Test
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05.03.2018

Teenage Engineering PO-35 speak Test

Taschen-Resynthesizer

Formant-Schleuder

Pocket Operator – kurz PO mit fortlaufender Nummerierung – das sind unkonventionelle, kleine Synthesizer von der schwedischen Firma Teenage Engineering. Mit dem PO-33 K.O! kam erstmalig das Thema Sampling ins Spiel und diesen Weg führt der PO-35 speak nun fort. Ging es beim PO-33 vornehmlich um die Verarbeitung von kurzen Drum-Samples, versteht sich der PO-35 auch und besonders auf etwas längere Audio-Schnipsel – bevorzugt Stimm- und Gesangssamples, die er resynthetisiert und die sich mit dem spezialisierten Arsenal an Effekten bis ins Abstrakte verfremden lassen. In unserem Test haben wir den kleinen "P0-35 speak" einmal genau unter die Lupe genommen.

Details

Gemeinsam ist allen Pocket Operatoren von Teenage Engineering das handliche Taschenrechner Format (6,1 x 10,5 cm), der Batteriebetrieb, ein kleiner Aufstellbügel, ein LCD-Display und eine Matrix aus 23 Micro-Tastern und zwei Potenziometern. Die gesamte Elektronik und auch der integrierte Lautsprecher befinden sich unter dem Display, so dass das Befingern der blanken Platine und Bauteile keine negativen Auswirkungen auf das Gerät hat. Eine weitere Eigenheit aller „POs“: An zwei Stellen lassen sich mit sanfter Gewalt Stücke aus der Platine brechen. Zum einen der „Henkel“ an der Oberseite, was vornehmlich dann erforderlich ist, wenn man den Operator in das separat erhältliche Gehäuse einsetzen will. Zum anderen (ab PO-32 aufwärts) eine kleine „Lock“-Aussparung, die – wenn man sie abbricht – gewissermaßen als Hardware-Schreibschutz funktioniert, der sich nur durch eine Lötbrücke wieder umkehren lässt. Besitzt man mehrere Pocket Operatoren, kommt die Synchronisierbarkeit ins Spiel: Denn über ihren integrierten Audio-In/Out können sie nicht nur Audiomaterial untereinander weiter geben, sondern sich auch auf das Tempo des gemeinsamen Masters einigen – Jam-Sessions über mehrere POs hinweg laufen dann in sich synchron.

Wenden wir uns den spezifischen Eigenheiten des PO-35 speak zu: Er verfügt über 120 Sekunden Speicherkapazität, die sich auf fünfzehn Samples verteilen und sich wahlweise mit dem integrierten Mikrofon oder über den Line-Eingang befüllen lässt. Der sechzehnte Slot ist als Drum-Spur reserviert. Dort kommt eine Instanz des PO-32 Tonic-Drum-Synthesizers mit sechzehn Sounds zum Einsatz. Die können direkt aus einem PO-32 oder dem entsprechenden Pendant am Rechner, dem Microtonic, importiert werden.

Dass der PO-35 im Gegensatz zu seinem Kollegen PO-33 – bei gleicher Speichergröße - mit der dreifachen Sampling-Zeit aufwarten kann, liegt an der speziellen Synthese-Engine. Denn offenkundig wendet er kein simples Sampling an, sondern bedient sich der weitaus exotischeren Methode der Resynthese – auch als Granularsynthese bekannt. Der Vorgang des Samplings ist zwar der Gleiche, wie beim klassischen Sampler, nur nimmt der PO-35 etwas weniger Proben (Samples), generiert daraus aber eine dreidimensionale Tabelle, in der für jede Probe das spezifische Frequenzspektrum gespeichert ist: Man kann sich das bildlich wie die einzelnen Scheiben einer Computertomografie vorstellen.

Diese Tabelle wird im Anschluss mit beliebiger Geschwindigkeit und Tonhöhe ausgelesen, wobei Zwischenstufen zwischen den Proben (Grains) interpoliert werden. Im Ergebnis erhält man – gerade in Extrembereichen – ein anderes Klangbild als beim klassischen Sampling. Doch dazu später mehr. So viel Rechenpower hat dann allerdings ihren Preis, der PO-35 speak nur einstimmig. Unabhängig davon spendiert die Drum-Instanz noch eine weitere Stimme, die ist allerdings exklusiv für das Schlagwerk reserviert.

Auspacken

Alle Pocket Operatoren haben eine generische, ultra-charmante Verpackung, der man ansieht, dass die Mannschaft von Teenage Engineering durch und durch Design-verliebt ist: Alle POs sind in einer Papp-Faltschachtel untergebracht, bei der die beiden Poti-Köpfe frech durch die Verpackung heraus lugen. Nach dem Aufreißen der vorperforierten Seite zeigt sich, dass die Innenseite der Verpackung mit einer Kurz-Anleitung bedruckt ist: Top. In der Verpackung selbst finden sich drei Beipackzettel mit Anleitungen auf Englisch, Schwedisch und Japanisch. Und natürlich der Pocket Operator selbst. Daneben gibt es das vollständige Manual natürlich auf der Website von Teenage Engineering. Nicht ganz so gut: Die Anleitung lässt einen gewissen didaktischen Überbau vermissen. Sie beschreibt die einzelnen Funktionen, ordnet sie aber thematisch nicht und lässt auch einen gewissen Praxisbezug vermissen.

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