Lewitt LCT 240 Authentica Test

Praxis

LCT 240 aufgebaut, stöpseldistöps, Phantomspeisung an, Gain hoch: Aha! Sofort wird klar, dass das Lewitt LCT 240 nicht nur keine gravierenden klanglichen Defizite aufweist, sondern richtig gut klingt. Vielleicht sogar noch etwas mehr: Die Vocals klingen so natürlich und komplett, dass man erneut daran erinnert wird, beim Aufnehmen der menschlichen Stimme auch mal außerhalb der oft als gesetzt geltenden Großmembran-Kondensatormikrofone zu stöbern. Im Vergleich mit dem Großmembraner ist das Signal weitaus transparenter und zeichnet feiner. Wer auf der Suche nach frischem Vocalsound ist und nicht viel Geld ausgeben möchte, sollte sich das Lewitt demnach ruhig einmal genauer ansehen. Allerdings sollte auch klar sein. Dass man auf den großen, erhabenen und meist “schwereren” Klang der GMK-Systeme verzichten muss – und Großmembrankapseln werden ja vor allem für ihre charakteristische Färbung eingesetzt. Hier müsst ihr abwägen: Gefällt es euch, wie das 240 die S- und T-Laute kurz und knackig, den “K”-Laut in “because” ohne sonderliche Regung überträgt, oder behagt euch der breite und etwas schillerndere Klang, den die große Membrankapsel des Mojave (und zugegebenermaßen sein Übertrager) produziert? Bei aller Natürlichkeit kann man nach einigem Einhören jedoch auch feststellen, dass es im vermeintlich kristallklaren Höhenbereich eine ganz leicht resonierende, britzelige Komponente gibt, die beim Testgerät jedoch wirklich geringen Ausmaßes ist. Allerdings trägt die von mir unter “Details” angesprochene Frequenzgangzüchtung weit weniger wesentlich zur Klangformung bei als gefürchtet – vor allem fällt das nicht als “künstlich” oder “gewollt” auf, von extremen späteren Eingriffen mit dem EQ einmal abgesehen.

Audio Samples
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close far HPF 300 Hz Mojave MA-201FET

Der akustisch relevante Ring lässt das Mikrofon vor allem in der Off-Axis ähnlich klingen wie einen Großmembraner, was ich nicht unbedingt als Vorteil sehen würde. Der reflektierte Schall wird vor allem höhenarm aber auch etwas phasig aufgezeichnet, was besonders das Beispiel mit dem größeren Besprechungsabstand deutlich macht. Nutzt man es als Vocal-Mike, ist das halb so wild, die Eignung als Instrumentenmikrofon sehe ich dadurch als etwas geringer, außer natürlich im extremen Nahbereich von Schallquellen. Mit diesen hat das Lewitt so gut wie keine Probleme, denn es ist wirklich enorm pegelfest. Die Bassanhebung durch den Nahbesprechungseffekt ist zwar keine klangliche Wohltat, doch hat das 240er gut greifende und dennoch ausreichend glatte Filter – ganz besonders möchte ich das 300Hz-Filter loben! Wehe jedoch, man überschreitet ohne Pad den Dynamikbereich nach oben – dann zerrt es sofort ganz schön fies. Im unteren Pegelbereich kommt einem bei Kleinmembranern tendenziell das Rauschen schneller in die Quere als bei Großmembranern, doch ist das LCT 240 durchaus gut aufgestellt!

Die Kapselkonstruktion des 240 ist unüblich, funktioniert aber. Über den Nutzen der Pad-"Automatik" kann man freilich geteilter Ansicht sein.
Die Kapselkonstruktion des 240 ist unüblich, funktioniert aber. Über den Nutzen der Pad-“Automatik” kann man freilich geteilter Ansicht sein.

Als Alleskönner kommt das Lewitt weniger in Frage, doch halte ich es als “First Mike” für keine schlechte Idee, wenn vornehmlich Gesang aufgenommen wird, bei dem es weniger auf den klassischen großen Charakter denn möglichst feine und noch ausreichend stark formbare Signale Wert gelegt wird – in den Höhen sollte man mit schmalbandigen Veränderungen höherer Gains aber etwas genauer hinhören. Diese Herangehensweise wird vielen nicht so fremd sein, denn prinzipiell lässt sich Sound natürlich noch zu einem späteren Zeitpunkt formen. Bedenkt man, dass man sich bei der Anschaffung seines ersten Mikros seiner klanglichen Ziele beim eigentlichen Recording vielleicht noch weniger klar ist, ist das vielleicht nicht ganz so verkehrt. Und nicht zuletzt ist das Mikrofon kein “Weakie”, also ordentlich gefertigt. 

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