluktuiert durch Faktoren wie Frequenzen und Eigenresonanz während der Wiedergabe. Auch die Boxenbauweise übt einen Einfluss aus (weil sie wiederum das Lautsprecherverhalten beeinflusst). Die Betriebssicherheit, bzw. Konstantheit des Betriebs des RH450 ist mit drei TC Boxen von TC Electronic getestet und daher auch gewährleistet. Bei anderen Boxen besteht die theoretische Möglichkeit, dass die Impedanz bei drei parallel geschalteten 8 Ohm Boxen während der Belastung noch weiter und länger unter 2,7 Ohm fallen könnte. Auch dadurch würde der Amp keinen Schaden nehmen, aber die Schutzschaltung könnte häufig einsetzen und das würde den Betrieb faktisch behindern oder sogar nutzlos machen.Liebe GrüsseOliver - BONEDO Red. Bass

    Antwort auf #1 von Robert Lindmaier

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