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Test
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24.05.2017

Roland RD-2000 Test

Stagepiano

Stagepiano mit Führungsqualitäten

Mit dem RD-2000 hat Roland nach längerer Zeit mal wieder ein Stagepiano der Oberklasse herausgebracht. Stagepiano wäre aber vielleicht schon untertrieben, denn der Nachfolger des RD-800 geht deutlich über die Grundausstattung eines Bühnenklaviers hinaus. Ausgestattet mit der auf Physical Modeling basierenden Klangerzeugung des V-Pianos, etwa 1000 weiteren Sounds und umfangreichen Controller-Möglichkeiten hat das RD-2000 das Zeug zum Strippenzieher in der Keyboardburg.

Das RD-2000 ist also noch nicht ganz Workstation, aber doch wesentlich mehr als nur ein Piano. Insofern wildert es durchaus auch in den Revieren von Kronos, Montage und Nord Stage und muss zeigen, wie es sich in diesem Umfeld bewährt. Mit seinem umfangreichen Soundvorrat und vielseitigen Möglichkeiten zur Steuerung weiterer Instrumente oder beispielsweise auch eines Laptops könnte das RD-2000 für viele Live-Keyboarder interessant werden. Im Test erfahrt ihr, ob die geschichtsträchtige Roland RD-Serie mit dem RD-2000 auch im Jahr 2017 konkurrenzfähig bleibt.

Details

Äußerlichkeiten

Das Äußere des RD-2000 lässt keine Zweifel daran aufkommen, dass man es mit einem ernstzunehmenden Stagepiano zu tun hat. Mit knappen 22 kg ist es kein Leichtgewicht, strahlt dafür aber eine Vertrauen erweckende Solidität aus. An Fläche und Material wurde hier nicht gespart. Die flachen Ecken und Kanten wirken allerdings höchstens im klassischen Sinne modern, so wie das gesamte Design einer eher traditionellen Ausrichtung zu folgen scheint.

Tastatur

Das Roland RD-2000 ist mit einer hervorragenden 88er-Tastatur mit Holztasten ausgestattet, die sich wirklich gut spielen lässt. Die Klaviatur namens PHA-50, die unter anderem aus der HP-600 Serie und dem FP-90 bekannt ist, ist angenehm schwer gewichtet und dennoch leicht und dynamisch genug, um nicht das Gefühl zu haben, unnötig hart arbeiten zu müssen. Außerdem ist sie auffällig leise, was den Heimanwender freuen wird. In Sachen Tastatur kann das RD-2000 mit den Besten mithalten.

Bedienfeld

Das Bedienfeld beginnt neben der Tastatur auf der linken Seite mit einem Pitch-Stick. Darüber befinden sich zwei beleuchtete Modulationsräder. Oberhalb der Tastatur ist das Panel grob in vier Teile geteilt. Links liegt die Effekt-Sektion mit acht Drehreglern, die löblicherweise mit LED-Ringen zum Ablesen der eingestellten Werte ausgestattet sind. Es folgen neun Schieberegler, die unter anderem zur Steuerung des Mischungsverhältnisses von gelayerten Sounds bzw. Keyboardzonen und als Orgelzugriegel dienen. Sie sind ebenfalls mit LED-Statusleuchten ausgestattet, wodurch sich Einstellungen auch auf dunklen Bühnen bequem ablesen lassen. Daneben liegen das grafikfähige und gut ablesbare, 256x80 Pixel große Display mitsamt Value-Rad und einigen Cursor- und Eingabetasten für die Navigation durch die Menüs. Ganz rechts befinden sich neun recht große Taster zur Auswahl der Klangkategorien. Hier findet man auch diverse Buttons für verschiedene Funktionen wie Edit Mode, Tone Designer, Audioplayer und Transpose. 

Anschlüsse

Wie man es von einer Bühnen-Schaltzentrale erwarten kann, ist die Rückseite des RD-2000 üppig mit Anschlüssen ausgestattet. Zunächst gibt es den Stereo Main Out, als XLR- und als Klinkenbuchsen ausgelegt. Zusätzlich steht mit dem Sub Out (nur Klinke) ein weiterer Stereoausgang zur Verfügung. Der Input bietet sich als Miniklinkenbuchse zum Anschluss etwa eines Audioplayers an. Außerdem gibt es natürlich auch einen Kopfhörerausgang, der auf der Rückseite leider nicht besonders gut zugänglich ist. Weiterhin sind vorhanden: vier Pedalanschlüsse (inklusive Damper und Expression), MIDI In/Out/Thru sowie zwei USB-Anschlüsse. Ein praktisches Detail unterstreicht den Masterkeyboard-Anspruch des RD-2000: Der MIDI Thru lässt sich bei Bedarf zu einem zweiten MIDI Out umfunktionieren. Die USB-to-Host-Buchse überträgt neben MIDI auch Audio, wodurch sich das RD-2000 ohne Unwege im Rechner aufnehmen und bei Bedarf als Audiointerface nutzen lässt. Der USB Memory Port nimmt einen Speicherstick auf, von dem sich beispielsweise WAV-Files abspielen lassen. 

Struktur und Klangerzeugung

Im Roland RD-2000 gibt es drei verschiedene Soundebenen. Ganz unten stehen die „Tones“. Das sind einzelne Sounds wie Klavier, Bass oder Strings. Bis zu acht dieser Tones lassen sich in zweiter Ebene in „Programmen“ zusammenlegen, also splitten und/oder layern und mit Effekten versehen. Will man einen Sound verändern und diesen dann speichern, so ist das nur als Programm möglich. Die Tones selbst sind also nicht überschreibbar. Insgesamt fasst der Speicher bis zu 300 Programme. Als dritte Ebene gibt es die sogenannten „Scenes“. In einer Scene lässt sich recht unkompliziert ein soeben editierter Sound bzw. ein gesamtes Setup speichern. Der Unterschied zu einem Programm ist dabei zunächst sehr gering. Vermutlich ist Rolands Anwendungsidee, ein Programm als festen, universellen Sound anzusehen (z.B. Klavier mit Pad), während in den Scenes kleine Veränderungen und Song-spezifische Anpassungen gespeichert werden sollen. Beispiel: In Song A muss das Pad laut sein, in Song B leise. Dementsprechend wird von Roland auch vorgeschlagen, mit Hilfe der Scenes seine Setlist zu organisieren. Aber ich muss zugeben, dass mir die Abgrenzung von Programmen und Scenes nicht ganz schlüssig erscheint.

Die Klangerzeugung im RD-2000 ist zweigeteilt. Die Flügelklänge werden wie bei Rolands V-Piano durch Physical Modeling erzeugt. Es werden also keine Samples eingesetzt, sondern die Eigenschaften des Klanges mit physikalischen Modellen nachgebildet und in Echtzeit errechnet. Dadurch lassen sich besonders gut Feinheiten wie die sich gegenseitig beeinflussenden Resonanzen eines Flügelsounds darstellen und nachjustieren. Sogar das Tuning von einzelnen Tasten ist damit möglich.

Neben dieser Technologie hat Roland seine bewährten PCM-Sounds integriert, also Samples, die für die weiteren etwa 1000 Klänge im RD-2000 verantwortlich sind. Vor allem bei den E-Pianos kommen dabei Rolands SuperNatural-Sounds zum Einsatz, die sehr gut klingen. Der Nutzer merkt den Unterschied der Sound Engines nur daran, dass sich auf die V-Piano-Sounds kein eigener Modulationseffekt anwenden lässt und der Klang beim Umschalten abbricht. Die restlichen PCM-Sounds reißen löblicherweise nicht ab. Zudem lässt sich innerhalb eines Programms nur ein Physical-Modeling-Sound verwenden.

Weiterhin hat Roland die Möglichkeit angekündigt, zusätzliche Expansion Sounds aus dem Internet laden zu können. Zwei Slots stehen dafür zur Verfügung. Da diese zum gegebenen Zeitpunkt noch nicht verfügbar sind, lässt sich momentan nichts über Umfang und Qualität der Sounds sagen.

Mit Hilfe des Tone Designers kann man einzelne Sounds editieren. Hier spielen die SuperNatural-Klänge ihre ganzen Vorteile aus. Die Parameter sind dabei auf die jeweiligen Sounds abgestimmt. Beim Clavinet lässt sich beispielsweise die Lautstärke des KeyOffs anpassen, bei Synthesizer-Sounds die Portamento-Zeit etc. Apropos Synthies: Eine Hüllkurve mit Attack, Decay und Release für den Amp ist an Bord. Für das Lowpass Filter (übrigens auch das einzige Filter) gibt’s aber leider keine Hüllkurve. Die Editiermöglichkeiten reichen hier also nicht an einen ausgewachsenen Synthesizer oder eine Workstation heran, im Zusammenhang eines Stagepianos erscheinen sie aber praxisnah gewählt.

Per Knopfdruck können die acht sogenannten „Zones“ innerhalb eines Programms sowohl internen als auch externen Sounds zugewiesen werden. Mit Hilfe der Schieberegler lässt sich die jeweilige Lautstärke regeln. Das RD-2000 beweist hier also echte Masterkeyboard-Qualitäten. Zwar ist das alles nicht herausragend innovativ, aber eben dennoch sehr praktisch – wer auf der Suche nach einer Zentrale für Live-Shows ist, wird diese Möglichkeiten zu schätzen wissen. Klänge aus dem Laptop oder von anderen Klangerzeugern / Synthesizern lassen sich sehr einfach integrieren und vom RD-2000 aus kontrollieren.

Effekte

Den ersten vier Sounds innerhalb eines Programms lassen sich jeweils drei Effekte zuordnen: ein Modulationseffekt wie Chorus, Wah Wah oder Overdrive, ein Tremoloeffekt und ein Amp-Simulator. Insgesamt stehen 62 Modulationseffekte und sechs Tremoloeffekte zur Auswahl, die sich über die acht Drehregler im Livebetrieb kontrollieren lassen, wobei die Übersicht hier wegen der Mehrfachbelegung der Regler nicht überragend ist. Außerdem stehen die beiden Send-Effekte Reverb und Delay zur Verfügung, die sich den einzelnen Zones über Aux-Wege beimischen lassen. Sie bieten jeweils fünf Variationen, unter anderem auch ein Tap-Delay. Bleibt noch der globale EQ, der das Gesamtsignal beeinflusst. Leider gibt es keine Möglichkeit, einzelne Sounds bzw. Zonen mit einem EQ zu bearbeiten.

Rhythmus-Patterns und Audioplayer

Weiterhin erwähnenswert sind die vorhandenen Rhythmus-Patterns, die zum Jammen einladen oder als Metronom-Ersatz herangezogen werden können. Außerdem lässt sich ein USB-Stick anschließen, von dem sich (leider ausschließlich) WAV-Dateien abspielen lassen. Das ist praktisch für Backing-Tracks oder Playalongs. Lobenswert ist auch die Funktion, die Files vom Stick in Geschwindigkeit und Tonhöhe zu verändern.  

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