Gitarre Bass
Workshop
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25.02.2015

Rico Loops Looper Video-Workshop #1

Die Basics – Wie benutzt man eine Loop-Station?

Basics - Die Loop Station

Looper richtig benutzen: Hier lernt ihr vom Profi, was man bei einer Performance mit Loop-Station beachten muss und andere Tipps und Tricks für die Praxis – Am Anfang war das Delay… Das englische Wort „Loop“ wird im Deutschen mit „Schleife“ übersetzt. In der Musik versteht man unter diesem Begriff das permanente und unterbrechungslose Wiederholen einer Melodie oder einer Rhythmuseinheit. Früher ließ sich das elektronische Loopen nur mit einem Delay realisieren. Und das ging so: Zunächst spielt man eine Phrase in exakt der eingestellten Verzögerungszeit des Delays. Zu Beginn der ersten Wiederholung kommt dann die zweite Phrase hinzu, und so schichtet man nach und nach mehrere Melodien, Grooves oder Akkorde übereinander.

Zum besseren Verständnis hier noch einmal eine Grafik. Die jeweils gespielte Phrase ist blau markiert, die erste Wiederholung des Echos rot, die zweite gelb, die dritte grün und die vierte braun. Die Lautstärke der Wiederholungen nimmt ab – dies wird durch die jeweilige Größe der Buchstaben dargestellt.

Wie man sieht, ist das Klangbild, bedingt durch die Tatsache, dass die Lautstärke jeder eingespielten Phrase stetig abnimmt, zu jedem Zeitpunkt ein anderes. Man kann mit einem Delay also keinen Loop erzeugen, der auf einem stabilen Groove aufbaut und seine Lautstärke konsequent beibehält.

Das größte Problem bei der Arbeit mit dem Delay ist aber, dass die Länge der jeweiligen Phrase vom Delay selbst bestimmt wird und man dabei nur vage mit dem Tempo arbeiten kann. Eine Delay-Länge von 1000 Millisekunden entspricht bekanntlich einer Sekunde, was bedeutet, dass man zum einen ein genaues Gespür dafür haben muss, wie lange diese Sekunde tatsächlich ist, und zum anderen in der Lage sein sollte, in einem absolut exakten Tempo zu spielen. Mit einem einfachen Delay-Effekt lassen sich also eher atmosphärische Sounds erzeugen. Einen knackigen Groove zu loopen, funktioniert mit diesen Geräten hingegen mehr schlecht als recht.

Start und Stop
Mit den digitalen Delays kamen dann auch die längeren Verzögerungszeiten. So konnte man schon mal einen kompletten Takt im mittleren Tempo in die Schleife jagen. Das Problem war aber immer noch, dass sich der Endpunkt einer Phrase nicht richtig festlegen ließ. Die Lösung brachten schließlich die Tap-Delays, bei denen man per Schalter das gewünschte Tempo eintippen und somit den Anfangs- und Endpunkt der Schleife festlegen konnte. 

Sound On Sound
Die ersten Vorreiter der Loop-Stations waren Delays, die eine sogenannte ´Sound-On-Sound´ Funktion boten. Abhängig vom Hersteller wurde das Ganze auch ´Freeze´ oder ´Hold´ genannt. Dieses Features bot die Möglichkeit, eine erste Phrase aufzunehmen und anschließend immer weitere darüberzuspielen. Man konnte also praktisch mit sich selbst jammen und ein wahres „Sound-Gebilde“ aufnehmen.

Im Vergleich zu den „alten“ Delays hatte man zusätzlich den Vorteil, dass die Phrasen richtig „aufgenommen“ wurden und ihre jeweilige Lautstärke so auch bei der 100sten Wiederholung gleich blieb. Komfortablere Geräte waren zusätzlich mit einem Schalter ausgestattet, mit dem man vom Aufnahme- in den Abspiel-Modus wechseln konnte. Dies machte es möglich, zunächst ein Akkord- und Melodie-Gebilde aufzunehmen, dann in den Abspiel-Modus zu schalten und stundenlang über der Aufnahme zu solieren. Das DL4 von Line 6 oder das DD-20 von Boss sind mit dieser Funktion ausgestattet.

Loop-Station, Jam-Man
Mit dem Jam-Man brachte Lexicon 1994 das erste echte Loop-Gerät auf den Markt. Allerdings war die Nachfrage damals nicht sonderlich groß, sodass man die Produktion 1997 wieder einstellte. Dieses Gerät im 19“ Format hatte einiges zu bieten, unter anderem MIDI-Funktionen und eine maximale Aufnahmezeit von acht Sekunden. Das war seinerzeit wirklich enorm.

Zur rechten Zeit am rechten Ort war Boss 2003 mit der RC-20, der ersten Loop-Station im Pedalformat. Zu einem erschwinglichen Preis angeboten, entwickelte sich das Pedal zu einem Verkaufsschlager und viele Künstler fanden mit ihm eine neue Ausdrucksform und Performance. Die Spezies „Loop-Musiker“ war geboren. Mittlerweile haben andere Hersteller nachgezogen und ihrerseits spezielle Loop-Stations herausgebracht. Den Jam-Man in Pedalform gibt es mittlerweile von Digitech, Line 6 hat den JM4 Super Looper, Electro Harmonix den 2880 und Boss mittlerweile die RC-50 am Start.

Verkabelung der Loop Station

An eine Loop Station kann man meist ein Instrument und/oder ein Mikrofon anschließen. Danach geht es in den Gitarrenamp oder die PA. Es gibt verschiedene Kombinationsmöglichkeiten, die von der jeweiligen Art des Einsatzes abhängig sind. Hier ein paar Vorschläge für die am häufigsten benutzten Instrumentengruppen:

Sänger
Mikrofon > Loop Station (Mic Input)> Mischpult (P.A.)
Standardkonfiguration 

Mikrofon > Reverb Pedal > Loop Station (Mic Input) > Mischpult (P.A.) Mit dem vorgeschaltetem Reverb Pedal kann der Effekt mit aufgenommen werden. Gibt den einzelnen Aufnahmen räumliche Tiefe. 

Gitarrist (Akustische Gitarre)
Gitarre > Loop Station (Instrument Input) > Mischpult (P.A.)
Standardkonfiguration 

Gitarre > Octaver > Reverb > Loop-Station (Instrument Input) > Mischpult (P.A.) Mit dem Octaver kann man Basslines eine Oktave tiefer aufnehmen, Reverb schafft räumliche Tiefe. 

Gitarrist (E-Gitarre), Bassist (E-Bass)
Gitarre (Bass) > Loop Station > Verstärker
Standardkonfiguration 

Gitarre (Bass) > Effektpedale > Loop Station > Verstärker
Die vorgeschalteten Effekte werden mit aufgenommen, das Soundspektrum wird dadurch erhöht.

Alle Musiker, die ihr Instrument mit einem Mikrofon abnehmen (z.B. Trompete, Saxophon), sollten die „Sänger-Variante“ ausprobieren. Die Instrumente mit Tonabnehmer (z.B. E-Geige, Kontrabass mit Pickup) nehmen die Verkabelung für Akustik-Gitarre. Bei den Effekten gibt es keine Vorschriften - erlaubt ist was gefällt.

Multi-Instrumentalisten
Wer, wie Rico Loop, mehrere Instrumente an die Loop Station anschließen möchte, der sollte ein Mischpult vorschalten, mit dem die Instrumente verkabelt sind.

Empfehlenswert sind auch kleine E-Percussion Pads, mit denen sich mit einfachen Mitteln elektronische Grooves erzeugen lassen.

Wie funktioniert die Loop Station?
Die Loop Station bietet die Möglichkeit, eine Phrase (Melodie, Groove, Akkordfolge, etc.) aufzunehmen und anschließend in der Schleife abzuspielen. Über die aufgenommene Schleife (Loop) können dann weitere Phrasen gespielt und aufgenommen werden. Diese Art der Aufnahme nennt man Overdub. Das Ganze funktioniert ohne Zeitverlust: Man drückt das Pedal zur Aufnahme, gleichzeitig beginnt man seine Phrase zu spielen. Am Ende der Phrase wird das Pedal erneut gedrückt und die Loop Station schaltet ohne Zeitverzögerung in den Wiedergabe-Modus. Jetzt wird die eben aufgenommene Phrase automatisch von vorne abgespielt und läuft in einer Schleife weiter. Drückt man das Aufnahme-Pedal erneut, befindet man sich im Overdub-Modus und kann weitere „Spuren“ aufnehmen.

WICHTIG: Mit dem Aufnehmen der ersten Phrase wird die Länge des Loops festgelegt. Dies bildet die rhythmische Basis für alle weiteren Overdubs

Video-Clip: Im folgenden Video erklärt euch Rico diese Funktionen direkt am Gerät.

Loop und Overdubs

Die erste Phrase
Starten wir mit der Grundsteinlegung für unseren Loop. Parallel dazu wollen wir die Schwierigkeiten beleuchten, die man beim Anschauen der Clips zunächst einmal gar nicht registriert. Wenn man Rico beim Loopen beobachtet, läuft alles schnell und locker ab. Er jongliert mit den Instrumenten, singt und kontrolliert dabei mit den Füßen die Technik. Steht man dann selbst an der Maschine, sieht die Sache oft schon ganz anders aus. Um auch als Einsteiger schnell gute Ergebnisse zu erzielen, gilt es ein paar Grundregeln zu beachten, die ich im Folgenden vorstellen möchte.

Timing
Das Timing muss stimmen. Wenn es bei der ersten Phrase nicht groovt, dann wird es schwer, das Ganze durch Overdubs zu retten. Meist wird es nur noch schlimmer, vergleichbar mit einem schiefen Mauerwerk, das bei einer gewissen Höhe (Anzahl der Overdubs) einstürzt. Die Phrase, die ihr einspielen möchtet, sollte in Tempo und Rhythmik sicher sein. Am besten ihr spielt vorher schon einige Male und startet die Aufnahme dann, wenn ihr im richtigen Groove seid.

Koordination zwischen Hand und Fuß
Hand und Fuß müssen mehr oder weniger unabhängig voneinander arbeiten. Ihr müsst in der Lage sein, eure Phrase zu spielen und dabei das Pedal mit dem Fuß auf der Zählzeit ´1´ des Anfangs und dann wieder auf der Zählzeit ´1´ des Endes (bzw. des Neubeginns der Phrase) zu treten. Die meisten werden jetzt sicher sagen, „Was will er denn jetzt, ist doch total einfach, hab ich schon tausendmal mit dem Verzerrer gemacht …“ Stimmt! Hab ich auch gedacht, als ich das erste Mal eine Loop-Station vor den Füßen liegen hatte. Aber der Tritt  muss 1000% in Time sein, sonst läuft der Loop nicht rund. Hierfür ist etwas Übung erforderlich.

Video-Clip: Schaut euch mal Ricos Beispiele an, danach gibt es hier ein paar konkrete Übungsbeispiele zum Erstellen eines guten Loop-Grundgerüst.

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