Test
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11.12.2019

Twisted Electrons Deton8 Test

Hybrider achtstimmiger Desktop Sampler/Drum-Synthesizer

8-Bit-Ästhetik für Lo-Fi Fans

Was lange währt, wird endlich anders: Schon vor zwei Jahren zeigte Twisted Electrons während der Superbooth19 einem kleinen ausgewählten Personenkreis den ersten Prototypen des deton8, damals noch im Gewand des gerade erschienenen acid8 II. Nun ist das fertige Gerät endlich da, aber kleiner und im eigenständigen Gehäuse. Geblieben ist die Grundidee: Samples auf 8-Bit-Basis mit einem Step-Sequenzer in Bewegung bringen und mit wenigen effektiven Parametern radikal im Klang verändern. Was genau der deton8 kann und was nicht, klären wir hier im Test.

Details

Der Twisted Electrons deton8 ist ein sehr kompakter achtstimmiger Hybrid 8-Bit-Sample-Player und Drum-Synthesizer. Mit seinen Abmessungen von 140 x 40 x 90 mm und einem Gewicht von lediglich 320 Gramm macht er auf dem Tisch einen sehr schmalen Fuß und wirkt auch aufgrund der überschaubaren Anzahl an Bedienelementen eher unscheinbar. Auf der Oberseite des flachen schwarzen Briketts thronen sechs runde geriffelte Metallpotis, die fest am Gehäuse verschraubt sind und sich angenehm präzise drehen lassen. Als Play-, Shift- und Patternschalter dienen drei der mittlerweile typischen Twisted Electrons-Taster, wie sie auch z. B. auf der Sequenzer-Oberfläche des acid8 II oder hapiNES L ihren Dienst tun. Der angenehm haptische Klick und die flache Mulde auf den Tastern sorgen für zweifelsfreie Bedienung. 

Blickfang sind aber zwei Reihen mit je acht kleinen quadratischen weiß hintergrundbeleuchteten Buttons á la crazy8 beats. Besonders hell leuchten die allerdings nicht. Das ist angenehm im Club oder im schummrigen Studio, aber kaum sichtbar, wenn die Sonne – oder wie bei uns im Video – mehrere starke Lampen draufscheinen. Die obere Reihe dieser 2 x 8-Matrix ist mit Instrumentennamen beschriftet (Kick, Snare, Metal, Clap, Can, Tom, Nut und Synth), die untere mit Funktionen wie Tempo, Reset, Copy, Paste, Clear, Reverse, Stutter und Record, denn die 16 Leuchtquadrate dienen auch als Anzeige für die Instrumentenanwahl per Drehregler und für Editierfunktionen per Shift. Sie sind nicht anschlagdynamisch. Wer sich mit der Bedienphilosophie anderer Twisted Electrons-Geräte auskennt, wird einige Gemeinsamkeiten vorfinden, aber mancher Move ist auch völlig neu.

Auf dem Rücken finden wir vier Miniklinkenbuchsen für Audio Out, Sync Out, Sync In und MIDI-in sowie eine mittlerweile schon selten gewordene USB-Typ-Mini-B-Buchse, für den Strom und den Anschluss an den Computer. Ein dediziertes Netzteil oder einen Netzschalter gibt es nicht. Der Audioeingang ist in mono. Einen Kopfhörerausgang gibt es nicht. Zwei der nötigen Adapterkabel befinden sich im Lieferumfang, namentlich das USB-Kabel und ein passendes MIDI-Adapterkabel sowie der DIN-A4-Beipackzettel mit den grundlegenden Bedienfunktionen, das auch auf der deton8-Page vorzufindende und dort sogenannte „Cheat-Sheet“. Ausführlicher und auch unmissverständlicher wird deton8 im Download-Manual erklärt.

Parameter und Effekte

Die mittleren vier Potis erfüllen je zwei Funktionen, eine wird mit gehaltener Shift-Taste bedient und beide sind unter den jeweiligen Regler aufs Gehäuse gedruckt. Bei der Primärfunktion sind das: Pitch - verändert die Tonhöhe, Decay - verlängert das Ausklangverhalten und Drive - dient als Volumenregler für die einzelnen Stimmen, fügt aber auch am Ende des Regelweges ein harsches digitales Clipping hinzu. Master regelt die Lautstärke der Summe. „Sound“ ist ein spezieller Parameter, der pro Voice unterschiedliche Klangveränderungen erzeugt: auf der Kick-Voice fügt Sound eine tieffrequente Sinusschwingung hinzu, auf der Snare-Voice weißes Rauschen und auf der Metal-Voice wird das Sample über ein Wavetable resynthetisiert.

Die Sekundärfunktionen der vier mittleren Regler sind: Ring - ein Ringmodulator, Bend - ein Pitchbend, der sich auf alle Voices auswirkt, Delay - erzeugt bei der angewählten Stimme ein kurzes Echo, dass in der Geschwindigkeit einstellbar ist und Pump ist ein angedeuteter Sidechain-Kompressor und dient zum Hervorheben eines Sounds aus dem Gesamtspektrum, während die anderen Klänge weggedrückt werden. So richtig „französisch“ pumpt er aber nicht. Während der ganz linke „Master“-Regler einfach die Gesamtlautstärke bestimmt, dient der ganz rechte Regler zur Anwahl des jeweiligen Parts und sekundär zum Solo-Schalten von Parts.

Parts

Parts sind die obersten acht Pad-Slots, in die jeweils ein Sample geladen werden kann. In der obersten Pad-Reihe sind acht Soundnamen gelistet, aber natürlich muss sich der Anwender nicht an die Serviervorschläge halten. Eine Kick-Drum kann z. B. auch auf der Snare-Voice platziert werden. Die Samplenamen sind nur Platzhalter und es können sieben eigene Samples geladen werden. Der achte Part („Synth“) ist kein Sample, sondern eine NES-inspirierte Dreieck-Wavetable-Welle mit Arpeggiator, die sich zu einem Rechteck formen lässt. hapiNES L lässt schön grüßen. Beim Synth dient der Sound-Parameter zur Erzeugung von Arpeggio-Noten. Mit Hilfe des Pitch-Reglers ist dann auch rudimentär quasi-melodiöses Spiel möglich. Die Bewegungen des Pitch-und auch des Decay-Potis lassen sich dann in Echtzeit aufnehmen, um z. B. Melodien im Pattern festzuhalten.

Als weitere Performance-Effekte stehen Reverse und Stutter zur Verfügung. Während reverse einfach nur das angewählte Sample umdreht wird, erzeugt Stutter – wie zu erwarten – einen Beat-Repeat-Stotter-Effekt mit acht Variatonen, die über die obersten acht Leuchtpads abgerufen und in Echtzeit verschraubt werden können. Selbst einen digitalen Tiefpass-Filter mit Cutoff und Resonanz bietet die kleine Kiste. Für die Cutoff-Frequenz müssen Shift und Pattern vor dem Schrauben gleichzeitig gedrückt werden, für die Resonanz sogar drei Tasten: Play, Shift und Pattern. Natürlich können Patterns in Echtzeit umgeschaltet werden, kopiert und „gechained“ werden, um längere Patterns zu erzeugen. Sie können aber auch in Echtzeit auf bis zu zwei Steps gekürzt und wieder auf 16 verlängert werden. 

Sampling und Editor

Selber samplen kann deton8 übrigens nicht. Über den kostenlosen deton8-Editor werden WAV, AIF und mp3-Files für das Gerät bearbeitet und transferiert. Diese dürfen 8 oder 16 bit Tiefe haben, sollten aber 32 kHz Samplerate aufweisen, da sie ansonsten im deton8 mit veränderter Tonhöhe abgespielt werden. Auch sollten die Samples sehr kurz geschnitten sein, denn nur ca. 64 kbyte passen in den Speicher. Das klingt für heutige Verhältnisse lächerlich wenig, aber entspricht dem Arbeitsspeicher des Apollo Guidance Computers (AGC) der Apollo 11-Mondlandungsmission von 1969 und zufälligerweise auch dem des Commodore C64 8-Bit-Homecomputers von 1982. Referenzästhetisch ist der deton8 also voll im Soll.

Der Editor reduziert die Bit-Tiefe der geladenen Samples, wenn die maximale Speichergröße überschritten wird. Dadurch können interessante Artefakte entstehen, insbesondere bei überlangen Files. Per USB werden die Samples vom Computer auf den deton8 geschoben. Damit es gleich losgehen kann, bietet Twisted Electrons auf der deton8-Website 26 Kits zum freien Download an. Die Kits liegen in einem eigenen Datenformat mit der Extension ‚.d8‘ vor. Da gibt es unter anderem Kits mit starken Verweisen im Namen wie „Mkart“, „Sfighter“ oder „Amy-Sister“, ein Soundkit mit Bits und Pieces aus dem berühmt-berücktigten „Amen Brother“-Drumbreak.  Anwender können ihre eigenen Samples ebenfalls als d8-Kits sichern.

Sync

Zur Einbindung von zum Beispiel Modularsystemen sendet und empfängt deton8 Triggerclock, sendet einen 5V-Puls auf jedem zweiten Step. Synchronisation geht aber auch über MIDI-Clock-Empfang oder mit dem Computer über USB. Auch Firmware-Updates finden via USB statt. Dazu verwendet Twisted Electrons Web USB, das browserbasiert auf Google Chrome ab Version 61 läuft. Die aktuelle Firmware, die in diesem Test verwendet wurde, ist „R4“.

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