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Mixing #3 – Die Mix-Session säubern

Sauberkeit ist alles. Im Mixing-Workshop will euch niemand zu Meister Proper umerziehen, ihr sollt auch keine Sagrotan-Orgien im Home-Studio veranstalten. Ihr werdet euch aber freuen, wenn euer Ausgangsmaterial keine Bestandteile aufweist, die ihr nicht benötigt, die euch bei der Arbeit stören oder nachher im Mix als Fremdkörper wahrgenommen werden – oder wenn es einfach insgesamt weniger rauscht.

Mülltonne auf, Müll rein, Mülltonne zu

ck_mixing_folge3

Ein sinnvolles Arbeitsgerät ist immer der Mülleimer – das gilt fast immer. Hört auf jede Spur und überlegt, ob sie wirklich sein muss. Die dritte Rhythmusgitarre, der musikalisch nur halbwegs gelungene Versuch des Sängers, die Stimme in der zweiten Strophe, die technisch anspruchsvollen Umspielungen des Gitarristen im Outro, die höchstens seinen Gitarrenlehrer und sein eigenes Ego interessieren…? In die Tonne damit. Oder, falls ihr euch nicht ganz sicher seid: Manche Programme bieten eine Funktion, mit der man Spuren stummschalten und komplett ausblenden kann („Hide“). Aus den Augen, aus dem Sinn.

Scheren raus, Bastelstunde!

Es ist hilfreich, wenn ihr die Files in eurem Musikprogramm sauber schneidet. Dazu reicht es zunächst vollkommen, Spielpausen mit den üblichen Editing-Werkzeugen wegzuschnippeln. Keine Angst: Weil das eigentlich immer non-destruktiv vonstatten geht, kann man bei Bedarf alles wieder herzaubern. Eine ganz besonders spaßige Frickelei kann das beispielsweise bei Toms sein, doch gerade hier ist es für manchen Drumsound sehr vorteilhaft, wenn nicht das Mikro an der Hängetom den Snaresound maßgeblich mitbestimmt, weil das Signal so laut ist. Es wird euch dadurch möglich, den Sound der Toms so zu bestimmen, wie ihr es wünscht. 

Das Projekt sollte vor dem Start übersichtlich und "sauber" sein.
Das Projekt sollte vor dem Start übersichtlich und “sauber” sein.

Ihr könntet auch mit einer Automatisierung des Mute-Buttons arbeiten oder bei einer voll analogen Mischung per Hand die Cut-Schalter bedienen, doch hat die Arbeit in der DAW einen entscheidenden Vorteil: Hier lässt sich mit Fades arbeiten! Diese bestimmen, wie schnell oder langsam das Signal eingeblendet bzw. ausgeblendet wird. Manchmal ist es nämlich angenehmer, wenn das etwas gemächlicher geschieht.

Gate: Warum per Hand, wenn es Automaten gibt?

Ein kleines Helferlein kann das Noise-Gate sein. Dieser Effekt sperrt den Signalweg automatisch, wenn das Signal einen einstellbaren Wert („Threshold“) unterschreitet. Der Parameter „Attack“ ist die Zeit, die das Gate zum Öffnen benötigt. Achtung, achtet darauf, ob das Signal sich dadurch negativ verändert. Bei zu kurzen Zeiten bekommt man schnell einen Klick, bei zu langen ist der Anschlagsound zu leise oder gar nicht zu hören. „Release“ regelt die Geschwindigkeit, mit der das Gate sperrt, ist also ähnlich wie der Fade beim Editieren. Oft gibt es weitere Regelmöglichkeiten, etwa eine „Hold“-Zeit, die bestimmt, wie lange das Gate auf jeden Fall geöffnet bleibt. Im Regelfall wird zum Sauberhalten von Spuren heute jedoch editiert, nicht gegatet.

Gegenargumente

Wie immer im Leben, so gibt es auch bei der Säuberungswut Nachteile. Achtet darauf, ob es nicht unnatürlich wirkt, weil vielleicht das Rauschen einzelner Signale aufzufallen beginnt. Rauschen selbst ist oft gar nicht so wild, aber wenn es stärker und schwächer wird, dann achtet man vermehrt darauf. Es kann euch auch passieren, dass sich Positionen, Raumeindrücke und Klangfarben ändern, wenn die Kanaltrennung nicht sonderlich groß ist, besonders beim Drumkit. Seid dafür sensibel und kontrolliert, ob ein Signal wandert, schlagartig eine andere Klangfarbe erhält und dergleichen. Und nicht zuletzt kann es durchaus passieren, dass alles zu steril wirkt. Je nach Musikrichtung kann es durchaus angenehm sein, ein wenig Hintergrundatmo zu erhalten, das Atmen des Sängers in Instrumentalparts leicht wahrzunehmen oder akustisch davon in Kenntnis gesetzt zu werden, dass der Gitarrist im Lead-Kanal sein Volume-Poti hochzieht und mit einem leichten Saitenrutschen in die Pole-Position für sein anstehendes Solo geht. Wichtig: Es ist euer Mix, euer Style, ihr entscheidet!

Feinheiten

Natürlich kann man mit Editierungen noch eine Menge anstellen, was hier aber den Rahmen sprengen würde und nicht zum eigentlichen Mischen gehört: Es ist möglich, Tonhöhen und Timing zu korrigieren, am „Phase Alignment“ zu arbeiten, also beispielsweise Bassdrum und Bass haargenau gleichzeitig starten zu lassen…und vieles mehr. 

In der nächsten Folge wird der Equalizer ausgepackt!

Zur Hauptseite “Crashkurs Mixing”

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von Nick Mavridis

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Michi sagt:

#1 - 14.07.2015 um 07:43 Uhr

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Stimmt. Das musste echt mal gesagt werden! Was ich so an chaotischen Sessions erlebe, das geht auf keine Kuhhaut. Da weiß niemand, welcher Take der richtige ist oder was die Spur überhaut soll…

Kommentare vorhanden
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