Test
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31.01.2013

Praxis

Die Installation erfolgte erwartungsgemäß problemlos: Herunterladen, Seriennummer eingeben, aktivieren und los geht´s - ohne iLok, eLicenser oder ähnlichem Anhang - auf bis zu 2 verschiedenen Rechnern.

Beim erstmaligen Öffnen von Effectrix sollte man es sich nicht nehmen lassen, erst mal anhand der mitgelieferten Presets und eines ganz einfachen Drumloops die Grundmöglichkeiten der Klangmanipulation zu erforschen. Allein die Preset-Pattern haben von drastischen Verfremdungen bis hin zu Effekt-Ketten, die den Groove auf interessante Weise unterstützen oder variieren, viel zu bieten. In den folgenden Beispielen hören wir ein zweitaktiges Drumloop, zunächst ohne Effectrix, und darauffolgend in Bearbeitung durch die Presets „Born in Italy“ und „Totally Strange“.

Wie man sieht liegt die Bandbreite der Presets zwischen „im Dienste der Musik“ und plakativer Verfremdung. Anhand der Abbildungen 2 und 3 lässt sich nachvollziehen, welche Tracks im jeweiligen Pattern zum Einsatz kommen. In Abbildung 3 sieht man außerdem, dass der Loop Bar die Steps 1 bis 24 umschließt, wodurch alle darauffolgenden Steps und Modulationen nicht mehr „gespielt“ werden.

Viele Presets sind derart plakativ oder abgefahren, dass man zunächst einmal ins Staunen gerät. Für den realen Einsatz in Musikproduktionen eignen sich dann aber doch meist subtilere bis selektivere Eingriffe ins musikalische Geschehen, sprich: Die Erstellung eigener Pattern oder das Angleichen bzw. „Ausdünnen“ eines inspirierenden, „songdienlichen“ Preset-Pattern.

Wer jetzt etwa glaubt, die vielen bunten Farben versprechen eine kinderleichte Bedienung, der liegt genau richtig! Die Steps lassen sich, wie man es von einem Piano Roll-Editor gewohnt ist, per Mausklick einfügen, nach links und rechts verlängern, verschieben sowie durch Klicken mit der rechten Maustaste bzw. Alt-Taste und Mausklick löschen. Wer keine rechte Maustaste besitzt oder wessen Alt-Taste gerade kaputt ist, erreicht sein Ziel auch durch einen Doppelklick. Bedienkomfort wird hier also groß geschrieben. Alle Steps eines Tracks können bei Bedarf durch den Lösch-Button rechts vom Effektnamen, alle Steps eines Patterns hingegen durch den Init-Button (obere rechte Ecke des Plug-in-Fensters) gelöscht werden.

Die folgenden Hörbeispiele sollen einen Eindruck davon vermitteln, was die einzelnen Tracks bzw. Effekte leisten. Hierzu habe ich Effectrix spaßeshalber in die Summe eines achttaktigen MIDI-Instrumentals insertiert. In jedem Beispiel habe ich zwei Effekte verwendet und das Audiofile dementsprechend benannt. Der erste Effekt ist immer in den Takten 2 und 6 aktiv, der zweite Effekt hingegen in den Takten 4 und 8.

Der Unterschied der beiden Loop-Effekte fällt sofort auf: Entgegen dem „normalen“ Loop-Effekt, der nützlich wie eh und je, aber ohne große Überraschungen daherkommt, bietet der X-Loop Effekt die Möglichkeit, die Looplänge sowie auch die Tonhöhe der Wiederholungen zu modulieren. In Takt 6 ist der Parameter „Pitch Change“ auf einen positiven Wert eingestellt, woraufhin der Loop quasi nach oben „wegfliegt“. Der per Automation verringerte, negative Wert in Takt 8 bewirkt das Gegenteil und ähnelt einem Tape-Stop.

Der Scratchloop-Effekt ermöglicht, den Loop-Bereich vor- und rückwärts mit unterschiedlichen Geschwindigkeitskurven abzuspielen, um das Scratchen einer Schallplatte zu simulieren. Etwas dezenter und veredelnder dagegen wirkt der Reverse-Effekt, dessen Mix-Regler (Wet/Dry) mit ca. 70% noch etwas vom unbearbeiteten Signal durchlässt, um nicht ganz „den Takt zu verlieren“.

Wie man hört und wahrscheinlich schon vermutet hat, dient der Stretch-Effekt nicht der unauffälligen Tempoanpassung von audiophilem Material, sondern agiert eher im Geiste alter Akai-Sampler (Cyclic-Timestretching) mit dem Ziel, unnatürliche Effekte zu generieren. Der Vinyl-Effekt erzeugt hier einen eintaktigen Tape-Stop. Dass der Vinyl-Effekt auch „musikalischere“ Ergebnisse zu liefern vermag, soll folgendes Beispiel zeigen:

Wenn man auf die Synthesizer-Sequenz achtet, fällt auf, dass das „Herunterfallen“ der Tonhöhe am Ende jedes zweiten Taktes (vgl. „Mix ohne Effectrix“) entfällt. Auch hier ist der Vinyl-Effekt von Effectrix am Werk und bildet mit den gespielten Noten quasi eine musikalische Einheit. 

Der Effekt „Tonal Delay“ ist ein sehr kurzes Delay, das eine „roboterähnliche“, einstellbare Tonhöhe erzeugt. In Takt 6 gleitet die Tonhöhe per Automation abwärts. Der Stutter-Effekt ermöglicht rhythmische Gate-, Envelope- und Panning-Modulationen. Durch seinen Einsatz wird das Audiosignal in den meisten Fällen, so auch hier, merklich leiser - eine Möglichkeit, den Pegel aufzuholen (außer über den automatisierbaren Master-Level), ist leider nicht vorhanden.

Der Crush-Effekt bietet neben der üblichen Bitrate- und Samplerate-Reduzierung auch einen knackig zupackenden Distortion-Regler. Durch den rhythmischen Einsatz des Effektes im Step-Sequenzer gelangt man auch bei mutigeren Einstellungen zu groovigen und „songdienlichen“ Ergebnissen. Durch seine Verwandtschaft zu Sugar Byte´s WOW Filterbox geizt auch hier der Filter-Effekt nicht mit flexiblen Klangmöglichkeiten. Als Filtertypen stehen Hochpass, Bandpass, Tiefpass (jeweils 24 dB/Oktave) und ein Kammfilter zur Verfügung. Der „Vowel Mode“, welcher auch im vorliegenden Hörbeispiel aktiv ist, ermöglicht die Anwahl aller Vokale und verschiedener Kombinationen über den Cutoff-Regler. Selbstverständlich gehören auch Hüllkurven zur Filtermodulation sowie ein Hüllkurvenfolger zur Ausstattung.

Wie das Hörbeispiel verdeutlicht, packen auch Phaser und Chorus ordentlich zu. Subtil veredeln will hier niemand! Jeweils metrische Werte des Rate-Parameters (Chorus: 4/1 bis 1/16 ; Phaser: 4/1 bis 1/128-Triole) unterstreichen das Prinzip eines „Effect Sequencers“.

Auch beim letzten „Effekt-Pärchen“ Reverb & Delay, kommt man durch das rhythmische Setzen von Hall zu interessanten Ergebnissen.

Anhand der Abbildung kann man erkennen, an welchen Taktpositionen die jeweils zwei aktiven Effekte der Hörbeispiele ausgelöst wurden. Das teilweise längere Ausklingen entsteht durch die Release-Einstellung der Hüllkurve, wie man an den Parametern des aktiven Delay-Tracks sehen kann.

Folgende Punkte sollte man nach dem Anhören dieser Soundbeispiele bedenken: Es ist immer nur ein (Effekt-)Track gleichzeitig zu hören! Durch die Verkettung und Interaktion mehrerer Effekte sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Des Weiteren bieten die Soundbeispiele der einzelnen Effekte nur einen „Blick durch den Türspalt“ der klanglichen Möglichkeiten und Verfremdungen.

In Anbetracht der vielen gleichzeitig nutzbaren Effekte könnte man vermuten, dass Effectrix ein besonders ressourcenhungriger Spielkamerad ist. Bei diversen Produktionen auf Mac (MacBook Pro 2.66 GHz Intel Core i7 4GB RAM) und PC (Windows XP, 3,07 GHz Intel Core i7 3GB RAM) war es mir stets möglich, mehrere Plug-In-Instanzen zu öffnen, ohne dabei einen spürbaren Performance-Verlust zu erleiden.   

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