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Kurzweil PC361 Test

Äußerlichkeiten
Das dunkelblaue Gehäuse könnte man noch als elegant bezeichnen. Und auch das stolze Gewicht von 14 kg lässt an einen erhabenen Straßenkreuzer denken. Die Tastatur ist ungewichtet und unerwartet klapprig (Ebenfalls erhältlich ist übrigens das baugleiche PC3 mit 76 Tasten und das PC3x mit 88 gewichteten Tasten). Links neben der Tastatur liegen die Pitch- und Modwheels, sowie zwei Taster zur Steuerung des Arpeggiators bzw. zur freien Belegung. Auf der linken Seite des Bedienpanels befinden sich der Volumenregler und neun Schieberegler mit jeweils einem darüber liegenden Taster. Es folgt der Tastenblock zur Modeauswahl  und drei Taster zur Steuerung des Sequenzers, sowie der Edit-Taster. Das Display ist schräg in das Frontpanel eingelassen und nicht zuletzt dank Brightness- und Contrast-Drehregler auf der Rückseite gut lesbar. Unterhalb liegen sechs Anwahltaster für die jeweiligen Funktionen, die am unteren Rand des Displays angezeigt werden. Auf der rechten Seite wartet ein Tastenblock für die Direktanwahl von Instrumentenkategorien, ein Datenrad sowie ein Ziffernblock.

Fotostrecke: 5 Bilder Totale
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Als Controller macht der PC361 eine sehr gute Figur und bietet, dank seiner üppig ausgestatteten Oberfläche, eine Vielzahl guter Modulationmöglichkeiten. Die neun Schieberegler und Taster können fleißig mit Funktionen aller Art belegt werden.

Rückseite
Die Rückseite ist enorm reichhaltig ausgestattet: Neben Kopfhöreranschluss gibt es zwei Stereo-Ausgänge, sowie Anschlüsse für Ribbon- und Breath-Controll (!), zweimal Expression- und dreimal Switchpedal. Außerdem Synch-In, Digital-Out, das MIDI-Trio, USB-Anschluss und ein beleuchteter Slot für eine XD-Speicherkarte [KurzweilPC3foto5; KurzweilPC3foto6]. Kann man mehr verlangen?       

Fotostrecke: 2 Bilder Anschlüsse Rückseite links
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Innere Architektur
Das Herz des Kurzweil PC361 ist der Program-Mode. Von hier aus steuert man die einzelnen Sounds an, Kurzweil nennt sie „Programs“. Hier wir der Benutzer eingeladen, in die Tiefen der Klangsynthese hinabzusteigen. Wer ein Kurzweil-Neuling ist, der wird einige Zeit brauchen, um sich in der Bedienung und Menüführung zurechtzufinden. Der Aufbau stellt sich folgendermaßen dar: Ein Program besteht aus bis zu 32 Layern. Ein Layer beinhaltet eine feste Samplemap und bis zu vier DSP-Klangmodulatoren wie Pitch, Filter, LFOs etc. Letztere lassen sich frei zusammenstellen und -schalten. Das Ganze nennt sich dann Variable Architecture Synthesis Technology, kurz VAST. Die komplett variablen Kombinationen von EQs, Filtern und Oszillatoren etc. und deren Positionen im Signalfluss sind ein gefundenes Fressen für Klangtüftler. Durch die Cascade-Funktion lassen sich sogar die Bausteine mehrerer Layer hintereinander schalten, was die Variabilität und den Glückshormonausstoß eben genannter Klangschrauber wohl endgültig zum Überschäumen bringt. Leider lässt sich die VAST- Technologie nur mit internen Samplemaps ausführen. Ein Audio-Eingang oder ein Import von fremden Sample-Formaten ist nicht vorgesehen, anders etwa als beim K2600.

Modulationsquellen zum Selberbauen
Ein weiteres Beispiel der unbegrenzten Möglichkeiten des Kurzweil PC 361: 4 x 2 Modulationsquellen können miteinander verbunden werden und so als neue, mitunter sehr komplexe „Verfremdungs-Codes“ dienen. Die Werte der einzelnen Quellen ergen durch Addition, Subtraktion usw. einen neuen Wert, der dann auf ein drittes Modulationsziel wirken kann. Für dynamische, nicht-lineare und experimentelle Klänge ein tolles Feature!
Dem ein oder anderen ist eine solche Funktion vielleicht schon aus anderen Synths unter dem Namen „Modifier“ bekannt …

Audio Samples
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Mod.Quellen Kombination

In diesem Beispiel habe ich die Formel “b / (1-a) = neue Modulationsquelle” angewandt. Was hier nach Physik-Leistungskurs aussieht, ist aber im Prinzip ganz einfach: “b” steht für die Intensität des LFO1 und “a” für den Wert des ModWheels. Das ModWheel steuert in meinem Beispiel die FilterResonanz des Lowpassfilters. Mit dem Ergebnis dieser “Gleichung mit zwei Variablen” moduliere ich nun die “DepthControl” des Lowpass Filters.

Betriebsmodi
Im Setup Modus lassen sich die Programme dann miteinander kombinieren oder auch externe Klangerzeuger ansteuern. Bis zu 16 Zonen kann man hier über- und nebeneinanderlegen.  Praktisch ist dabei der Direktzugriff über die Taster und Slider, mit denen etwa die einzelnen Zonen gemutet und die Lautstärke geregelt werden können. Der Quick Access Modus ist so etwas wie der Live Modus. Er erlaubt es, Programme und Setups in Bänken von jeweils zehn Einträgen zu organisieren. Praktisch also beim Zusammenstellen einer Liveshow.   
 
Effekte
Die Handhabung von Effekten ist bei Kurzweil mal wieder speziell. Es gibt insgesamt 16 DSP-Units für die Effekte. Ein Effekt benötigt ein bis zwei Units. Im Setup Modus könnte man also jeder der 16 Zonen einen Effekt zuweisen oder nur einer Zone alle Effekte. Zusätzlich stehen einem noch zwei Aux-Wege und ein Master-Effekt zur Verfügung, die den Effekt-Unit Verbrauch angenehm senken. Die Organisation und das Routing der Effekte ist nach dem Baukastenprinzip aufgebaut und recht logisch (nach der bereits bekannten Eingewöhnungszeit). Die Effektauswahl bietet eine enorme Bandbreite an allem, was das Ohr begehrt. Knappe 500 Presets aus Reverb, Delay, Kompressor, Rotary etc. stehen zur Verfügung – alles erwartungsgemäß vom Allerfeinsten.

Sequenzer
Desweiteren zu erwähnen ist der 16-Spur Sequenzer, der keine Features vermissen lässt und so komfortabel ist, wie der on-board Sequenzer eines Synthies (mit kleinem Display) eben sein kann. Ebenfalls dabei ist ein umfangreicher Arpeggiator, der im Setup Modus auch einzelnen Zonen zugeordnet werden kann.

Software Editor
Sämtliche Editierarbeiten können auch mit einem Software-Editor erledigt werden. Dieser ist über die Kurzweil-Homepage downloadbar. Die Oberfläche der Software ist anders aufgebaut als das Editiermenü des Synthies. Dennoch findet man sich recht schnell zurecht. Der Sequenzer ist von dort aus übrigens nicht zu bedienen. Warum eigentlich nicht? Die Übersichtlichkeit auf dem Computerbildschirm und das Arbeiten mit der Maus sind natürlich wesentlich angenehmer und schneller als über das kleine Display des PC361. So macht dann auch umfangreiches Editieren im Lowpass-Filter des 25. Layers Spaß.

Fotostrecke: 2 Bilder Software Editor
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Kaffimusic sagt:

#1 - 04.12.2011 um 23:12 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Daß in dem Teil noch ein VA-Synth (zusätzlich zur VAST) enthalten ist sollte noch erwähnt werden. Außerdem frisst das Schätzchen alle samplefreien Synthsounds der Kurzweil K-Serie (ab K2000), womit sich eine Kollektion auftut, die sich über die letzten 20 Jahre erstreckt...Der neue PC3K6/7/8 erfüllt nun auch die Bedingung "Samplespeicher" als nicht flüchtiger Flash. Nett.

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