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Steinberg Nanologue Test

Steinberg Nanologue – der gratis iOS-Synthesizer im Test: Nichts ist umsonst? Und schon gar nicht gute Software-Synthesizer? Doch! Und zwar eine wirklich gute iOS-App des Hamburger DAW-Herstellers.

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Auch Steinberg richtet so langsam, aber sicher den Blick immer mehr auf iOS. Und das nicht ohne Grund: Die mobilen Geräte erfreuen sich wachsender Beliebtheit, werden immer leistungsfähiger und erhalten mehr und mehr Unterstützung durch Audio-Interfaces, MIDI-Controller und weiteres Equipment von namhaften Drittherstellern. Grund genug für Steinberg, immer mehr Musik-Software als iOS-App umzusetzen. Der Nanologue steht für alle iPad-Nutzer kostenlos im App-Store bereit – und ja, auch ohne Cubase-Lizenz!

Details + Praxis

Allgemeines

Verfügbar ist Nanologue ausschließlich für iOS auf dem iPad von Apple. Neben dem Stand-Alone-Betrieb unterstützt er die Inter-App Audio Funktionalität, wodurch er mit anderen Host-Applikationen kommunizieren kann. Die Mindestvoraussetzung für den Betrieb des Nanologue sind ein iPad der 2. Generation und das Betriebssystem iOS 7. 
Den kostenlosen iOS-Synthesizer findet ihr im App Store, in dem sich auch weitere Steinberg-Software befindet, wie beispielsweise der „LoopMash“ aus Cubase.

Aufbau

Der monophone Nanologue gehört zur Gattung der virtuell-analogen Synthesizer, deren Klangerzeugung nach dem Prinzip der Kreuzmodulation (engl. Cross-Modulation) arbeitet. Der sogenannte „Cross-Modulation Oscillator“ beinhaltet zwei Oszillatoren, die sich wie der Name schon sagt „über Kreuz“, also gegenseitig modulieren.
Klanglich ähnelt die Kreuzmodulation zwar leicht der Frequenzmodulation (FM), allerdings kommt der Klangunterschied durch das eigentliche Prinzip: Bei der Kreuzmodulation moduliert der Ausgang von Oszillator 1 die Frequenz von Oszillator 2. Das Resultat davon steuert wiederum die Frequenz von Oszillator 1, wodurch demnach über Kreuz moduliert wird. Klingt in der Theorie zunächst vielleicht etwas verwirrend, die Umsetzung im Synth ist jedoch sehr benutzerfreundlich. 

Bedienoberfläche

Das Interface des Nanologue ist wirklich überschaubar gehalten. In der Mitte befindet sich der Cross-Modulation Oscillator, der wahlweise Rechteck- oder Sägezahn-Wellenformen erzeugt. Zur einfachen Steuerung der Kreuzmodulation dient der Shape-Regler, bei dem die Intensität der Modulation in Prozent angezeigt wird. 

In der sauber strukturierten Bedienoberfläche des Nanologue sind alle Parameter sofort griffbereit.
In der sauber strukturierten Bedienoberfläche des Nanologue sind alle Parameter sofort griffbereit.

Hören wir uns doch einmal an, wie die Kreuzmodulation der beiden Wellenformen in einer Fahrt mit dem Shape-Regler klingt. Gestartet wird bei null, also der nicht modulierten Wellenform Sägezahn beziehungsweise Rechteck:

Audio Samples
0:00
Cross Modulation Saw Cross Modulation Square

Filter

Direkt über dem Cross-Modulation Oscillator befinden sich die Oktaven und die Filter-Sektion mit einem 24dB-Low-Pass-Filter inklusive Parameter-Anzeige in Hz und der dazugehörigen Resonanz des Filters. Unter dem Oszillator bietet Nanologue einen Distortion-Regler mit einer virtuellen Röhrensättigung, die den ohnehin schon obertonreichen Klang der Kreuzmodulation noch fetter macht. Rechts daneben kommt noch ein Envelope-Regler mit Positiv- und Negativ-Werten hinzu, der zur Steuerung der Cutoff-Modulation der Filter-Envelope dient.

VCF Envelope

Letztere befindet sich auf der linken Seite des Synths und kommt ganz minimalistisch mit den Parametern Attack und Decay aus. Links daneben lässt sich Glide in 0 bis 500 Millisekunden einstellen und mit einem On/Off-Switch auch komplett deaktivieren.

LFO Modulation

Der LFO lässt sich frei von 0 bis 30 000 Hz regeln und mit dem Shape-Regler werden die drei zur Verfügung stehenden Wellenformen Dreieck, Sägezahn und Rechteck geformt. Da man im Nanologue auch das Tempo bestimmen kann, wäre hier noch eine Sync-Option für den LFO wünschenswert. Unter „LFO Modulation“ ist der LFO den Parametern „Pitch“, „OSC Shape“ und „Cutoff“ fest zugewiesen und kann diese sowohl in positiven als auch in negativen Werten modulieren. Da es nur einen LFO gibt, wirkt sich dessen Rate und Shape auf alle drei Modulationsparameter aus.  

Delay

Als Effekt bietet Nanologue schlicht und einfach ein Delay, das neben der temposynchronen Delayzeit nur über einen Feedback- und Mix-Regler verfügt.

Setup

Öffnet man das Setup-Fenster, erhält man die Möglichkeit, einen externen MIDI-Input zu aktivieren. Danach kann statt der Nanologue-Klaviatur auch ein ans iPad angeschlossenes MIDI-Keyboard zum Spielen genutzt werden, oder aber man nutzt andere Apps, die per Inter-App Audio auch MIDI-Daten senden können, wie etwa Steinbergs Cubasis. Im Test funktionierte die Verwendung mit Inter-App Audio auf Anhieb einwandfrei, da Cubasis den Nanologue, wie auch weitere Apps, unter „Instruments“ erkannte und er somit sofort mit MIDI-Daten gefüttert werden konnte. Weitere Möglichkeiten, wie MIDI-Quantisierung oder den Nanologue mit Effekten versehen, sind dann direkt in Cubasis möglich.

Fotostrecke: 2 Bilder Im Setup lässt sich das Tempo einstellen und ein externer MIDI-Input aktivieren.
Fotostrecke

Presets

Die Preset List bietet 50 vorgefertigte Sounds, die zwar nicht kategorisiert, jedoch alphabetisch sortiert sind. So lassen sich auch die eigenen Presets schnell wiederfinden. Mit „Save Preset“ abgespeicherte Sounds können über iTunes zum Computer transferieren werden. Das Weiterschrauben der Sounds ist dann im großen Bruder Retrologue in Cubase möglich.

Die Preset List des Nanologue.
Die Preset List des Nanologue.

Skalierbare Klaviatur

Die Größe der Klaviatur lässt sich von einer bis maximal drei Oktaven frei skalieren, wodurch eine höhere Range zur Verfügung steht. Um die Größe anzupassen, wird dazu in der darüberliegenden Mini-Klaviatur die letzte hell dargestellte Taste angetippt und der Bereich durch einen Wisch nach rechts vergrößert. Um Oktaven zu wechseln, tippt man die Mitte der Mini-Tastatur an und verschiebt diese zu den gewünschten Oktaven.  

Inter-App Audio

Mit Inter-App Audio können seit iOS 7 Audio- und MIDI-Daten zwischen Apps hin und her geroutet werden. Dadurch lassen sich durch Host-Anwendungen wie Steinberg Cubasis für iOS andere Musik-Apps wie ein Plug-In öffnen, steuern und aufnehmen. Dadurch wird der Nanologue neben der Stand-Alone-Variante zu einem vollwertigen VST-Plug-In innerhalb von iOS. So lässt sich der Software-Synthesizer beispielsweise durch MIDI-Regionen nahtlos ins Cubasis-Arrangement einbinden und mit dem Cubasis Mixer mit Effekten versehen und im Mixer mit den anderen Spuren abmischen.

Klang

Bei insgesamt 50 Presets liegt der Verdacht zunächst nahe, dass der Synth nicht sonderlich facettenreich sein könnte. Doch dem ist ganz sicher nicht so, hört selbst: 

Audio Samples
0:00
Demolished Motor Repeating Saw Bass Edgy Disto Bass Crossmod Lead Thin Lead Soft Glide Lead Pluck Lead Snorging Dragon Sweep Robotic Sweep

Von monophonen Leads und knarzigen Bässen bis hin zu FX-Sounds überrascht der Nanologue mit einem qualitativ hochwertigen Sound. Die wenigen, aber effektiven Parameter scheinen gerade richtig zu sein, um dem Synth seinen „analogen Charme“ zu verleihen. Ähnlich wie bei seinem großen Bruder verfügt auch sein Klang-Charakter über einen gewissen Retro-Touch, der jedoch durchaus in die heutige Zeit passt.

Unser Fazit:

Sternbewertung 4,5 / 5

Pro

  • einfaches Bedienkonzept
  • hochwertige Soundvielfalt
  • kompatibel mit Inter-App Audio
  • Export eigener Presets zu Retrologue

Contra

  • kein Contra
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Steinberg Nanologue Test
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von Alexander Eberz

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