Workshop_Folge
Workshop
4
02.06.2015

5 Tipps für dein Drum Solo

Ein Solo als Schlagzeuger spielen

Diese fünf Tipps zeigen dir, wie es geht

Wenn du dein erstes Schlagzeugsolo spielen möchtest oder von deinen netten Bandkollegen dazu animiert wirst, solltest du dir unbedingt vorab ein paar Dinge überlegen. Dieses kleine Tutorial hilft dir auf deinem Weg zum Solo-Trommler. Generell unterscheidet man zwischen drei Arten zu solieren. Da wäre einmal der kurze Solo Spot, das können zum Beispiel (wiederkehrende) vier Takte Drumsolo in einem Song sein. Dann gibt es das Solo über einen Vamp, das heißt, die Mitmusiker spielen ein eingängiges Pattern über das du dann „absemmeln“ kannst. Die Königsdisziplin ist sicherlich das freie Solo. Hier kannst du ganz allein versuchen, mit deinem Schlagzeugspiel das Publikum zu begeistern, während deine Kollegen an die Bar gehen. Die folgenden fünf Punkte sollen dir bei allen drei Solo-Varianten behilflich sein.

1) Auswendig gelernt oder frei improvisiert?

Ganz wichtig ist die Frage, ob du dein Solo komplett „auskomponiert“, also Schlag für Schlag geplant oder frei improvisiert spielst. Freie Improvisation empfiehlt sich eher für erfahrene Solisten, und auch hierbei gibt es einige Dinge zu beachten (mehr dazu in den folgenden Punkten). Für Einsteiger ist es sinnvoll, mit einem durchstrukturierten und fertig geplanten Solo auf die Bühne zu gehen. Dann gibt es weniger Überraschungen, wie zum Beispiel, dass die vorher im Übungsraum sorgsam trainierten Licks plötzlich nicht mehr in deinem Kopf auftauchen. Gegen auskomponierte Soli ist generell auch nichts einzuwenden. Drum Solo Artisten wie Simon Phillips oder Neil Peart spielen als fest geplanten Showpart bei einer Tour an jedem Abend ein nahezu identisches Solo. Wie du das eine oder andere angehen kannst, dazu jetzt mehr in Punkt zwei.

2) Tipps für die Form

Mit Form meine ich in dem Fall nicht den Stand deiner Spieltechnik, sondern die Teile des Solos. Hier gilt für alle Herangehensweisen: leg dir ein paar Ankerpunkte zurecht, auf denen du dein Solo aufbaust. Das können zum Beispiel zwei coole Grooves sein oder zwei Tom-Figuren, die später durch eine dritte Figur ergänzt werden. Dabei ist es erst einmal egal, ob du ein fertig auskomponiertes Solo spielst oder dein Solo etwas freier um diese Ankerpunkte herum gestaltest.

Wichtig ist es nur, mit Hilfe der Punkte eine möglichst musikalische Form zu finden und nicht einfach nur wild drauflos zu semmeln, um dann zu merken, dass dir mitten im Solo die Ideen ausgehen. Die verschiedenen Motive kannst du zum Beispiel in einer einfachen A-B-A-B-C Form aneinander reihen.

Zur Veranschaulichung habe ich drei kleine Motive getrommelt, auf denen sich ein einfaches Solo aufbauen lässt. Die Bassdrum spiele in allen drei Beispielen in durchgehenden Viertelnoten, in Motiv A und B trete ich dazu die Hi-Hat auf der Zählzeit 2 und 4. Beim dritten Motiv ist der Hi-Hat Fuß auf allen "und" Zählzeiten im Einsatz. Dazu habe ich einen Schellenkranz auf das obere Hi-Hat Becken gelegt.

3) Das richtige Tempo und die passende Dynamik

Die besten Licks und Grooves nützen nichts, wenn sie im Eifer des Gefechts viel zu schnell getrommelt werden. Ich spreche hier aus eigener, leidvoller Erfahrung. Leg dir besonders für den Anfang deines Solos das richtige Tempo zurecht. Wenn du es nicht im Kopf behältst, programmiere dir ein Metronom, das dich einzählt. Das ist auch hilfreich, wenn du in unmittelbarem Anschluss an einen Song solieren solltest. Versuche immer, locker zu bleiben und die Dinge möglichst nicht schneller als es deine technischen Fähigkeiten zulassen, zu spielen. Mit dem Mehr an Adrenalin im Blut lässt sich zwar einiges aus sich herauskitzeln, aber spätestens im nächsten Song „danken“ es dir dann die lieben Muskeln. Dynamik ist ein weiteres, wichtiges Stichwort. Mit verschiedenen Lautstärken kannst du bei gleichbleibenden Rhythmen viel mehr Spannung erzeugen, als wenn du alles in einer Lautstärke “durchbrätst“.

4) Hab dein Publikum im Blick

Ob du ein Solo im Jazz Club oder vor zigtausenden Metal Fans auf Wacken oder beim 80sten Geburtstag der Oma deines Freundes spielst, denke immer an dein Publikum. Versuche deinen Vortrag gut strukturiert und „nachvollziehbar“ zu halten. Damit meine ich nicht, dass du nur die allersimpelsten Dinge spielen sollst, sondern, wie in Punkt zwei besprochen, versuchst, die Parts sinnvoll aufeinander aufzubauen. Das gleiche Solo über eine fette PA mit amtlichem Drumsound und flackernder Lichtshow performt, kann natürlich hundertmal mehr Eindruck auf das Publikum machen, als auf einer privaten Gartenparty vor verständnislos dreinblickenden Leuten. Lass dich davon aber nicht unterkriegen. Noch ein Tipp: halte dein Solo prägnant und spannend, denn nichts ist ermüdender als nicht endende und sich wiederholende Soli. Dafür haben wir ja schon die Gitarristen. ;-)

Hier macht Max Kotzmann von Callejon mal vor, wie das im Metal-Lager geht:

 

5) Das Finale - Gib alles!

Wenn du ein längeres Solo spielen kannst, wird es am Ende Zeit, alles zu geben! Double Bass Geknatter, Stick Twirls oder fette Licks - für den gelungenen Abschluss ist es gut, sich noch etwas Pfeffer in der Flinte aufzubewahren. Drück jetzt aufs Tempo und gehe wild über deiner Schießbude ab - spätestens hier kriegst du die meisten deiner Zuhörer mit begeisterten Gesichtsausdrücken zu sehen. Du kannst noch keine Licks und bist „mehr so der Groovetyp“ - auch kein Problem! Zieh das Tempo stetig und kräftig an und mach ein paar fulminante Schluss-Fill-ins mit einem deutlichen Abschluss. Der verdiente Applaus ist dir sicher.

Und denke immer daran: Übung macht den Meister. Auch wenn ein paar deiner Soli nicht direkt gelingen, mach einfach weiter, nimm dich auf und arbeite an deinem persönlichen Solo-Style. Viel Erfolg dabei!

Verwandte Artikel

User Kommentare