Test
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30.07.2010

Praxis

UND LOS GEHT’S.... ODER DOCH NICHT?

Nach meiner ersten äußerlichen Kontaktaufnahme ist es nun an der Zeit, das Teil in Aktion zu erleben. Ein Orgelmodul braucht natürlich ein Orgelmasterkeyboard mit zwei Manualen und einem Pedal. Hierzu wird kurzerhand eine Clavia Nord C2 zweckentfremdet. Es stellte sich heraus, dass das DB-3 nur über das Obermanual spielbar ist. Aber das müsste sich ja über das MIDI-Menu des Moduls schnell ändern lassen. Allerdings konnte ich aus den kryptischen Zeichen der dreistelligen Anzeige nicht ausmachen, in welchem MIDI-Zustand sich das Gerät gerade befand. Naja, dann nehmen wir halt die Bedienungsanleitung zu Hilfe. Doch die wurde einfach nicht mitgeliefert, und ich musste sie erst im Netz auf der Viscount-Seite suchen, herunterladen und nachlesen. Umständlich, nervig und überflüssig – genau wie dieser Absatz.

UND WIE KLINGT’S?

Der kleine Viscount-Orgelspross hat trotz seines geringen Outputs einen kräftigen und harten, aber sauberen Grundsound, der sich im Mix gut einfügen lässt. Die hohen Fußlagen klingen mir allerdings zu scharf. Dies lässt sich glücklicherweise mit dem eingebauten EQ in den Griff bekommen. Mehr „Dreck“ und Authentizität verleiht den Drawbars ein hinzugemischtes tiefes, verzerrtes Geräuschsample, das sich tonhöhenabhängig pro Oktave wiederholt. Mittels eines angeschlossenen Volumenpedals kann man auch das DB-3 „orgeldynamisch“ spielen. Allerdings lief das mit einem Yamaha FC-7 nicht wirklich rund. Bei Minimalstand des Schwellers war ein deutliches Ausschalten des Tons zu hören. Und da die Lautstärkekurve des Orgelmoduls sehr schnell ansteigt, erwies es sich als Herausforderung, die Dynamik mit dem Volumenpedal zu kontrollieren.

Die Perkussion klingt ebenfalls sehr knallig und durchsetzungsfähig. Allerdings wirkt sie aufgrund ihres dünnen und sauberen Charakters etwas künstlich und leblos. Dies wird durch ihren hohen Basislevel, der sich ja nicht ändern lässt, zusätzlich betont.

Die Vibrato- und Chorus-Varianten haben einen eigenständigen Sound. Im Gegensatz zum echten Scanner-Vibrato findet beim DB-3 keine Höhenanhebung statt, sondern der Sound wird eher dumpfer. Die einzelnen Vibrato- und Chorus-Typen unterscheiden sich lediglich im Effektanteil. Den Vibratos fehlt es an Tiefe und es findet keine Veränderung der Tonhöhenmodulation statt. Beim C3-Effekt hingegen ist die Modulationstiefe zu extrem. Dennoch sind die Varianten C1 und C2 brauchbar, weil sie den Orgelsound schön breit machen. Auch die Vibratos eignen sich gut für spooky und cheesy Orgelsounds.

Ein guter Leslie-Effekt ist für einen guten Orgelsound unverzichtbar. In meinen Augen ist das Digitalisieren der bewegten Luft eines Leslie-Kabinetts für die Hersteller die größte Herausforderung bei der Konzeption eines Hammond-Klons. Bei der Viscount-Orgel stellt dies allerdings die größte Schwachstelle dar. Schaltet man den Rotary-Effekt hinzu, fällt die Brillanz in den Höhen weg. Dafür wird das Modul lauter (zur Kompensation?). Der Effekt klingt zu schmal und zu flach und „eiert“ bei schneller Geschwindigkeit - zudem ist der Bass-Rotor im Verhältnis zum Horn zu laut. Zum Glück lässt sich dieses Problem durch den Einsatz des Equalizers beheben. Trotzdem konnte ich durch Verändern der Rotary-Parameter kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen. Zum Vergleich habe ich das DB-3 über ein Röhren-Leslie gespielt. Und siehe da – es klang gleich viel überzeugender!

Bei der Entwicklung des Overdrive-Effektes haben sich die Viscount-Ingenieure sicherlich sehr viel Mühe gegeben. Dennoch klingt die Verzerrung kalt, kratzig und dadurch unangenehm. Der Verzerrungsgrad ist mir zum Umsetzen richtiger Distortion-Sounds selbst bei Maximal-Level noch zu gering.

BEDIENUNG

Als Hammond-Spieler will man einerseits ständig die totale Kontrolle über seinen Sound haben und anderseits spontan, intuitiv und kreativ ins Klanggeschehen eingreifen können. Dessen waren sich die Entwickler von Viscount bei der Konzeption des DB-3 Moduls offensichtlich bewusst und haben ihrem Sprössling echte Zugriegel spendiert. Obwohl einen die kryptischen Kürzel der dreistelligen Anzeige anfänglich zwingen, ab und zu in der – übrigens gut verfassten - Bedienungsanleitung nachzuschlagen, geht die Bedienung sehr ergonomisch und schnell von der Hand. Alle Bereiche für spontane Soundeingriffe haben ihren eigenen Taster bzw. ihr eigenes Poti und sind somit schnell zugänglich. Die Parameter sind sinnvoll den einzelnen Menus zugeordnet und ihre Anzahl hält sich in überschaubaren Grenzen.

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