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31.08.2021

Umweltsünde, unpraktisch & kaputt: Iron Maiden verzichten auf ihr Tour-Flugzeug

"Du brauchst keinen Jumbo, um von Paris nach Zürich zu fliegen."

Dass die größten Bands und Musiker des Planeten sich für ausschweifende Welttourneen gerne mal Flugzeuge chartern ist völlig normal. Im Jahr 2016 übertrieben es die Metal-Legenden Iron Maiden dann allerdings doch ein wenig: Nach einigen Flugzeugen in "Normalgröße" leaste die Band für ihre "The Book of Souls Worldtour" eine Boeing 747, ein Jumbojet. Mittlerweile ist das gute Stück allerdings in Rente – auch wegen dem Umweltschutz. 

Ja, Konzerte von Stadion-Größe sind aus Klimaschutz-Perspektive schon eher schwierig. Stromverbrauch, Pyrotechnik, Müll und Anreise der tausenden Besucher hinterlassen eben ihre Spuren. Wegen diesen bekannten Problemen versuchten in letzter Zeit mehrere Musiker, Bands und Festivals ihre Konzerte grüner zu gestalten. Die Band Coldplay kündigte gar an keine Konzerte mehr spielen zu wollen, bis es möglich sei klimaneutral aufzutreten. 

Auch bei der Kult-Band Iron Maiden inklusive Flugzeugenthusiast, Pilot und Sänger Bruce Dickinson scheint mittlerweile ein Bewusstsein für das Klima und unsere Umwelt gewachsen zu sein. Schon seit Jahren ist bekannt, wie sehr Sänger Dichinson das fliegen liebt. Zwischen den frühen 90er Jahren und 2011 arbeitet er sogar quasi Hauptberuflich als Pilot und musste sich für Auftritte und Studio-Sessions Urlaub nehmen. Mittlerweile ist er sogar als Piloten-Ausbilder tätig und hat eine eigene Firma, die Flugzeuge wartet. 

Natürlich war das Fliegen und auch die Flugzeuge, in denen Iron Maiden um die Welt reisten, immer fester Bestandteil des Band-Cosmos – ob in Texten, Bildmaterial oder der Konzert Doku "Flight 666". Die Flieger, denen in Anlehnung an das Band-Maskottchen Eddie der Spitzname "Ed Force One" gegeben wurde, trugen stets spezielle Designs im Iron Maiden Stil. Nach dem Abschluss einer Tour behielt die Airline, der die Boeing eigentlich gehörte, sogar das Design im normalen Flugverkehr bei. Natürlich ließ sich Dickinson auch nicht nehmen, die Maschinen selbst zu fliegen. 

2016 überlegte sich die Band – vermutlich vor allem ihr Sänger – dann etwas besonderes: Der "normale" Flieger vom Typ Boeing 757 war zu klein geworden. Der große Bruder, das Jumbo Jet Boeing 747 musste her. Wie groß das Teil ist, wurde kurz nach Beginn der Tour auf einem mittlerweile berühmten Bild am Flughafen Zürich klar: Dort steht die Iron Maiden-Boeing neben den Regierungsmaschinen von Kanzlerin Merkel und Frankreichs damaligem Regierungschef Hollande – und überragt diese mal eben um längen! 

Während der Tour wurde der Band allerdings immer mehr klar, wie umständlich es ist, ununterbrochen mit so einem Flugzeug unterwegs zu sein. Vor allem mit einem Flieger dieser Größe. Dickinson musste sogar extra einen zusätzlichen Flugschein für das Großraumflugzeug machen. Schließlich passierte am Flughafen von Santiago de Chile auch noch ein Unfall, bei dem die Machine erheblich an den Treibwerken beschädigt wurde. Der riesige Flieger war beim Rangieren außer Kontrolle geraten und hatte einen Transporter gerammt. Damals wurden sogar zwei Menschen verletzt. Trotzdem flog die "Ed Force One" nach kurzer Wartung noch weiter mit der Band. Zumindest bis zum Ende der Tour 2016. Auf dem YouTube Kanal der Band war kurze Zeit später zu sehen, wie sich Dickinson von seinem Jumbo verabschiedet.

In einem Interview mit einer deutschen Zeitung anlässlich des am 3. September erscheinenden Albums "Senjutsu" blickt Sänger Bruce Dickinson noch einmal fast etwas melancholisch auf die "Ed Force One" zurück. Allerdings räumt er auch ein, dass es sehr unpraktisch gewesen sei mit der Maschine. "Du brauchst keinen Jumbo, um von Paris nach Zürich zu fliegen," wird der Sänger zitiert. Auch sei so ein Flieger nicht sehr förderlich im wichtigen Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe. Allerdings sei so eine 747 eben schon ein extrem cooles Gefährt. Bei der aktuell aufgrund von Corona unterbrochene "The Legacy of the Beast World Tour" muss die Band dann wohl wieder auf gewöhnliche Transportstrategien zurückgreifen und mit dem guten alten Tourbus vorliebnehmen. 

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