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Himmelstrutz Fetto Nord Test

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Als meine Freundin mir netterweise beim Auspacken der neuen Ladung Testpedale half, fiel ihr ein kleiner zylinderförmiger Karton auf. „Sag mal, testest du seit Neuestem auch Getränke oder ist das etwa ein kleiner Whiskey, damit das Testen etwas leichter von der Hand geht?“ Damit hatte ich natürlich nicht gerechnet, dennoch war die Neugier auf das Getränk, das sich in diesem kleinen Karton zu verbergen schien, geweckt. Das versprach ja, ein lustiger Abend zu werden! „Da steht Himmelstrutz Fetto Nord drauf, das klingt nach Hochprozentigem.“ Jetzt wurde ich noch neugieriger. Irgendwie kam mir der Name bekannt vor, aber nicht in Verbindung mit einem Getränk.
Mit leicht wässrigem Mund bat ich sie, die Verpackung zu öffnen. „Schade, ist doch nur ein Zerrer-Pedal, sieht aber gut aus.“ Aus dem Abend mit hochprozentigen Getränken wurde also nichts – aber der Fetto sorgte trotzdem für gute Unterhaltung. Und wenn ihr wissen wollt, wie der Verzerrer mit dem Vogel-Strauß-Logo auf der Oberseite klingt, dann bitte einfach weiterlesen.

Details

So einfach kann man einen Gitarristen beeinflussen. Aber keine Sorge, der Fetto wird natürlich absolut unvoreingenommen und selbstverständlich ohne Alkoholeinfluss getestet. Der Name Himmelstrutz war mir bislang nicht geläufig, lediglich ein Kollege hatte mir mal davon erzählt. Mittlerweile gibt es ja so viele kleine Hersteller von Boutique-Pedalen, da kann man nicht alle kennen. Vor allem, weil die meisten überwiegend direkt verkaufen und man ohne eine Empfehlung oder permanente Internetrecherche erst gar nicht auf sie stößt. In diesem aktuellen Fall hebt sich aber schon der Herstellername aus der Masse der kleinen Manufakturen hervor. „Himmelstrutz“ – was soll das sein…? In einem Interview erzählt der Firmengründer Joakim Hedeby, dass der Name Himmelstrutz eine Hommage an den eher unbekannten schwedischen Schriftsteller Sture Dahlström ist. Sowohl der Firmenname als auch die Namen einiger seiner Pedale sollen eben diesen Schriftsteller und einige von ihm geschaffene Charaktere ehren.
Auf der Hersteller-Website werden die Himmelstrutz-Pedale als „developed and handmade south of the north Pole“ bezeichnet, und mit dieser etwas wagen geografischen Bezeichnung ist Schweden gemeint. Der Kopf hinter dem Ganzen ist der eben bereits erwähnte Joakim Hedeby – und der hat einen sehr eigenen Humor, wie man den Videoclips auf seiner Homepage entnehmen kann. Seit 1988 werkelt Joakim schon an seinen Pedalen. Im Augenblick des Tests umfasst sein Angebot acht handgefertigte Pedale, fünf weitere werden auf Anfrage gebaut. Dabei handelt es sich ausschließlich um Verzerrer-Pedale in unterschiedlichen Klangfarben und Charakteristiken, die auf so klangvolle Namen wie Fitzo, Gramps, Under Overdriver, Miss und Mr Nutcracker oder Fetto Nord hören. Letztgenannter verbarg sich übrigens in dem mysteriösen Karton und wartet nun darauf, von mir „verkostet“ zu werden.

Der Fetto macht seinem Namen alle Ehre, denn er hat zwar die Maße der kleinen MXR-Pedale, sein Gewicht ist aber deutlich höher. Hier wurde ein extrem robustes gusseisernes Gehäuse verbaut, das den Strapazen auf den Bühnen dieser Welt locker standhalten wird.
Trotz seiner überschaubaren Größe wird die Oberseite des Pedals von einer ganzen Reihe Reglern und Schaltern besiedelt. Hier parken vier kleine, rautenförmig angeordnete Regler mit schwarzen Hartgummiknöpfen und weißen Markierungen, sodass man die Reglerpositionen auch bei dunklem Bühnenlicht gut erkennen kann. „Südlich des Nordpols“ haben sich dann noch zwei Schalter, mit den Bezeichnungen ´Gimme´ und ´More´ niedergelassen. Dazwischen prangt das Himmelstrutz-Logo, ein etwas dumm aus der Wäsche guckender Vogel Strauß mit LEDs anstelle von Augen – links blau und rechts rot, bei vollem Betriebszustand verleihen die beiden Leuchtkörper dem armen Tier einen noch belämmerteren Gesichtsausdruck. Wie gesagt, Joakim Hedeby hat schon einen schrägen Humor, mir gefällt´s!
Die Anschlüsse sind seitlich positioniert: auf der rechten Seite der Input, links der Ausgang zum Verstärker. Der Fetto Nord kann wahlweise mit einer 9V-Batterie oder einem Standard-Netzteil mit Strom versorgt werden. Der Anschluss für das Netzteil befindet sich auf der rechten Seite neben der Input-Buchse. Bevor man die Batterie ins Spiel bringen kann, ist es notwendig, die mit vier Schrauben fixierte Bodenplatte zu entfernen. Übrigens: Der Hersteller empfiehlt beim Einsatz von Netzteilen ausschließlich gerade Stecker zu verwenden, da die Abgewinkelten seiner Meinung nach keine sichere Verbindung herstellen, da sie in der Öffnung der Buchse wackeln. Und das ist tatsächlich so und liegt daran, dass die Buchse zum Anschluss des Netzteils beim Fetto versenkt eingebaut ist. Daher kann ein gewinkelter Stecker etwas weniger tief in die Buchse eindringen als eine gerade Variante, was zu Verbindungsproblemen führen kann.
Der Fetto Nord ist als Overdrive mit zusätzlicher Boost-Funktion konzipiert. Mit dem Schalter ´Gimme´ wird der Overdrive aktiviert, die Boost-Funktion kommt mit dem rechten Schalter (More) ins Spiel. Man kann den Boost auch ohne Overdrive benutzen, die Lautstärke wird in diesem Fall mit dem More-Regler eingestellt. Der Overdrive bietet die drei Standard-Regelmöglichkeiten, Volume für die Endlautstärke, Tone für die Klangfarbe und Drive für den gelieferten Verzerrungsgrad.

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irfan sagt:

#1 - 23.02.2013 um 05:43 Uhr

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Vielen Dank für diesen aufschlussreichen Test. Ich kann nur in einem Punkt ab-so-lut nicht zustimmen: 429 Euro sind kein "relativ hoher" Preis - das ist unverschaemt teuer. Bei allem Respekt vor eurer Professionalitaet... Das das kein 429 Euro-Sound ist, hören auch wir. Bei dem Preis müsste das Teil auch noch Kaffee kochen und Staub saugen... dann ging's. Trotzdem danke - denn nun muss ich mir das Teil n i c h t anhören.

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