Anzeige

Mit diesen Tricks orientierst du dich besser auf dem Griffbrett

Die Gitarre ist ohne Zweifel ein sehr attraktives Instrument. Das liegt unter anderem daran, dass sie nicht nur in der Anschaffung relativ günstig ist, sondern auch, weil man schnell hörbare Erfolge erzielen und zum Beispiel einfache Songs begleiten kann. Will man jedoch etwas tiefer in ihre Geheimnisse vordringen und seine Systematik erschöpfend verstehen, merkt man schnell, dass die Gitarre in ihrer Logik ziemlich komplex ist. Das liegt sicherlich daran, dass sie erstens asymmetrisch in Quarten und einer großen Terz gestimmt ist, aber auch an der Tatsache, dass es sehr viele Möglichkeiten gibt, ein und dieselbe Note zu spielen.

1712_Mit_diesen20Tricks_orientierst_du_dich_besser_auf_dem_Griffbrett_v01-1068785 Bild


So haben wir auf einer 24-bündigen Gitarre z.B. sechs Möglichkeiten, das eingestrichene e (klingend) zu spielen. Hier noch ein Gedankenspiel: Was glaubt ihr, wie viele Möglichkeiten wir haben, die Tonfolge c´- d´- e´ zum klingen zu bringen? Die Antwort lautet: 125mal bei einer 22-Bund- und 150mal bei einer 24-Bund-Gitarre!
Dass Griffbrettorientierung und übrigens auch Notenlesen hier nicht gerade ein Kinderspiel ist, darf man uns Gitarristen nicht verdenken und dennoch gibt es ein paar Tricks, wie man trotzdem den Durchblick auf dem Griffbrett behält.

1. Oktav-Triangle Trick

Wenn wir ehrlich sind, bereiten uns die tiefe E- und A- Saite meist keine Probleme, da wir hier all unsere Barré- und Powerchords spielen (falls hier jemand noch Orientierung benötigt, sollte er schnell zumindest die Töne auf diesen beiden Saiten abzählen und auswendig lernen).
Nun kann man, ausgehend von diesen Grundtonsaiten, kleine Dreiecke aufmachen, die dann die Oktaven zu den Grundtönen bilden. Fragen wir uns nun, wie eine bestimmte Note heißt, so können wir diese durch den Dreiecksgriff relativ schnell ausfindig machen:

Oktav-Triangle Trick
Oktav-Triangle Trick

2. CAGED-System

Beim sogenannten “CAGED”- System geht man von Dreiklangsakkordtypen aus, nämlich dem C-, A-, G-, E- und D-Schema, und teilt das Griffbrett in fünf Positionen ein, ganz gemäß der Einteilung, in der auch Tonleitern wie z.B. die Pentatonik stattfinden.
Auch wenn einige Saitenpädagogen diese Systematik etwas verteufeln, mit dem Argument, das CAGED-System führt tatsächlich zum “eingesperrt sein” in die Positionen und man lernt nicht, das Griffbrett als Ganzes zu begreifen, so finde ich doch die Methode überaus sinnvoll, um eine gute Orientierung auf dem Griffbrett zu erhalten. Die instinktive Verbindung eines Skalenpatterns mit einem Akkordgriffbild befähigt auch, direkt zu erkennen, welche Töne über welchen Akkord funktionieren, und irgendwann wird ohnehin alles eins!
Hier die fünf Griffbilder:

CAGED-System
CAGED-System

Und so sehen die Griffbilder aus, wenn sie in die fünf Pattern der C-Dur-Pentatonik eingebettet sind:

CAGED-System C-Dur Pentatonik
CAGED-System C-Dur Pentatonik

3. Tensions bezogen auf Grundton lernen

Bei dieser Herangehensweise geht es darum, bezogen auf einen festgelegten Grundton, z.B. auf der E- oder A-Saite, alle verfügbaren Optionstöne im direkten Umfeld zu lernen.
Der Vorteil dabei ist, dass man sich kinderleicht Akkorde selbst herleiten kann, ohne große Griff-Enzyklopädien auswendig lernen zu müssen, und dass die Furcht selbst vor kryptisch anmutenden Jazzakkorden der Vergangenheit angehört:
Hier die Tensions bezogen auf den E-Typ:

Tensions bezogen auf den E-Typ
Tensions bezogen auf den E-Typ

Und hier bezogen auf den A-Typ:

Tensions bezogen auf den A-Typ
Tensions bezogen auf den A-Typ

4. Geschwindigkeitsübung

Diese Übung ist relativ schnell erklärt, erfordert jedoch bereits eine halbwegs solide Notenkenntnis auf dem Griffbrett. Hierzu stellt ihr euch das Metronom auf ein moderates Tempo und wählt eine Note, wie z.B. F. Nun versucht ihr, auf jeden Metronomschlag ein anderes F zu spielen und zwar quer über das gesamte Griffbrett.
Ihr solltet das Klicktempo in etwa so hoch stellen, dass ihr durchaus auch ein paar Noten nicht erwischt, denn das Metronom soll einen dezenten Druck aufbauen, der den Lerneffekt immens steigert.
Hier ein Beispiel für alle F’s auf dem Griffbrett:

Geschwindigkeitsübung
Geschwindigkeitsübung

5. Wayne Krantz’sche “4 Fret Zones”

Nun geht’s in die hohen Weihen der Griffbrettkenntnis! Fusion-Maestro Wayne Krantz spielt nicht nur sehr eigen, sondern er übt auch auf seine ganz eigene Art, denn Wayne teilt das Griffbrett in sogenannte “4 Fret Zones” ein, das heißt, alles, was geübt wird, darf den Bereich von 4 aufeinander folgenden Bünden nicht verlassen.
Diese Bünde kann man nun setzen, wohin man will .z.B. 4,5,6 und 7.
Nun wählt man eine, wie Krantz es nennt, Formula. Das kann eine Skala sein oder ein Arpeggio und spielt es in dieser festgelegten Zone, die man nicht übertreten darf und Noten, die in der Skala außerhalb der Bünde liegen, lässt man einfach aus. Das mag bei der Am-Pentatonik in Position 5-6-7-8 noch einfach sein, doch wie sieht es mit der Db-Durtonleiter in den Bünden 5-6-7-8 aus?
Der unschätzbare Vorteil dieser Übeart ist, dass man das angelernte Patterndenken vollkommen über Bord werfen muss und das Griffbrett quasi “aufbricht”, wodurch man auf vollkommen neue Ideen kommt und das visuell Gelernte dem musikalischen Platz bereiten kann.
Üben kann man das nun auf zwei Arten:
1. in einer 4-Fret Zone durch alle Tonarten
2. eine Tonart, aber alle 4-Fret Zones vom tiefsten bis zum höchsten Bund durchspielen
Hier ein Beispiel für die Db-Durtonleiter in Zone 5-8:

Wayne Krantz’sche „4 Fret Zones“ Db-Durtonleiter in Zone 5-8
Wayne Krantz’sche „4 Fret Zones“ Db-Durtonleiter in Zone 5-8

Wer sich noch näher für Waynes Übemethode interessiert, dem sei sein Buch An Improviser’s OS sehr ans Herz gelegt.
Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Kennenlernen eures Griffbretts!

Hot or Not
?
1712_Mit_diesen-Tricks_orientierst_du_dich_besser_auf_dem_Griffbrett_v01 Bild

Wie heiß findest Du diesen Artikel?

flame icon flame icon flame icon flame icon flame icon
Your browser does not support SVG files

von Haiko Heinz

Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Für dich ausgesucht

7 Akkorde, die dich besser klingen lassen

Gitarre / Workshop

Typische Akkorde sorgen in den unterschiedlichen Musikrichtungen für die charakteristische Stimmung und eine stilsichere Begleitung – von Pop bis Metal.

7 Akkorde, die dich besser klingen lassen Artikelbild

Unterschiedliche Musikrichtungen zeichnen sich nicht nur durch typische Harmoniefolgen aus, sondern haben auch oft spezielle Akkorde im Angebot, die für den Klangcharakter eine entscheidende Rolle spielen. In unserer Workshop-Reihe "7 Akkorde, die dich besser klingen lassen" möchten wir daher einen detaillierten Blick auf Akkorde verschiedener Stilistiken legen.

5 Tricks, die dich wie Jimi Hendrix klingen lassen

Gitarre / Workshop

Jimi Hendrix' Todestag jährt sich am 18. September 2020 zum 50. Mal. Hendrix war ohne Zweifel einer der innovativsten Gitarristen überhaupt und das gilt bis in unsere Zeit. Wir zeigen, was ihn so unverwechselbar macht.

5 Tricks, die dich wie Jimi Hendrix klingen lassen Artikelbild

Jimi Hendrix darf zweifelsohne zu den einflussreichsten Gitarristen aller Zeiten gezählt werden und das hat mehrere Gründe: Zum einen wusste Hendrix wie kein anderer durch eine starke Präsenz und Bühnenshow sein Publikum zu begeistern, und zum anderen schrieb er tolle Songs, die bis dato sowohl arrangementtechnisch als auch kompositorisch noch ungehörte Elemente enthielten.

Gitarren-Boutique: LED-Griffbrett, Keeley Artist Edition für YouTuberin und neue Breedlove Akustikgitarre

Gitarre / News

Ein Griffbrett mit 168 LEDs, das deinem Gitarrenspiel das gewisse Extra verleiht? Für einen Gitarristen scheint das Realität geworden zu sein.

Gitarren-Boutique: LED-Griffbrett, Keeley Artist Edition für YouTuberin und neue Breedlove Akustikgitarre Artikelbild

Für eine Gitarristen wurde ein langgehegter Traum Wirklichkeit: Sein Griffbrett „reagiert“ mit LEDs mit schicken Animationen auf sein Gitarrenspiel. Außerdem in der wöchentlichen Rubrik der Gitarren-Boutique: Ein Spezialpedal für eine Künstlerin und YouTuberin und eine neue Breedlove Akustikgitarre zum 30. Geburtstag.

Aus diesen Gründen solltest du niemals leise Gitarre üben!

Gitarre / Feature

Wer seinen E-Gitarren-Ton finden und entwickeln will, der sollte am Amp üben, denn nur dort herrschen reale Bedingungen in Sachen Tonformung und Dynamik.

Aus diesen Gründen solltest du niemals leise Gitarre üben! Artikelbild

Im Gegensatz zur akustischen Gitarre ist die E-Gitarre unverstärkt viel zu leise, um vor einem Publikum bestehen zu können. Aber nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Übungsalltag eines E-Gitarristen ist es absolut zu empfehlen, verstärkt zu üben. Warum du deinen Amp beim Üben also stets in der Nähe haben solltest, klären wir im heutigen Kurzworkshop und geben dir in diesem Zusammenhang gleich noch ein paar weitere Tipps und Tricks für den Übungsalltag an die Hand. Dabei sollen Tonformung und Steuerung der Dynamik von Anfang an im Vordergrund stehen.

Bonedo YouTube
  • How to get 5 typical Drive Sounds from only one Overdrive plus EQ Pedal - Comparison (no talking)
  • Harley Benton R-446 - Sound Demo (no talking)
  • Wampler Moxie - Sound Demo (no talking)