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30.08.2017

4 Tipps zum Thema Snare-Felle

Welches Schlagzeug-Fell passt am besten auf die Kleine Trommel?

Immer, wenn das alte Snaredrum-Fell unansehnlich, eingedellt oder gar gerissen ist, stellt sich die Frage, welches Modell denn dieses Mal am besten gekauft werden sollte. Einerseits klang das alte doch ganz gut, als es neu war, andererseits versprechen die Werbung und Erfahrungsberichte von Kollegen, dass das neue Superfell X der Marke Y doch exakt das sein könnte, wonach man schon lange gesucht hat. Aber was genau ist das eigentlich? Und lohnt sich der Aufpreis für den Dot und den Dämpfungsring, oder kann man mit Gaffa-Tape die gleichen Ergebnisse erzielen? Geht die Beschichtung so schnell ab wie beim letzten Fell? 

Als Drummer hört man oft, dass eine gute Technik automatisch den Stick- und Fellverschleiß reduziert und man als Folge nur noch selten Nachschub kaufen muss. Das stimmt, allerdings erfordern bestimmte Stile nunmal Power, und die verringert wiederum die Lebensdauer des Snare-Fells. Während also der leise Besenspieler mitunter jahrelang mit einem Fell spielen kann, berichten nicht wenige Drumtechs großer Rockbands von täglichen Fellwechseln. Irgendwo dazwischen liegt ihr mit eurer Spielweise, und die richtige Einschätzung derselben kann euch helfen, viel Geld zu sparen.

Natürlich können all diese Fragen in einem kurzen Artikel wie diesem nicht abschließend beantwortet werden, nicht zuletzt deshalb, weil gefühlt wöchentlich neue „Pellen“ für das Herzstück des Drumsets präsentiert werden. Die folgenden vier Tipps sollen euch trotzdem helfen, im Dschungel der Modelle zurecht zu kommen und am Ende euren optimalen Snaresound zu erreichen. Los geht’s!

Tipp 1: Ihr wollt einen vielseitig formbaren Snaresound? Mit dem Standardfell geht fast alles

Es hat einen Grund, dass einlagige, weiß beschichtete Modelle zu den meistverwendeten Snaredrum-Fellen gehören. Mit denen kann man nämlich fast alles machen. Sie klingen sowohl sehr leise als auch sehr laut gespielt gut, und ihre Beschichtung sorgt nicht nur für eine leichte Dämpfung der Obertöne, sondern ermöglicht auch die Bespielbarkeit mit Besen, was – historisch betrachtet – auch ihr ursprünglicher Sinn war. Eine intakte Gratung vorausgesetzt, funktioniert auch das Tuning sehr gut, denn man hört die Obertöne deutlich und kann somit präzise stimmen. Wer es trockener mag, kann aus den vielfältigen externen Dämpfungsmöglichkeiten eine passende auswählen. Als Klassiker gelten das Remo Ambassador coated, das Evans G1 sowie das Aquarian Texture coated Fell. 

Tipp 2: Ihr habt wenig Geld und spielt sehr laut? Dickere Folien oder Dot erhöhen die Haltbarkeit

Wie lange ein Fell strukturell hält, wird – neben eurer Spielweise natürlich – durch seine Stärke im Aufschlagsbereich der Sticks bestimmt. Wenn ihr also entweder sehr kräftig spielt oder möglichst selten den Musikalienhändler zwecks Fellkauf aufsuchen wollt, kann sich ein entsprechend stabil gebautes Modell lohnen. Je nach Soundvorstellung habt ihr grundsätzlich die Wahl zwischen einem Verstärkungspunkt (Dot) in der Fellmitte, einem generell dickeren oder zweilagigen Modell oder einer Kombination aus beidem. Ein Standardfell mit einem Dot, wie zum Beispiel das Remo CS oder ein Evans Power Center Modell, wird hier den offensten Sound produzieren, denn die am Rand des Fells entstehenden Obertöne werden kaum beeinflusst. Mit einem insgesamt dickeren, einlagigen Fell wie einem Remo Ambassador X bekommt ihr eine leicht erhöhte Haltbarkeit mit immer noch offenen, aber kontrollierteren Obertönen. Zweilagige Felle wie beispielsweise das Remo Emperor oder das Aquarian Super 2 erhöhen die Dämpfung nochmals, denn die Reibung zwischen beiden Folien wandelt noch mehr Schwingungsenergie in Wärme um. Wählt ihr ein Fell, welches Dot und erhöhte Felldicke miteinander kombiniert, erhaltet ihr eine maximale Haltbarkeit mit – im Vergleich zu einem Standardfell – deutlich begrenzten Obertönen. Als Optionen wären hier das Remo Emperor X Dot oder das Evans EC Edge Control Reverse Dot zu nennen.

Tipp 3: Ihr wollt es trocken und fett? Eingearbeitete Dämpfringe reduzieren die Obertöne

Im Gegensatz zum Center-Dot erhöhen am Rand eingearbeitete Dämpfringe nicht die Haltbarkeit des Fells, stattdessen reduzieren sie auftretende Obertöne mehr oder minder drastisch. In vielen Situationen kann diese Begrenzung sehr vorteilhaft sein, zum Beispiel in einem akustisch problematischen Proberaum, wo das „Jammern“ der Snare nervtötende Ausmaße annehmen kann. Auch Spieler, denen es noch an technischer Kontrolle mangelt, finden es oft vorteilhaft, wenn eine Dämpfung zur dynamischen Kontrolle beiträgt. Nicht zuletzt in professionellen Recording-Situationen wird die Obertonbeschneidung der Snaredrum gern verwendet, denn sie erleichtert dem Tontechniker die Bearbeitung des Signals und macht den Gesamtklang fokussierter. Aber Vorsicht: Im Vergleich sind vorgedämpfte Felle teurer als ihre Standard-Kollegen, zudem sind sie wesentlich weniger flexibel, denn schließlich lassen sich eingearbeitete Ringe nicht einfach so entfernen. Auch Besitzer edler Snaredrums sollten sich bewusst machen, dass eine starke Vordämpfung den Charakter der Trommel zunichte machen kann. Gerne wird das Remo Powerstroke 3 gekauft, aber auch das Aquarian Focus X und das Evans Genera HDD erfreuen sich großer Beliebtheit, wenn es um Felle geht, denen man zur Dämpfung nicht erst mit Gaffa-Tape, Taschentüchern oder Moongel zu Leibe rücken muss.  

Tipp 4: Naturfell-Nachbildungen sorgen für einen wärmeren, organischeren Ton

Da der Vintage-Trend auch unter uns Drummern ungebrochen ist und viele auf der Suche nach dem weichen, etwas belegteren und organischen Ton vergangener (Kalbsfell-)-Tage sind, haben alle Fellhersteller mehr oder weniger ambitionierte Imitationen der Tierhäute im Programm. Renaissance, Fiberskyn und Skyntone lauten die Modellbezeichnungen bei Remo, Modern Vintage nennt Aquarian seine Retro-Felle, und Evans hat kürzlich die '56 Calftone Reihe vorgestellt. Für welche der vielen Variationen man sich entscheidet, hängt vom Einsatzgebiet ab. So besitzen beispielsweise die Remo Skyntones sicherlich den kompromisslosesten Vintage-Klang, sind daher aber auch weniger universell einsetzbar. Ein Modern Vintage Fell ist hingegen durchaus auch Popmusik-tauglich. Fast alle Modelle sind tendenziell weniger haltbar und daher nicht „prügelfest“. Wer seinen Trommeln einen wohlig-eingespielten Ton verleihen möchte, anstatt gleich ein Vintage-Exemplar zu kaufen, sollte die auf alt getrimmten „Pellen“ jedenfalls unbedingt mal ausprobieren. 

Fazit

Trotz einer Unmenge an verfügbaren Fellen für die Snaredrum gilt weiterhin: Wer sich im Rahmen einer normalen Spielweise bewegt und sich alle Dämpfungsoptionen und das klangliche Potenzial seiner Trommel erhalten möchte, macht mit den einlagigen, beschichteten Klassikern nichts falsch. Trotzdem kann es besonders für laute Drummer und Vielspieler lohnend sein, sich Modelle mit dickerer oder per mittigem Dot verstärkter Folie genauer anzusehen. Die halten länger und nehmen der Snare einen Teil ihres Nachklangs und der Obertöne, welche oft als störend empfunden werden. Wem Gaffa-Tape oder andere Dämpfungen auf dem Fell ein Graus sind, der kann zu vorgedämpften Fellen mit am Rand integrierten Dämpfungsringen greifen. Trommler mit einem Faible für den weichen und warmen Snaresound vergangener Epochen sei der Check der Kalbsfell-Imitationen ans Herz gelegt, auch Besenspieler sind oft angenehm überrascht von der Bespielbarkeit und klanglichen Transformation dieser Varianten. Und auch wenn es wie eine Verkaufsanzeige klingt: Wer sich einen endgültigen Eindruck über die Klangqualitäten der verschiedenen Felltypen verschaffen möchte, kommt nicht drum herum, sich die entsprechenden Modelle zu kaufen und auf der eigenen Trommel auf Tauglichkeit zu checken. Macht aber auch großen Spaß! 

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