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Test
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29.01.2019

Praxis

Tastatur

Die anschlagsdynamische leicht gewichtete 61-Tasten-Klaviatur mit Leuchttasten kann überzeugen! Sie kann qualitativ mit wesentlich teureren Keyboards locker mithalten. Die Anschlagsdynamik kann in drei Stufen (Hard, Medium, Soft) eingestellt oder auf einen festen Wert eingestellt werden.

Klang

Die eingebauten 2 x 2,5 Watt-Lautsprecher ergeben ein für diese Preisklasse ausgewogenes Klangbild und ausreichend Volumen für zuhause. Gerade das akustische Klavier, der wichtigste Sound in einem solchen Keyboard, klingt recht ausgewogen und realistisch. Mit einem editierbaren Hall-Effekt kann man den Klang des EZ-220 abrunden. Audiobeispiele gibt´s im Kapitel “Voices”

Bedienung

Das EZ-220 besitzt keinen einzigen Dreh- oder Schieberegler. Alle Werte – auch die Lautstärke – werden eingetippt oder durch Plus- und Minus-Tasten verändert. Das kleine Display stellt die wichtigsten Funktionen und Parameter dar.

Beim Einschalten begrüßt das EZ-220 mit einem beeindruckenden Leuchttasten-Glissando. (Video: Andreas Recktenwald)

Ein kleiner LCD-Balken ganz links im Display zeigt die eingestellte Gesamtlautstärke an. Rechts daneben besitzt das Display eine Notendarstellung, also ein komplettes Piano-Notenliniensystem, in dem die gespielten Melodie- und Akkordnoten angezeigt werden. Außerdem zeigt das EZ-220 den aktuell gespielten Akkord als Buchstabensymbol mit Optionen (z. B. Cm9) an. Bemerkenswert ist die Fingersatz-Anzeige im Display: Beim Üben eines der 100 Songs wird der Fingersatz für die rechte und linke Hand über zwei dargestellte Hände im Display angezeigt. Die Finger, die man für die zu spielende Note benutzen soll, werden dunkel und mit ihrer Zahl dargestellt (von Daumen = 1 bis kleiner Finger = 5), sodass man - zusammen mit den Leuchttasten - alle Informationen erhält, um das Stück richtig zu Spielen. Selbst ein Über- oder Untersatz der Finger wird mit Pfeilen angezeigt. Je nachdem ob man die rechte, die linke, oder beide Hände üben will, wird die Anzeige angepasst. Ganz rechts im Display werden die Taktschläge durch blinkende Pfeile und die Taktnummer des Songs, oder des Styles angezeigt. 

Die wichtigste Anzeige im Display ist aber die Darstellung der Nummern und Namen der Songs, Styles und Voices. Dieser Bereich des Displays stellt bei Bedarf auch Parameter-Werte dar und zeigt an, wenn etwas verändert wurde. Etwas unbefriedigend in diesem Zusammenhang ist die FUNCTION-Taste. Alle Parameter, die nicht direkt durch entsprechende Tasten verändert werden können, müssen in diesem “Untermenü” durch wiederholtes Tippen auf die FUNCTION- Taste gesucht werden. Es sind 21 verschiedene Parameter, also muss man ganz schön oft Tippen, um zum gewünschten Parameter zu gelangen. Hält man FUNCTION gedrückt und betätigt die “-”-Taste, so geht man in der Liste rückwärts. Ein manchmal sehr zeitsparender Trick. Mit FUNCTION können Werte geändert werden, die beispielsweise das Tuning, den Hall oder den Split Point betreffen.

Leider werden diese Werte nicht dauerhaft gespeichert und sind beim nächsten Einschalten wieder weg. Es gibt auch keine Register, sodass man seine Lieblings-Einstellungen nicht archivieren kann. Das kann man aber auch bei einem Instrument dieser Preiskategorie nicht erwarten. Das Konkurrenz-Modell aus demselben Haus, das Yamaha PSR-E363, besitzt bei einem ähnlichen Preis neun Registerspeicher, ein beleuchtetes Display und mehr Sounds und Styles, allerdings keine Leuchttasten.

Voices

Das EZ-220 bietet eine 32-stimmige Polyphonie und eine Auswahl an 392 Klängen. Ich möchte hier ein paar Voices vorstellen, um einen Eindruck der Klangqualität zu vermitteln. Man sollte hier keine Wunder erwarten. Dennoch sind viele Klänge durchaus brauchbar und für den Einstieg ins Keyboardspiel völlig ausreichend. Die meisten Klänge sind “XGlite”-Voices. Sie entsprechen damit einem abgespeckten XG-Standard, der von Yamaha zum Abspielen von MIDI-Files eingeführt wurde. 

Songs und Y.E.S.

Das EZ-220 ist mit seinen Leuchttasten und der Yamaha Education Suite (Y.E.S.) schwerpunktmäßig dafür konzipiert, dem Keyboard-Einsteiger das schnelle Erlernen von Musikstücken zu ermöglichen. Dafür stehen 100 komplette Übungs-Songs als Presets unveränderbar im Keyboard zur Verfügung. Hier ein paar Beispiele.

Die entsprechenden Noten liegen dem Instrument als Songbook in gedruckter Form bei, können aber auch durch ein iPad dargestellt werden. Dazu und zu der PageTurner App später mehr. Es gibt drei verschiedene Lektionen, die eingestellt werden können: Im LISTEN & LEARN Modus hört man sich den Song einfach nur an und sieht anhand der Leuchttasten, welche Tasten auf der Klaviatur gespielt werden müssten. Auch im linken Bereich des Displays werden die gespielten Noten dargestellt.

Die beiden Hände im Display zeigen den richtigen Fingersatz an. Im TIMING Modus muss man versuchen, die leuchtenden Tasten der Noten zum richtigen Zeitpunkt zu spielen, während der Song normal abgespielt wird. Auch wenn man eine falsche Taste anschlägt, erklingt die richtige Note. Die meiner Meinung nach sinnvollste Übungs-Methode ist der WAITING Modus. Hier muss man wirklich die richtige Taste spielen, die einem im Display und über die Leuchttasten angegeben wird. Dabei pausiert der Song bei Bedarf, bis die richtige Note gespielt wird. Außerdem ändert sich das Wiedergabetempo des Songs entsprechend dem Spieltempo. Man kann diese Tempo-Anpassung auch deaktivieren. Dadurch, daß das EZ-220 immer geduldig “wartet”, hat der Übende nie das Gefühl, überfordert zu sein.

Selbst wenn man keine Noten lesen kann, muss man nur den rot leuchtenden Tasten folgen und die Begleit-Band im Instrument bindet das Gespielte sofort in das passende harmonische Gefüge ein. Auch Kinder ohne Notenkenntnisse können sofort loslegen und erleben bald ein Erfolgserlebnis. Nachdem der komplette Song durchgespielt wurde, wird dem Schüler im Display eine Bewertung der Lektion angezeigt. Das geht von “OK” über “Good” und “Very Good” bis hin zu “Excellent”. Man kann rechte und linke Hand getrennt voneinander oder auch zusammen üben.

In den folgenden Videos zeige ich den Song “Down By The Riverside” im LISTEN&LEARN- und im WAITING-Modus. Man erkennt bei WAITING-Lektion deutlich, wie das EZ-220 auf den nächsten Ton wartet und das Tempo anpasst. Im dritten Video lasse ich den Song “The Entertainer” ablaufen, der schon höhere pianistische Fähigkeiten verlangt.

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Die Song-Liste des EZ-220 wirkt leider etwas antiquiert und besteht hauptsächlich aus Traditionals und klassischen Stücken. Die Songs sind geschmackvoll produziert und es sind viele gute Übungsstücke dabei, aber man hätte sich ein etwas aktuelleres Repertoire gewünscht. Über den USB-Port kann das EZ-220 auch dazu benutzt werden, MIDI-Songs vom Computer abzuspielen. Dabei wird die Melodie-Stimme mit den Leuchttasten angezeigt, wenn die entsprechende Spur auf MIDI-Kanal 1 sendet. Leider kann die Yamaha Education Suite nur mit den 100 internen Preset-Songs verwendet werden. Es können auch keine neuen Songs in das Y.E.S. nachgeladen werden. Immerhin kann man aber durch das Abspielen von MIDI-Songs auch die Melodien von moderneren Stücken über die Leuchttasten einüben. Im folgenden Audio-Beispiel habe ich ein MIDI-File vom Computer aus zum EZ-220 geschickt, um die Klangqualität zu testen.  

Natürlich kann man das EZ-220 auch verwenden, um MIDI-Daten in den Computer zu senden. So kann das Keyboard auch gut in einem kleinen Home-Recording-Studio eingesetzt werden.

Styles

Die Begleitautomatik im EZ-220 besitzt 100 unveränderbare Preset-Styles. Zunächst läuft nur die Schlagzeugspur mit. Betätigt man die ACMP-Taste, werden zu dem mit der linken Hand gespielten Akkord harmonisch passende Begleit-Spuren aktiviert. Es gibt je Style zwei Variationen, A und B, zwischen denen man mit der AUTO FILL-Taste wechseln kann. Dabei wird beim Übergang zur jeweils anderen Variation ein automatischer Fill In gespielt.  Außerdem gibt es ein Intro und ein Ending. Auf Voice Nr. 000 wird ein OTS- (One Touch Setting) Klang abgelegt, der zum angewählten Style passen soll. Man kann natürlich auch einen anderen Sound spielen, aber oft ist es sehr hilfreich, wenn das Keyboard einen Vorschlag macht, mit welcher Voice die Melodie gespielt werden soll. Die Auswahl der Styles deckt eine große Bandbreite ab und lässt eigentlich keine Wünsche offen. Von BALLAD bis BALLROOM ist alles vertreten. Hier habe ich einige Styles mit den dazugehörigen OTS-Klängen angespielt.

PageTurner App

Yamaha hat mit der PageTurner App für das iPad eine Software speziell für das EZ-220 entwickelt, die man kostenlos im App Store installieren kann. Dieses Noten-Programm beinhaltet genau die 100 Übungs-Songs, die als Presets im Keyboard vorhanden sind. Da die Notenseiten entsprechend des Fortschreitens der Wiedergabe automatisch umgeblättert werden, kann man sich beim Betrachten der Noten voll auf das Spiel konzentrieren.

Man stellt dazu das iPad quer auf die Notenablage und fixiert das Tablet mithilfe der beigelegten Klammer, damit es nicht herunterfallen kann. Durch Betätigen der Taste PAGE TURNER ON/'OFF stellt man eine Verbindung zwischen dem EZ-220 und dem iPad her. Im Display des iPads erkennt man die funktionierende Verbindung anhand eines grün leuchtenden Lämpchens. Übrigens handelt es sich bei den Seitenwender-Befehlen um unhörbare Audiosignale, die durch die Lautsprecher des Keyboards ausgegeben und vom Mikrofon des iPads empfangen werden. Daher funktioniert diese Funktion nicht, wenn ein Kabel in der PHONES/OUTPUT-Buchse steckt.

In diesem Fall sind die Lautsprecher immer stummgeschaltet. Die Idee des PageTurners ist wirklich gut. Startet man einen Song des EZ-220, springt die App sofort auf die entsprechende Seite und zeigt die richtigen Noten an. Die Seiten werden jeweils in drei Stufen umgeblättert, das bedeutet, dass man noch das untere Drittel des alten Notenblatts abspielt, während oben schon die oberen beiden Drittel des nächsten Notenblatts erscheinen. Als praktische Zusatzfunktion besitzt die App einen einfachen Audio-Recorder, der über das Mikrofon des iPad das Gespielte aufnehmen und wiedergeben kann. Das optische Erscheinungsbild der App lässt sich verändern. Hier ein paar Screenshots des PageTurners, bei dem man das fortschreitende Umblättern gut erkennen kann.

Chord Dictionary

Die Leuchttasten werden im Yamaha EZ-220 für eine weitere Übungs-Variante sinnvoll eingesetzt: Das Akkordlexikon. Betätigt man die WAITING Taste länger als eine Sekunde, startet die CHORD DICTIONARY Lektion. In dieser Übung kann man Akkord-Griffe für die linke Hand lernen. Dabei wählt man mit der rechten Hand in der oberen Oktave der Tastatur den Grundton aus, z. B. “G”. Anschließend wählt man über eine Taste der beiden tieferen Oktaven einen Akkordtyp aus, z. B. “m7b5”. Nun leuchten in den unteren beiden Oktaven genau die Tasten auf, die man greifen muss, um “Gm7b5” zu spielen. Spielt man diesen Akkord richtig, hört man einen Glockenton und der Akkordname wird im Display hervorgehoben. Man kann auf diese Weise wirklich alle Akkorde, die man zum Steuern eines Arranger-Keyboards braucht, auf spielerische Weise üben. Durch die Leuchttasten prägt man sich die Griffbilder gut ein und erkennt Zusammenhänge leichter.

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