Hersteller_UniversalAudio
Test
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22.10.2014

Praxis

Die Installation inklusive Download klappte hervorragend einfach, man muss sich eben nur zwangsweise auf der englischsprachigen UA-Website registrieren. Logisch, denn nur hier kann man weitere PlugIns hinzukaufen.

Grundsätzlich finde ich es schön gelöst, dass man alle PlugIns jeweils einmal für bis zu 14 Tage testen kann. Allerdings finde ich den „gratis Zeitraum“ auch ein wenig knausrig bemessen - ein Monat würde dem amerikanischen Kapitalismus sicherlich nicht schaden. Selbst eine absolute Nutzungsdauer wäre für mich denkbar gewesen und hätte sicherlich das Vertrauen des Herstellers in die Qualität der eigenen PlugIns unterstrichen. Nicht jeder Anwender ist so „professionell“ oder hat die Zeit, ein PlugIn in zwei Wochen am Stück zu testen. Man sollte sich also Zeit lassen und in Geduld üben sowie am besten die Demo-PlugIns nur nacheinander freischalten. Hier nun aber endlich Audio-Beispiele der ersten, mitgelieferten PlugIns:

Das mitgelieferte „Analog Classics Plus PlugIn Bundle“ ist zwar schon etwas in die Tage gekommen, aber dennoch okay. Es bietet für die klassische Musikproduktion alle notwendigen Tools und hinterlässt damit einen stimmigen Gesamteindruck, der keineswegs lieblos „zusammengewürfelt“ wurde. Ganz im Gegenteil: Der 1176 beispielsweise ist DER (FET-) Kompressor schlechthin, und es gibt Meinungen, die beziffern den Wert eines Studios nur nach der Anzahl an verfügbaren 1176-Kompressoren. Vor allem auf Gitarren, Vocals, Snares, Kicks und Bass angewandt, sorgt er seit 1968 für den nötigen Rotz, von dem nun vor allem Computerproduktionen profitieren können. Der LA-2A Opto-Kompressor hingegen ist aufgrund seines musikalischen Regelverhaltens einer DER Vocal-Kompressoren schlechthin. Und um die Superlative perfekt zu machen, bilden ein 1176 und ein LA-2A zusammen wiederum DIE Vocal-Super-Chain. Beide Geräte gibt es übrigens auch als Hardware-Reissue von Universal Audio und wurden wie auch die vielen anderen UAD2-PlugIns bereits von meinem Kollegen Hannes Bieger ausgiebig getestet, sodass ich an dieser Stelle gern auf seine detaillierteren Testberichte verweisen möchte. 

Geht man noch mal gute 20 Jahre zurück, findet man den Über-Röhrenboliden Fairchild 670 vor, ein „Vari-Mu“ Kompressor, dessen 14 Transformatoren und 20 Röhren auf 6 HE heutzutage vor allem für unglaubliches Prestige sorgen und deshalb Preise aufrufen, die jenseits von Gut und Böse sind. Selbst die Wurzeln des passiven Pultec Programm EQs - der erst vor kurzem wieder neu aufgelegt wurde und dessen Mono-Variante mal eben 6000 Euro kostet - reichen bis in die 1950er Jahre zurück. Auch diese PlugIns hat bereits mein Kollege Hannes Bieger untersucht, ihr findet die Tests, wenn ihr entsprechend auf die roten Links klickt. 

Hinzukommt der ziemlich coole UA Precission Enhancer Hz zur Subbass-Generierung, der hilfreiche UA 610-B Preamp und EQ sowie der komplexe CS-1 Precision Channel und der RealVerb Pro, welche mir zwar ein paar Audiobeispiele, aber nicht unbedingt mehr Text wert waren. Im Großen und Ganzen kann man den üppigen Preis der UAD-Hardware also schon fast mit dem mitgelieferten Bundle rechtfertigen, richtig interessant wird es allerdings erst bei den vielen weiteren, exklusiven und aufpreispflichtigen Emulationen. Diese hier alle vorzustellen, würde allerdings den Rahmen bei Weitem sprengen. 

Ich habe es mir trotzdem nicht nehmen lassen, ein paar besondere Kandidaten herauszupicken, die ich für besonders gelungen halte und deshalb im Folgenden gerne, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, präsentieren möchte. Den Anfang mach dabei der Manley Massive Passive, welchen ich in der Mastering-Version sogar als Original besitze. Vorab allerdings noch etwas Geschichte. Der Manley Vari-Mu, selbst ein Klassiker für sich, basiert auf dem Fairchild 670, der Manley Massive Passive wiederum auf dem Pultec EQ, wie grundsätzlich auch der Tube-Tech PE-1C. Und um die Geschichtsstunde vollständig abzuschließen: Der Tube-Tech CL1B basiert wiederum auch auf dem LA2A, ist allerdings nicht für UAD2 verfügbar.

Na wenn das mal nicht ziemlich gleich und doch komplett anders klingt! Der Massive Passive ist wirklich ein sehr musikalischer EQ und lässt sich dementsprechend wirklich einfach nutzen, sprich bedienen, um einzelne Instrumente anstatt „Frequenzen“ nach vorne oder hinten holen zu können.

Beim vorliegendem Beispiel habe ich übrigens nicht versucht, besonders schön zu EQen, sondern etwas drastischere, vergleichbare Einstellungen zu finden, damit man Unterschiede zwischen den verschiedenen Varianten besser heraushören kann, wobei ich alle Gerätschaften weitestgehend gleich einzustellen versuchte, insofern es denn möglich war. Ich würde nicht soweit gehen, zu sagen, dass eine Variante besser oder schlechter ist, dennoch hat „das Original“ das bessere Sustain-Verhalten im Bass und auch die cremigsten Höhen, was man vor allem wunderbar an der Snare hören kann - allerdings kann dies in einem Mix auch schnell zu „old school“ wirken! Die UAD-Variante hingegen klingt „moderner“ und durch die fehlenden, echten Übertrager auch etwas schneller, jedoch auch nicht ganz so breit und "dreidimensional". Weiterhin klingt der ziemlich kurze Loop dank der "echten Kiste" auch weniger "statisch". Um den Einfluss von meinen Kabeln und dem RME-Wandlern einschätzen bzw. ausschließen zu können, hab ich die digitale Varianten zusätzlich auch noch mal durch meinen ausgeschalteten Manley geroutet.

Hinzufügen sollte man auch noch, dass die Emulation von digitalen Effekten naturgemäß am besten gelingt bzw. dass das komplexe elektro-magnetische Verhalten eines Übertragers eher relativ schwer zu emulieren ist und dies auch in Zukunft so sein wird. Zumal all die „besonders dicken, analogen Gerätschaften“ in UAD2 für meinen Geschmack eh etwas zu viel Ressourcen fressen, sodass ich persönlich die Plattform vor allem wegen der vielen, originalgetreuen, wunderschönen Delays und Reverbs, wie dem EMT 140 Plate-, Roland RE-210 Tape- und Lexicon 224 Digital-Reverb, schätze. Und da das AMS RMX16 Digital Reverb gänzlich neu ist, hören wir uns das einmal stellvertretend an.

Das Einzige, was ich immer noch wirklich vermisse, ist eine Art Antares Autotune bzw. Celemony Melodyne, was zugegebenermaßen doch etwas schade ist. Für verbesserungswürdig halte ich im Übrigen auch die Größe der PlugIns, deren GUIs teilweise wirklich sehr klein sind und damit zumindest auf meinem Apple 30“ schlecht lesbar sind. 

Die Sache, welche mich allerdings am meisten stört, ist eine gewisse Problematik beim Freezen von Tracks, die UAD2-PlugIns beinhalten, da diese nicht von den DSPs entladen werden. Das zwingt einen, die Session neu zu starten, um so wieder die Leistungsreserven auf der Karte für weitere PlugIns frei zu machen. Dieses Problem ist leider schon recht alt und immer noch nicht behoben. Es betrifft Ableton Live, wie ich selber feststellen musste, sowie laut Forum auch Apples Logic. Cubase und Pro Tools hingegen scheinen diesem Problem nicht zu unterliegen.

Und damit wir den Praxis-Teil nicht mit Genörgel verlassen wollen, sollen die letzten Audiobeispiele den simplen Weg zu einem kleinen Mix zeigen, den ich ausschließlich mit UAD-2 PlugIns realisiert habe.

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