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Studie: Ohrwürmer führen zu Schlafstörungen

© Ben White
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So lief die Studie ab 

Die Studie von Scullin und Forschern aus Texas hatte im methodischen Teil eine Umfrage mit 209 Teilnehmern und einen experimentellen Teil mit 50 Probanden im Schlaflabor. Bei der Umfrage wurden den Partizipanten eine Reihe von Fragen über Schlafqualität, Hörgewohnheiten und Ohrwürmern gestellt. Zum Beispiel wie regelmäßig Ohrwürmer beim Einschlafen, beim Aufwachen mitten in der Nacht und am nächsten Morgen auftauchen.
Beim experimentellen Teil wurden 50 Studienteilnehmer in ein Schlaflabor eingeladen. Dort versuchten die Forscher den Probanden Ohrwürmer einzuspielen. Die ausgewählten Lieder waren dabei – Don’t Stop Believin. Nachdem die Teilnehmer sich ins Land der Träume verabschiedeten, wurden die Polysomnographie bei ihnen angewandt. Das ist ein diagnostisches Verfahren zur Messung physiologischer Funktionen und gilt als das beste Verfahren für Messungen im Schlaf. Dabei wurden Hinströme (mittels EEG), Herzfrequenz und Atmung gemessen. 
Vor dem Schlafengehen wurde die drei Lieder den Probanden vorgespielt. Dabei wurde manchmal die Version mit Lyrics und manchmal nur die Instrumental-Version abgespielt. Dann wurden die Teilnehmer vor dem Einschlafen bzw. nach dem Aufwachen gefragt, ob sie einen Ohrwurm haben.  

Ohrwürmer haben negative Auswirkungen auf den Schlaf 

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass bei Personen die regelmäßig Ohrwürmer haben (mindestens einmal pro Woche) die Wahrscheinlichkeit eine schlechtere Schlafqualität zu haben sechsmal höher ist als bei Personen ohne Ohrwürmer. Dabei führten die Instrumental-Versionen von Liedern doppelt so oft zu Ohrwürmern wie Songs mit Lyrics. Durch das EEG konnten die Forscher erkennen, dass bei der langsamen Oszillation, bei der die Erlebnisse vom Tag ins Langzeitgedächtnis übertragen werden, der primäre auditorische Cortex besonders aktiv war. Das ist die Region im Gehirn, die im Wachzustand für Ohrwürmer aktiv wird. 
Scullin war überrascht, dass viele Testpersonen mit Ohrwürmern während der Nacht aufgewacht sind. Die Forscher rund um ihn dachten anfangs nur, dass es zu größeren Problemen beim Einschlafen kommen könnte. Die Studienergebnisse lassen auch darauf schließen, dass Personen die häufig Musik hören viel leichter einen Ohrwurm bekommen. 
Die Ergebnisse stehen im Widerspruch zu anderen Studien und Empfehlungen von Gesundheitsorganisationen. Demnach kann Musik einen hypnotischen Effekt haben und zum leichteren Einschlafen führen. Was Scullin aber definitiv zeigen konnte ist, dass unser Gehirn auch im schlafenden Zustand Musik weiter verarbeitet.

Wie kommt es überhaupt zu Ohrwürmern?

Eine allgemein anerkannte Formel gibt es hier nicht. Es wird sogar geschätzt, dass 10% der Menschen überhaupt keine Ohrwürmer bekommen. Studien haben allerdings herausgefunden, bei welchen Bedingungen Ohrwürmer am besten gedeihen können. Wenn wir in einem entspannten Setting oder müde sind, gibt es im Gehirn mehr Leerraum. Dieser Platz kann durch Musik gefüllt werden. Außerdem sind gängige Melodien, die sich bestenfalls auch noch öfter wiederholen, gutes Material für einen Ohrwurm. Es gutes Beispiel ist hier ‘Last Christmas’ von Wham!. Weiters fördert Musik, die einen emotional berührt, ebenso die Entstehung eines Ohrwurms. Durch Assoziationen mit der Musik verstärkt sich die Verbindung mit dem Gehirn. Ein Metal-Fan wird daher eher von ‘Master of Puppets’ einen Ohrwurm bekommen als durch ‘Waka Waka’.

Und wie wird man Ohrwürmer wieder los?

Ein Patentrezept gibt es nicht, aber es gibt mehrere Methoden. Ein Grund für die Entstehung von Ohrwürmern ist, dass das Gehirn eine Melodie zu Ende denken möchte. Wenn das Lied aber immer nur bis zu einer Stelle wiederholt wird oder nur ein Refrain gehört wird, kann es den Song nicht abschließen. Daher hilft es den Song bis zum Ende zu hören (bestenfalls im Kopf) und auch laut mitzusingen. Weitere Tipps sind Kaugummi kauen oder sich schlicht ablenken – mit anderer Musik oder einer ganz anderen Tätigkeit die das Gehirn zum Schwingen bringt. 
HIER geht es zur Studie!

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von Mathias Walter

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