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5 verrückte Sachen, die Musik mit unserem Gehirn macht

1. Musik kann Erinnerungen zurückbringen

Mit der Hilfe von Musik lassen sich alte Erinnerungen wieder ins Gedächtnis rufen. Viele Forscher sind daher der Ansicht, dass Musik als Behandlung für Menschen mit Gedächtnisproblemen Sinn macht. In einer Studie aus dem Jahr 2013 nahmen Personen mit einem Schädel-Hirn-Trauma teil. Dabei wurden ihnen Hits aus den verschiedenen Lebensabschnitten der Probanden vorgespielt. Tatsächlich waren die Erinnerungen stärker, als wenn ein Interview über die Vergangenheit mit Psychologen durchgeführt wurde. Weitere Untersuchungen in dem Bereich kommen zu dem Schluss, dass Menschen mit schweren Gedächtnisproblemen, als Folge von Alzheimer oder Demenz, durch Musik intensiv stimuliert werden können. Das Gedächtnis wird dabei so stark angeregt, dass Experten das mit einem “Aufwecken” eines bewusstlosen Patienten verglichen haben. In diesem Video sieht man schön, wie ein Alzheimer-Patient Musik aus seiner Ära hört und eine große emotionale Verbindung zur Vergangenheit aufbaut. 

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2. Musik aktiviert unser Lustzentrum

Sex, Drugs und Rock ‘n’ Roll haben laut einer Studie, welche im Journal ‘scientific report’ veröffentlicht wurde, mehr gemeinsam als ohnehin angenommen. Denn all diese Bereiche stimulieren die Opioid Rezeptoren in unserem Gehirn auf ähnliche Art und Weise. In der Studie der McGill University haben die Probanden den Arzneistoff Naltrexon bekommen, der die Opioidrezeptoren bindet und die Aktivität von Opiaten unterdrückt. Danach sollten sie ihre Lieblingsmusik hören. Am zweiten Tag wurde ihnen ein Placebo verabreicht und sie sollten anschließend wieder ihre Lieblingsmusik anhören. Die Forscher fanden heraus, dass nach der Einnahme von Naltrexon die Lieblingslieder nicht mehr genussvoll waren. Stattdessen spürten sie kaum eine emotionale Regung, obwohl die Musik weiterhin gut geklungen habe. Bei Musik zu der die Probanden keine starken Gefühle hatten, änderte sich bei der Einnahme der Arznei nichts. Die Forscher kamen daher zum Schluss, dass die Opioidrezeptoren beim Genuss von Musik eine bedeutende Rolle spielen. Ähnlich wie bei (vielen) Drogen und Sex.  

3. Hintergrundmusik in Geschäften fördert Kaufverhalten

Jeder kennt es. Man geht in ein Einkaufszentrum, auf der einen Seite springen kleine Kinder umher, aus der Ecke kommt der Duft des veganen Döners und die TV-Screens am Schaufenster spielen immer die selben 10 Sekunden Loops der Sneaker ab. Kurz gesagt: Es gibt einen Information-Overflow. Durch die vielen Sinneseindrücke ist oft schwer sich zu konzentrieren, man schweift ab. Das ist bewusst so konzipiert. Egal ob jetzt im großen Einkaufszentrum oder im Kleidungsladen an der Ecke, es läuft irgendwo Hintergrundmusik.
Dabei hat die Musik mehrere Aufgaben: Stille füllen, die kritische Analyse limitieren und Assoziationen zu einem Produkt aufbauen. Für viele Menschen ist komplette Stille einfach unangenehm, manche können nicht einmal ohne externe Geräusche einschlafen. Daher hat Hintergrundmusik den Nutzen, für keine unangenehmen Situationen beim Kaufen zu sorgen. Auch die Konzentration kann durch Musik geschwächt werden. Bei vielen unterschiedlichen Reizen fällt es schwer sich zu Konzentrieren. Das kann dann schnell zu einer irrationalen Kaufentscheidung führen. Letztlich versuchen Händler auch, dass man ihre Produkte mit einer Musik oder Genre assoziiert. Wenn wir in Zukunft eine ähnliche Musik hören, denken wir schneller wieder an die Shopping-Erfahrung bzw. das Produkt. 

Gerüche, Sound, Lichter, Menschen - im Einkaufscenter kann man schnell seinen Verstand verlieren © Marcin Kempa
Gerüche, Sound, Lichter, Menschen – im Einkaufscenter kann man schnell seinen Verstand verlieren © Marcin Kempa

4. Musik kann den Geschmack von Wein verändern

In einer Studie der Heriot Watt University in Schottland wurden 250 Studenten vier verschiedene Weinarten angeboten. Dazu wurden vier verschiedene Arten von Musik abgespielt, die mit Geschmacksarten assoziiert wurden: Carmina Burana von Orff (“kraftvoll und stark”), Waltz of the Flowers von The Nutcracker von Tchaikovsky (“subtil und fein”), Just Can’t Get Enough von Nouvelle Vague (“lebhaft und erfrischend”) und Slow Breakdown von Michael Brook (“sanft und weich”). Wenn der Geschmack des Weines z.B. sanft war und die dazugehörige Musik ebenso, wurde der sanfte Geschmack von Weißwein zu 26% stärker wahrgenommen als ohne die entsprechende Musik. Bei “lebhaft und erfrischend” wurde der Geschmack sogar zu 40% stärker wahrgenommen. Bei Rotwein waren die Effekte noch stärker. Der Geschmack von Rotwein wurde bei sanfter und weicher Musik um 25% erhöht, bei kraftvoller Musik sogar um 60%.
Das Phänomen dahinter nennt sich Priming. Dabei beeinflusst ein Stimuli die Reaktion auf einen darauffolgenden Stimulus. Wenn man vor sich einen Hund sieht, fallen einen schneller weitere Tiere ein, als wenn man vor sich eine Schokolade liegen hat. Wenn man lebhafte Musik hört, verbindet man die Umgebung auch allgemein als lebhafter. 

5. Musik erhöht die Schmerztoleranz

Egal ob beim Sport oder bei chronischen Schmerzen. Musik kann die Schmerztoleranz erhöhen und die akuten Schmerzen lindern. Einer der Hauptgründe hierbei ist, dass unser Gehirn durch Musik abgelenkt wird und daher den Fokus auf die Schmerzen verliert. Da die schmerzreduzierende Wirkung persönlich präferierten Musik mit Aktivierungen in tiefer liegenden Hirnregionen korreliert, kann dies als Ablenkung vom Schmerz interpretiert werden. Aber Musik führt auch zu der Ausschüttung von Stoffen im Gehirn, die in Folge zu weniger Schmerzen und Stress führt. So führt persönlich präferierte Musik zu einer vermehrten Ausschüttung der Glückshormone Serotonin und Dopamin. Außerdem steigt der Oxytocin-Spiegel, der z.B. für Glücksgefühle beim Stillen sorgt. Daneben gibt es Messungen, dass nach dem Hören von angenehmer Musik nach wenigen Minuten deutlich weniger Cortison, ein Stresshormon, im Blut nachweisbar ist. 

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von Mathias Walter

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Profilbild von 37 Hertz

37 Hertz sagt:

#1 - 05.11.2022 um 11:30 Uhr

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Bitte mehr über die Neurologie und Psychologie hinter der Musik! Ich empfehle hierzu u. a. auch das Buch "Das wohltemperierte Gehirn" aus dem Spektrum-Verlag.

Kommentare vorhanden
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