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08.08.2018

Recording-Equipment für Anfänger kaufen: Was brauche ich zuerst? Wieviel muss ich ausgeben?

5 Tipps, wann ihr welche Sachen zum Aufnehmen und Produzieren kaufen solltet

Studio Monitore, DAWs & Co.: Was braucht ein Anfänger und wie viel sollte es kosten?

"Was muss ich kaufen, wenn ich zuhause Musik aufnehmen will?" Für das Homerecording-Studio hat jeder ganz fix eine Wunschliste zusammen, die aber enorme Löcher in die Geldbörse reißen würde. Ihr kommt also nicht umhin, eine sinnvolle Reihenfolge der anstehenden Anschaffungen zu erstellen. Wir erklären euch, was ihr direkt am Anfang braucht, wo ihr ein wenig warten könnt und wie ihr beim Equipment-Kauf sparen könnt.

 

Homerecording-Anschaffung #1: Ein „DAW“-Audioprogramm

Einen Computer hat ja eigentlich jeder, die abrufbaren Leistungen normaler Office-Computer sind heute generell ausreichend für den Beginn. Aber ohne Audio-Software geht es nicht. Ihr benötigt also ein Programm zum Aufnehmen, zum Editieren und zum Mischen eurer Musik. Ein solches DAW-Programm ist der Grundstock jeder modernen Musikproduktion – und es gibt tatsächlich Produktionen, die komplett in einer Software entstanden sind, geschnitten, gemischt und gemastert wurden. Oft ist die Ausstattung mit Effekten, Sound-Librarys, Amp-Simulationen und dergleichen für den Anfänger dicke ausreichend. Die Anschaffung der DAW als ersten Schritt empfehlen wir auch deshalb, weil man nicht früh genug anfangen kann, sich in die Audioprogramme einzuarbeiten. Neben den "5 besten DAWs der Welt" gibt es aber auch weitere, die diesen Namen verdienen, beispielsweise Tracktion.

Sparmöglichkeit: Es gibt einige Open-Source-/Freeware-DAWs, besonders unter den Plug-Ins bekommt ihr sehr viel umsonst. Und sehr oft müsst ihr als Beginner nicht mit den voll ausgebauten Schlachtschiffen loslegen, sondern könnt die kleineren, abgespeckten Versionen nutzen. Manchmal sind bei Audio-Interfaces auch welche im Lieferumfang.

Kostenpunkt: ab 0 Euro, typisch: 100-200 Euro

"Welche DAW soll ich mir zulegen?" fragt ihr euch vielleicht? Ein paar empfehlenswerte und preiswerte Einsteigerprodukte findet ihr hier (Link zum Thomann-Shop):

Ableton Live Intro

Steinberg Cubase Elements 

Presonus Studio One Artist

Image Line FL Studio Fruity Edition

Propellerhead Reason Intro 

Homerecording-Anschaffung #2: Abhörlautsprecher („Studio-Monitore“)

Es geht um Musik, und um diese beurteilen zu können, benötigt man eine vernünftige Abhörsituation. Alles, was in Computer eingebaut ist, fällt aus Qualitätsgründen aus, auch von eurer eventuell vorhandenen HiFi-Anlage solltet ihr schnell wegkommen: Ihr werdet sie zwar gut kennen, doch meistens wird dort auf andere Parameter Wert gelegt als bei Studio-Monitoren. Es gibt Stimmen, die empfehlen, dass Monitore die teuerste Anschaffung sein sollten. Das kann man alleine deswegen unterstützen, weil sie das prinzipbedingt schwächste Glied einer Audio-Übertragungskette sind, aber auch, weil man sich möglichst früh auf ein Boxenpaar „einhören“ sollte. Wählt sorgsam aus, indem ihr testet, Testberichte lest und euch informiert – und spart zur Not noch eine Weile weiter, bevor ihr Geld für eine Lösung ausgebt, mit der ihr nicht zufrieden seid.

Sparmöglichkeit: Wenn das Geld nicht reicht, der Raum problematisch ist oder ihr nicht oft ungestört die Boxen wummern lassen könnt, sind Kopfhörer durchaus eine Option. An dieser Sache scheiden sich zwar die Geister, doch gibt es Produzenten, die mit Kopfhörern viel arbeiten und gute Ergebnisse erzielen. Gute halboffene oder offene Kopfhörer findet ihr ab etwa 200 Euro. Wir haben die besten Studio-Kopfhörer zusammengefasst.

Kostenpunkt Aktivboxen: ab 200 Euro, typisch: 500-1000 Euro

 

Auf eure Frage "Welche aktiven Studio-Monitore soll ich mir kaufen?" gäbe es folgende mögliche Antworten. Die Links führen zu den Produkten im Thomann-Shop:

Yamaha HS7

KRK RP5 RoKit G3

Focal Alpha 65

Adam A7X

Genelec 8020 DPM

 

Homerecording-Anschaffung #3: Audio-Interface 

Schon wenn ihr die Boxen anschließen wollt oder sogar, wenn ihr mit Kopfhörern arbeitet: Es ist ein meist enormer Qualitätsunterschied, ob man das Signal dem computereigenen Soundchip anvertraut oder ein spezialisiertes Audiowerkzeug diese Aufgabe übernimmt. Meist hat man dann noch eine angenehme Lautstärkeregelung zur Verfügung und hat etwas, das man fast immer dringend benötigt: Eingänge! Fast alle Interfaces verfügen über mindestens einen Mic-Preamp mit 48V Phantomspeisung und einen Instrumenteneingang. Damit könnt ihr dann Stimmen oder Instrumente mikrofonieren und aufnehmen, mit dem Instrument-Input („D.I.“) könnt ihr direkt mit Bass oder Gitarre in die Software spielen. Außerdem ist es nur mit „Direct Monitoring“ möglich, das Signal beim Einspielen oder Einsingen direkt auf dem Kopfhörer zu haben. Wirklich alles findet ihr in unserem Grundlagenartikel zu Audio-Interfaces.

Sparmöglichkeit: Es gibt auch von Markenherstellern viele kleinere Interfaces mit Minimalausstattung für kleines Geld, also etwa mit nur einem oder zwei Eingängen samt Mic Pre und Instrumenteneingang, zwei analogen Ausgängen und Direct Monitoring. Kauft zunächst etwas einfaches, kleineres ohne Schnickschnack, denn Interfaces werdet ihr nicht so lange verwenden wie Lautsprecher oder Mikrofone.

Kostenpunkt: ab 80 Euro, typisch: 100-400 Euro

 

"Welches Audio-Interface soll ich mir anschaffen?" Vielleicht helfen diese Tipps bewährter und preiswerter Intrefaces. Die Links führen euch zum Thomann-Shop:

Steinberg UR22 MkII

Focusrite 2i2 2nd Gen

Mackie Onyx Artist 1.2

Tascam US-2x2

 

Homerecording-Anschaffung #4: Studio-Mikrofon 

Mit dem Proberaum- und Live-Mikrofon (etwa einem Shure SM58) kann man auch aufnehmenen. Sehr gut sogar. Allerdings sind dafür recht teure externe Mikrofon-Vorverstärker anzuraten. Sinnvoller ist es daher, ein Studiomikrofon anzuschaffen. Die meisten Anfänger entscheiden sich dabei für Kondensatormikrofone, welche sehr detailliert aufnehmen. Auch ein abgenommener Gitarrenamp kann davon profitieren!

Seid hier nicht zu geizig, denn mittlerweile bekommt ihr ab einem recht moderaten Preis richtig gute Mikrofone! Bedenkt aber, dass ihr schnell noch mit weiteren Anschaffungen von Mikrofon-Zubehör dabei seid, also Mikrofonstativ, eventuell Poppschutz und bei Vocal-Recordings und Aufnahmen leiserer Instrumente ist noch ein geschlossener Kopfhörer vonnöten. Auf manches kann man erst einmal verzichten.

Sparmöglichkeit: Verzichtet auf Firlefanz. Meist kommt man als Anfänger ohne umschaltbare Richtcharakteristik ganz gut zurecht, im niedrigen Preissegment sollte man von Röhrenmikros eher absehen. Ab etwa 150 Euro bekommt ihr ordentliche, ab etwa 250 erstaunlich gute Großmembran-Mikrofone. Die 5 besten Studio-Gesangsmikrofone haben wir für euch schon zusammengestellt. Und auch wenn sie weniger „wichtig“ erscheinen: Mit Kleinmembran-Kondensatormikrofonen erzielt man auch sehr vernünftige Ergebnisse. Hier werdet ihr ab etwa 100 Euro fündig.

Kostenpunkt: ab 100 Euro, typisch: 200-600 Euro

"Welches Studio-Mikrofon soll ich kaufen? Es gibt so viele!" – Keine Sorge, hier sind ein paar Empfehlungen. Die Links leiten euch zum Thomann-Shop:

AKG C214

Lewitt LCT 240 Pure

Aston Origin

Rode NT1000

sE Electronics X1S

Sennheiser MK 4

 

Homerecording-Anschaffung #5: Einspielkeyboard

Wer mit Musik umgeht, wird fast immer auch die Möglichkeit haben wollen, Noten direkt eingeben zu können oder Tasteninstrumente zu spielen. Also muss eine Tastatur her, ein „Einspielkeyboard“. Diese werden heute meist nicht mehr über MIDI, sondern direkt per USB angeschlossen. Die billigsten Keyboards besitzen meist eine eher gruselige Tastatur, ihr tut euch einen Gefallen, wenn ihr ein halbwegs ordentliches Keyboard anschafft. Die Auswahlmöglichkeiten sind riesig, so findet ihr viele Controllermöglichkeiten, die direkt mit integriert sind. Im Testmarathon USB-/MIDI-Keyboards findet ihr eine riesige Auswahl.

Sparmöglichkeit: Ein Keyboard mit 76 oder gar 88 schindet zwar Eindruck, doch ist es meist praktischer, sich ein 25- oder 49-Tastenkeyboard auf den Schreibtisch stellen zu können. Und alle Drehregler, Fader, Displays, Drum-Pads, vor allem aber eingebaute Klangerzeuger und dergleichen muss man mitbezahlen.

Kostenpunkt: ab 70 Euro, typisch: 100-150 Euro

"Welches der vielen Einspiel-Keyboards soll ich mir anschaffen?" – Vielleicht helfen diese Empfehlungen (Link auf Produktseite im Thomann-Shop):

Swissonic EasyKey 49

Arturia KeyStep

M-Audio Oxygen 25 mk4

Novation LaunchKey Mini

 

Einkaufsliste für den Einstieg in die Musikproduktion – niemals perfekt 

Seht ihr das auch so? Denn es kann individuell natürlich durchaus anders sein: Wer nichts mit Mikrofonen macht, weil keine Vocals, Instrumente oder Geräusche aufgenommen werden, der benötigt kein Mikro, ja vielleicht nicht einmal ein Audio-Interface mit Eingängen. Und für manchen Musikschaffenden ist ein Keyboard das letzte Ding, was er in seinem Umfeld sehen will. Ihr habt schon Equipment? In welcher Reihenfolge habt ihr es gekauft und wieso?

Und, ach ja: Haltet die Augen geöffnet und schaut nach Bundles! Manchmal gibt es Komplettpakete mit Audio-Interface, Mikrofon, Kopfhörern und Software für sehr wenig Geld! Damit kann man dann direkt loslegen! Beispiele findet ihr hier (Links zum Thomann-Shop):

 

Focusrite Scarlett Solo Studio Pack 2nd

Rode Complete Studio Kit

M-Audio M-Track 2x2 Vocal Studio Pro 

"Was muss ich mindestens ausgeben, um selber zuhause Musik aufnehmen und mischen zu können?"

Mit Audio-Interface, Software, Studio-Mikrofon, Kopfhörer und sogar den Kabeln ist man schon ab unter 200 Euro mit Markenware dabe! Es fehlt nur noch ein Mikrofständer. Allerdings ist das eine Lösung ohne Lautsprecher und Keyboard. Das zweite Beispiel ist ein wirklich sehr ordentliches Bundle – und man muss ja nicht alles auf einmal kaufen!

Bestandteile Gesamtpreis
Minimalsetup
Focusrite Scarlett Solo Studio Pack 2nd, zusätlicher Mikrofonständer € 169 + € 9,90 = € 178,90
ordentliches Setup
sE Elextronics X1S, Steinberg Cubase Elements, Focal Alpha 65, Mackie Onyx Artist 1.2, M-Audio Oxygen 25, Mikrofonständer, Mikrofon- und Lautsprecherkabel € 135 + € 82 + € 265 + € 79 + € 84 + € 9,90 + 2 x € 8,80 + €4,90 = € 677,40

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