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06.05.2015

Will man wirklich eine Ahnung davon bekommen, warum der Jupiter bei seinem Erscheinen so große Wellen schlug und die Musik so entscheidend beeinflusste, darf man nicht nur auf die "inneren" Werten schauen. Denn in dieser Hinsicht hatte ein Yamaha CS80 unterm Strich sicher mehr zu bieten. Bleiben wir ruhig mal beim Vergleich mit einem Porsche, der oftmals weniger PS hatte, als ein Ferrari und trotzdem die Ziellinie in vielen Fällen früher erreichte, als sein italienischer Kollege. Dafür müssen wir uns in die Zeit von 1981 zurück versetzen, in der der Jupiter 8 das Licht der Welt erblickte.

Die Musik war Anfang der 80er Jahre einfach anders, als noch zum Ende der 70er Jahre. Die Produktionen wurden komplexer und die Musiker suchten händeringend nach einem Synthesizer, der nicht nur klanglich überzeugen konnte, sondern sich darüber hinaus auch perfekt in eine Studioumgebung integrieren ließ. Ein Arbeitstier musste her. Und der Jupiter ist ein Arbeitstier.

Bunt sind seine Kleider ...

DAS PANEL
Eine Benutzer-Oberfläche lässt sich nicht in jedem Fall durch Logik bewerten. Hier spielen immer auch persönliche Vorlieben eine Rolle. Ich empfinde das Panel des Jupiter 8 trotz der vielen Regelmöglichkeiten als relativ aufgeräumt. Im Gegensatz zur eigentlich kühlen Optik haben die Roland-Designer hier dem Farbkasten freien Lauf gelassen. Ein wenig erinnern die vielen bunten Knöpfe schon an Opa Herberts Bontempi-Orgel. Beim Spielen dagegen erweist sich das als wahrer Pluspunkt: Denn die Farben machen durchaus Sinn. Und spätestens, wenn man in der Hektik eines Live-Konzerts die richtigen Knöpfe findet, weiß man, dass hier praktische Erwägungen Vorfahrt vor Glanz und Glamour hatten.

 

Beginnen wir auf der linken Seite, wo wir neben Volume, Balance, Master Tune und Auto Tune auch den Arpeggio-Regler finden. Letzteren hätte man sicher näher an die Arpeggio-Range-Schalter verlegen können aber sei's drum. Auto Tune war Anfang der 80er State Of The Art – und ist sicher auch heute noch eine extrem komfortable Einrichtung für einen Analogsynth. Gerade bei Studioproduktionen sollte der Druck auf den Auto Tune Knopf zum regelmäßigen Prozedere gehören. Anders als z.B. bei einem Prophet T8 dauert es hier auch nur 2-3 Sekunden, bis der Synthesizer gestimmt ist und die Funktionen wieder freigegeben sind. 

Die erste Sektion auf dem Bedienfeld beginnt mit dem Low Frequency Oscillator (LFO), den ich eher den Effekten zuordnen und später ansiedeln würde. Wir finden hier zwei Schieberegler für Rate und Delay Time, daneben haben wir die Wahl zwischen Sine Wave, inverted Sawtooth, Square Wave und der Random-Funktion.

Einen orangefarbigen Block weiter liegt der VCO Modulator, mit dem die Ausgänge von LFO und Hüllkurven (Env 1) bearbeitet werden können. Ein nettes Feature ist der Schalthebel daneben, mit dem man die Modulation wahlweise auf VCO-1, VCO-2 oder auf beide gleichzeitig legen kann. Daneben lässt sich die Pulsweite modulieren über einen Range-Schieber und einen Wahlschalter (LFO, Manual oder ENV-1). Mit diesen Bedienelementen lassen sich die Sounds des Jupiter über wechselseitige Beeinflussung der Hüllkurven ordentlich zum Schwingen bringen.

Neben dem VCO Modulator geht es ans Eingemachte: Hier liegen die Regler für VCO-1 und VCO-2. Die Editiermöglichkeiten beider Sektionen unterscheiden sich deutlich voneinander. VCO-1 beginnt mit einem Cross Mod-Schalter, mit dem sich schöne metallische Sounds erzeugen lassen. Daneben liegen der Fußlagenschalter (16’, 8’, 4’ und 2’) und der Schalter für die oben beschriebenen Wellenformauswahl. VCO-2 beginnt mit dem Sync-Knopf, über den sich dass Signal mit VCO-1 koppeln oder eben entkoppeln lässt. Rechts neben dem Sync-Knopf lässt sich die Range von VC=-2 stufenlos regeln und über einen Switch-Button auf "Normal" oder "Low-Freq" schalten. Im "Normal"-Modus spielt VCO-2 in der gleichen Frequenz, wie VCO-1. Die Einstellung "Low Freq" erzeugt einen tieffrequenten Ton, der als Kontrollsignal für die Crossmodulation von VCO-1 genutzt werden kann. Über den Fine-Tune-Drehregler lässt sich VCO-2 gegen VCO-1 verstimmen. Mit etwas Feingefühl lassen sich hier herrlich dichte Analogsounds entwerfen. Letzte Edit-Möglichkeit unter VCO-2 ist der Waveform-Schalter, der mit Sine, Sawtooth und Variable Pulse Waves ähnlich dem von VCO-1 ist, aber mit "Noise" eine vierte Wahlmöglichkeit bietet. Dieses kann im richtigen Mischungsverhältnis mit VCO-1 sehr variantenreiche Sounds entstehen lassen.

Die Filtersektion beginnt mit dem Source-Mix, der direkt über das HPF mit einem Regler für Cut Off Frequency geroutet wird. Daneben liegt die reichhaltige VCF-Ausstattung mit Cut Off Freq. Und Resonance. Danach finden wir den Slope-Schalter, mit der Wahlmöglichkeit zwischen –12dB oder –24dB Flankensteilheit.

 Über die VCF Envelope Modulation lässt sich bestimmen, in welchem Maße der Ausgang der beiden Filter den VCF Cutoff moduliert. Der Schalter neben dem Schieberegler bestimmt, ob Env 1 oder Env 2 den VCF beeinflussen soll. Daneben liegt die LFO Mod, mit dem die Cutoff Frequency durch das Signal der LFO-Sektion moduliert werden kann. Als letzte Editmöglichkeit im Bereich des VCF bietet der Jupiter einen Key Follow Regler.

Das Signal, dass wir gerade im VCF-Bereich moduliert haben, wird nun durch den VCA geführt. Hier wird die Modulationstiefe des Signals nach Durchlaufen von ENV-2 bestimmt. Neben dem Schieberegler finden wir vier Einstellmöglichkeiten, die in die Modulationstiefe des LFO-Signal bestimmen. 

Was nun folgt ist weniger komplex: In zwei Bereichen werden die ADSR-Parameter von ENV-1 und ENV-2 bestimmt. Beide Sektionen haben zusätzlich einen Key Follow Schalter, bei ENV-1 lässt sich zusätzlich noch die Polarität der Kurve bestimmen.

Kommen wir zu den vielen bunten Schaltern, die sich direkt über den Tasten befinden.

Neben dem Tune-Schalter links liegt die Arpeggio-Sektion. Hier kann über vier Schalter bestimmt werden, innerhalb welchen Oktavspektrums sich der Arpeggiator bewegen soll. Daneben gibt es die typischen Up-, Down und Up/Down-Schalter. Dazu hat Roland noch den wirklich spektakulären Random-Modus eingebaut. Alleine dieser Schalter ist Spielfreude pur.

Stimmverteilung: Direkt neben diesem Bereich können wir entscheiden, ob wir pro Taste nur eine Stimme haben möchten (Solo-Mode), ob wir alle acht Stimmen auf eine Taste legen wollen (Unison) oder den Jupiter im Polymodus spielen möchten. Der Polymodus ist unterteilt in Poly-1 und Poly-2, wobei sie grundsätzlich ähnlich aufgebaut sind. Poly-2 wurde speziell für Sounds eingerichtet, die eine lange Ausklingzeit haben. Das Prinzip: werden mehrere Tasten hintereinander gedrückt und gehalten, dann klingen nur die letzten Tasten lange aus, während die früher gedrückten Tasten mit nur kurzem Release ausgegeben werden. Dadurch wird vermieden, dass die Töne zu sehr verwaschen.

Dem gerade beschriebenen Assign Mode folgen zwei Hold-Tasten, einer für die Lower- eine für die Upper-Section. Praktisch ist das auch im Arpeggio- und Splitbetrieb. Daneben liegen drei Schalter für den Key Mode (Dual, Split und Whole). Daneben befindet der Panel Mode, bei dem wir entscheiden, ob wir den Lower- oder Upper-Bereich editieren möchten. Mittig vom Keyboard ist das Display und rechts daneben reihen sich die Patch-Schalter auf, ein Manual-Schalter, mit dem man auf Knopfdruck in den Manual-Modus gehen kann und danach folgen die Patch-Presets, eine Write-Taste und drei Drucktaster für Tape Memory.

BEND IT, BABY

Last but not least finden wir ganz links neben der Tastatur noch eine ausgereifte Bender-Sektion.

Neben dem LFO Modulations-Schalter, den wir schon vom Juno her kennen, gibt es hier die Möglichkeit, verschiedene Parameter auf den Bender zu routen oder alternativ auf Fußpedale: VCO-1, VCO-2, VCF, VCO MOD und VCF MOD. Darüber hinaus lässt sich über einen Drehregler die LFO Rise Time bestimmen. Ein schon in den 80ern altes Gimmick: der Portamento-Regler, der sich aber wunderbar ins Spiel einbinden lässt. Im Solo- oder Unison-Modus werden da Erinnerungen an die Anfänge der Synthesizer-Geschichte wach.

RÜCKSEITE

Das „Hinterteil“ des Jupiter ist eine klare Aussage, mit der Roland den Markt überzeugen wollte. Hier gibt es Anschlussmöglichkeiten, die aus damaliger Sicht revolutionär erscheinen mussten.

Beginnen wir mit dem vorsintflutlichen Tape Memory, den ich auch heute noch gerne benutze, obwohl ich gar keine Tapes mehr besitze. Der Jupiter wurde mit 64 Werkspresets ausgeliefert, die sicherlich einen Einblick ins klangliche Spektrum des Super-Synthesizers erlaubten, aber den Fähigkeiten des Instruments nicht gerecht wurden. Mithilfe der Tape Memory-Funktion lassen sich die Voreinstellungen problemlos auf ein analoges - oder eben heute - digitales Abstellgleis laden und bei Bedarf wieder zum Leben erwecken. So lassen sich durch die Write-Funktion im laufenden Betrieb Sounds abspeichern, ohne dass man vorher mühsam geschraubte Sounds überschreiben muss. Was heute selbst als Standard-Feature für billigste Tischhupen gilt, war damals eine Offenbarung für den anspruchsvollen Profi-Musiker.

Neben den Tape Memory-Anschlüssen finden wir CV- und Gate-Buchsen, die schon Anfang der 80er Jahre nichts Neues waren. Eine Sektion weiter sind die externen Controls angesiedelt, die die Spielmöglichkeiten auch heute noch wunderbar erleichtern und erweitern. Neben VCF, VCA, Portamento und Hold gibt es da die Arpeggio-Clock-Buchse. Midi hin oder Midi her, bei mir ist Arpeggio-Clock fest verdrahtet mit meiner CR78-Drummachine, die beim Jupiter den Takt angibt, wenn sein Arpeggio läuft. Auch das war damals ein Gewinn für jeden Musiker, der eine Einheit zwischen Konservenschlagzeug und Synthesizer suchte. Und davon gab es nicht wenige.

Direkt daneben finden wir weitere Steckmöglichkeiten: Neben drei unsymmetrischen  Ausgängen für die Upper-Voices, den Lower-Voices, gibt es zusätzlich zwei symmetrische XLR-Anschlüsse für Upper und Lower, die dafür garantieren, dass sich der Sound des Jupiter auf einer Aufnahme genauso gut anhört, wie er im Gerät erzeugt wird. Und sogar an einen Phones-Level-Schalter hatte man gedacht. Hier kann man die Ausgangslautstärke für den Kopfhörer in Abhängigkeit zur Umgebungslautstärke einstellen. Wie gesagt: wir befinden uns im Jahr 1981!

MIDI und MD-8

Ich finde es schon fast erschreckend, welch hohen Stellenwert Midi mittlerweile hat: Klickt man sich bei Youtube und Co. durch die Filme von alten analogen Synthesizern, dann bekommt man den Eindruck, dass viele Musiker keinen Gebrauch mehr von den Tasten machen. Da spielen irgendwelche Sequencer im Hintergrund und die eigentlichen Hauptakteure werden nur noch zum „Schrauben“ benutzt. Midi gab für den Jupiter es erst ein paar Jahre später. Dafür spendierte Roland dem JP8 eine DCB-Schnittstelle, die sich später mit Midi synchronisieren ließ. Ich verwende das hauseigene Midi-Kit, welches Roland selbst einige Jahre nach Erscheinen des Jupiters produzierte. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe anderer Anbieter, wie z.B. Lintronics, Kenton etc. die eine deutlich bessere Midi-Einbindung erlauben. Da ich beim Spielen aber sowieso mehr auf Handarbeit stehe, reicht mir das MD-8, das auch beim Juno60 eingesetzt werden kann.

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