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Korg Radias Test

Der Radias ist ein Desktop/Racksynthesizer, zu dem es ein optionales Keyboard gibt, das nicht zwingend zu seinem Einsatz benötigt wird, und das man auch später noch nachkaufen kann.

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Das Keyboard ist übrigens anschlagsdynamisch, hat aber keinen Aftertouch, und es empfiehlt sich ansonsten mit einigen durchaus praktischen Features: So lässt sich ein Rahmen anschrauben, an dem das Modul befestigen wird. Dieses kann zum Transport dann flach gelegt oder hochgeklappt werden. Da das Mini-DIN-Verbindungskabel zwischen Modul und Keyboard etwas über einen Meter lang ist, könnte man das Modul auch problemlos in ein Rack einbauen und unabhängig vom Keyboard transportieren. Mit ein wenig Schrauben und zwei neuen Seitenteilen ist auch folgende ultra-transportable Lösung möglich:

umgebauter Radias als Teil eines transportablen Keyboard Setups
umgebauter Radias als Teil eines transportablen Keyboard Setups

Modul und Keyboard sind komplett aus Aluminium und damit leicht, stabil und schön anzusehen. An dieser Stelle schon mal das erste große Lob an Korg für das innovative, schicke und flexible Design.

Die Anschlüsse des Radias warten auf der Rückseite.
Hier findet man von rechts nach links den Audio Out (L /R), wobei der linke Ausgang auch als Mono-Out fungiert, den Individuell Out (L/R), Audio In 1 und 2, den Eingang für das mitgelieferte Headsetmikrofon, Control- undHold-Pedal, den Anschluss für die Tastatur, USB, die üblichen MIDI-Drillinge, den Ein-/Ausschalter und nicht zuletzt die DIN-ähnliche Spezialbuchse für das externe 9V-Netzteil. Hier wäre ein universeller 9V-Eingang schön gewesen, dann könnte man das Netzteil im Fall von Verlust oder Defekt leichter ersetzen.

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Auf der Oberfläche des Radias befinden sich 39 Drehknöpfe, die leider nicht mit der Frontplatte verschraubt sind, sowie 63 (!) Knöpfe und ein Jog-Dial.
Die Beleuchtung der Bedienoberfläche ist spacig-schick und im Dunkeln nützlich, aber leider nicht dimm- oder abschaltbar. Es gibt ja auch Situationen, wo es auf der Bühne unter Umständen völlig dunkel sein soll, und da könnte dieses Licht stören, vor allem dann, wenn das Modul ins Rack eingebaut ist.

Die Bedienoberfläche des Radias (Click to enlarge)
Die Bedienoberfläche des Radias (Click to enlarge)

Programmarchitektur

Der Radias hat 16 Speicherbänke mit je 16 Programmen. Ein Programm beinhaltet vier sogenannte „Timbres“, zwei Step-Sequenzer, einen Arpeggiator und einen Master-Effekt. Ein Timbre besteht aus zwei Oszillatoren plus Noisegenerator, zwei Filtern, zwei LFOs, drei Envelopes, sechs Modulationsmatrix-Patches, drei Modulationssequenzern (dazu später mehr) und zwei Effekten.

Das Gerät unterscheidet nicht zwischen Single- und Multimode wie die meisten anderen Synths, sondern befindet sich immer im selben Modus mit besagten vier Timbres.  Diese können einzeln an- und abgeschaltet, in Form von Split- und Layer-Setups kombiniert oder auf unterschiedlichen Kanälen von einem externen Sequenzer angesteuert werden. Insgesamt hat das Gerät 24 Stimmen, die sich dynamisch auf die maximal vier Timbres verteilen. Im Drum-Modus kann ein Timbre eines von 24 (editierbaren) Drumkits abspielen und so in Kombination mit einem Step-Sequenzer zur Groovebox oder zum einfachen Drumcomputer werden. Alle Informationen über diese vier Timbres werden inklusive der Sequenzerdaten und der MIDI-Einstellungen in einem Programm abgespeichert.

Beim folgenden Preset wurde nur eine Taste angeschlagen. Achtung: Dies ist ein Programm, kein Demo Song!

Audio Samples
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All in one note

Soundsynthese

Oszillator eins bietet selbstverständlich die von analogen Synthesizern bekannten Grundwellenformen Sägezahn, Puls/Rechteck, Dreieck und Sinus.  Darüber hinaus kann er aber weit mehr als die analogen Vorbilder: Er beherrscht 64 PCM-Wellenformen mit einigen Naturinstrumenten wie E-Piano, Kontrabass, Nylongitarre und Chor sowie diverse Spektralwellenformen, die teilweise aus dem KORG DW8000 stammen und beispielsweise nach Glocken oder Orgel klingen. Die Naturinstrument-Samples sollen und können den Radias nicht zum ROMpler machen, sind aber eine nette Grundlage für Soundexperimente oder helfen beim Erstellen des ein oder anderen Brot-und-Butter-Sounds.

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PCM Waves

Als Nächstes gibt es 128 PCM-Wellenformen mit Drumsamples, 128 Formant-Wellenformen und die Möglichkeit, ein am Audio In anliegendes Signal in den Signalweg einzuschleusen.

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verschiedene Drumkits

Des Weiteren lassen sich Pulsweitenmodulation, Crossmodulation und Korgs spezielle Variable Phase Modulation (FM-ähnlich) einstellen sowie ein Unisono-Mode, mit dem zum Beispiel Hypersaw-Sounds erzeugt werden können.

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Crossmodulation Variable Phase Modulation Unison

Oszillator 2 ist einfacher gestrickt, hier gibt es nur die vier Grundwellenformen, Ringmodulation und Hard Sync. Dieser Oszillator kann maximal 24 Halbtöne höher oder tiefer klingen als Oszillator 1. Das reicht meistens aus, aber ein wenig mehr wäre schön gewesen.

Hier finden sich zwei Filter mit den üblichen Filtertypen 24dB und 12dB Lowpass, Highpass und Bandpass. Bei Filter eins können auch Zwischenwerte eingestellt werden, was zu einer Mischung der Filtercharakteristiken führt. Das geht bei Filter zwei nicht, dafür bringt der noch einen Kammfilter mit. Ebenfalls im Filterabschnitt befinden sich die Funktionen und das Wave-Shaping.

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Waveshaping

Envelopes gibt es drei, LFOs zwei, außerdem pro Timbre drei Modulationssequenzer. Hier wird 16 Steps jeweils ein Wert zwischen 0 und 127 zugeordnet und dazu eingestellt, ob es sprunghaft oder fließend von einem Wert zum nächsten gehen soll. Diese Sequenz kann dann auch den Filter-Cutoff steuern und sorgt so für Effekte, wie man sie von alten, analogen Modularsystemen her kennt. Bei der Programmierung der Modulationssequenzen helfen die 16 Knöpfe und die 16 Drehpotis im unteren Bereich der Frontplatte.

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Mod Seq steuert Cutoff

Mit den sechs Modulations-Patches lassen sich Velocity, Controller, Envelopes und LFOs auf der einen und Soundparameter wie Cutoff, Resonance, Pitch etc. auf der anderen Seite miteinander verknüpfen. Die Auswahl beschränkt sich hier auf Parameter innerhalb des subtraktiven Synthesewegs, sodass Effekt- oder Sequenzerparameter von dieser Stelle aus nicht modellierbar sind.
Im Effektprozessor sind zwar einige Parameter – abhängig von der Art des Effektes – vorgesehen, die per Spielhilfe beeinflusst werden können, aber hier ist längst nicht alles mit allem verknüpfbar. Die Länge des Halls beispielsweise lässt sich von keinem Controller aus beeinflussen. Das können andere (teurere) Synthesizer besser, der Access Virus TI beispielsweise bietet über 100 Modulationsziele; hier können dann auch sämtliche Effekt- und Arpeggiator-Parameter angesteuert werden, vom Nord Modular ganz zu schweigen.

Vocoder

Der Vocoder des Radias hat 16 Bänder. Besonders zu erwähnen sind hier die Möglichkeiten, die Bänder individuell im Stereopanorama zu verteilen und die Tatsache, dass man 7,5 Sekunden lange Phrasen einsprechen oder einsingen und abspeichern kann. Hierbei wird nicht die Sprache selbst gespeichert, sondern nur die Bewegung der Frequenzbänder. Später kann man diese Phrasen dann abrufen, ohne erneut ins Mikrophon zu sprechen.

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Vocoder

Step Sequenzer

Die beiden Step Sequenzer verfügen über jeweils 32 Steps, lassen sich aber zu einem 64-Step-Sequenzer kombinieren und Phrasen maximal achtstimmig abspielen. Der Swingfaktor kann jeden Wert zwischen 0% und 100% einnehmen und die Sequenzen werden per Tastendruck spontan in jede Tonart transponiert.

Effekte

Effekte gibt es reichlich, von Delay und Reverb über Rotary, Bit Reducer bis hin zu Wah und Distortion. Hier findet man eigentlich alles, was man sich wünscht.
Pro Timbre lassen sich zwei Effekte aktivieren und es lässt sich (bedingt) aussuchen, welche Parameter jeweils an den beiden Drehpotis anliegen sollen. Vereinzelt können Parameter auch, wie schon oben erwähnt, per Controller oder LFO angesteuert werden, so zum Beispiel Rotary Speed über das Modulationsrad oder Wah Wah per LFO. Dazu gibt es noch einen Mastereffekt für das gesamte Programm.

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