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Test
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24.09.2019

Yamaha PSR-SX900 Test

Entertainer Keyboard

Kleiner Genos?

Yamaha hat mit der PSR-SX-Serie neue Keyboard-Modelle vorgestellt, die direkt unterhalb des Flaggschiffs Genos angesiedelt sind. PSR-SX900 und PSR-SX700 sind als direkte Nachfolger der Modelle PSR-S975 und PSR-S775 anzusehen, die damals die kleinen Brüder des Tyros 5 waren. Auffallendste Neuerung bei den neuen Instrumenten ist vor allem das nun vorhandene Touch-Display und die Menüführung wie beim Genos. Damit besitzt das PSR-SX900 auch viele Funktionen, Voices und Styles des Genos, kostet aber derzeit immerhin mehr als ein Drittel weniger als der Genos.

Das Modell eine Stufe unter dem Spitzenmodell war bei Yamaha immer schon ein interessantes Kaufobjekt. Man erhält viele Funktionen des wesentlich teureren Flaggschiffs in einem kompakten Gehäuse mit eingebauten Lautsprechern zu einem wesentlich günstigeren Preis. Im Vergleich zum Vorgängermodell PSR-S975 besitzt das PSR-SX900 jetzt zwei weitere Sub-Outputs, drei Parts für die rechte Hand (bisher zwei), zuweisbare Taster, einen Joystick, eine verbesserte Tastatur, ein optimiertes Lautsprechersystem und auch Features, die selbst im Genos nicht vorhanden sind. Mit dem CHORD LOOPER lassen sich beispielsweise Akkordfolgen aufnehmen und wiedergeben. Wie nahe kommt das PSR-SX900 an den Genos heran? Diese Frage soll hier beantwortet werden!

Details

Erster Eindruck

Das Instrument ist mit 11,5kg angenehm leicht und schnell aus dem Karton gehoben. In puncto Design ist Yamaha beim PSR-SX900 keinen neuen Weg gegangen. Im Gegensatz zum mutig geschwungenen Genos, kommt das PSR-SX900 ähnlich wie sein Vorgänger in einem kantigen, schwarzen Kunststoffgehäuse daher. Lediglich die Ecken sind leicht abgeschrägt und abgerundet. Das Bedienpanel rund um das neue Touch-Display besteht aus einer schwarzen Leichtmetall-Platte, die dem Gerät ein wertiges Erscheinungsbild gibt. Dadurch, dass ein berührungsempfindlicher Bildschirm verbaut ist, fallen viele Taster rund um das Display weg, die beim PSR-S975 noch nötig waren. Im Gegensatz zum Genos hat Yamaha allerdings beim kleinen Bruder nicht auf die Tastenblöcke verzichtet, die zur direkten Anwahl der Style- und Voice-Kategorien dienen. Eigentlich sind sie nicht mehr nötig, ohne sie wäre das Bedienfeld noch übersichtlicher geworden. Immerhin sind es weniger Tasten geworden, man hat durch eine Umstrukturierung mehr Styles und Voices in weniger Kategorien aufgeteilt. Die Anschlüsse auf der Rückseite sind von oben gut erreich- und erkennbar!

Bedienfeld

Das Touch-Display ist mit 7“ kleiner als das des Genos (9“). Die eingebauten Lautsprecher rahmen das Bedienpanel ein. Links von Display liegen wie immer die Taster zur Bedienung des Arrangers, also der Song- und Style-Sektion. Dort befinden sich außerdem der Ein/Aus-Schalter, der Drehregler für MASTER VOLUME und die LIVE CONTROL Regler mit dem Assign Button. Die Steuerelemente für den Audio- und Midi-Recorder sind gegenüber dem Vorgängermodell etwas vereinfacht. Man ruft mit den Tasten PLAYER oder RECORDING das entsprechende Menü auf und kann mit den sechs Transport-Tasten getrennt für Midi- und Audiosongs zusätzlich zur Steuerung im Touch-Display auch hardwaremäßig den Song beeinflussen.

Die zehn STYLE-Tasten dienen dazu, die gewünschte Style-Kategorie (von POP&ROCK bis EXPANSION/USER) aufzurufen. Außerdem gibt es Taster für TEMPO, TRANSPOSE und RESET/TAP TEMPO. Letzteres ist eine sehr praktische Funktion, die man selbst im Genos nicht findet: Durch einfaches Betätigen der RESET-Taste springt der gerade laufende Style zum Taktanfang. Das ist sehr praktisch bei Songs, die unterschiedliche Taktarten beinhalten. Beispiel: „All Night Long“ von Lionel Richie besitzt als Auftakt zum Chorus einen 2/4 Takt („All Night“). Bei „Long“ drückt man dann quasi beim dritten Taktschlag die RESET Taste und der Style beginnt hier wieder auf der Eins und läuft dann normal als 4/4-Takt weiter. Ich bin gespannt, wann der Genos dieses Feature auch verpasst bekommt.

Die beiden LIVE CONTROL Regler lagen beim PSR-S975 noch über den Spielhilfen links neben der Tastatur. Ich finde die neue Position besser, man kann sie mit beiden Händen erreichen. Die neuen CHORD LOOPER Tasten sind auch beim Spielen des Instruments schnell erreichbar. Auf diese Funktion werde ich später im Test ausführlich eingehen. Zu erwähnen sind noch zwei wichtige Taster: MIXER/EQ öffnet den Mixer im Display und DIRECT ACCESS ermöglicht das sehr schnelle Aufrufen des Kontextmenüs einer ausgewählten Funktion. Unterhalb des Touch-Display befinden sich nun sechs frei belegbare ASSIGNABLE-Tasten, auf die man häufig verwendeten Funktionen legen kann. 

Rechts vom Display liegt natürlich das Datenrad mit den obligatorischen DEC-, INC-, EXIT- und ENTER-Tasten, sowie die MENU-Taste zum Aufruf der Übersicht über die meisten Untermenüs. Mit PLAYLIST erreicht man die neue Funktion der entsprechenden Datenbank und mit MIC SETTING/VOCAL HARMONY ruft man das Menü des eingebauten Vocal-Prozessors auf. Waren es beim PSR-S975 noch 15 Kategorien, so kann man jetzt aus 12 Klangfamilien von PIANO & E.PIANO bis EXPANSION/USER auswählen. Die PART-SELECT und PART-ON/OFF-Sektion ist vom Vorgänger übernommen worden, jetzt gibt es einen Part mehr für die rechte Hand, also drei!

Sehr vorteilhaft finde ich, dass alle Bedienelemente, die direkt über der Tastatur liegen, unverändert geblieben sind. Die Steuerung der Styles, die An- und Auswahl der Registrations, die Bedienung der Multipads und der One-Touch-Settings und die +/- Tasten für die Okatvlage der Upper-Parts hat sich gegenüber dem Vorgänger nicht geändert. Dadurch werden User, die den Umstieg auf die neue Generation wagen, hier keine Probleme mit der Bedienung haben. Sind diese Taster mit einer Funktion belegt, so leuchten sie blau; sind sie aktiv, leuchten sie orange. Gewöhnungsbedürftig dagegen dürfte der Umstieg vom Pitch-Bend- und Modulationsrad auf den jetzt verbauten Joystick sein.

Wie beim Genos gibt es einen MODULATION HOLD-Taster, mit dem der momentane Modulationswert (Y-Achse) eingefroren werden kann. Daneben liegt ein zuweisbarer Taster ROTARY SP/ASSIGNABLE, mit dem normalerweise die Geschwindigkeit des Leslie-Effekts von langsam auf schnell umgeschaltet wird, der aber auch andere Funktionen übernehmen kann. Artikulations-Taster wie beim Genos zur Beeinflussung der Sounds findet man beim PSR-SX900 nicht.

Anschlüsse

Links vorne befindet sich der Kopfhöreranschluss. Die Anschlüsse auf der Rückseite haben sich im Vergleich zum PSR-S975 etwas geändert. Neben dem Stereo-Audio-Ausgang (2 x 6,3mm Klinke) gibt es jetzt auch zwei weitere Ausgänge SUB (AUX) OUTPUT 1 und 2. Man kann also jetzt bestimmte Klänge wie z. B. den Bass auf einen separaten Ausgang legen. Nutzt man das PSR-SX900 in einer Band, so kann der Soundmann dann den Bass auf einen eigenen Kanal in seinem Mischpult legen und hat so viel bessere Möglichkeiten, die Lautstärken und den Klang dem Raum anzupassen.

Es sind zwei zuweisbare Fußpedal-Buchsen und ein Aux-Eingang (Stereo-Miniklinke) zum Anschluss einer externen Klangquelle vorhanden. Der MIC/GUITAR-INPUT ist in Form einer 6,3mm-Klinkenbuchse ausgeführt und lasst sich mittels eines kleinen Schalters zwischen Mikrofon- und Gitarren-Signalen umschalten. Der Gain lässt sich mit einem kleinen Drehregler einstellen.  Neben einem MIDI-In-Out-Paar gibt es zwei (!) USB-Device-Buchsen zum Anschluss eines USB-Sticks (auch des optionalen USB-WLAN-Sticks UD-WL01) sowie einen USB-Port für die Anbindung an einen Computer. Es gibt keinen Video-Ausgang mehr, dafür muss man jetzt einen der beiden USB-Device-Buchsen und einen optionalen USB-Display-Adapter verwenden.

Der Genos besitzt im Vergleich zum PSR-SX900 einige Anschlüsse mehr, z. B. einen dritten USB-Device-Anschluss, einen Digitalausgang, ein komplettes zusätzliches MIDI-Paar, einen dritten Fußpedal-Anschluss, eine XLR-Combo-Buchse für das Mikrofon und 4 separate Audio-Ausgänge. Das Netzgerät ist beim Genos ins Gehäuse integriert, während man beim PSR-SX900 leider ein externes Netzteil anschließen muss.

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