Anzeige
ANZEIGE

Genelec M040 Test

Praxis

Allgemeines

Das Vorgehen dürfte bekannt sein: Auspacken und auf die Stative ins 1m-Stereo-Dreieck rücken, die Kabel rein, alle Filter auf „Null“ und los geht es! Das englische Handbuch habe ich dafür noch nicht gebraucht. Der Übersichtlichkeit halber werde ich mich bei dem Vergleich mit anderen Speakern aber nur auf die wichtigsten Gegner der Genelec M040 konzentrieren. 
Halt, Moment – hier tut sich gar nichts… Nach dem Einschalten bleibt die Box erst einmal für ein paar Sekunden stumm, unterdrückt somit aber Einschalt-Störgeräusche von anderem angeschlossenem Equipment. Nach 30 Minuten Inaktivität auf der Audioleitung schaltet die Box auch wieder von alleine auf „Stromsparen“ um. Top! Vom Pegel her habe ich mich für das -20dB-Setting entschieden. Das reicht locker, um die Box mit +4 dBu auszusteuern. Als Wandler kam mein RME UFX, als Monitorcontroller der Drawmer MC-1 zum Einsatz.

Genelec ist und bleibt „Ideal Standard“

Mein erster Gedanke, als ich wieder mal Genelec hörte, war: Die rockt –  und das, obwohl sie grundsätzlich sehr linear und schlank abgestimmt ist. Die Mitten sind dabei sehr direkt, allerdings ohne unangenehm zu sein, die Ortung in der Stereobreite ist dabei äußerst präzise und fokussiert. Der große Nahfeld-Sweetspot ist ebenfalls überzeugend färbungsfrei! Trotz vieler akustischer Raummaßnahmen meinerseits gibt es hier in meinem Studio immer noch einen kleinen Rest Raumanteil, aber selbst dieser tritt bemerkenswert weit in den Hintergrund zurück. Wie eine Laborlupe spannt die Genelec ihren Arbeitsbereich weit auf und bleibt in diesem sehr souverän. Das Wichtigste dabei ist aber, dass sie den Spaß vergisst nicht, was mir gerade bei rockigen Gitarren auffällt! Fast alle Speaker in unserem Vergleich klangen hier durchaus anstrengend!

Knackige Höhen und Bässe – allerdings nicht besonders laut 

Höhen sind auch weitreichend und präsent verfügbar, aber auch nicht überzeichnet, sodass selbst längste Sessions nicht anstrengend werden. Im Vergleich fällt hier besonders die Qualität des Tweeters auf, der deutlich mehr Details präsentiert als alle anderen Speaker im Vergleich. Transienten kommen schnell und unverfälscht – überhaupt scheint die kleine Box unbeeindruckt von meinem Raum. Mit den Genelecs lässt sich gleichermaßen leise als auch mäßig laut gut arbeiten und beurteilen. Auch das Grundrauschen ist auf einem absolut professionellen, geringen Niveau.
Der Bass allerdings ist recht schlank, aber das ist gar nicht mal so schlecht: Die 8040 habe ich beispielsweise damals immer mit -2 dB im Bass aktiviert gehabt – und machen wir uns nichts vor, die wenigsten werden ihr Studio in der freien Natur (“Free Space”) aufbauen. Vor allem wer in Mietwohnungen produziert, wird seine Monitore zwangsweise wandnah aufstellen und dafür reicht die Basspower hier allemal locker aus! Im Gegenteil: Man wird sicherlich eher absenken als anheben wollen, weil sonst an der Aufstellung grundlegend etwas falsch ist. Und mit den vielen detaillierten und klickbaren Filtern ist die M040 sicherlich in diesem Preissegment mit am pragmatischsten gestaltet. 
Allerdings muss man fairerweise auch eingestehen, dass die Box nicht so richtig pegelfest ist und sie bei etwas lauterem Pegel und bei bassintensiver Musik durchaus früh mit Portturbulenzen zu kämpfen hat. Im Bereich moderater Pegel ist allerdings alles gut. Macht man hingegen den Stresstest mit lauter “unmastered” Heavy-Low-End-Musik, dann stößt man schnell in den Grenzbereich des physikalisch eben doch recht kleinen Gehäuses, was dann in heftigsten Turbulenzen am Bassport mündet. Angst, die Box dabei zu beschädigen, hatte ich nicht – es klang nur offensichtlich nicht so doll und pustete mir auch ordentlich Wind ins Gesicht. Die konservative Abstimmung des Basses ist hier meiner Meinung nach also grundsätzlich gut. 
Die Tisch-Aufstellung habe ich aus ideologischen Gründen nicht ausprobiert, denn das widerspricht meinen Bemühungen, hier immer wieder auf die Notwendigkeit von vernünftigen Stativen hinzuweisen. Geht es aber eben mal gar nicht anders, sollte man dann neben dem Tabletop-EQ auch das Bass-Level dazu mit anpassen. Witzigerweise habe ich festgestellt, dass dieses breite Glocken-Filter mit seinen rund -3 dB um die 230 Hz auch bei meiner Stativ-Platzierung direkt hinter dem Schreibtisch einen äußerst positiven Effekt auf die ohnehin gute Auflösung hatte. Das System arbeitet jetzt weitaus luftiger, weil selbst diese Tisch-Reflexionen kompensiert wurden. Filter- und Anschluss-seitig ist man hier also definitiv auf der richtigen Seite, für jegliches praktische Problem wird man dementsprechend schon eine passende Filter-Kombination finden!
Genelec_M040_02_fronaandback
Die Genelec M040 von vorn und von hinten.

Genelec M040 vs Alpha Focal 65 ( EUR 628,– vs EUR 299,–) 

Im Direktvergleich zwischen M040 und Alpha 65 machen die Focal durchaus einen etwas verschmierten Eindruck. Die Höhen der M040 sind lauter und dennoch präziser, die Mitten wiederum neutraler und ehrlicher als bei den Focals. Okay, die Genelec kostet auch mehr als das Doppelte! Hatte man bei den Focals schon ein guten räumlichen Eindruck, können die M040 in puncto Tiefenstafflung und räumlicher Breite deutlich eins drauflegen. Somit ließen sich Instrumente klarer separieren. Letztendlich fielen die Bässe der M040 neben der Focal allerdings überraschend dünn aus, und auch mit Portturbulenzen hat die Alpha 65 deutlich weniger Probleme bei hohem Pegel. Es bewahrheitet sich einmal mehr: Für ein bisschen mehr Qualität muss man im Audiobereich gleich deutlich tiefer in die Tasche greifen. Im Vergleich sind beide Boxen in ihrem Preissegment allerdings Spitzenreiter.

KRK VXT6 vs. Genelec M040 (EUR 528,– vs. EUR 628,–)

Auch hier fällt die VXT6 hier mit ihren spitzen, etwas stressigen Höhen auf. Die M040 klingt hier deutlich gelassener und linearer. Der Hochtöner der M040 löst sauberer auf, wodurch die Höhen insgesamt auch viel unstressiger klingen. Generell zeichnet die Genelec feiner und bietet mehr Details – vor allem was die Mitten betrifft. Ausgewogener zugunsten der Genelec trifft es auch. Die räumlichen Abbildungsleistungen ist bei beiden Monitoren zunächst ähnlich gut, doch auch hier ist die Stereostafflung der M040 einen  feiner aufgelöst, was deutlich präzisere Beurteilung der Stereobühne zulässt, vor allem auch was die Tiefenstaffelung anbelangt. Schwächen muss sich die Genelec nur bei der Tiefbasswiedergabe eingestehen, welche relativ dünn abgestimmt ist und leider doch recht früh zu Portturbulenzen neigt. Die KRK schlägt sich bei gehobenem Pegel also deutlich wackerer.

Adam Audio A7X vs. Genelec M040 (EUR 549,– vs. EUR 628,–)

Neben den etwas „boomigen“ A7X fallen die extrem schlanken Bässe der M040 deutlicher ins Gewicht, wenngleich die A7X hier auch bassmäßig zu viel bieten. Während bei der M040 deutliche Portturbulenzen durch Jens Zimmermann verursacht wurden, neigt die A7X – bevor es zu deutlichen Port-Verzerrung kommt – zu einem leichten „Pocken“ auf den tiefen Kickdrums. Bei moderaterem Pegel lag die A7X mit ihrer Präsenz und der Tiefe im Bass allerdings vorn. Anders sieht es hingegen in den Mitten aus, denn hier macht die A7X einen vergleichsweise dünnen Eindruck, auch wegen der recht präsenten Höhen. So kommt der leicht „boxige“ HiFi-Charakter der A7X noch mehr zur Geltung. Die M040 hingegen punktet mit Linearität und Ehrlichkeit. Insgesamt wirkt der M040 wesentlich analytischer. Schick genug fürs Wohnzimmer wäre sie auch, genau wie die A7X.
Kommentieren
Profilbild von Hogo

Hogo sagt:

#1 - 10.02.2014 um 01:12 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Da sieht man mal, wie wichtig Marketing ist. Genelec hat den Fehler gemacht, die M-Serie als "Music Creation"-Serie für Projekt- und Homestudios zu lancieren. Ich glaube, davon lassen sich viele User, die ein "Pro"-Modell suchen abschrecken. Und auch die Fachpresse hat im Kopf wohl schon das Vorurteil, dass die Dinger ja dann nicht vollprofessionell sein können (die Psyche ist halt ein Ding für sich). Die Neumann KH 120 werden ja derzeit überall und auch in der Fachpresse als das Ultimative in der Preisklasse dargestellt.
Ich rate JEDEM, der eine Abhöre in der Preisklasse sucht, sich nicht vom Neumann-Nimbus blenden zu lassen und die M040 mit in einen Vergleichstest zu nehmen. Mir ging es genauso, dass ich mich (im Kopf) schon auf die Neumann festgelegt hatte, bis ich durch Zufall die Genelec M040 gehört habe. Nicht nur das organische Design ist ein Knaller, die Teile überragen in räumlicher Auflösung und Bassdetails die Neumann bei weitem. Jeder hat andere Ohren, aber bei soviel Geld erlaube ich mir mal einen Tipp zu geben und den einen oder anderen User vor einer evtl. Fehlentscheidung zu bewahren. Aber jedem das seine...

Kommentare vorhanden
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.