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Test
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25.10.2016

Praxis

Sounds

Wie bereits erwähnt richtet sich das YDP-163 vor allem an Klavierspieler, die einen Ersatz für ein akustisches Piano suchen, sei es aus Kostengründen oder der Nachbarn wegen. Hauptaufgabe unseres Testkandidaten ist es also, einen natürlichen und dynamischen Klaviersound zu liefern, und das im besten Fall sowohl über Kopfhörer als auch über die eingebauten Lautsprecher. Yamaha nutzt zur Klangerzeugung die eigens kreierte Pure CF Sound Engine, die im Vergleich zum Vorgängermodell laut Hersteller optimiert worden sein soll. Die maximale Polyphonie wurde jedenfalls verbessert: War beim YDP-162 nach 128 Noten Schluss, schafft unser Testkandidat nun 192 Stimmen. Abreißende Noten muss man deshalb selbst bei kräftigem Pedaleinsatz und wilden Clustern nicht befürchten.

Das Pure CF Verfahren nutzt Samples eines Yamaha CF Flügels, die in ihrem Dynamikumfang, in der Ansprache und in der Auflösung insgesamt ein rundes Bild abgeben. Die Abstufung der unterschiedlichen Anschlagstärken ist ebenso gelungen wie die Intonation über den gesamten Tastaturumfang. Erfreulich sind Features wie Halbpedal-Erkennung und Dämpfer-Resonanz, die mitschwingende Saiten bei gedrücktem Pedal simuliert. Schwächen offenbaren sich allerdings im Ausklang, da man beim Verebben von lang liegenden Noten die Loops hört, mit denen die Töne künstlich verlängert werden. Auch Nuancen wie etwa die mechanischen Geräusche des Pedals oder Saitenresonanzen bildet das YDP-162 nicht ab. Führt man sich das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Zielgruppe vor Augen, kann man mit solchen Einschränkungen aber durchaus leben.

Piano 1 ist der voreingestellte Sound, der in gewohnter Yamaha-Manier brillant und drahtig klingt. Vom Pianissimo bis zum Fortissimo setzt sich dieser Flügel gut durch, ohne anzustrengen. Ein voller und frischer Grundsound. 

(Hinweis: Im ersten der folgenden Klangbeispiele kommt ein MIDI-File zum Einsatz, das auch bei vielen anderen unserer Digitalpiano-Tests verwendet wird, beispielsweise beim YDP-143. So könnt ihr das YDP-163 am besten mit anderen Modellen vergleichen. Die zweite Aufnahme wurde live auf der Tastatur des YDP-163 eingespielt.)

Das zweite Piano ist deutlich weicher und eignet sich zur Interpretation von lyrischer Musik oder für zarte Balladen. Obwohl hier Obertöne fehlen, wirkt der Klang nicht dünn oder blass, sondern ausgewogen und fein.

Beim dritten Klaviersound hat Yamaha offensichtlich Freunde der kräftigeren Töne im Visier. Mit diesem knalligen, rockigen Piano lässt sich gut Pop oder Blues spielen.

Die unterschiedlichen Charakteristika der drei Klavierklänge werden vermutlich nicht durch komplett neue Samples, sondern eher durch Variationen im EQ oder Effekt-Setting erzeugt. Dennoch kann man mit diesen drei gelungenen Klangfarben ein breites Spektrum abdecken. Ich persönlich hätte mir ein Upright gewünscht, aber damit kann das Testgerät leider nicht dienen.

Stattdessen gibt es sieben weitere Sounds, die man getrost als Dreingabe bezeichnen kann. Allerdings sind auch hier ein paar wirklich brauchbare Sounds dabei. Wer eine Achtziger-Pop-Ballade stilecht darbieten möchte, wird sich über das FM-Piano freuen, das herrlich glockig und erstaunlich originalgetreu seinem hauseigenen Vorbild DX7 nacheifert.

Nicht weniger gelungen finde ich das E-Piano 2, das ein recht dynamisches Fender Rhodes imitiert. Wer ordentlich zulangt, kann diesen Sound schön zum Bellen bringen.

Für das Spielen von Barockmusik oder Oratorien bietet sich das Cembalo an, das mit Release-Samples aufwarten kann und ebenfalls keine schlechte Figur macht.

Wer sich auf das Terrain des Lounge-Jazz begeben möchte, wird mit dem Vibraphon Spaß haben. Ein dezenter Tremolo-Effekt sorgt dafür, dass der Sound nicht leblos erscheint.

Auch eine Kirchenorgel hat das Digitalpiano mit an Bord, die mit ihrer gedeckten Registrierung und einem entsprechenden Hall gar nicht schlecht klingt. In der passenden Lage kann dieser Sound auch eine Drehorgel simulieren.

Als Hammond-Ersatz taugt das YDP-163 leider nicht, obwohl die Steuerung der Leslie-Geschwindigkeit mit dem linken Pedal ein nettes Detail ist. Zu statisch wirkt die Jazz-Orgel, gehört aber auch sicher nicht zu den wirklich wichtigen Sounds unseres Testkandidaten.

Auch die Strings erheben keinen Anspruch auf Authentizität. Vielmehr kann dieser Sound als Pad herhalten und als Layer ein Piano oder E-Piano unterfüttern.

Die zehn Preset-Sounds sind mit unterschiedlichen Hall-Räumen versehen. Diese lassen sich auch verändern, denn das YDP-163 verfügt über vier gut klingende Reverb-Typen, die man im Anteil regeln kann. 

Tastatur und Pedale

Gegenüber seinem Vorgänger YDP-162 hat das Testgerät in Punkto Tastatur ein Upgrade erfahren. Erstmals in der Arius-Serie wird im YDP-163 Yamahas GH3-Tastatur verbaut, die nicht nur eine Oberfläche aus synthetischem Elfenbein hat, sondern auch drei Abtastpunkte, mit denen ein noch nuancierteres und dynamischeres Spiel möglich ist. Durch die drei Sensoren wurde das Repetitionsverhalten verbessert, da die Taste nun nicht mehr komplett zurückschnellen muss, bevor sie den Sound erneut auslösen kann. So kann man Töne schneller wiederholen und kommt dem Spielgefühl eines echten Flügels sehr viel näher. Dazu trägt auch die graduierte Gewichtung bei, die wie bei einem akustischen Flügel im Diskant weniger Widerstand hat als im Bassbereich. Insgesamt wirkt die Mechanik hochwertig und vermittelt ein natürliches Spielgefühl. Durch die relativ starke Gewichtung braucht man für ein Fortissimo ähnlich viel Kraft wie bei einem akustischen Klavier.

Nicht ganz überzeugen kann mich, vor allem im Vergleich mit anderen Herstellern, die Oberfläche der Tasten, die sich nach meinem Dafürhalten nicht wie Elfenbein anfühlt. Ich vermisse die feine, individuelle Struktur, die echtes Elfenbein hat. Vielmehr wirkt die Decklage eher mattiert und leicht aufgeraut. Das ist bestimmt ein Vorteil, wenn man zu schwitzigen Fingern neigt. Ob es sich wirklich gut anfühlt, muss jeder nach seinem persönlichen Geschmack und Anspruch entscheiden.

Die drei Pedale im unteren Querbalken steuern Soft, Sostenuto und Sustain, letzteres wie erwähnt mit Halbpedal-Erkennung. Damit sich nicht die Balken biegen, wenn man zu heftig tritt, gibt es eine Distanz-Schraube, die man bis zum Boden herausdrehen kann. Die Pedale geben einen naturgetreuen Widerstand und wirken sehr solide.

Lautsprecher

Neben den beiden Kopfhörer-Ausgängen, die einen satten und rauschfreien Pegel liefern, gelangt der Sound durch die eingebauten Lautsprecher an die Außenwelt. Im Boden des Spieltisches sind links und rechts zwei Speaker mit jeweils 20 Watt Leistung eingelassen, die den Klang nach unten abstrahlen. Das Volumen ist enorm, man braucht nicht zu befürchten, dass das Instrument zu leise sein könnte, selbst wenn man in größeren Ensembles zusammenspielt. Klar, für den Proberaum der Rockband reicht das interne Boxensystem nicht aus, dafür müsste man wohl die Kopfhörer-Ausgänge anzapfen und das Piano damit an eine größere Anlage anschließen. Für das heimische Wohnzimmer bringt das YDP-163 aber genug Reserven mit und bleibt selbst bei hohen Lautstärken sauber und verzerrungsfrei. Dafür sorgen möglicherweise auch der „Intelligent Acoustic Control“ und der „Acoustic Optimizer“, die auf das Signal nach Art eines Kompressors/Limiters einwirken.

Sonstige Funktionen

Für Übungszwecke hat das Homepiano nicht nur den internen Recorder und die Apps zum Aufzeichnen des eigenen Spiels, sondern auch ein Metronom am Start. Sitzen Klavierschüler und Klavierlehrer gemeinsam am Instrument, lässt sich der Duo-Mode einschalten, der die Tastatur in zwei Hälften mit gleichem Tonumfang teilt. Und wer nicht selbst in die Tasten greifen, sondern nur zuhören möchte, lässt sich die zehn Demosongs oder die fünfzig ausgewählten Stücke mit klassischer Klavierliteratur vorspielen. 

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