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Test
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05.03.2019

Twisted Electrons µAcid8 Test

8-bit Synthesizer und Sequencer Platine

Teenage Mutant Acid Platine

Der Twisted Electrons µAcid8 ist die Mini-Version des beliebten Acid8 MkII-Monosynths aus gleichem Hause und hat dessen 8-Bit Wavetable-Engine und wesentliche Elemente des Step-Sequenzers an Bord, kann aber auch einige neue Tricks wie Transpositionsautomatisierung, Filter-Wobbler, Stotter- und Vinyl-Spin-Down-Effekte.

Trotz der geringen Abmaße ist der µAcid8 eine potente Mini-Groovebox zum Preis von unter 100 € (zzgl. MwSt.). µAcid8 benötigt nur zwei AAA-Batterien und kann mit externen Instrumenten und Teenage Engineering Pocket Operators synchronisiert werden. Wir haben die kleine Acid-Platine getestet.

Details

Als mir Twisted Electrons Mastermind Alex Smith während der Superbooth 2016 den Prototypen der Acid8 MkII vorführte, triggerte er sein Gerät mit einem Teenage Engeneering Pocket Operator. Die kleinen schwedischen Platinen-Grooveboxen waren bisher auf jeder Superbooth als Rhythmusknechte unübersehbar und sind ein stets gern gesehenes Mitbringsel in Musikerkreisen. Warum also nicht die Soundengine des beliebten 8-Bit-Acid8-Synthesizers nackt machen und für unter 100 € verkaufen?

Erscheinung und Lieferumfang

Optisch und auch klanglich steht der µAcid8 dem großen Bruder Acid8 MkII sehr nahe, kommt aber nicht im soliden Metallgehäuse, sondern ganz fragil in Form einer abgerundeten Platine, dessen bloße Leiterbahnen nur recht spärlich abgedeckt sind. Das Platinchen wird im 'Polsterplastiktütchen' mitsamt Beipackzettel geliefert. Mehr ist nicht im schmalen Karton und die Darreichungsform erinnert eher an eine Packung Tabletten als an ein Musikinstrument. Die englischsprachige Bedienungsanleitung ist kurz und knapp formuliert und in zehn Minuten hat man das Gerät in den Grundzügen begriffen.

Auf der schwarzen Acidplatine selbst sitzen 18 Druckschalter, 32 helle weiße LEDs und sechs leicht geriffelte schwarze Mini-Potis, die dank ihrer weißen Kappen mehr nach richtigen Reglern als nach Potentiometerschäften aussehen. Eine kleine kreisförmige Mulde markiert die Position des Potis, ist aber leicht zu übersehen. Ein Tupfer mit dem dünnen schwarzen Edding hilft.

Wie bei Acid8 oder auch 303 simulieren zwölf der Druckschalter eine Tastatur mit einer Oktave. Die Oktavschalter ermöglichen einen Tastaturumfang von fünf Oktaven. Fast alle Schalter haben zudem Doppelfunktionen, die mit gleichzeitigem Halten von „Run“ oder „Shift“ ausgelöst werden. Die Potentiometerfunktionen entsprechen von links nach rechts weitgehend dem bekannten Set solcher Bass-Synth/Sequenzer: Volume, Cutoff, Resonance, Envelope, Decay und Accent. Der winzige Ein-/Ausschalter ist oben rückseitig zwischen den Reglern für Resonanz und Hüllkurve angebracht und dient auch als Wahlschalter zwischen Batterie-und USB-Betrieb.

Obwohl der USB-Betrieb natürlich umweltfreundlicher ist, erfüllen die AAA-Batterien doch einen nicht unwichtigen Zweck: Sie heben die kleine Acid-Platine leicht pultförmig an. Ohne eingesetzte Batterien lagert der µAcid8 nur auf den Batterieklammern und diese könnten sich durchaus verbiegen, wenn zu grob auf dem µAcid8 gejammt wird. Überhaupt hatte ich während des gesamten Tests die Sorge, den µAcid8 zu hart ranzunehmen: Zu fragil wirkt das kleine Platinchen mit seinen nackten Schalterchen. Vorweg erwähnt: Es gab da keine Beschwerden.

Anschlüsse

Am linken Unterboden des Geräts befindet sich die Micro-USB-Buchse, die nicht nur zur Stromversorgung, sondern auch zur Verbindung mit einem Computer dient. Am linken und rechten Unterboden sind zwei Miniklinkenbuchsen für Eingangs-und-Ausgangssignale für Audio und Sync-Signale angebracht, die je nach „Sync Mode“ andere Funktionen erfüllen: Input Stereo und Output Stereo, Mono-Audioeingang kombiniert mit Sync-Eingang und Stereo-Ausgang, Stereo-Eingang und Ausgänge für Audio in Mono und das Syncsignal sowie alle denkbaren Mischformen.

Sync und Stereo-Audio gemeinsam über eine Buchse ist nicht möglich, aber verschmerzbar. Entsprechende Splitterkabel liegen dem µAcid8 leider nicht bei und müssen separat erworben werden. Beim Audioeingang konnte ich übrigens keinen Effekt des Filters oder der anderen klangbildenden Elemente des µAcid8 auf das Eingangssignal erkennen. Dieser dient wohl nur zum Durchschleifen der Audiosignale weiterer Geräte.

Tonerzeugung

Die monophone 8-Bit Wavetable-Soundengine scheint direkt vom „großen“ Acid8 übernommen worden zu sein: Drei 8bit-Wellenformen mit je vier Variationen stehen zur Verfügung: Pulse, Sägezahn und Sinus. Die Varianten Normal, Distorted, Fat und Harmonized schaffen deutliche Veränderungen, gerade ‚Harmonized‘ mit zusätzlicher Quinte gibt einen tollen Lead-Sound ab. Arpeggiator, „Filterwobbler“ und Crush-Effekt geben den Wellenformen noch einmal zusätzlich Pfeffer. Das hören wir uns doch am besten gleich mal im Praxisteil an.

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