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Test
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14.09.2012

Stanton DJC.4 Test

Vierdeck-DJ-Controller mit integrierter Soundkarte

Kompaktes Werkzeug für den digitalen DJ

Warum den Stanton DJ Controller? So langsam werden die Tage kürzer, die Nächte länger. Es beginnt die Jahreshälfte, wo man weniger Zeit im Biergarten und längere Nächte im Club verbringt. Eine gute Gelegenheit also auch für alle DJs, ihr leichtes Sommer-Setup gegen einen ordentlichen Indoor-Controller zu tauschen. Aber Moment – hat man sich nicht gerade an den rückenfreundlichen Transport seines iPads oder seiner Mini-Doppeldecker-Konsole gewöhnt?

DJ-Controller sind nach wie vor die Quadratur des Kreises: Einerseits sollen sie im Rucksack bescheiden sein, andererseits möglichst großspurig die virtuellen Bedienelemente der bevorzugten DJ-Software in die Realwelt überführen. Und wo am Bildschirm in der Regel mindestens 1024 mal 768 Pixel zur Verfügung stehen, möchte man im echten Leben mit einer möglichst kleinen Stellfläche auskommen. Der Stanton DJC.4 tritt an, beides zu liefern: volle Kontrolle über vier Decks auf dem Flächenbedarf einer DIN-A3-Seite.

Details

Stantons DJC.4 ist ein USB-bestromter zweikanaliger Dual-Stereo MIDI-Controller mit integrierter Soundkarte, zwei berührungsempfindlichen 10-Zentimeter-Jogwheels, zwei 45 Millimeter langen Linefadern und einem austauschbaren Crossfader. Ferner verfügt er über ein umfangreiches Arsenal an Bedienelementen zur Navigation, Loop-, Effekt- und Sample-Steuerung sowie einen Dreiband-Equalizer nebst Tastern und Fadern (14-Bit-Auflösung) zur Pitch-, Transport- und Cue-Steuerung. Mitgeliefert wird eine auf vier Decks ausgelegte LE-Version der beliebten DVS-Software VirtualDJ von Atomix. 

Auspacken
Aus der angenehm unspektakulär bedruckten Verpackung (keine bunten Bilder von Fake-Deejays oder -Janes bei der Arbeit, sondern lediglich die technischen Daten und Werbetexte) entnehme ich den Controller selbst, eine CD mit Treibern und der Software Virtual DJ nebst Seriennummer sowie das mit einem Meter ziemlich kurz geratene USB-Kabel. 

Auf die Beilage einer gedruckte Bedienungsanleitung hat man bei Stanton – mutmaßlicherweise aus Kostengründen - verzichtet. Wer etwas Gedrucktes zum Einschlafen mit ins Bett nehmen will, muss wohl oder übel das auf der CD befindliche, englischsprachige PDF durch den Drucker jagen oder es sich auf den Mobilrechner seiner Wahl schieben. Lobenswert darin: die vollständige MIDI-Kommando-Liste inklusive LED-Rückgabewerte. Wer hingegen Informationen in deutscher Sprache sucht, findet auf der Hersteller-Website leicht gekürzte, mehrsprachige Bedienungsanleitungen. Für die ersten Schritte dürfte aber schon die mitgelieferte Mapping-Karte im DIN-A3-Format ausreichend sein. 

Apropos DIN-A3: Der Controller entspricht mit seinen Ausmaßen fast genau dem altgedienten Industriemaß – allerdings nur fast, denn mit seinen 41 Zentimetern in der Breite, 29,7 in der Tiefe und 6,5 Zentimetern bis zum höchsten Bedienelement (bis zur Faceplate sind es lediglich 4,5 Zentimeter) ist der Stanton sogar noch einen Zentimeter schlanker. Die Oberfläche aus Metall dürfte dann wohl auch mit einer der Hauptgründe für das - trotz einer Gehäusewanne aus Kunststoff - recht stattliche Kampfgewicht von 2,9 Kilo sein. 

Die flüchtige haptische und visuelle Ersterkundung liefert ein vielversprechendes Bild: Saubere Beschriftungen, keine Grate oder überstehenden Schrauben, keine wackeligen Bauteile, nix klappert beim Schütteln, alle Regler und Taster geben ein gutes taktiles Feedback. Das könnte ein Test werden, der Spaß macht. Besonders die seitlichen Griffmulden gefallen auf Anhieb, denn nicht selten muss man seinen Controller bei Partys in die Lücke zwischen den Kollegen, die bereits aufgebaut haben, millimetergenau „ein- und wieder ausparken“ – schön, wenn da die Fingerkuppen etwas zum Untergreifen haben.

Aufbau
Vierdeck-Controller hin oder her: Blickt man auf den DJC.4 hat man nicht mehr oder weniger als eine opulent bestückte Dual-Deck Steuereinheit vor sich, deren einziger Zugang zum Thema Quad-Antrieb lediglich durch einen Deck-Select-Taster auf jeder Seite ermöglicht wird. Also setzen wir an dieser Stelle das „Vierdeck“ in ganz dicke Klammern. Grundsätzlich zwar möglich, hat sich das Umschalten zwischen zwei Layouts in der Praxis als wenig übersichtlich und entsprechend fehleranfällig herausgestellt. Und seien wir ehrlich: Jene DJs, die wirklich konstant mit vier Decks operieren, gehören ganz klar zur Gattung der Performer und die absolvieren in der Regel kompakte, intensive Auftritte von einer Dreiviertelstunde und werden sich dann auch eine Konsole vom Schlage eines NI S4 oder Pioneer DDJ-T1 ankarren lassen, die zumindest mit separaten Kanal-Fadern für jedes Deck aufwartet. Die Musikdienstleister hingegen, die für eine kontinuierliche Abendbeschallung von mehreren Stunden bis in den Morgen hinein sorgen, bescheiden sich dagegen eher mit zwei virtuellen Laufwerken. Unter anderem, weil die Konzentration gar nicht reicht, um abendfüllend mit drei und mehr Tracks simultan zu hantieren, aber auch, weil es in der Regel musikalisch gar nicht erforderlich ist. Und falls es einem dann doch einmal zwingend unter den Nägeln brennen sollte, einen Klassiker von Donna Summer mit diesem treibenden Breakbeat auf der alten Moving-Shadow-Scheibe und einem brandaktuellen Track aus der OWSLA-Dubstep-Küche zu mischen (Nachahmung auf eigene Gefahr) - machbar ist das mit dem DJC.4 in jedem Fall.

Aber auch so empfängt mich der Controller bereits mit einem ziemlich dicht besiedelten Bedienfeld, dessen Funktionsumfang durch Shift-Doppelung noch mal geheckspoilert wird. Nicht weniger als 64 Funktionstaster, 18 Potenziometer und fünf Fader warten auf ihren Einsatz. Auf den spiegelsymmetrisch identisch ausgelegten Schenkeln residieren die Jogwheels, die sich geräuschlos, leichtgängig und ohne Spiel in ihren Achsen drehen und deren Ränder mit einer griffigen Riffelung armiert sind, die bei mir aus irgendeinem unerfindlichen Grund die Assoziation mit Motocross hervorruft. Mittels zweier Potenziometer auf der Stirnseite lässt sich für beide Decks jeweils der Punkt justieren, ab dem sie glauben angefasst zu werden.

Unter den Jogwheels leben Tap-, Cue- und Play/Pause-Taster, die aus einer griffigen Kunststoffmischung gefertigt sind und ihren Betriebszustand hintergrundbeleuchtet mitteilen. Dazwischen sitzen die beiden Linefader samt zehnsegmentiger Kanalpegel-Anzeige und der Überblendregler. 

Im hohen Norden startet der Controller mit der Loop- und Effektsteuerung. Hier stehen neben zwei Rotary-Push-Encodern und zwei Tastern (Loop-Länge /2, *2) vier Buttons zur Effektsteuerung bereit. Weiter südlich folgen drei Viererketten mit Triggern für Loops, Hotcues und Samples. 

Die Tastenköpfe sind hier im Gegensatz zur Transportabteilung aus glattem Kunststoff gefertigt. Was zur Folge hat, dass der Schaltvorgang des darunterliegenden Mikroswitch etwas direkter an die Finger übertragen wird, als bei den gummierten Vertretern (was mir persönlich besser gefällt). Im Übrigen sind alle Taster hintergrundbeleuchtet und geben in sanftem Rot und Orange Auskunft über ihren Betriebszustand. Links neben der Matrix (auf der rechten Deckseite spiegelbildlich dann rechts) hat es sich der mittengerasterte Pitchfader zusammen mit seinen Pitch-Bend-Kumpels (+/-) gemütlich gemacht. 

Der Tastenblock findet seinen Abschluss nach unten in Form eines Key-Lock-Tasters (Shift-Funktion: Beat-Lock) sowie dem bereits genannten Deck-Select-Schalter (A/C, B/D), dessen aktueller Status über zwei LEDs signalisiert wird. Ebenfalls mit an Bord: der zeitgemäße Sync-Taster (Shift-Funktion: Reverse) zusammen mit einem Aktivator für den Scratch/Bend-Modus (Shift-Funktion: Smart). 

Im Zentrum des DJC.4 sitzt – für die meisten Leser wohl nicht überraschend - die farblich durch ein lichtes grau abgesetzte Klangregelung zusammen mit der Navigation. Diese Zone beginnt in der Titelzeile mit zwei Lämpchen, die Auskunft über die Aktivität des Aux- und Mikrofon-Input geben. Darunter folgen ein Master- und ein Sampler-Volume-Poti sowie der typische, gerasterte Rotary-Encoder mit Push-Funktionalität zur Navigation im Dateisystem. Mit den beiden sich anschließenden Tastern werden die selektierten Stücke in eines der vier Decks (A/B, über Shift: C/D) geladen. Über die Funktion des folgenden Rotary-Push-Encoders, der mit Select und Action beschriftet ist, schweigt sich das Handbuch im Fall von Virtual DJ leider aus – im direkten Test konnte ich auch keine zugewiesene Funktionalität feststellen, aber egal: Lieber ein Bedienelement zu viel (was sich nachträglich noch zuweisen lässt) als eins zu wenig. 

Die Klangregelung selbst beginnt mit einem Gain-Poti, dem die drei Bänder High, Mid und Low folgen. Die dafür vorgesehenen Drehregler sind mit Mittenrasterung und einer Push-Funktion ausgestattet, welche naheliegenderweise das jeweilige Band killt. Mid- und Bass-Poti ermöglichen zusätzlich über die Shift-Funktion den Zugang zum Key-Transpose und zur Filtersteuerung. Den Abschluss nach unten bilden Cue-Taster.

Anschlüsse
Etwas verschämt in der linken Ecke der Vorderseite des DJC.4 wurde der Klinken-Mikrofoneingang montiert. Ihm folgen in leicht zersiedelt wirkendem Abstand ein Input-Trim und ein On/Off-Switch. An der Mittelachse gespiegelt sitzen die beiden, leicht versenkt installierten Touch-Sensitivity-Potis. Bereits im rechten Abschnitt positioniert folgen ein Drehregler für das Crossfader-Blendverhalten (hart/weich) und die Monitoring-Sektion. Neben der Kopfhörer-Lautstärke selbst lässt sich hier auch das Mischverhältnis zwischen Cue- und Summen-Signal bestimmen. Der Kopfhörerausgang daneben ist sowohl als Standard wie auch als Mini-Klinken-Buchse ausgeführt. Sehr gut.

Wenden wir uns den rückseitigen Konnektivitäts-Optionen zu. Von links nach rechts finden sich hier ein: eine Zugentlastung, eine Buchse für ein optionales Netzteil (falls die Bus-Spannung des angeschlossenen Rechenknechtes nicht ausreichend sein sollte, was in unserem Test nicht der Fall war), ein Power-Taster und die unvermeidliche USB-Buchse. Das Summensignal findet seinen Weg zur PA wahlweise über eine symmetrische Stereo-Klinken-Buchse oder über zwei unsymmetrische Stereo-Cinch-Buchsen. Der rechte Abschnitt ist den Audioeingängen vorbehalten: Hier finden sich zwei Stereo-Cinch-Wege, die wahlweise mit Phono- oder Line-Eingangsverstärkung agieren und mit einem kleinen Switch zwischen PC- und Thru-Modus umgeschaltet werden können. Dazu gibt´s eine Erdungsrändelschraube für die Massekabel der Plattenspieler. Eine zusätzliche Stereo-Buchse (Mini-Klinke) ist mit Aux-Input beschriftet und kann über ein Gain-Poti reguliert werden - ideal, um einen MP3-Player zu installieren. 

Um es aber noch einmal deutlich zu machen: der DJC.4 ist KEIN Standalone-Mischer. Schaltet man die Eingänge auf „Thru“, wird das Signal an der Klang- und Lautstärkeregelung vorbei auf den Main-Out gelegt. Erst durch eine empfangsbereite Audiosoftware, die das Einbinden externer Quellen unterstützt, lassen sich die Eingänge dann zum Mischen nutzen. Das mitgelieferte Virtual DJ LE unterstützt externe Inputs leider nicht. Das ebenfalls zum Test herangezogenen Traktor hingegen schon und nach der Aktivierung in den Voreinstellungen ließ sich problemlos mit diversen Quellen mischen. Überhaupt kann der DJC.4 im Zusammenspiel mit der Berliner Software (wie wir im Praxisteil noch sehen werden) viele seiner Qualitäten besser ausspielen, als mit dem beschnittenen Counterpart aus dem Hause Atomix.

Stanton haben ihren Controller mit einer LE-Version der beliebten DJ-Software Virtual DJ in der siebten Generation gebündelt. Grundsätzlich keine schlechte Wahl, denn das Programm hält unter anderem mit vier Decks, umfassender Klangregelungs-, Effekt- und Sampler-Sektion, der Option Videomaterial zu mischen und einer integrierten Scriptsprache ein mehr als gutes Rüstzeug bereit, um einen erfolgreichen multimedialen Mixing-Feldzug zu starten. Da es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, auf alle Funktionen von Virtual DJ einzugehen, verweise ich an dieser Stelle auf die vollständige Expertise meines geschätzten Bonedo-Kollegen Peter Westermeier, dessen präzise Zielausleuchtung von Virtual DJ 6 ihr in diesem Test lesen könnt.

Die beiliegende Siebener-LE wurde im Vergleich zur Pro-Version – soweit ich das als eingefleischter Traktorfahrer beurteilen kann – formal nicht sonderlich abgespeckt. Unter der Haube muss man sich dann aber doch mit einer, im Vergleich zur Vollversion diätischen Feature-Liste begnügen. Unter anderem ist das eine auf sieben Vertreter zurechtgestutzte Effektauswahl und auf das Wave-Format beschränktes Recording. Nicht zuletzt wurden alle Reiter bis auf das Audio-Setup deaktiviert. Das hat zur Folge, dass die wirklich mächtigen Funktionen wie Skin-Umschaltung oder das Modifizieren von Controller-Mappings verschlossen bleiben. Positiv ist zu vermerken, dass das Layout dank Skinning weitgehend dem der Bedieneinheit angenähert wurde. Wandert der Blick vom Gerät zum Bildschirm, hilft dies bei der Orientierung natürlich sehr (ob es auch sinnvoll ist, lest ihr im Praxisteil). 

Unter Advanced Options lauert dann auch nicht ganz grundlos die Möglichkeit, für 217 Euro auf die Vollversion umzusteigen. Im Vergleich mit den 79 Tacken, die man für die Vollversion von Traktor Pro 2 zu entrichten hat (das meiner Meinung nach derzeit bessere Programm), möchte ich das als eher sportlich bepreiste Offerte bezeichnen. 

Allerdings muss man auch sagen, dass sich Virtual DJ in vielen Bereichen etwas flexibler und offener als Traktor gibt und entsprechende Spezial-Kniffe beherrscht, die Traktor konzeptbedingt noch verschlossen sind (und wohl auch bleiben werden). Zum Beispiel die Video-Mixing-Maschinerie, das Einbinden von VST-Plugins oder auch die flexible Scriptsprache.

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