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MOTU 624 AVB Test

Die AVB-Familie wächst! MOTU hatte schon immer viele verschiede Interfaces im Angebot. Doch die letzte Diversifizierung hat ein fast unüberschaubares Angebot hervorgebracht. Netzwerkfähige Interfaces, also mit AVB-Support, gehören dabei mittlerweile zum MOTU-Standard, sodass der unkomplizierten Setup-Erweiterung nichts entgegensteht.


Unübersichtlich wird es beim traditionell kompaktesten Interface, dem Ultralite, von dem es aktuell eine AVB- und eine MK4-Version gibt. Das heute zum Test stehende MOTU 624 AVB sieht den beiden verdammt ähnlich, sodass sich zwangsläufig die Frage stellt: Was ist hier denn nun anders?

Details

Die AVB-Großfamilie

Das MOTU 624 AVB ist ein Audiointerface der AVB-Serie des amerikanischen Herstellers MOTU. Die Liste der verfügbaren Interfaces ist schier unendlich, weswegen ich mich nur auf die Erwähnung der von uns bereits getesteten Vertreter beschränken möchte: Da wären das 112D, das 24 AO sowie das Ultralite AVB und das Ultralite Mk4. Letztere sind besonders interessant, teilen sie sich mit dem 624 neben der Größe (1 HE, halbe Rackbreite) doch viele weitere Gemeinsamkeiten.

Bekanntes, simples Layout: Das MOTU 624 AVB sieht den Ultralites durchaus ähnlich.

USB 3, Thunderbolt 2 und AVB/TSN

Das MOTU 624 AVB ist zunächst ein Audiointerface mit USB 3.0 und Thunderbolt 2 Anschluss, das mit bis zu 24 Bit und 192 kHz auflöst. Abwärtskompatibel ist es mit USB 2 sowie Thunderbolt 1 und 3. Es müssen dann nur entsprechende Einschränkungen hinsichtlich der maximalen Kanalanzahl in Kauf genommen werden.
Dies ist insofern wichtig, wenn man weitere Interfaces hinzufügen beziehungsweise via AVB kaskadieren möchten. AVB wird mit Audio Video Bridging übersetzt und versammelt verschiedene Standards zur Übertragung von Audio und Video-Daten über Netzwerke. Damit können viele Kanäle via einfacher Netzwerkbuchse bzw. Cat-5 Kabel übertragen werden. Man kann das 624 anstelle mit USB oder Thunderbolt aber auch direkt mit mit einem Netzwerkkabel und dem Rechner verbinden. Der erste Vorteil wären dabei Kabel mit bis zu 100 m Länge!

USB 3, Thunderbolt 2, AVB/TSN und ADAT I/O – Herz, was willst du mehr?!

Hauptunterschiede zu den Ultralites

Gleichzeitig wäre auch der Hauptunterschied zwischen dem Ultralite AVB und MK4 geklärt, die via USB 2 kommunizieren. Das Ultralite AVB kann somit maximal 128 Audiokanäle übertragen, das Mk4 besitzt indes überhaupt kein AVB. 
Wird das 624 also als Host verwendet, können wiederum bis zu 256 Kanäle genutzt werden! Einschränkungen gibt es erst ab der vierfachen Samplerate mit USB 3 und Thunderbolt (128 I/OS bei 176.4 und 192 kHz). Der direkte Anschluss an den Rechner via AVB ermöglicht, je nach Rechnerleistung, mit dem 624 ebenfalls bis zu 265 Kanäle – allerdings ohne Einschränkungen hinsichtlich der Samplerate.
Das 624 hat aber ein Paar analoge I/Os weniger als das Ultralite AVB und das Ultralite MK4 sowie auch kein S/PDIF und MIDI zu bieten – und ist teilweise deutlich teurer! Weitere relevante Veränderungen umfassen leistungsfähigere Preamps, überarbeitete Wandler und bessere DSP-Effekte wiederum zu Gunsten des 624. Aber immer der Reihe nach!

Acht analoge I/Os und zwei Mic-Preamps

Bleiben wir zunächst „analog“: Hier hat das MOTU 624 AVB ausgangsseitig acht analoge Kanäle zu bieten. Aufgeteilt sind diese auf sechs symmetrische TRS Line-Outs (-4 bis +20 dBu) und einen Stereo-Kopfhörerausgang, allesamt auf großer Klinke.

Die Mic-Ins befinden sich im Gegensatz zu den Ultralites hinten. Es gibt auch weniger analoge I/Os, kein S/PDIF und kein MIDI.

Eingangsseitig sind es ebenfalls acht Kanäle, wobei hier zwei auf die beiden Preamps (XLR), zwei auf die DI-fähigen unsymmetrische Front-Ins und vier weitere Kanäle auf die rückseitigen symmetrischen TRS Line-Ins entfallen (-96 bis +22 dB). Hinzu kommen in beide Richtungen acht digitale Kanäle via ADAT bei 44,1/48 kHz. S/MUX ist möglich.
Die Preamps bieten mit +63 dB gegenüber den anderen Ultralites etwas mehr Gain, aber auch noch immer nicht so richtig viel Gain, wie beispielsweise Apogee und RME mit üppigen +75dB. Wie dem auch sei, die Preamps sind ansonsten mit allen üblichen Extras wie Pad-Schaltung, 48V und Phaseninvertierung versehen. Die beiden ersten Funktionen haben sogar eigene Taster am Gerät. 

Digitaler Bedienkomfort und buntes Display

Fünf Push-Encoder und ein Farbdisplay sorgen für Bedienkomfort am Gerät. Der Kopfhörerausgang teilt sich einen Regler mit dem Main-Out, der Push-Befehl toggelt zwischen beiden. So richtig hübsch ist das Display nicht, es erinnert mich an billige Wegwerf-Handies, leider. Da sind meine Augen von Herstellern derselben Preisklasse besseres gewöhnt. Zum Auslesen von Pegeln und Settings reicht es aber allemal – die computerbasierte Bediensoftware ist schöner.

Das Display gibt Informationen zu Pegel und Settings.

Die browserbasierte DSP-Software ist mächtig

Apropos, die eben angesprochene Software wird im Browser geöffnet und lässt sich somit „remote“ und sogar von einem iPad oder iPhone bedienen. Eine kleine App hilft, die Interfaces im Netzwerk einfacher zu finden, ohne dafür die explizite IP-Adresse kennen zu müssen. Das macht auch das Kaskadieren einfacher, wobei anzumerken ist, dass zwei Interfaces direkt miteinander verbunden werden können. Mit dem entsprechenden, optionalen Switch können sogar bis zu fünf Geräte kaskadiert werden. Stand-Alone lässt sich das Gerät aber ebenfalls nutzen.
Die DSP-Software ist wirklich umfangreich und geht weit über simples Direct-Monitoring hinaus. In jedem der 48 Kanäle des Mixers stehen ein Low-Cut, ein Gate, ein 4-Band-EQ und ein Compressor-Effekt sowie sieben Auxe und drei Group-Sends parat. Ein Reverb im Send-Verbund darf natürlich ebenfalls nicht fehlen!

Fotostrecke: 4 Bilder Der Mixer ist je nach Konfiguration durchaus riesig!
Fotostrecke

Seit neuestem wird der EQ einem „british EQ“, sprich SSL, nachempfunden, der Compressor hingegen soll den LA-2A modeln, wobei hier zumindest mich überrascht, dass der DSP-Compressor mehr Parameter als das Original zu bieten hat, namentlich: Threshold, Ratio, Attack, Release und Gain. Nun gut. In den Ausgängen und Gruppen findet man außerdem noch einen Limiter und Leveler. Ebenfalls schön: Der EQ und der Compressor verfügen über große graphische Bedienmodi.

Audio Samples
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Bass – Dry Bass – Compressor Bass – RMS Compressor Bass – RMS Compressor + EQ

Verschiedenes

Es ist zu erwähnen, dass das MOTU 624 AVB außerdem über einen ADAT I/O verfügt, welcher auch TOSLink, also optisches S/PDIF beherrscht. Auf einen MIDI I/O muss man allerdings verzichten. Ebenfalls nennenswert: Mit 1 kg ist das 624 leichter als die anderen Ultralites, die Größe ist mit 22 x 17,75 x 4,5 cm identisch geblieben. Neu ist auch die verbesserte DAC-Architektur namens „ESS Sabre32 Ultra“, welche aus dem Flaggschiff 1248 bekannt sein dürfte und mit 123 dB SNR äußert rauschfrei arbeitet. Im Prinzip ist das 624 auch ein Halbes 1248 – was auch den Namen erklärt.
Zum Lieferumfang gehören ein 100 bis 240 Volt Netzteil, die DAW-Software Audiodesk, Rack-Mount-Ohren, um zwei Geräte auf einer HE zu installieren, sowie ein USB-3.0-Kabel, ein englischsprachiges Handbuch und die deutsche Kurzanleitung. Ein kurzes Cat5-Kabel zum Verbinden zweier Units wäre wünschenswert gewesen, sein Mangel stellt aber keinen Beinbruch dar.

Das das Thunderbolt-Kabel fehlt, überrascht nicht – das packt auf Grund der hohen Lizenzkosten kein Hersteller bei. Dafür hätte man aber durchaus ein kurzes CAT5 Kabel beilegen können. USB3-Kabel, Netzteil, Audiodesk als Download, Treiber-CD und viele Beipackzettel sind dafür im Karton!
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Profilbild von microbug

microbug sagt:

#1 - 05.06.2017 um 15:41 Uhr

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Der größte Unterschied zum Ultralite AVB: Das 624 und 8A haben einen richtigen Hauptschalter, das Ultralite AVB dagegen nur einen Soft Switch, wobei MOTU hier im Gegensatz zu den anderen Ultralites vergessen hat, sich den Status merken bzw umstellen zu lassen: Ein Ultralite AVB an einer Steckerleiste muß man immer extra einschalten, was sehr nervig ist - dann lieber das 624 nehmen.
Dickster Nachteil der USB3-Schnittstelle: Diese wurde nicht, wie bei den Vorgängermodellen, entkoppelt, sodaß man sich über die Abschirmung, besonders an Windows PCs, wunderbar Störgeräusche einfangen kann. Sollte dringend geändert werden, daher lieber Thunderbolt oder AVB als Schnittstelle nutzen. Die anderen AVBs mit USB2 sind entkoppelt und davon nicht betroffen.

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