Test
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06.12.2018

Praxis

Nach den Erwerb des S2 ist der kostenlose Download von Traktor Pro 3 und Native Access zur Registrierung der Serial angesagt. Mac User benötigen OSX 10.12. Für PC-Besitzer ist Windows 10 Voraussetzung zum Betrieb des Kontrol S2 MK3 und S4 MK3. Bei mir sind das alte „Traktor 2“ und Native Access bereits installiert und das „Update“ erfolgt via Access-Software.

Der erste Schnellcheck mit ein paar House und Tech-Tracks belegt: Der Kontrol S2 MK3 macht Laune. Man kommt ohne viel Einarbeitung zurecht. Neulinge profitieren von der wohldosierten Feature-Dichte, die einen nicht überfordert. Da der S2 einen eigenen in der Lautstärke regulierbaren und via Knopfdruck zuschaltbaren Mikrofoneingang hat, lassen sich auch Durchsagen erledigen. Ohnehin hat man, wenn man mit dem Kontrol S2 auflegt, eigentlich alles an der Hand, was man als DJ für die gelegentliche kleine Party benötigt.

Software und Handling

Die Software (hier im Test) ist zudem sehr gut designt und bietet Neulingen im Traktor-Kosmos ein übersichtliches Layout, dem Profi dagegen allerhand Stellschrauben, das kennen wir so und das ist auch in Traktor Pro 3 nicht anders, das frischer und durchgestylter wirkt. Für Einsteiger wird ja noch eine spezielle Fassung neben der Pro-Version kommen, wir sind gespannt.

Mixer und Decks agieren zuverlässig und präzise, der Abstand der Bedienelemente zueinander ist angemessen, die Potis und Fader lassen sich gut greifen, drehen und ziehen. Der Sound aus den Boxen ist transparent und ohne digitale Störgeräusche zu vernehmen, der Kopfhörerausgang nicht ohrenbetäubend, aber ausreichend laut.

Jogwheels und Beatmatching

… eine weitere, positive Entwicklung. Die neu gestalteten Teller messen 140 Millimeter im Durchmesser und 120 Millimeter an der berührungsempfindlichen Oberfläche. Anständig hoch sind sie noch dazu. Sie fassen sich klasse an und arbeiten präzise, sodass es kein Problem ist, mit den Tellern zu scratchen, Titelpositionen punktgenau anzufahren und seitlich gefühlvoll die Tracks in den Gleichschritt zu nudgen. Apropos: Wer manuell mit Jogwheel und Pitchfader arbeitet: Der Flachbahnregler schafft es bei gefühlvoller Bedienung tatsächlich (trotz des kurzen Regelwegs) hundertstelgenau aufzulösen. Da kann sich mancher Konkurrent eine Scheibe abschneiden.

Möchte man lieber automatisch beatmatchen, bieten sich die Sync-Taste und der neu designte Keylock zum Einfrieren der Tonhöhen an. Dann wird das Tempo zum Master-Deck synchronisiert – der Klassiker. Ihr könnt allerdings auch zur Master-Clock syncen, dann bleibt es bei dem festgelegten Tempo oder ihr nutzt Ableton Link und könnt euer DJ-Setup somit in eine Live-Performance einbinden oder gar mit einem Freund, der ebenfalls Traktor nutzt, zusammen im Takt jammen (externer Mixer wird vorausgesetzt).

Browser und EQ/FX-Einstellungen

Der Browser-Encoder mit Push-Funktion (lädt Track ins Deck) findet sich nun in beiden Deck-Bereichen wieder und wurde um zwei Tasten für den Search-View und eine Prepare-Liste ergänzt, mit der sich die Musikstücke in eine temporäre Playliste arrangieren lassen. Nice. Betätige ich den Encoder bei gedrückter Shift-Taste, navigiere ich je nach Voreinstellung in der Software durch den Tree oder die Favoritenliste. Auch gut gelöst. 

Stichwort Settings

In Traktor Pro 3 lassen sich etliche Einstellungen hinsichtlich der Software vornehmen. Für weitere Infos empfehle ich, unsere Traktor Crashkurse zu lesen oder das Handbuch zu studieren, aber hier kann man gleich einmal Hand an das EQ-Setup legen, das folgende Mischpult-Emulationen für den Kontrol S2 MK3 offeriert: Classic, P600 und P800, Nuo, Xone und Z-Iso. Hinsichtlich der Mixer-FX darf man sich aus einem Fundus von neun unterschiedlichen Effektprogrammen bedienen, sei es für den Tweak des im Deck laufenden Tracks oder teils auch als Post-Fader verhallende FX für Übergänge. Zur Auswahl stehen Reverb, Dual Delay, Noise, Time Gater, Flanger, Barber Pole, Dotted Delay, Crush und Filter. Die klingen so:

Schön anzusehen dabei: In der Software verwandelt sich der Parameter-Ring um den Regler farblich analog zum FX. Aber es gibt ja noch mehr Stellschrauben, um seine Tracks zu beackern, darunter den Reverse- und den Flux-Mode, die Loop-Encoder und nicht zu vergessen die

Performance-Pads

NI hat die Transporttasten nach links verlagert, recht so. Mit den Pads können folglich acht Cuepoints (anlegen, löschen, triggern) oder vier Samples (abspielen, stummschalten) bedient werden, dafür sind Direkt-Aufruftasten vorhanden. Beim Remix-Deck (wird nicht mittels Encoder, sondern via Software GUI beladen) triggern die oberen Pads (Restart mit Shift) vier Slots, die zweite Reihe (leuchtet weiß) (un)mutet die jeweiligen Spuren. Die etwas weicher als der Rest der Hartplastik-Tasten gestalteten, mit 16 x 20 Millimetern gegenüber einem D2 etwas weniger tief ausfallenden Pads lassen sich responsiv triggern, das visuelle Status-Feedback erfolgt auf den Fuß. Wer nun reklamiert, dass der S2 respektive Traktor ja gar keine knallbunten Cuepoint-Farben pro Markierung wie z. B. Serato anbietet, sollte wissen: Die Tasten können sehr wohl RGB (siehe Sample Pads) illuminieren, nur ist das Cue-Schema in Traktor anders klassifiziert, denn es gibt neben Standard-Cuepoints auch Loop-Marker oder Fade-In und -Out bzw. Ladepunkte für den Automixer, die dann entsprechend gelb, weiß etc. dargestellt werden. 

Shifting, Rekonfiguration, Sidewing

Der Verlust der FX-Sektionen in den Decks lässt sich am besten mit einem weiteren Controller kompensieren. Ein Rekonfiguration mittels „Override Factory Map“ ist möglich, das erfolgt via Preferences. Aber mit einem F1 oder X1 an der Seite lässt sich, was Remix-Decks und EFX angeht, wesentlich komfortabler arbeiten. Oder wenn es noch etwas günstiger sein muss, schaut euch nach einer Budget-Alternative um, mit der man sich die FX-Bänke sowie weitere Funktionen mappen kann. Klar, hier muss selbst Hand angelegt werden und es erwartet einen nicht so ein verzahntes Handling und durchdachte Statusmeldungen. Ansonsten sind die NI Add-On-Controller einfach die erste Wahl.

Auch wenn es in der Praxis nicht weiter von Bedeutung ist, hier noch für die Statistik: Bei gleichzeitigem Betätigen von Shift+Shift (ehemals MIDI-Modus) kann man die Software bis zur erneuten Shift+Shift-Betätigung nicht mehr steuern, die Bedienelemente aber (noch) ebenso wenig zuweisen. Außerdem stellte ich fest: Wenn man den Main-Volume-Regler sehr schnell dreht, zieht die Lautstärke verzögert nach, beim S4 trat dieses Phänomen nicht auf. NI weiß Bescheid und ist dran.

Wer, wie, was

Viele Einsatzszenarien sind für den S2 MK3 denkbar, ob im Bedroom, im Partykeller, auf dem Firmenevent, der Vernissage, der Kiez- oder Beachbar oder „ohne Strom“ draußen mit vollgeladenem Laptop und ’ner Akkubox – zumal das System ja noch recht kompakt und leicht für den Transport geraten ist. Ich hatte beim Vorgängermodell seinerzeit geschrieben, dass „dieser Controller ideal für all diejenigen ist, die sich auf zwei Decks mit Traktors kreativen Bordmitteln auseinandersetzen wollen, ohne dabei die ultimative Remix-Action mit detaillierter Kontrolle von bis zu vier Playern abzufackeln. Oder eben auch gar nichts mit Track-Verwurstung zu tun haben wollen, sondern eine gut durchdachte Kombination aus Software und All-in-One-Konsole ihr Eigen nennen wollen.“

Diese Aussage hat nach wie vor Bestand. Das MK3-System wirkt in der Summe stromlinienförmiger und moderner. Die „Bitter Pills“  - so man für sich persönlich welche entdeckt - muss man schlucken … oder eben nicht. Was MIDI/iOS angeht, muss man sich noch ein kleines Weilchen gedulden.

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