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Test
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26.03.2013

Praxis

Gleich mal vorweg: Auch wenn das Graphite 49 eine gut spielbare halbgewichtete Tastatur mit Aftertouch hat – eine Tastatur übrigens, die mit derjenigen der Carbon-Keyboards gar nichts zu tun hat – so liegt der Fokus des Graphite 49 vielleicht doch eher auf der Arbeit mit DAWs. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Presets für alle gängigen Audioprogramme, zu nennen sind hier Apple Logic Pro, Avid Pro Tools, Steinberg Cubase, Ableton Live , Cakewalk Sonar, Propellerhead Reason, Tracktion, Motu Digital Performer, Sony Acid Pro, Audition, FL Studio, Nuendo, Magix, Presonus Studio One sowie ein Preset namens MK Ctrl, das ein generisches Mackie-Control-Protokoll simuliert. Bei diesen Presets lassen sich die Zuweisungen zu den Fadern und den Drehreglern nicht verändern, aber der Test mit Presonus Studio One zeigte hier keine Probleme. Angenehm anzumerken ist auch, dass die Einstellungen, die man auf dem Computer vornimmt, auf dem Bildschirm des Graphite 49 wiedergegeben werden. Da die Fader deswegen natürlich immer noch nicht motorisiert sind, muss man mit dem Fader den Wert des Computers erst einmal wieder einfangen, bevor Controller und DAW wieder synchronisiert sind – eine Methode, die erfolgreich Sprünge zwischen unterschiedlichen Parameter-Werten vermeidet.

Auch das vorkonfigurierte „Haus-Preset“, also das Preset, mit dem man auf jedem freien Programmplatz anfängt zu programmieren, ist auf die Arbeit mit DAWs geeicht, was man daran merkt, dass immer alle Regler auf die unterschiedlichen MIDI-Kanäle verteilt sind. Das ist für die Arbeit mit DAWs perfekt und die Zusammenarbeit mit den Programmen gestaltet sich auch absolut problemlos: Die Fader sind meist auf die Volumeregler der einzelnen Kanäle geroutet, die Drehregler auf das Panorama und die 16 Taster auf unterschiedliche Funktionen wie Mute, Solo oder Record.  

Da man das Keyboard in vier verschiedene Zones splitten kann, zum Beispiel zum Spielen und Layern unterschiedlicher Sounds auf vier MIDI-Kanäle, hat man einen sehr vielseitigen Controller zur Arbeit im Studio, der eine angenehme Tastatur mit gut zu spielendem Aftertouch bietet und sich durch seine kompakte Größe gut in die Umgebung einfügt.

Was für die Arbeit mit DAWs ein Vorteil ist, nämlich die vorprogrammierte Zuweisung der einzelnen Controller auf verschiedene MIDI-Kanäle, erweist sich bei der Arbeit mit virtuellen Instrumenten eher als Nachteil, denn hier werden die Instrumente meist über verschiedene MIDI CCs gesteuert und nicht über die unterschiedlichen MIDI Kanäle. So stellt sich doch ein bisschen die Frage, wie man denn damit mal auf die Schnelle ein virtuelles Instrument spielen soll, ohne erstmal eine langwierige Programmierorgie zu starten. Wer zum Beispiel die Drawbars einer Native Instruments B4 steuern möchte, wird um das händische Editieren jedes einzelnen Zugriegels nicht umhin kommen, weil die MIDI-Learn-Funktion der Orgel nur auf einem MIDI-Kanal lauscht, die Controller des Graphite 49 aber auf die ersten 8 MIDI-Kanäle verteilt sind. Andersherum wird leider auch kein Schuh daraus, denn das Graphite 49 selbst besitzt leider keine MIDI-Learn-Funktion. Das ist bei der beigelegten Komplete Elements Software übrigens auch nicht anders und so mancher Anfänger wird sich die Haare raufen, wieso sich die Regler auf dem Bildschirm einfach nicht bewegen. Auch die oben angesprochene Funktion des „Einfangens“ von Parametern durch die Controller des Graphite 49 funktioniert hier nicht mehr. Bei unterschiedlichen MIDI-CC-Werten wird das Keyboard den Computer zwingen, zum Wert des Keyboards zu springen, was plötzliche Klangänderungen zur Folge hat.

Das große Display ist ganz klar das Herzstück des Graphite 49 und man hat dadurch fast alle Informationen direkt vor Augen. Schade ist natürlich, dass nur die vier Modi-Taster beleuchtet sind, aber die Zustände der anderen Taster werden am Bildschirm angezeigt. Die Bedienung ist sicher nicht immer ganz intuitiv – so werden Presets über einen Modus geladen, über einen anderen Modus wird das Keyboard gesplittet und über einen dritten kann man das ganze Gerät programmieren, ohne es aber direkt in ein Preset speichern zu können – aber nach ein wenig Einarbeitung hat man das System schon verstanden. Der herunterladbare Editor wirkt noch ein bisschen unausgegoren und kommt noch ohne Anleitung. Die gedruckte Anleitung für die Hardware dagegen beschreibt zwar recht ausführlich die einzelnen Funktionen, aber eine Beschreibung ist noch lange keine Anleitung und man sollte schon ein bisschen etwas über MIDI-Controller wissen, bevor man sich mit dem Gerät auseinandersetzt.  

Die Verarbeitung des Gerätes wirkt für die Preisklasse absolut solide, auch wenn nur ein Langzeit-Praxistest die Stabilität endgültig klären könnte. Die sehr kompakte Bauweise führt natürlich dazu, dass die Regler sehr dicht stehen und auch die Pads könnten ein bisschen sensibler reagieren. Als Performance-Keyboard für die ganz große Bühne ist das Graphite 49 sicherlich nicht konzipiert, aber als Hardware-Controller für eine DAW, auf dem man dank der halbgewichteten Tastatur mit Aftertouch auch mal einen expressiven Bläsersatz einspielen kann, ist es sehr gut zu gebrauchen.

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