Anzeige

Pro Tools 2020 Workshop #2: Parallelkompression

Dieses Mal geht es um den kreativen Umgang mit akustischen Drums. Damit aktuelle Pop- und Rockproduktionen so klingen, wie es heute Standard ist, reicht eine gute Aufnahme des Drummers nicht mehr aus. Die Schlagzeugklänge werden in aller Regel mit großer Akribie nachbearbeitet. Der Fantasie sind dabei kaum noch Grenzen gesetzt.

1902_Pro_Tools_2019_1260x756_teil_02_2020-1012627 Bild


Während die Bandmaschinen- und Mischpultkapazitäten früher endlich waren und dem Experimentierdrang des Engineers dadurch natürliche Grenzen gesetzt wurden, ist es heute durchaus üblich, die Drums auf 20 und mehr Spuren zu bearbeiten. Das ganze wird mit reichlich Samples, Loops und diversen Plug-Ins garniert. Im Zusammenhang mit kreativer Drum-Bearbeitung fällt auch immer wieder der Begriff Parallelkompression. Was das ist und wie man in Pro Tools gewinnbringend parallel komprimiert, ist Thema dieser Folge der Serie Kickstart Pro Tools. Und so ganz nebenbei lernt ihr dabei noch die Routing-Möglichkeiten in Pro Tools besser kennen.

Details

Was ist Parallelkompression?

Verkürzt ausgedrückt wird beim parallelen Komprimieren ein Kompressor wie ein Hall oder andere Effekte im Mischpult geroutet, nämlich über eine klassische Send-Return-Verbindung.

So sieht ein einfaches Parallelkompression-Routing aus.
So sieht ein einfaches Parallelkompression-Routing aus.

Das richtige Routing

Bei unserem Beispiel handelt es sich um eine multimikrofonierte Drum-Aufnahme, die einige Spuren/Mixerkanäle im Pro-Tools-Mischpult belegen.

Audio Samples
0:00
Drums ohne Para-Komp

Das Basis-Routing mache ich dabei nach folgendem Muster: Alle Drumkanäle werden zunächst auf einem Drum-Bus zusammengeführt, sprich der Spurausgang ist nicht „1-2“ oder „Output“, sondern bei mir Bus 35-36, den ich im I/O-Setup in Drum-Bus umbenannt habe. Das gibt mir die Möglichkeit, mit einem Fader die Lautstärke des Drum-Mixes den anderen Instrumenten und Stimmen anzupassen. So verfahre ich auch mit anderen Signalgruppen, wenn sie eine gemeinsame Funktion im Mix haben. Zum Beispiel bei mehrspurigen Streicher- oder Bläser-Arrangements, vielfach gedoppelten Akustikgitarren und so weiter. Diese Gruppen laufen anschließend auf den Mix-Bus und von da aus an den Ausgang 1-2 meines Audio-Interfaces.
Für dieses Gruppieren und Routen bietet Pro Tools so genannte Aux-Input-Tracks. Diese Spurgattung unterscheidet sich von einer Audiospur lediglich dadurch, dass sie keine Audio-Clips wiedergibt, alle anderen Möglichkeiten sind identisch. Einen Aux-Input verwendet man zum Beispiel, um einen Hardware-Input hörbar zu machen oder – wie oben beschrieben – die Bus-Struktur in Pro Tools zu nutzen.

Stellt den betreffenden Send zum Kompressionsbus auf „Pre“, um den Send-Pegel unabhängig vom Fader einzustellen. Die Kompressor-Einstellungen sind in der Regel recht drastisch, um eine deutlich hörbare Verdichtung zu erreichen.
Stellt den betreffenden Send zum Kompressionsbus auf „Pre“, um den Send-Pegel unabhängig vom Fader einzustellen. Die Kompressor-Einstellungen sind in der Regel recht drastisch, um eine deutlich hörbare Verdichtung zu erreichen.

Die Parallelkompression

Neben dem Ausgangs-Routing sind auf den Drum-Spuren noch jeweils zwei Sends aktiv: der eine schickt Signalanteile zum Drum-Reverb, der andere zum Bus der Parallelkompression. Der Reverb-Return ist ein Aux-Input-Track, in den das Hall-Plug-In eingeschliffen ist. Auch der Ausgang dieses Kanals geht auf den Drum-Bus, damit der Reverb-Anteil bei Lautstärkeanpassungen des gesamten Drum-Mixes gleich bleibt.
Bei den Sends zum Parallelkompressions-Bus leuchtet ein blaues „P“. Das ist die Abkürzung für das Wort „Pre“ und bedeutet, dass der Signalabgriff vor dem Fader liegt. Somit sind die zum Parallelkompressions-Bus gesendeten Anteile völlig unabhängig regelbar. Das ist nicht immer nötig, aber praktisch, um den Effekt noch drastischer gestalten zu können. In der Standard-Einstellung arbeiten die Sends in Pro Tools immer hinter dem Fader („Post“), sodass sich zum Beispiel auch der Hallanteil verringert, wenn man den Kanal-Fader nach unten bewegt. So will man es in aller Regel auch haben. Beim Spezialfall Parallelkompression ist es eben ein bisschen anders.
Der Parallelkompressions-Bus selbst ist wiederum ein Aux-Input-Track mit einem Kompressor-Plug-In in einem der Insert-Slots. Dafür reicht der werksmäßige Compressor/Limiter 3, den ich in diesem Beispiel verwendet habe. Die Einstellungen sind drastisch: Ich komprimiere bei einem Schwellwert/Threshold von -37 dB mit einer Ration von 10:1 und sehr kurzen Regelzeiten (Attack/Release). Wenn man sich das daraus resultierende Signal anhört, klingt es einfach nur nach falsch eingestelltem Kompressor.

Audio Samples
0:00
Para-Komp Solo

Davon sollte man sich nicht schocken lassen. Der Trick liegt nämlich darin, dieses übertrieben komprimierte Signal dem Drum-Mix so beizumischen, dass mehr Dichte erzielt wird, die Artefakte des starken Komprimierens aber nicht zutage treten. Im folgenden Klangbeispiel gebe ich das Signal des parallel komprimierten Busses langsam zu, und man hört, dass der Drum-Mix bis zu einem bestimmten Punkt dichter und besser wird. Anschließend kippt es wieder, denn wenn der Anteil zu hoch ist, fallen die negativen Klangelemente der Parallelkompression zu sehr auf. Vor allen Dingen die Snare klingt dann nur noch kaputt. Ab einer Spieldauer von etwa 30 Sekunden ist der Anteil der Parallelkompression zu hoch.

Audio Samples
0:00
Drums Para-Komp langsam reinmischen

Tipps für die Praxis

Um die richtige Lautstärke und den richtigen Klang für den Parallelkompressions-Bus festzulegen, experimentiert man primär mit den Send-Lautstärken der einzelnen Spuren. Die Lautstärke des gesamten Buses, die ich für das vorangegangene Klangbeispiel verändert habe, nutzt man nur zum Schluss, wenn man die Gesamt-Balance noch ein wenig feintunen will.
Ich erarbeite mir grundsätzlich erst einen funktionierenden Drum-Mix und entscheide anschließend, ob ich zusätzlich Parallelkompression benötige. Denn ohne ordentlichen Basis-Mix hilft auch die Parallelkompression nicht weiter.
Crash- und Ride-Becken schicke ich in der Regel nicht in die Parallelkompression, und auch bei der Hi-Hat bin ich sehr vorsichtig. Bei diesen Signaltypen überwiegen die Nachteile, die aus der starken Kompression resultieren. Alle Trommel-Spuren (Kick, Snare, Toms) hingegen werden nach Geschmack in die Stark-Kompression geschickt. Bei Percussion-Tracks wie Tambourine und Shaker bin ich wiederum bedacht, bei Bongos, Congas oder ähnlichem gilt das gleiche wie bei klassischen Trommeln.
In diesem Fall habe ich auch mit der Möglichkeit gespielt, den Drum-Reverb-Return per Send in den Parallelkompressions-Bus zu schicken, um den Plate-Hall so zu verdichten. Im folgenden Klangbeispiel habe ich den Send dieses Kanals langsam aufgedreht. Man hört, wie die „Schmierwirkung“ des Plate-Halls deutlich zunimmt. Das ist in meinem Beispiel genau richtig, denn im fertigen Mix des Titels muss sich das Schlagzeug in ein Gefüge aus vielen stark verzerrten Gitarren einpassen, da ist zu viel Dynamik nicht angebracht.

Audio Samples
0:00
Drum-Reverb in Para-Komp langsam reinmischen

Zum Schluss möchte ich euch noch einmal den Vergleich zwischen den Drums ohne und mit Parallelkompression ermöglichen.

Audio Samples
0:00
Drums ohne Para-Komp Drums mit Para-Komp

Wie ihr der Folge entnehmen konntet, ist Parallelkompression eine sehr kreative Aufgabe. Stichwort: Erlaubt ist, was gefällt. Damit es nicht zu Kammfiltereffekten oder ähnlich gelagerten unerwünschten Verzögerungseffekten kommt, solltet ihr darauf achten, dass die Delay-Kompensation in Pro Tools eingeschaltet ist. Um das zu überprüfen, wählt man im Menü „Setup“ den Eintrag „Playback Engine“ aus und schaltet gegebenenfalls die „Delay Compensation Engine“ ein, indem man den Eintrag „Long“ wählt.
Das Pro-Tools-Mischpult erlaubt ein extrem flexibles Routing, das einem bei vielen Aufgaben hilft und so viele Möglichkeiten zur kreativen Klanggestaltung bietet. Deshalb werde ich euch in einer der nächsten Folgen weitere kleine Mischpult-Kniffe zeigen.

Hot or Not
?
1902_Pro_Tools_2019_1260x756_thumbnail_02 Bild

Wie heiß findest Du diesen Artikel?

flame icon flame icon flame icon flame icon flame icon
Your browser does not support SVG files

von Mark Ziebarth

Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Für dich ausgesucht

Avid Pro Tools 2020.11: Neue Optik und ein paar neue Features

Recording / News

Pro Tools 2020.11 ist die neuste Version der DAW von Avid. Die bringt neben einem Dark Mode auch ein paar neue Funktionen mit. Schauen wir mal.

Avid Pro Tools 2020.11: Neue Optik und ein paar neue Features Artikelbild

Die Hersteller haben sich wohl stillschweigend darauf geeinigt, dass November der beste Monat für die Ankündigung einer DAW ist. Zuerst meldet sich Steinberg mit Cubase, dann kommt Ableton mit Live 11 um die Ecke und dann gibt es seit ein paar Tagen ein Teaser-Video von Avid auf YouTube. Darin zu sehen: eine neue Version von Pro Tools. Was steckt in Pro Tools 2020.11 denn drin? Und was hat es mit dem ebenfalls gezeigten Interface auf sich? Schauen wir mal.

Studioszene 2020 findet am 30. und 31.10.2020 im Mannheimer Rosengarten statt

Recording / News

Die Studioszene 2020, das Community-Event für Producer, Recording-, Mixing- & Mastering Engineers, findet am 30. und 31. Oktober 2020 im Mannheimer Rosengarten statt.

Studioszene 2020 findet am 30. und 31.10.2020 im Mannheimer Rosengarten statt Artikelbild

Die Studioszene ist das Community-Event für Producer, Recording-, Mixing- & Mastering Engineers. Um trotz wachsender Hürden durch Corona die Veranstaltung doch durchführen zu können, hat man sich entschlossen, die Location zu vergrößern und vom ursprünglich geplanten Standort Köln nach Mannheim in den Rosengarten umzuziehen.

Deal: Avid Pro Tools Carbon kurzzeitig mit Software im Wert von 3000 €

Recording / News

Avid möchte allen Käufern und Interessenten ihres High-End Audiointerfaces Carbon die Sommerzeit versüßen. Und das mit Software im Wert von 3000 Euro.

Deal: Avid Pro Tools Carbon kurzzeitig mit Software im Wert von 3000 € Artikelbild

Der Hard- und Software-Hersteller Avid möchte allen Käufern und Interessenten ihres High-End Audiointerfaces Carbon die Sommerzeit versüßen. Denn ab sofort und bis Mitte September erhalten alle neuen Erwerber dieser Hardware Software im Wert von 3000 Euro gratis dazu. Das klingt doch mal sehr interessant. Mit dabei ist die DAW und die Mix- und Mastering-App Pro Tools Ultimate und die Vocal Tuning Software Auto-Tune Hybrid.

Bonedo YouTube
  • Strymon Deco V2 Sound Demo (no talking) with ASM Hydrasynth
  • Cosmotronic Modules Demo
  • Analog FX SER-2020 semi-modular Synthesizer Sound Demo (no talking) with Empress Reverb