Mit den RCF EVOX J9 und RCF EVOX J11 treten gleich zwei neue Vertreter in einem der dynamischsten Segmente der mobilen PA an: kompakte, leistungsstarke Säulensysteme für Bands, DJs und Solokünstler. Der italienische Hersteller RCF ist in der Beschallungsbranche seit Jahrzehnten für seine Aktivboxen und Subwoofer bekannt und hat mit der EVOX-Serie schon länger Erfahrung mit dem Säulenformat gesammelt. Die J-Serie markiert dabei einen Technologiesprung: Erstmals setzt RCF in der EVOX-Familie auf ein echtes 3-Wege-Design.
Statt wie bisher auf 2-Wege-Topteile zu setzen, arbeiten J9 und J11 mit einem 12-Zoll-Subwoofer, einem Array aus 3-Zoll-Neodym-Mitteltönern in der Säule und einem 0,75-Zoll-Neodym-Kompressionstreiber samt True Resistive Waveguide für den Hochtonbereich. Welchen Unterschied das in der Praxis bedeutet, haben wir in diesem Testbericht unter die Lupe genommen.

- RCF EVOX J9 und EVOX J11 – das Wichtigste in Kürze
- Was ist im Lieferumfang des RCF EVOX J9 und EVOX J11?
- Wie sind die Gehäuse der RCF EVOX J9 und EVOX J11 beschaffen?
- Welche Ein- und Ausgänge bieten die RCF Säulensysteme?
- Welche Features offerieren der DSP und die Presets?
- Wie unterscheiden sich RCF EVOX J9 und EVOX J11?
- RCF EVOX J9 und J11 im Praxischeck
- Wie klingen EVOX J9 und EVOX J11 im Direktvergleich?
- RCF EVOX J9 und RCF EVOX J11 – welches System für wen?
- Allgemeine Klangqualität der Säulensysteme
- Einsatzgebiete und typische Anwender
- RCF EVOX J9 und RCF EVOX J11 – mögliche Alternativen
- Fazit zum RCF EVOX J9 und RCF EVOX J11 Test
- RCF EVOX J9 und EVOX J11 Features
- RCF EVOX J-Serie – Produktseite des Herstellers
RCF EVOX J9 und EVOX J11 – das Wichtigste in Kürze
- echtes 3-Wege-Design mit 12-Zoll-Subwoofer, Mittentöner-Array und HF-Kompressionstreiber
- FiRPHASE-Processing und Bass Motion Control für sauberen, kontrollierten Klang
- praxistaugliche DSP-Presets (Linear/Live, Club, Voice)
- gepolsterte Transporttaschen für Säulenelemente im Lieferumfang
- EVOX J11 mit verriegelbarem powerCON-TRUE1-TOP-Netzanschluss
- kontrollierter Klang (selbst bei Maximalpegel)
- EVOX J9 mit einfachem VDE/IEC-Kaltgeräteanschluss ohne Verriegelung
Was ist im Lieferumfang des RCF EVOX J9 und EVOX J11?
Beide Systeme kommen in stabilen Versandkartons, aufgeteilt auf Subwoofer-Basis und Säuleneinheit. Im Lieferumfang des EVOX J9 und J11 befinden sich jeweils die Subwoofer-Basis, eine (J9) oder zwei (J11) Säuleneinheiten und ein Spacer (Verbindungsstange, nur J9) inklusive integrierter Signalverkabelung sowie eine gepolsterte Transporttasche für die Säulenelemente.
Gerade die Tasche ist im Alltag Gold wert. Die Säulen sind damit nicht nur vor Transportschäden geschützt, sondern auch ordentlich verpackt, wenn sie im Kofferraum neben anderem Equipment liegen. Das Aufbauen geht flott von der Hand. Stange/Spacer in den Sub stecken, Säule aufsetzen, Kabel verbinden – fertig. Wer regelmäßig solo unterwegs ist, wird das zu schätzen wissen.
Wie sind die Gehäuse der RCF EVOX J9 und EVOX J11 beschaffen?
Beide Systeme kommen in schwarzen PP-Kunststoffgehäusen, die einen robusten, tour-tauglichen Eindruck machen. Die Verarbeitungsqualität ist für diese Preisklasse wirklich überzeugend. Die Oberflächen wirken hochwertig und widerstandsfähig. Das Zusammensetzten der Elemente ist einfach und keinesfalls wackelig. Ergonomische Griffe am Subwoofer erleichtern den Transport. Dank der beiliegenden Transporttaschen für die Säulenteile lässt sich das komplette System auch von einer Person bequem bewegen. Solo-Künstler und DJs dürften das zu schätzen wissen.
Das EVOX J9 erreicht aufgebaut eine Höhe von ca. 2.080 mm bei einem Gesamtgewicht von 28,3 kg. Das J11 ist mit ca. 2.285 mm etwas höher und bringt 29,0 kg auf die Waage – wobei sich das Gewicht aufteilt: Der Sub kommt auf 20,6 kg, das Säulenteil auf 8,4 kg. Ein wichtiger Unterschied: Beim J11 besteht das Säulenteil aus zwei Segmenten mit insgesamt zwölf 3-Zoll-Mitteltönern. Beim J9 ist es ein einzelnes Segment mit sechs Treibern.



Welche Ein- und Ausgänge bieten die RCF Säulensysteme?
Die Anschlussausstattung beider Systeme ist übersichtlich und auf das Wesentliche fokussiert. Beide verfügen über je eine XLR/Klinke-Kombibuchse als Eingang sowie einen XLR-Link-Ausgang zum Durchschleifen an weitere Systeme oder Subwoofer.
Ein Bluetooth-Empfänger fehlt beiden Modellen – wer drahtloses Audio-Streaming direkt an der Box haben möchte, muss zu anderen Kandidaten greifen oder die EVOX JMIX9-Variante in Betracht ziehen, die einen integrierten 8-Kanal-Digitalmixer mit Bluetooth mitbringt.
Aufmerksamkeit verdient der Unterschied beim Netzanschluss: Das J9 System kommt mit einem normalen IEC-Kaltgerätekabel ohne Verriegelung. Das J11 hingegen ist mit dem professionellen verriegelbaren powerCON-TRUE1-TOP-Anschluss ausgestattet. Signal und Overload werden jeweils über eine LED an der Rückseite angezeigt.



Welche Features offerieren der DSP und die Presets?
Das Herzstück beider Systeme ist der integrierte DSP, der auf RCFs eigener EVOX-J-DSP-Plattform basiert. Drei Presets stehen zur Wahl: “Linear/Live” für ein neutrales, flaches Klangbild, “Club” für mehr Bassdruck und präsentere Höhen bei DJ-typischem Musikmaterial und “Voice” für optimierte Sprachverständlichkeit.
Das Umschalten geht per Taster an der Rückseite bequem im laufenden Betrieb. Besonders hervorzuheben sind zwei herstellereigene Algorithmen, die in beiden Systemen aktiv sind: FiRPHASE optimiert das Phasenverhalten über den gesamten Hörbereich und soll für eine konsistente Abdeckung und eine natürliche Transienten-Response bei gleichzeitig niedriger Systemlatenz sorgen. Bass Motion Control (BMC) ist, vereinfacht gesagt, ein akustisch variabler Hochpass-Filter, der programmabhängig stets den maximalen Tiefgang ermöglicht, ohne den Subwoofer-Treiber mit einer zu hohem X-Max (Membranauslenkung) zu überfordern.
Dieses Prinzip ist nicht neu in der Beschallungstechnik. In den 80er-Jahren wurde das unter anderem bei den Peavey-HDH-Systemen verwendet. RCF ist es mit der Bass-Montion-Technik allerdings gelungen, die dabei unweigerlich auftretenden Phasen- und Frequenzartefakte zu minimieren. In der Praxis soll sich das wie folgt auswirken: Der Bass klingt auch bei hohen Pegeln kontrolliert und bietet (in Abhängigkeit vom Pegel) stets den maximal möglichen Tiefbass.
Wie unterscheiden sich RCF EVOX J9 und EVOX J11?
EVOX J9 und EVOX J11 teilen dasselbe Grundkonzept. Echte 3-Wege-Architektur, gleicher 12-Zoll-Sub, gleicher Kompressionstreiber mit True Resistive Waveguide und identische DSP-Plattform. Die wesentlichen Unterschiede liegen in der Mittentöner-Bestückung, der Verstärkerleistung und dem erzielbaren Schalldruck.
Die J9 arbeitet mit sechs 3-Zoll-Neodym-Mitteltönern und einer 2.100-W-Class-D-Endstufe (Peak-Leistung). Sie soll dabei 130 dB Maximalpegel erreichen und den Frequenzbereich von 40 Hz bis 20 kHz abdecken. Die J11 verdoppelt die Mittentöner auf zwölf Treiber und treibt das System mit einer 3.500-W-Endstufe (Peak-Leistung) an, was 132 dB Maximalpegel und einen erweiterten Tiefgang bis 37 Hz ergeben soll.
Darüber hinaus unterscheiden sie sich in der Säulenkonstruktion: Die J11 besteht aus zwei Säulensegmenten, die zusammen das vollständige Array bilden – beide müssen stets angeschlossen sein. Beim J9 ist die Säule einteilig. Für wen jeweils welches System das Richtige ist, erkläre ich weiter unten im Praxisteil.







