Hersteller_Thomann
Test
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28.11.2017

The Box MS 12 Test

Keyboardverstärker

Wenn man als Keyboarder gehört werden will

Ob in kleinen Clubs, auf großen Bühnen oder im Übungsraum unterwegs, Keyboarder stehen in der Regel vor dem Problem, dass sie für die Soundwiedergabe ihre(s)r Instrument(s)e eine Verstärkeranlage nebst Lautsprechersystem benötigen. In vielen Fällen verfügt die Band über eine kleine PA und einen mehrkanaligen Mixer, in welchen man sein(e) Keyboard(s) einstöpselt, um den Sound der Tasteninstrumente darüber zu hören. Da sind aber auch noch die anderen Bandkollegen, die man sich schnell zum Feind macht, raubt man denen noch die von ihnen beanspruchten Kanäle am Pult. Das eigene Monitoring ist hier auch noch nicht bedacht. Es muss also eine Lösung her. Ein Keyboardverstärker mit vielen Eingängen, integriertem Mixer, Verstärker plus Lautsprecher wäre die optimale Lösung. Und teuer soll es auch nicht sein. Für diesen Fall der Fälle haben wir uns "The Box MS 12" einmal näher angeschaut. Ist dieser Keyboardverstärker die Generallösung aller Probleme? Das untersuchen wir in diesem Test.

Damit man sich als Keyboarder wohlfühlt, wünscht man sich ein Optimum an Flexibilität und Soundqualität, gleich, wo man gerade Musik macht. Gitarristen verwenden Gitarren-Amps und sind quasi überall einsetzbar, wo sich eine Steckdose befindet. Damit der Keyboarder dieselben Einsatzmöglichkeiten hat (und vielleicht noch mehr), muss er auf einen Keyboardverstärker zurückgreifen. Dieser sollte deshalb für den praxisgerechten Einsatz universell ausgestattet sein, und in der Basis die folgende Eigenschaften aufweisen:

  • Anschlussmöglichkeiten für mehr als ein stereofon zu betreibendes Instrument plus Mono-Eingänge
  • Anschlussmöglichkeiten für mindestens ein Mikrofon (inkl. Phantomspeisung)
  • Klangregelung für alle Inputs
  • Effekte 
  • Leistungsstarkes Verstärkersystem 
  • Gut klingender Lautsprecher
  • Anschlussmöglichkeiten zum Durschleifen auf eine externe PA
  • Getrennte Lautstärkeregelung für internes Lautsprechersystem und extern angeschlossene PA
  • Nutzung der Box als passive Monitor-Box
  • Praxisgerechte Gehäuseform um den Amp auf dem Boden stehend zu kippen (Monitorbetrieb)
  • Anschlussflansch für Boxenhochständer
  • Kompakt, stabil und leicht
  • Kostengünstig

An dieser Stelle kommt "The Box MS 12" ins Spiel, ein kompakter Keyboard-Amp, der obendrein ein hohes Leistungspotenzial verspricht.

Details

Äußeres

Schon bei der Anlieferung fällt auf, dass sich die Abmessungen des Kartons in akzeptablen Grenzen halten. Auch das Gewicht selbst stellt keine Transporthürde dar. Mit knapp 15 kg Lebendgewicht fällt "The Box MS 12" noch in den Bereich der handlichen Amps, was außerdem durch die kompakten Abmaße noch bestärkt wird. Ein optisch netter kompakter "Brüllwürfel". Ich bin gespannt, wie er klingt.

Bevor das Hören allerdings zum Programmpunkt wird, schaue ich mir das Gebotene einmal näher an. Für das Auge vermittelt "The Box MS 12" einen recht stabilen Eindruck und wirkt durch die feste schwarze Polymer-Kunststoffbeschichtung nebst Lautsprechergitter für die Zwei-Wege Lautsprecherkombi so, wie man sich das vorstellt. Diese besteht aus einem "Ein-Zoll" Neodym-Treiber und einem "Zwölfer" Speaker. An den für die weiteren Standmöglichkeiten vorgesehenen Gehäuseseiten befinden sich stabile Gummifüße, um die Box rutschsicher und schwingungsfrei zu positionieren. Der Tragegriff ist seiner Aufgabe gewachsen und obendrein so angebracht, dass der Schwerpunkt des Amps, während des Handtransports, die Box nicht absichtlich gegen die eigenen Beine neigt.

Alles wirkt kompakt, aufgeräumt und das Anschlusspanel scheint übersichtlich und bedienfreundlich gestaltet. Dieses sowie das rückseitige Pendant sind im Boxengehäuse vertieft eingelassen, sodass deren Bedienelemente nicht über die angrenzenden Gehäuseränder hervorstehen. Das schützt Potis, Taster und Schalter beim Transport, falls man den Amp mal ohne weitere Schutzmaßnahmen transportiert.

Fotostrecke: "The Box MS 12"  von allen Seiten betrachtet. (Fotos: Bonedo)

Anschlüsse und Bedienelemente

Auf der Frontseite dominiert im oberen Gehäusebereich das Panel mit den zur Verfügung stehenden Anschlüssen. Geboten werden vier Mono-Eingänge sowie zwei Stereo-Inputs, nebst zwei-Band EQ pro Kanal. Die Eingänge der Mono-Inputs stehen in Klinkenbuchsen- und in symmetrischer XLR-Ausführung für den Anschluss von Mikrofonen zur Verfügung. Zusätzlich bieten die Mono-Eingänge Phantomspeisung, die über einen Generaltaster für alle Mono-Kanäle zu-oder abschaltbar ist. Weiterhin gibt es einen RECORD OUT (stereo) zum Anschließen eines Aufnahmegeräts mit Cinch-Anschluss plus einen Stereo-Ausgang (MONITOR OUT L/R), ausgeführt mit zwei Klinkenbuchsen. Damit kann das am Keyboardverstärker anliegende Signal stereofon an eine externe Audioanlage (PA) geschickt werden. Ein über dem MASTER-Volumenregler positionierter NORMAL/SPEECH-Taster bemüht einen internen EQ, um das gesamte Audio-Signal von störenden Bässen zu befreien, sollte der Keyboardverstärker für die Sprachwiedergabe verwendet werden.

Beim Blick auf die Stereo-Eingänge fällt sofort auf, dass nur ein Klinken-Buchsenpaar für die Nutzung eines stereofon betriebenen Keyboards zur Verfügung steht. Der andere Stereoeingang ist in Cinch-Ausführung ausgelegt und somit eher für die Nutzung eines noch vorhandenen Audio-Players geeignet, oder man hat entsprechende Adapter dabei. Das trübt den ersten Eindruck, denn hier muss der, der mehr als ein stereofon zu betreibendes Instrument anschließen möchte, auf einen externen Sub-Mixer zurückgreifen, Adapter mitnehmen, oder auf die Stereo-Eingabe verzichten und den Rest des Instrumentariums über die vier vorhandenen Mono-Eingänge verteilen. Die Mono-Eingänge lassen zudem Einstellmöglichkeiten für das Panorama vermissen, sodass man diese auch nicht mal eben zum Stereo-Eingang umfunktionieren kann, was für die das Routen auf den stereofonen MONITOR OUT sicherlich praktisch wäre.

Anmerkung:  Zum Vermeiden von Missverständnissen sei erwähnt, dass die Soundausgabe über die Speaker des Keyboardverstärkers natürlich Mono ist, die Weiterleitung der Audiosignale je nach verwendeten Eingangskanälen (Stereo & Mono) an eine externe Audioanlage (PA) aber entsprechend der Eingangswahl am Keyboardverstärker vorgenommen wird.

Frontseite (Anschlüsse)

Welche Anschlussmöglichkeiten der Keyboardverstärker bietet, welche wo liegen und welche wofür geeignet sind, folgt in der kommenden Übersicht. Analog dazu schaut euch einmal die grafische Darstellung des Bedienpanels an.

1 [HF]: Equalizer: Regler zum Anpassen der hohen Frequenzen des einzelnen Kanals in einem Bereich von –15 … +15 dB.

2 [LF]: Equalizer: Regler zum Anpassen der tiefen Frequenzen des einzelnen Kanals in einem Bereich von –15 … +15 dB.

3 [FX]: Drucktaster zum Zu-/Abschalten des digitalen Effekts für die Kanäle CH1 bis CH4.

4 [LEVEL]: Separate Lautstärkeregler für die Kanäle CH1 bis CH7/8.

5 [MIC]: Mikrofoneingänge der Kanäle CH1 bis CH4. An diese Eingänge dürfen nur Mikrofone angeschlossen werden. Bei der Nutzung von Kondensatormikrofonen wird die Phantomspeisung  mithilfe des Drucktasters [PHANTOM] (7) aktiviert.

6 [LINE]: Line-Eingänge der Kanäle CH1 bis CH4. An diese Eingänge können Instrumente wie z.B. Keyboards, Synthesizer oder Drum-Computer sowie Effektgeräte angeschlossen werden.

7 [PHANTOM]: Der Drucktaster zum Zu-/Abschalten der Phantomspeisung für die XLR-Mikrofoneingänge der Kanäle CH1 bis CH4. Hier bitte auf die Nutzung symmetrischer Kabel achten.

8 MP3-/WAV-Player mit Display und Funktionstasten. Durch Drücken der Taste [MODE] des Players, wird die gewünschte Audioquelle ausgewählt. Folgende Optionen stehen zur Verfügung: USB („USB“), Micro SD-Karte („SD“ / "TF"-Schacht), Bluetooth („VIRE BT“) und Line ("AUX"-Input, 3,5 mm Stereoklinkenanschluss). Die Tasten [VOL-], [SCAN] und [VOL+] sind mit Doppelfunktion versehen und dienen zum Steuern der Wiedergab:  [VOL-] = Titel zurück, [SCAN] = Pause und [VOL+] = Titel weiter. Um das Volumen des Players anzupassen, müssen die Tasten [VOL-] bzw. [VOL+] mindestens zwei Sekunden lang gedrückt gehalten werden um zu Volumenreglern "umfunktioniert" zu werden.

9 [MONITOR]: Der Regler zum Anpassen der Monitor-Lautstärke. [EFFECTS]: Der Regler zum Anpassen des Effektanteils am Ausgangssignal.

10 LED-Anzeigen. [PW]: Betriebsanzeige. Diese LED leuchtet, sobald das Gerät mit Netzspannung versorgt wird und eingeschaltet ist. [DL] … [–20]: Anzeige der Stärke des Ausgangssignals.

11 [MASTER]: Lautstärkeregler zum Anpassen der Gesamtlautstärke des Geräts.

12 [NORMAL/SPEECH]: Drucktaster zum Umschalten zwischen den Frequenzgrundeinstellungen für Musik (Normal) und Sprache (Speech).

13 [MONITOR OUT]: 6,3-mm-Ausgangsbuchsen zum Anschließen des Geräts an einen externen Verstärker bzw. an aktive Lautsprecherboxen.

14 [7/8]: Stereo-Eingang mit Cinch-Eingangsbuchsenpaar zum Anschließen einer externen Audioquelle.[RECORD OUT]: Cinch-Ausgangsbuchsenpaar zum Anschließen des Geräts an ein externes Aufnahmegerät.

15 [5/6]: Stereo-Eingang mit 6,3 mm Eingangsbuchsenpaar zum Anschließen einer externen Audioquelle. Für den  Mono-Betrieb sollte hier ausschließlich die Buchse [L (MONO)] verwendet werden.

Rückseite (Anschlüsse)

16 [NETZSTROM]: Auf der Rückseite gibt es die Netzanschlussbuchse, ausgeführt als Kaltgeräteeinbaustecker.

17 [ON/OFF]: Der Hauptschalter zum Ein- und Ausschalten des Geräts.

18 [OUTPUT]: Die Ausgangsbuchse zum Anschluss einer passiven Lautsprecherbox (6,3 mm Klinkenbuchse).

Bedienelemente

Haptisch vermitteln die mechanischen Bedienelemente wie Potis und Taster einen soliden Eindruck und sollten somit den Beanspruchungen des Alltags, bei normaler Verwendung, standhalten. Die Anschlusssektion ist wie bereits eingangs erwähnt recht übersichtlich gestaltet und die Abstände der Bedienelemente zueinander sind so gewählt, wie man es braucht. Lediglich die Schaltzentrale des Music-Players für den USB-, SD-Card, Line (Aux) sowie Bluetooth-Betrieb, hier "MUSIC SPEAKERS" genannt, fällt eher filigran aus. Das im "MUSIC SPEAKERS" obendrein verbaute Mini-Display vermag in roten LED-Lettern auf kurze Entfernung (ca. 3 m) noch Mitteilung über den gerade gewählten Modus geben. Darüber wird es eng. Das spielt aber keine große Rolle, denn das Display ist ausschließlich für den Music-Player vorgesehen und steht mit der weiteren Nutzung des Keyboardverstärkers in keiner Verbindung.

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