Hersteller_Spectrasonics Software
Test
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22.12.2009

Details

Installation und Autorisierung

Trilians Library erstreckt sich über fünf Dual-Layer-DVDs und belegt entpackt etwa 34 GB auf der Festplatte. Entsprechend langwierig ist die Installation – ein paar Stunden sollte man schon einplanen. Jede DVD muss einzeln installiert werden, was etwas nervig ist. Man klickt sich für jede DVD von Neuem durch die Dialogfelder und gibt jedes Mal das Administrator-Passwort ein.

 

Alle auf der STEAM-Engine basierenden Instrumente (zurzeit sind das Trilian und der ebenfalls von Spectrasonics stammende Omnisphere) müssen im gleichen STEAM-Ordner installiert werden. Besitzer von Omnisphere sollten also vor der Installation sicherstellen, dass sie auf der betreffenden Festplatte genügend Platz haben.

 

Die Registrierung folgt dem Challenge-and-Response-Prinzip und ist auf der Spectrasonics-Website schnell und unkompliziert abgeschlossen.

 

Die Sounds

Trilian wartet mit einer breiten Palette an völlig neuen, aufwendig gesampelten Bässen auf. Darunter sind neben „Brot-und-Butter“-Sounds auch viele recht spezielle Klänge, die sich für ausgefallenere Stilistiken anbieten. Die neuen E-Bässe wie Music Man, Fender Jazz, Epiphone oder Chapman Stick überzeugen durch ihre Klangqualität, ihren Nuancenreichtum und den druckvollen Sound, und lassen alle bisher gekannten Bass-Samples verblassen. Zum Teil wurden die Samples von Bass-Weltstars wie Marcus Miller, John Patitucci oder Abraham Laboriel eingespielt. Als Bonus enthält Trilian viele überarbeitete Sounds der bekannten Bass Legends-Library von 1994 - übrigens das erste Produkt aus dem Hause Spectrasonics.

Die beiden neuen Kontrabässe sind mit jeweils über zwei GB die zahlenmäßig mächtigsten Instrumente des Trilian. Obwohl der Kontrabass des Trilogy schon bemerkenswert war, wird er von Trilian in Sachen Facettenreichtum und Realismus noch einmal weit übertroffen.

Die neu hinzugekommenen Sample-Bässe verfügen über eine große Auswahl an Artikulationen: Sustain, Staccato, Mutes, Slides, Harmonics, Ghost Notes und eine Reihe weiterer Effekte und ungewöhnlicher Spielweisen. Dazu kommen Release-Samples, die das Geräusch des Loslassens oder Abdämpfens der Saiten nachbilden. Dank der neuen STEAM-Engine lassen sich die Artikulationen sehr vielfältig kombinieren. Viele Patches sind ab Werk mit mehreren Velocitystufen programmiert, sodass man beim Spielen intuitiv bestimmen kann, ob die einfachen Sustain-Samples, die etwas bissigeren „Character“-Samples oder gar ein kleines Glissando erklingen soll. Das funktioniert so gut, dass man sich im Regelfall völlig auf die Engine verlassen kann und „out-of-the-box“ realistische Bassparts generiert.

 

Auf der Synth-Bass-Seite enthält Trilian eine Auswahl von 333 Samplesets, die in einer breiten Palette von Patches Verwendung finden. Die Sounds stammen zum großen Teil von legendären Synthesizern wie Minimoog, KORG MS-20, ARP Odyssey, Roland Jupiter 8 und Yamaha CS-80, aber auch neuere Synths wie der Moog Voyager oder der Waldorf Pulse sind vertreten. Die Samples decken ein breites Spektrum von simplen Sub-Bässen bis hin zu aggressiven Dance-Sounds ab und können mithilfe der Synthese-Funktionen und Effekte des Trilian noch weiter verfremdet und angepasst werden.

Selbstverständlich enthält Trilian die gesamte Library des Trilogy, die sieben Jahre lang die Speerspitze in Sachen Bass-Samples bildete. Die Original-Trilogy-Sounds wurden überarbeitet und remastered. Zum Zeitpunkt dieses Tests waren die Synth-Patches aus Trilogy noch nicht in Trilian verfügbar – dies soll  Spectrasonics zufolge jedoch in Kürze durch ein Update behoben werden.

  

Soundsources und Patches

Ein Trilian-Patch besteht aus bis zu zwei sogenannten Soundsources. Dabei handelt es sich um Multisamples, die zum Teil bereits mit Velocity-Switches ausgestattet sind, oder einfache Synth-Wellenform Samples. Die beiden Soundsources können im Patch kombiniert und mit umfangreichen Synthese-Parametern weiter bearbeitet werden.

 

Die STEAM-Engine

Trilian basiert auf der bereits von Spectrasonics Flaggschiff Omnisphere bekannten STEAM-Engine. Als Gegenstück zur Groove-Engine S.A.G.E., die sich im Stylus RMX findet, ermöglicht STEAM einen sehr flexiblen und musikalischen Umgang mit Multisamples, Modulations-Routings und Effekten. Im Ergebnis führt das dazu, dass die Sounds lebendiger und detailreicher klingen, als man es gemeinhin von Samples gewohnt ist. Hin und wieder könnte man fast vergessen, dass man mit einem Computerprogramm arbeitet, so realistisch spielt sich dieses Software-Instrument.

 

Um einen möglichst realistischen Klang zu ermöglichen, verfügen die neuen Electric- und Akustik-Bässe über viele Nuancen, die von der Engine im richtigen Moment eingefügt werden. So liegen die Samples zum großen Teil als „Vierfach-Round-Robin-Samples“ vor: Wird die gleiche Note mehrfach hintereinander gespielt, erklingt nicht jedes Mal dasselbe Sample, sondern es wechseln sich bis zu vier Alternativen ab. Selbst die Release-Samples wurden ähnlich aufwendig gesampelt, sodass auch beim Loslassen der Tasten nicht immer der gleiche „Klack“ erklingt. Der berüchtigte „Machine-Gun-Effekt“ wird so wirksam vermieden.

 

Außerdem verfügen viele Trilian-Sounds über Legato-Samples, die den Intervall-Performances der Vienna Symphonic Library ähneln: Hält man eine Taste gedrückt und spielt eine weitere, fügt das Programm einen realistischen Tonübergang ein. Diese Fähigkeit beschränkt sich zwar auf Intervalle im Umfang von bis zu einer großen Sekunde, deckt aber die Bass-typischen Hammer-On- und Pull-Off-Effekte ab und erweist sich als sehr wirksam und ausdrucksstark.

Als besonderes Schmankerl hat Spectrasonics die aus dem Stylus RMX bekannte Groove-Lock-Funktion eingebaut. Zieht man ein MIDI-File hinein, passt sich der Arpeggiator dem Groove des Files mit regelbarer Intensität an. Das funktioniert auch mit MIDI-Files direkt aus dem Drag-and-Drop-Feld des Stylus RMX. Im folgenden Video seht ihr, wie sich ein Arpeggiator-Pattern des Trilian mit wenigen Klicks an einen Stylus-Groove anpassen lässt.

Arpeggiator

Trilian enthält einen Arpeggiator, der einem Step-Sequenzer ähnelt. Hiermit lassen sich sehr unkompliziert Patterns erstellen. Der Arpeggiator synchronisiert sich zum Host-Sequenzer und verfügt über eine Swing-Funktion. Jedes Patch enthält bereits ein Beispiel-Pattern, das dazu einlädt, verändert und den jeweiligen Bedürfnissen angepasst zu werden. Die Patterns lassen sich aber auch einzeln laden und speichern.

Multimode

Trilogy konnte mit nur einem Patch pro Plug- In umgehen. Das ist jetzt passé: Bis zu acht Slots können im neuen Multimode mit Patches befüllt und auf verschiedenen MIDI-Kanälen getrennt voneinander gespielt werden. Acht Stereo-Ausgangspaare ermöglichen eine separate Weiterverarbeitung der Signale. Der dazugehörige Mixer dürfte allen Stylus-Anwendern bekannt vorkommen und birgt keine Überraschungen.

Live-Mode und Stack-Mode

 

Besonders interessant sind die beiden Spezial-Funktionen Live Mode und Stack Mode. Im Live-Mode werden die Multimode-Slots mit verschiedenen Spielweisen eines Instrumentes oder aber auch mit jedem anderen Sound belegt. Das Patch in Slot 1 ist das „Master-Patch“ und erklingt standardmäßig. Die weiteren Slots lassen sich nun durch Keyswitches vorübergehend aktivieren. In der Praxis heißt das, dass man per Tastendruck Variationen wie Ghost-Notes oder Slides in das Spiel einbauen kann, wobei Trilian beim Loslassen der Keyswitch-Taste stets wieder zum Slot 1 zurückspringt. Eine lebendige Performance wird so zum Kinderspiel.

 

Das ist nicht nur für den Bühneneinsatz interessant. Auch im Studio erleichtert der Live-Mode das Einspielen von ausdrucksstarken Bass-Parts. Durch das automatische Reset auf Slot 1 wird der Aufwand beim Einsatz der Keyswitches reduziert und eine Fehlerquelle sicher umschifft. Für den Live-Mode sind viele Presets enthalten, die sich durch eine praxisnahe Belegung der Slots auszeichnen. Ganz wichtig auf der Bühne: Im Live-Mode finden Wechsel zwischen Patches ohne lange Ladezeit statt.

 

 

Das folgende Video zeigt, wie mithilfe des Live-Modes Artikulationen schnell und intuitiv eingesetzt werden können.

Der Stack-Mode dient dem Schichten und Überblenden von Patches. Für jeden der acht Slots können bestimmte Tastatur-, Velocity- oder Controller-Bereiche definiert werden, innerhalb derer dann das Patch erklingt. Dabei lassen sich die Übergänge auch fließend gestalten. So lassen sich zum Beispiel Sounds erstellen, die bei hartem Anschlag in ein Slap-Bass-Patch übergehen oder zunehmend dreckiger klingen. Auch die Möglichkeit, ein effektuiertes Patch oder eine Synth-Wellenform mit einem MIDI-Controller hinzuzumischen, ist interessant. Die sehr logische grafische Darstellung ist beim intuitiven Umgang eine äußerst große Hilfe.

Effekte

Trilian bietet eine Vielzahl von Effekten, die an verschiedenen Stellen zur Klangformung eingesetzt werden können. Darunter sind viele, die bereits aus dem Stylus bekannt sind, aber auch einige Neuentwicklungen. Neben den Standards wie EQ, Kompressor und Delay gibt es auch viele, die drastisch in den Klang eingreifen und aus einem zahmen Bass ein druckvolles Ungetüm machen können – Prozessoren wie der Tube Limiter, die Tape Saturation oder der Smoke Amp Simulator seien hier stellvertretend erwähnt. Die Effekte sind absolut brauchbar und bieten eine weite Spielwiese zur kreativen Betätigung.

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