Numark iDJ3 Test

PRAXIS

Nach dem Auspacken habe ich zunächst die Software installiert. Im Lieferumfang enthalten ist  Virtual-DJ LE (zum Zeitpunkt des Testberichtes Version 6.1.2) der Software-Schmiede Atomix. Die Installation auf meinem MacBook (2,4 GHz, Intel Core 2 Duo, OS X, 10.5.8) funktioniert reibungslos und nach Eingabe der Serienummer kann es losgehen. 
Nachdem der IDJ3 vom Rechner erkannt wird, leuchten die Autoloop-Buttons und sämtliche Steuerungs-Tasten der beiden Decks auf. Ein Blick in die Advanced-Options verrät mir gleich, dass diese bei der funktionsreduzierten LE-Version nicht implementiert sind. Wer zum Beispiel eigene Controller-Mappings erstellen möchte, der muss zum Upgrade greifen. Je nach Version kostet dieses zwischen etwa 36 und 150 Euro. Ein Upgrade von VDJ6LE auf VDJ 7 Pro schlägt aktuell mit 145 Euro zu Buche, was eine Ersparnis von knapp 100 Taler gegenüber dem Einzelprodukt darstellt. Wer aber lediglich ein funktionierendes DJ-System möchte und auf Spielereien verzichten kann, der ist mit der vorliegenden Software-Version gut versorgt. 
Für Virtual-DJ6 LE müssen praktischerweise keine zusätzlichen Treiber installiert werden. Anders sieht es aus, möchte man IDJ3 zum Beispiel mit Mixvibes verwenden. In diesem Fall müssen zunächst passende Audiotreiber installiert werden, welche zum Download auf Numarks Website bereitstehen. 

VDJ 6 LE
Virtual-DJ 6 LE von Atomix ist eine Software zum Mixen von Audio- und Videodateien. Kompatible Formate sind MP3, AAC, AIFF, WAV, WMA, OOG, DIVX, MPEG und MOV. Wird ein Song in einem Softwareplayer abgespielt, so setzen sich die rotierenden, virtuellen Decks in Bewegung. Eine farbige Wave zeigt den jeweiligen Titel in voller Länge an und dient gleichzeitig zur Navigation innerhalb des Songs (einfach an die gewünschte Stelle mit der Maus klicken). Die monochrome Wellenformübersicht im oberen Teil des Displays dient zum Angleichen der Beats. Kleine Vierecke zeigen die jeweiligen Viertel-Taktschäge an. Zusätzlich werden die Rechtecke der beiden Decks in einem zweiten Display (vier Taktschläge/ein Takt) ohne Wellenform dargestellt. Diese Visualisierungen helfen dem DJ beim Beatmatching.
Pro Deck lassen sich drei Cue-Punkte (Hot-Cues) setzten. Entweder per Klick oder per Controller. Allerdings kann der IDJ3 nicht bestimmen, welcher der drei Cue-Punkte gesetzt wird. Diese Auswahl muss mit der Maus erfolgen. 
Die Loop-Sektion auf dem Bildschirm verfügt über sechs Autoloop-Schaltflächen mit einer Länge von ¼ Takt bis zu 8 Takten. In und Out setzen zusätzlich manuelle Schleifenpunkte. Die ersten vier Autoloopintervalle können mit den (ebenfalls vier) Tasten der Hardware leicht und intuitiv bedient werden. Das macht Laune.
Die untere Screen-Hälfte widmet sich der Verwaltung der Musikdateien. Dort können Partitionen, Musikordner, iTunes-Playlisten, USB-Sticks, Wechselfestplatten und MP3-Player angezeigt werden. Per Net-Search lassen sich außerdem Audio- und Videostreams ins DJ-Set einbinden.  Ferner ist es möglich, virtuelle Crates zu erstellen. Zum Editieren von ID3-Tags steht ein komfortabler Editor bereit. 
Neben den beiden Playern befindet sich je ein Mini-Menü für die Sampler- und die Effekt-Sektion. Insgesamt bietet die LE-Version fünf Effekte. Da wäre zunächst der Brake-Effekt, der das Stoppen eines Plattentellers simuliert. Der Backspin macht genau das, was der Name vermuten lässt. Flippin Doubles wiederholt den jeweilig gehörten Taktabschnitt. Besonders interessant klingt der Beatgrid, welcher einzelne Taktabschnitte miteinander vertauscht. Zu guter Letzt gibt es noch einen Flanger obendrauf. Alle Effekte besitzen je zwei Parameter, die stufenlos verändert werden können. Neben dem Mini-Menü gibt es eine komfortablere Version zum Editieren der Effekte im unteren Teil des Bildschirms. Leider können die Effektprogramme nur per Maus-Klick und nicht mit dem IDJ3-Controller gesteuert werden. 
Die Sampler-Sektion wartet mit insgesamt zwölf Sample-Bänken auf. Die Lautstärke der jeweiligen Slots ist individuell einstellbar. Auch ein Live-Recording von Samples ist möglich. Außerdem gibt es an dieser Stelle nützliche Loop- und Sync-Funktionen. Wie bei den FX lässt sich auch für den Sampler optional ein größeres, komfortableres Menü aufrufen, wo bequem aufgezeichnet, editiert und abgespielt werden kann. Doch leider ist hier auch die Kontrolle nur per Klick, und nicht mit der Steuerkonsole möglich. Dennoch ist diese Sektion der Software sehr gut gelungen und macht eine Menge Spaß!
Ebenfalls im südlichen Bildschirmbereich ist das Recording-Menü untergebracht. Hier lassen sich Mixe, nachdem einen Speicherort festgelegt wurde, im Handumdrehen aufzeichnen. Das Format der Aufnahme ist Wav, mit einer Auflösung von 16 Bit/ 44,1 kHz. Simpel & Effektiv!

Die beiden Jogwheels arbeiten sowohl im Pitch-Bend wie im Scratch-Modus.  Der Pitch-Bend-Modus leistet beim Angleichen der Beats wirklich hervorragende Dienste.  Der Scratch-Modus bietet gleich zwei Funktionen: Berührt man lediglich nur den Rand, arbeitet das Jogwheel weiterhin im Pitch-Bend-Modus. Berührt man hingegen die Oberseite, so stoppt der aktuelle Song und man befindet sich im Scratch-Modus.
Obwohl der Sensor des Tellers beim Berühren sehr schnell reagiert, ist dieser Modus nur bedingt für Scratch-DJs zu gebrauchen. Die Übertragung der Bewegungen auf das Soundfile erfolgt nämlich leider etwas verzögert und in einer etwas zu groben Auflösung. Für einfache Baby-Scratches ist das völlig ausreichend, aber für komplexere Scratches (Skribble, Tear, etc.) ist der IDJ3 leider nicht geeignet. Dennoch leisten die beiden Wheels besonders beim Angleichen der Beats wirklich gute Dienste und werden von den direkt reagierenden Pitch-Bend-Tasten (+/-) kompetent unterstützt.
Obwohl die Software einen Gain-Regler für jeden Player zeigt, sucht man diesen an der Hardware leider vergebens. Da kann man beim Mixen schon ordentlich ins Schwitzen kommen, weil der reingemischte Song eventuell zu wenig „Saft“ hat  – und sich alle Regler bereits am Anschlag befinden. In diesem Fall hilft nur noch der Griff zum Laptop, um in der Softwareoberfläche nachzubessern. 
Zwar verfügt VDJ über Pegel-Anzeigen für die einzelnen Kanäle – doch nirgendwo wird dargestellt, wie es um den Master-Pegel bestellt ist. Dies ist aber wichtig, um interne Übersteuerungen des Systems zu verhindern. Hier bleibt zu hoffen, dass die Software Entwickler bei zukünftigen Versionen eine entsprechende Master-Anzeige nachrüsten. 
Der Reverse-Play-Modus ist ein wirklich brauchbares Feature, um seine Mixe noch interessanter zu gestalten, nur leider sind in diesem Modus sämtliche Loop-Funktionen deaktiviert.
Die drei EQ-Drehregler und die Kill-Tasten (Mute) reagieren sehr direkt. So kann der DJ schnell und intuitiv auf den Klang einwirken. Sehr praktisch ist die Tatsache, dass die Kill-Tasten aufleuchten, sobald sie aktiviert sind. Dies erleichtert die Arbeit in dunklen Umgebungen ungemein und unterstützt einen intuitiven Workflow. 

Der Pitch-Fader verfügt über eine LED, die anzeigt, wenn sich der Pitch in der Nullstellung befindet. Zumindest sollte es eigentlich so sein. In Wirklichkeit leuchtet diese LED aber im Bereich zwischen +0,3 % bis -0,3 %. Mit der Hardware ist es leider nicht möglich zur Nullstellung des Pitch zurückzukehren. In diesem Fall hilft nur ein Klick auf den Pitch-Fader in der Software. Dies würde mit einer zusätzlichen Pitch-Reset-Taste am Controller wesentlich komfortabler funktionieren. 
Der Browse-Encoder ist ein sehr gutes Tool, um durch Ordner, Laufwerke und Musik-Files zu navigieren und diese in die Player zu laden. Doch befindet man sich einmal in einem Ordner, gibt es leider keine Möglichkeit mithilfe der Hardware im Verzeichnis zurückzuspringen. Auch hier hilft leider nur der Griff zum Rechner. Die Cue-Sektion des Controllers bietet alles, was ein DJ zum reibungslosen Arbeiten benötigt. Von der Hardware aus kann wahlweise einer der beiden Hauptkanäle, der Apple-Player oder der Master im Kopfhörer wiedergeben werden. Einfach und effektiv. Hier gibt`s nichts zu meckern. 
Die Up & Down Fader wirken robust, sind aber für meinen Geschmack ein wenig zu schwergängig. Zum Überblenden von Tracks ist das weniger wichtig, als für Scratch-DJs. Für sie sind die Fader  nur bedingt geeignet. Glücklicherweise ist der Crossfader um einiges leichtgängiger. Doch leider ist dessen Fader-Curve so weich, das Scratch-Djs auch hier nicht wirklich auf ihre Kosten kommen. MIX-DJs kommen damit wohl besser zurecht. 
Das allgemeine Layout des IDJ3 ist ziemlich durchdacht und sorgt rasch für einen reibungslosen, intuitiven Workflow. Alle Bedienelemente reagieren schnell und die zahlreichen, beleuchteten Tasten erleichtern die Handhabung besonders in dunklen Arbeitsumgebungen. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings. Die beiden Up & Down Fader der Hauptkanäle weisen in der maximalen Stellung leider einen Abstand von nur 12 Millimetern zu den Jogwheels auf. Hier ist Vorsicht geboten, da man ansonsten leicht mal versehentlich den falschen Controller berührt. 
Davon abgesehen ist der IDJ3 bezüglich seiner intuitiven Bedienbarkeit wirklich sehr gelungen. Das Gerät macht Spaß und die Virtual-DJ-Software überzeugt durch eine durchaus gelungene grafische Darstellung und zahlreiche nützliche Features. 

KLANG
Master

Der unsymmetrische Master liefert ein absolut sauberes Signal, wenngleich der Klang noch ein wenig druckvoller und die Höhen noch eine Nuance brillanter sein könnten. Teurere Geräte mit symmetrischen Ausgängen haben im Vergleich den besseren Klang zu bieten. Doch für 279 Euro UVP geht die Rechnung beim IDJ3 am Ende dann doch wieder auf. 

Mikrofon
Der Mikrofonkanal liefert ein druckvollen, wenn auch leicht dumpfen Klang. Ein leichtes Rauschen ist ebenfalls zu vernehmen. Sobald der Regler wieder unten ist, verschwindet dieses zum Glück auch gleich wieder. Keine soundtechnische Glanzleistung, aber für Ansagen und dergleichen reicht es allemal. 

Audio Samples
0:00
Original Soundfile Playout Pitch 0 No EQ Mikrofon

Kopfhöreranschluss
Der Kopfhörer wird mit einem sauberen, satten Signal versorgt. Für meinen Geschmack hätte der Ausgangspegel aber noch ein paar dBchen höher liegen können. Dennoch ist auch hier alles im grünen Bereich, wenn man den Preis bedenkt. 
Equalizer und Kill-Tasten
Die drei Kill-Tasten reagieren schnell und störfrei (Knacksen). Sie lassen das jeweilige Frequenzband effektiv verschwinden. Die einzelnen Bänder des Dreifach-EQ sind passend aufeinander abgestimmt und eignen sich in der Praxis wirklich gut zur allgemeinen klanglichen Anpassung der einzelnen Songs. Allerdings gibt es einen kleinen Kritikpunkt, weil der EQ nicht so übersteuerungsfest ist, wie er eigentlich sein sollte. Erhöht man etwa den Bassbereich etwas zu stark, so gerät das Signal leicht ins digitale Clipping.
Effekte
Obwohl die LE-Version von Virtual-DJ nur fünf Effekt-Presets im Angebot hat, muss diesen bestätigen, dass sie praxistauglich einzusetzen sind und hervorragend klingen. Besonders positiv zu erwähnen ist der Beatgrid-Effekt. 

Audio Samples
0:00
EQ Hi Cut Boost EQ Mid Cut Boost EQ Bass Cut Boost Kill-Buttons FX Flanger FX Flippin Double

Keylock
Der Keylock-Modus ist ein kleiner Schwachpunkt dieses Controller-Software-Paketes.  Den bereits ab einem Pitch-Wert von 2,5 Prozent oberhalb oder unterhalb des Nullwertes werden erste hörbare Artefakte und minimale Timing-Schwankungen erkennbar. Damit ist diese Funktion leider nur bedingt einsetzbar. Bleibt zu hoffen, das Atomix dies bei zukünftigen Softwareupdates verbessert.
Scratch-Emulation
Der Scratch-Emulation sind leider deutliche Grenzen gesteckt. Baby-Scratches (gleichmäßige Vor- und Zurückbewegungen der Platte) werden zwar durchaus authentisch auf das Audiofile übertragen, doch komplexere Bewegungen (Scribble-, Tear-Scratches, etc.) werden vom System einfach ignoriert. So ist der IDJ3 nur mit Einschränkungen für Scratch-DJs geeignet. 
Loops
Die vier Autoloop-Tasten des Controllers reagieren sehr schnell und ermöglichen somit wirklich saubere Schleifen, die störungs- und unterbrechungsfrei angelegt und auch wieder deaktiviert werden. Top!

Audio Samples
0:00
Playout Pitch 0 No EQ Keylock plus 4 Prozent Keylock plus 8 Prozent Keylock plus 12 Prozent Keylock minus 4 Prozent Keylock minus 8 Prozent Keylock minus 12 Prozent Autoloop Scratching
Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Für dich ausgesucht
Bonedo YouTube
  • Doepfer A-121S Stereo Filter Sound Demo (no talking) at Superbooth 2022
  • Knobula Kickain Sound Demo (no talking) at Superbooth 2022
  • cre8audio East Beast Sound Demo (no talking) at Superbooth 2022