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29.08.2018

Workshop: Gitarrenhals / Basshals einstellen

Halskrümmung & Co. - Wie stelle ich den Hals einer Gitarre oder eines Basses ein?

Tipps & Tricks für den perfekten „Do it yourself“-Service am eigenen Instrument

Ob sich eine E-Gitarre oder ein E-Bass gut bespielen lässt, hängt massiv mit der richtigen Einstellung des Instrumentenhalses zusammen. Je näher die Saiten am Griffbrett liegen, desto weniger Kraft muss mit der Greifhand aufgewendet werden. Ist der Hals aber zu gerade, so gelangt ein übermäßiges Schnarren in den Ton, der durch die Saitenschwingung erzeugt wird.

Für die Einstellung der Halskrümmung ist der sogenannte Halsstab (auch: Truss Rod, Verstellschiene, Spannstab oder Hals-Einstellstab) zuständig. Die gute Nachricht: Jeder Musiker kann diese Einstellarbeiten an seinem Instrument im Grunde ohne Probleme alleine vornehmen. In diesem Workshop erfahrt ihr alle hierfür nötigen Schritte.

Achtung: Dieser Workshop ist im Bassbereich von bonedo erschienen und besitzt daher natürlich einen "Bass-Fokus" - vor allem in den Bildern und im unten verlinkten Video. Das Gros der hier vorgestellten Tipps und Tricks kann aber auch 1:1 auf den Gitarrenbereich übertragen werden!

Step-by-step-Anleitung: Wie stelle ich einen Gitarrenhals oder Basshals ein?

  • Falls nötig, entferne das Abdeckplättchen vom Zugang zum Halsstab am Headstock oder Halsende.
  • Drücke eine Saite gleichzeitig mit der Greifhand am 1. Bund und mit dem Daumen der Schlaghand am 12. oder 15 Bund herunter.
  • Tippe mit dem Zeigefinger der Schlaghand auf die Saite, während du sie wie beschrieben herunterdrückst. Die Saite fungiert nun als "Lineal", mit dem du die Halskrümmung erkennen kannst.
  • Bildet das Griffbrett eine deutliche Mulde von den Saiten weg ("konkav")? Dann muss es angezogen werden, um den Abstand zu verringern.
  • Ist das Griffbrett in Richtung der Strings gekrümmt ("konvex") bzw. liegen die Saiten vielleicht sogar schon flach auf dem Griffbrett auf? Dann muss der Halsstab gelöst werden!
  • Verwende IMMER passgenaues Werkeug (Innensechskant-schlüssel oder Kreuzschlitz-Schraubenzieher) Mit falschem Werkzeug beschädigst du dein Instrument dauerhaft!
  • Gehe beim Lösen oder Anziehen stets nur in kleinen Schritten vor - eine Vierteldrehung kann vollkommen ausreichend sein!
  • Eine richtige eingestellte Halskrümmung führt dazu, dass alle Bünde dieselben "Schnarranteile" aufweisen - richtige Bundabrichtung und Stegeinstellung vorausgesetzt!
  • Überprüfe die Halskrümmung häufig! Sie kann sich durch Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsunterschiede schnell wieder verziehen.
  • Weiterführende Infos und Details gibt es weiter unten in diesem Artikel - oder in dem unten verlinkten Workshop-Video.

Alles beginnt mit der Einstellung der richtigen Halskrümmung!

Ich bezeichne die Einstellung einer Gitarre oder eines E-Basses unter drei Aspekten gerne als die "heilige Dreifaltigkeit". Sie besteht aus folgenden Punkten:

1.) Halskrümmung

2.) Saitenlage

3.) Oktavreinheit

Alle drei Aspekte sind untrennbar miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig: Ändert man die Halskrümmung, so verändert sich zwangsläufig auch die Saitenlage. Ändert man die Saitenlage, so beeinflusst das auch gleichzeitig die Oktavreinheit. Und justiert man die Oktavreinheit, dann kann das unter Umständen (je nach Bridgekonstruktion) auch die Saitenlage verändern.

Diese sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren können die Justierung zwar etwas kniffelig gestalten, aber dennoch ist der Prozess durchaus einfach zu erlernen und mit etwas Routine beginnt er sogar, Spaß zu machen!

Um die einzelnen Arbeitsschritte zu optimieren, ist es wichtig, die oben genannte Reihenfolge einzuhalten. Es ergibt z.B. keinen Sinn, gleich mit der Einstellung der Oktavreinheit zu beginnen, denn nach einer Änderung der Saitenlage müsste man diese Einstellung erneut vornehmen. Stellt man wiederum die Saitenlage ein und verändert danach die Halskrümmung, so verändert sich die Saitenlage erneut. Auch dies würde zu einem zusätzlichen und unnötigen Arbeitsschritt führen.

Man beginnt also am besten immer mit der Überprüfung der Halskrümmung! Wie das funktioniert, erfahrt ihr im "Step-by-step"-Abschnitt und in meinem unten verlinkten Video.

Die gute Nachricht ist, dass man bei einem Instrument, das einmal perfekt eingestellt wurde, nur selten die Saitenlage und die Oktavreinheit nachjustieren muss, solange man den gleichen Saitentyp und die gleiche Saitenstärke verwendet. Meistens reicht es hier aus, die Halskrümmung etwas im Auge zu behalten und notfalls zu korrigieren. Ihr seht: Kein Grund zur Panik!

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Gibt es die ideale Halskrümmung bei Gitarren oder Bässen?

Nein, eine allgemein anerkannte "ideale" Halskrümmung kann es nicht geben. Der Grund: Ob eine Halskrümmung als passend empfunden wird, ist stets abhängig von der Konstruktion des Instrumentes, den persönlichen Präferenzen des Musikers, seiner Spielweise - und nicht zuletzt von der musikalischen Gesamtsituation!

Bezüglich der Spielweise muss man zunächst einmal identifizieren, welchem Style eine gewisse Priorität zukommt. Benutzt man etwa als Bassist vorrangig die Slaptechnik, so wird man eine andere Einstellung bevorzugen, als wenn man überwiegend mit dem Plektrum spielt. Werden alle Spieltechniken in etwa gleich behandelt, so gilt es, eine Kompromisslösung zu finden, welche alle Styles einigermaßen gleich gut bedient.

Aber auch die Spielsituation kann auswirkend sein: Will man im Studio einen möglichst nebengeräuscharmen und schnarrfreien Sound erzielen, wird man eine andere Einstellung wählen als z.B. in einer Live-Situation, in der erhöhtes Saitenscheppern weniger störend auffällt.

Wie bei so vielen anderen Dingen im Leben auch, wird man seine persönlichen Präferenzen kaum herausfinden können, ehe man nicht damit beginnt, verschiedene Möglichkeiten selbst auszuloten. Daher möchte ich hier vor allem zunächst einmal Ängste abbauen: Wenn man mit gesunder Vorsicht und etwas Feingefühl an die Sache herangeht, kann man an seinem geliebten Instrument nichts kaputt machen! Komponenten wie der Halsstellstab (Trussrod), die Bridge und die Reiterchen sind dafür gemacht, um ein Höchstmaß an persönlichem Spielraum auszuloten und im Idealfall immer eine befriedigende Lösung zu erhalten.

Wo finde ich den Zugang zum Halsstab an meinem Instrument?

"Um die Halskrümmung einer Gitarre oder eines Basses zu justieren, muss ich an den Halsstab gelangen. Doch wo liegt dieser Zugang überhaupt?"

Generell unterscheidet man zwei Stellschrauben-Positionen: entweder an der Kopfplatte oder am Halsende bzw. am Korpusübergang. Ich persönlich favorisiere aus praktischen Gründen die Version am Halsende. Voraussetzung ist allerdings, dass ein ausreichend geräumiger Zugang zur versenkten Schraube besteht oder die Stellschraube selbst außerhalb des Halsendes liegt.

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Idealerweise kann man die Halskrümmung mithilfe einer Speichenrad-Lochschraube mit einem Metallstift verstellen - zu finden etwa bei den Instrumenten der Firma Music Man. Während bei allen Hälsen mit korpusseitiger Stellschraube die Einstellung mit voll gespannten Saiten erfolgen kann, müssen bei kopfplattenseitig liegenden Stellschrauben häufig die innen liegenden Saiten entspannt und aus den Sattelkerben gezogen werden, um den Stellschlüssel effektiv ansetzen zu können.

Wozu dient der Stellstab im Hals?

"Wozu braucht der Hals überhaupt einen Stellstab bzw. eine Stellschiene? Kontrabässe haben doch auch keine!"

Richtig: ein Kontrabass-Hals besitzt sehr viel Masse, ist also sehr dick - und zudem in Relation zum ganzen Instrument relativ kurz. Im Prinzip reicht er, verglichen mit einem E-Bass oder einer E-Gitarre, quasi nur bis zum 7. Bund - danach läuft lediglich das sehr dicke Griffbrett weiter unter den Saiten über einen soliden Verbindungssockel. Auf diesem weiter über den Kontrabasskorpus schwebend verlaufenden Teil des Griffbretts liegt keinerlei Belastung mehr.

Bei E-Gitarren und -Bässen ist der Hals jedoch mit dem Korpus erst direkt am Halsende verbunden, sodass die gesamte Zuglast zwischen Kopfplatte und Steg über die volle Halsstrecke wirkt - und nicht, wie beim Kontrabass, nur auf den unteren Teilbereich des Halses. Daher kommt der Kontrabass ohne zusätzliche Stabilisierungselemente aus, obwohl die Zugspannung der Saiten aufgrund seiner längeren Mensur weitaus höher ist als etwa beim E-Bass.

Der Hals eines E-Basses oder eine E-Gitarre würde ohne zusätzliche Stabilisierung aufgrund seiner geringen Masse und der hohen Zugbelastung durch die Saiten allmählich nach vorne klappen. Traditionell kommt für diese Stabilisierung eine Metallkonstruktion zum Einsatz, welche im Lauf der Jahrzehnte verschiedenen Wandeln bezüglich Design und Konstruktion unterzogen wurde.

Schön und gut, aber dies wirft naturgemäß einige Fragen in den Raum:

1.) Wie kommt der Stellstab in den Hals?

Wandern wir doch einmal zurück in die Frühgeschichte der E-Gitarren und -Bässe, und zwar ins sonnige Kalifornien in den USA zu Beginn der 50er-Jahre. Bekanntlich war Leo Fender der erste Hersteller Instrumente dieser Art in der heute bekannten Form in großen Serien mit hohen Stückzahlen herstellte. Fender stattete seine ersten Instrumente mit einteiligen Ahornhälsen aus, bei denen das Griffbrett lediglich die abgefräste und flache Halsoberfläche darstellte, in die dann die Bünde eingesetzt wurden. Die Firma Gibson hingegen leimte schon gleich zu Beginn ihrer Bassproduktion Griffbretter auf die Hälse ihrer Instrumente auf - die Company profitierte hier von ihrer langjährigen Erfahrung im Gitarrenbau!

Die Frage, ob ein Hals über ein aufgeleimtes Griffbrett verfügt oder nicht, ist entscheidend dafür, wie ein Stellstab eingesetzt werden kann. Bei Fenders "one piece maple neck", dem einteiligen Ahornhals, bestehen Hals und Griffbrett aus einem einzigen Stück Holz. Der Stellstab wird daher durch eine Fräsung auf der Rückseite in den Hals eingesetzt, welche anschließend mit einem Holzstreifen wieder verschlossen wird. Da dieser Holzstreifen traditionell häufig aus einem dunkleren Holz besteht (z.B. Rosewood), bezeichnet man diesen Streifen häufig als "Skunk Stripe" - eine Parallele zur auffälligen Fellfärbung des nordamerikanischen Streifen-Stinktieres (Skunk).

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Eine Alternative zum "one piece maple neck" stellt das sogenannte "bi-cut neck" dar. Bei dieser Konstruktion wird der Hals der Länge nach in der Mitte aufgesägt. Dann wird in beide Hälften die Fräsung für den Halsstellstab eingefräst. Im Anschluss werden die beiden Halshälften mit eingefügtem Stellstab unter hohem Druck wieder zusammengeleimt. Ein Vorteil dieser Konstruktion ist, dass der Halstab nahezu unsichtbar eingefügt ist und der Hals eine höhere Stabilität durch die Verleimung erhält. Der Grund: diese Verleimstelle wirkt stabilisierender als ein einteiliger Hals.

Die populärere Methode der Griffbrettkonstruktion ist das aufgeleimte Griffbrett. Auch ein vermeintlich "einteilig" aussehender Ahornhals kann durchaus bei näherem Hinsehen ein aufgeleimtes Ahorngriffbrett besitzen. Das Aufleimen eines Griffbrettes bietet diverse Vorteile: Hals und Griffbrett können bei der Herstellung separat bearbeitet werden, die Fräsung für den Halsstellstab kann wesentlich komfortabler und variabler am Hals durchgeführt werden, und die Materialwahl des aufgeleimten Griffbrettes bietet eine gute Möglichkeit zur Klangbeeinflussung des Basses. Last but not least ermöglicht sie auch ein anderes Spielgefühl.

2.) Wie viel Gewicht wird dem Hals durch den Halsstab hinzuaddiert?

Das ist eine besonders kritische Frage, denn in der Tat wird der Hals durch das Hinzufügen von Metallmasse signifikant schwerer. Neben den Mechaniken an der Kopfplatte ist der Halsstab daher ein ernstzunehmender Punkt bei den Themen Kopflastigkeit - aber auch beim Gesamtgewicht des Instrumentes. Daher werden (zumindest bei teureren Bässen) mittlerweile Stellstäbe aus sehr leichtem und dennoch sehr stabilem Titan verwendet. Sehr flache Hälse werden beizeiten auch schon mal mit doppelten Stellstäben ausgestattet, sogenannten "Twin Trussrods".

3.) Welche klanglichen Eigenschaften werden durch das Metall im Hals hervorgerufen?

Das ist natürlich schwer zu sagen, da es keine Möglichkeit für einen direkten A/B-Vergleich gibt, denn es gibt ja keinen Instrumentenhals ohne Stellstab zum Vergleich. Selbst Graphithälse ohne Halsstab können für einen Vergleich nicht herangezogen werden, da sie eben nicht aus Holz bestehen. Aber: Metall ist bekanntlich ein weitaus dichteres Material als Holz. Von daher muss man davon ausgehen, dass der Stellstab definitiv eine Auswirkung auf die Eigenresonanz des Halses besitzt - und damit auch auf den Klang!

Holzhälse werden übrigens zunehmend auch gern mit stabilisierenden Graphitstreifen kombiniert, die wiederum die Klangeigenschaften beeinflussen, die aber auch gleichzeitig helfen, Gewicht zu sparen.

4.) Wie funktioniert ein Halsstab bei der Gitarre oder beim Bass?

Da die Zugspannung je nach Instrument stark variieren kann (z.B. durch die Verwendung unterschiedlicher Saitenstärken), wäre eine starre Stabilisierung nicht von Vorteil. Außerdem arbeitet der Werkstoff Holz ja ständig, weswegen eingearbeitete Stabilisierungen in Form von Halsstäben stets justierbar sein sollten.

Die ersten Stellstäbe waren runde Metallstäbe, versehen mit einem inneren Gewinde, mit dessen Hilfe der Stab über eine Zugangsschraube am Halsende angespannt werden konnte. Ein Problem dabei ist, eine durchgehend gleichmäßige Spannungsverteilung im Hals zu erzielen. Dass das nicht so einfach ist, beweisen einige Hälse, die statt einer gleichförmigen "Krümmung" eher einen deutlichen "Knick" aufweisen.

Die schwedische Firma Hagström war der erste Hersteller, der begann, seine sehr flachen und zierlichen Hälse mit Aluminium-Schienen anstelle von runden Stäben auszurüsten. Die Tatsache, dass eine eckige Schiene bessere Stabilität aufweist als ein runder Stab, erschien vielen Herstellern ebenfalls sinnvoll, und so schwenkten viele auf diese Option um.

Bis vor gar nicht allzu langer Zeit waren Stellschienen ausschließlich in der Lage, in nur eine Richtung zu wirken. Der Normalfall ist, dass eine Schiene angezogen oder gelockert wird. Sie zieht jedoch immer einseitig entgegen der Saitenbelastung. Das Problem dabei ist, dass eine Schiene alleine selbst im angespannten Zustand den Hals manchmal nicht ausreichend "strecken" kann. Daher muss ein Hals normalerweise unter eine Vorspannung gesetzt werden, während das Griffbrett aufgeleimt wird. Der Hals weist dann unter unbelasteten Bedingungen eine konvexe Krümmung auf, die sich unter Belastung der Saitenspannung gerade zieht. Die Ausgleichsarbeit des Stellstabs wird dadurch erleichtert.

Bei älteren Instrumenten kann es durchaus vorkommen, dass der Stellstab bzw. die Stellschiene selbst unter hoher Spannung der Halskrümmung nicht mehr ausreichend entgegenwirken kann. Hier müsste theoretisch das Griffbrett abgelöst und unter Vorspannung neu verleimt werden - eventuell müsste der Hals bei dieser Gelegenheit auch gleich mit neuem Stellstab versehen werden.

Relativ jung ist das Verfahren, bidirektionale Stellschienen zu verbauen. Sie ermöglichen sogar eine Griffbrettverleimung ohne Vorspannung, da sie weitaus mehr Gegenkraft ausbilden können.

Stellschrauben-Probleme bei alten Fender-Bässen

Leo Fender war in der Kinderstunde des E-Basses offensichtlich lange Zeit der Annahme, dass man einen einmal fertig justierten Basshals nie mehr nachjustieren müsste. Erst recht nicht war der Gedanke vorhanden, dass ein Musiker eventuell einmal selbst Hand an derartige Arbeiten legen würde. So erklärt es sich, dass man den Zugang zur Halsstellschraube bei vielen frühen Fender-Bässen im Verborgenen ließ. Am Halsende lag die Stellschraube in der Halslasche unterhalb der Korpusdecke. Sie war zwar noch teilweise sichtbar, wurde aber nur zugänglich, wenn man den Hals zuvor abschraubte.

Obwohl diese Eigenart heutige Besitzer von Vintage-Instrumenten richtig nerven kann, sollte man sie fairerweise historisch relativieren: In den frühen Tagen des E-Basses kamen die meisten Bassisten (wie z.B. James Jamerson) ursprünglich vom Kontrabass, oder waren "konvertierte" Gitarristen (wie z.B. Carol Kaye). Es gab per se nur Flatwound-Saiten, folglich waren im Basssound kaum Höhen vorhanden, die in der damaligen Musik ästhetisch auch nicht gefordert waren. Häufig wurden darüber hinaus auch noch Schaumstoffdämpfer verwendet. Nebengeräusche dürften daher kaum relevant gewesen sein, sodass eine kontrabassartige Saitenlage und opulente Halskrümmungen kaum jemanden gestört oder verwundert haben dürfte.

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Erst im Laufe der folgenden 20 Jahre begann sich das Blatt zu wenden, und spätestens der einsetzende Edelbassbau in den 70er-Jahren führte zu einem kompletten Umdenken. In der heutigen Zeit hat sich das Thema Halseinstellung längst als Routinemaßnahme etabliert.

Um den Stellstab einstellen zu können, muss man natürlich Zugang zur Stellschraube haben. Manche Hersteller legen den Zugang komplett frei und gestalten diese Arbeiten dadurch sehr servicefreundlich. Andere wiederum verbergen den Zugang zum Halsstab aus ästhetischen Gründen mit mehr oder weniger hübschen Deckelchen.

Nullbund und Fretless - was noch zu erwähnen wäre:

Nullbund

Bei Gitarren und Bässen, die mit Nullbund vor dem Sattel versehen sind, gibt es einen kleinen kritischen Grad der Krümmung, bei dem es dazu kommen kann, dass die Saiten "hinter" einem gegriffenen Bund (also zwischen Nullbund und gegriffenen Bund) rasseln. Obwohl das Instrument in der betreffenden Region zwischen Bridge und gegriffenen Ton schnarrfrei ist, kann man eventuell also dennoch rasselnde Resonanzgeräusche hören, die von der Strecke zwischen Nullbund und gegriffenen Ton kommen.

Diese Geräusche werden dadurch erzeugt, dass die Saite hinter dem gegriffenen Ton minimal über den Bünden schwebt, was durch den Nullbund bedingt wird. Durch die Resonanz des gespielten Tones hervorgerufen, beginnt die Saite auch jenseits des gegriffenen Bundes zu schwingen und rasselt gegen die darunter liegenden Bünde - verursacht durch die eigentlich optimale Halskrümmung.

In diesem Fall kann es helfen, die Stellschiene einen minimalen Grad weiter zu lockern (also die Krümmung zu vergrößern). Eventuell kann es aber auch helfen, sie noch etwas fester zu ziehen und die Krümmung weiter zu begradigen. Das gleiche Phänomen kann auch ohne Nullbund, bei sehr tief gekerbten Sattelführungen, auftauchen.

Fretless-Bässe

Fretless-Bässe (aber auch die äußerst seltenen Fretless-Gitarren) "singen" besser mit einem geraden als mit einem gekrümmten Hals. Hier entscheidet die Klangästhetik in Verbindung mit der Anschlagsstärke.

Möchten Bassisten mit ihrem Instrument eher einen kontrabassartigen Sound erzeugen, so sollte der Hals stärker in die Konkave justiert werden. Soll der Sound moderner, singender und mit einem langen Sustain erklingen, dann empfiehlt sich eine gerade Ausrichtung des Griffbretts.

Wenn die Halsschraube meiner Gitarre oder meines Basses festsitzt

Sollte eine Stellschraube sich nur sehr schwer bewegen lassen, kann es mitunter helfen, die Saiten komplett zu entspannen und es erneut versuchen. Eventuell erst einmal die Schraube minimal lockern und wieder festziehen. Sollte auch das nichts bewirken, kann eventuell ein ernstes Problem mit der Halsverstellschraube vorliegen. In diesem Fall empfiehlt sich dringend der Gang zum Fachmann!

Problemfall "Halsneigung bei Schraubhälsen"

Bei geschraubten Hälsen kann es trotz optimaler Halskrümmung dazu kommen, das man an der Bridge keine optimale Saitenlage einstellen kann und die Saiten selbst bei extrem hoher oder niedriger Einstellung der Reiter zu flach oder zu hoch erscheinen. Diese Phänomene können mit einem falschen Halswinkel zusammenhängen. Dies zu korrigieren, ist für einen Fachmann ebenfalls kein Problem!

Abrichtung der Bundstäbchen

Wenn es trotz optimaler Halskrümmung und Saitenlage dennoch in bestimmten Halsregionen zum Schnarren kommt, so kann dies auch daran liegen, dass die Bünde nicht gleichmäßig hoch bzw. schlecht abgerichtet sind. Sie müssen dann entsprechend neu abgerichtet werden, was wiederum ein Fachmann vornehmen sollte. Etabliert hat sich darüber hinaus das sogenannte Computer- und Maschinen-basierte PLEK-Verfahren, zu welchem ich mich in dem Workshop über das Einstellen der Saitenlage äußern werde.

So, nun wünsche ich euch viel Spaß mit meinem Video zum Thema "Halskrümmung einstellen"!

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