Workshop_Folge
Workshop
3
26.04.2011

GROOVE

Eine Qualität kann man dem Titel jedenfalls nicht absprechen: Er ist bedingungslos tanzbar. Das liegt natürlich zu einem großen Teil an dem pumpenden Dance-Beat, der nahtlos an die glorreiche Eurodance-Tradition anknüpft. Das Wichtigste ist dabei natürlich die Bassdrum. Wir nehmen eine tiefe Sub-Kick aus einem der mitgelieferten Drumkits von Native Instruments Battery 3 als Fundament. Diese Bassdrum bringt ordentlich „Boom“ mit, aber ein definierter Attack fehlt ihr noch. Deshalb ergänzen wir sie durch eine zweite Kick, die für den knackigen Sound sorgt. Damit sich die beiden Trommeln im Bassbereich nicht in die Quere kommen, nehmen wir der zweiten Bassdrum mit einem Low-Cut-Filter unterhalb von 100 Hz alles weg. Hierbei sollte man nach Gehör vorgehen, denn je nach dem Sound der zwei verwendeten Bassdrums können auch ganz andere Einstellungen notwendig sein. In diesem Fall wollen wir den Gesamtsound der Kickdrum aber recht bassig haben.

Damit sich die beiden Sounds gut verbinden, werden sie auf einen Bus geroutet und dann gemeinsam durch einen Bitcrusher-Effekt und einen recht rabiat zu Werke gehenden Kompressor geschickt. Den Bitcrusher werden wir im Verlauf dieses Workshops noch wiedersehen. Er sorgt für etwas Verzerrung und gleichzeitig für einen leichten LoFi-Touch, der bei diesem Track sehr willkommen ist. Allerdings ist er auf der Kickdrum eher moderat eingestellt, um dem Fundament des Arrangements nicht den Druck zu nehmen. Im Soundbeispiel hört ihr, wie sich die Bassdrum aufbaut. Zuerst spielt nur die Sub-Kick, dann kommt die zweite Bassdrum hinzu, und schließlich die Effekte Bitcrusher und Kompressor.

Auf den Zählzeiten 2 und 4 kommt eine Snare dazu, genauer: ein Mittelding zwischen Snare und Clap. Der Sound sorgt eigentlich nur für einen kleinen zusätzlichen Impuls – er ist so komprimiert, dass außer dem schmatzenden Attack eigentlich nichts mehr übrig bleibt. Wir verwenden dafür eine Kombination aus mehreren Snares und Claps, die mittels EQ so zurecht gedreht werden, dass sie zusammen eine Einheit bilden. Hier ist Experimentieren angesagt. Bei einem Dance-Titel darf man durchaus auch recht extreme EQ-Einstellungen verwenden, mit denen man einen natürlichen Sound ziemlich verhunzen würde. Hier ist jedoch alles erlaubt, was zum gewünschten Ergebnis führt, also auch drastische Eingriffe mit High- und Low-Cut-Filtern.

Ich habe eine etwas tiefere Snare als Basis genommen, die aber im Mix so leise ist, dass man sie nicht wirklich hört, sondern nur als zusätzlichen Impuls wahrnimmt, der sich quasi auf die Kickdrum „draufsetzt“. Hörbar sind in erster Linie die beiden höheren Snares und der Clap. Wie auch bei der Bassdrum werden alle Snare-Sounds gemeinsam mit einem leichten Bitcrusher und einem Kompressor weiter bearbeitet. Der Kompressor wird so eingestellt, dass er die kurze Attackphase des Snaresounds stark betont. Um diesen Impuls noch stärker hervor zu heben, kommt zusätzlich noch ein Enveloper-Effekt zum Einsatz. So bleibt außer der knackigen Einschwingphase nicht mehr viel übrig, und die Snare muss im Mix nicht so laut gefahren werden, um ihre Wirkung zu erzielen. Im Soundbeispiel hört ihr, wie der Snaresound aus unterschiedlichen Komponenten zusammen gesetzt wird und schließlich die gemeinsamen Effekte durchläuft.

Vor der Snare kommt zusätzlich ein rückwärts gespieltes Sample zum Einsatz, das den Groove quasi in die Zählzeit „hineinzieht“. Dazu habe ich meine Snares in ein etwas anderen Lautstärkeverhältnis gesetzt (mehr Betonung auf der tieferen Snare) und mit hohem Effektanteil durch einen Hall geschickt. Zu diesem Zweck darf es ruhig auch mal ein billiger Hall sein – es kommt auf den Effekt an. Diesen Sound habe ich gesampelt, umgedreht und auf einer Audiospur an die betreffenden Stellen gesetzt. Subtil eingesetzt ergibt sich dadurch ein Groove, der mehr Drive nach vorne hat. Im Soundbeispiel hört ihr das Sample vorwärts und rückwärts.

Kommen wir zu den Hi-Hats, und allem, was da sonst noch im oberen Bereich des Frequenzspektrums herumzippelt. Kaum ein Dance-Track kommt ohne geöffnete Hi-Hat auf den Offbeats aus – das war vor 20 Jahren so und gilt auch noch heute. In diesem Fall handelt es sich um eine relativ dünne Hi-Hat mit dem Sound eines 80-Jahre-Drumcomputers, die nicht wirklich akzentuiert ist. Meine stammt aus dem Stylus RMX von Spectrasonics. Die Release-Zeit des Sounds habe ich auf Null zurück gedreht, damit die Hi-Hat auf der nächsten Kickdrum abrupt weg ist und den Beat nicht verwäscht. Wir wollen einen Sound, der den Offbeat bis zur nächsten vollen Zählzeit komplett ausfüllt, aber auch nicht stört, wo er nicht hingehört.

Ergänzt wird die offene Hi-Hat durch einige Percussion-Sounds, die die Funktion weiterer Hi-Hats übernehmen. Hierzu bieten sich vor allem Cabasa- und Shaker-Samples an, aber es lohnt sich, auch mit diversen anderen Sounds zu experimentieren. Meiner Cabasa habe ich abermals einen Bitcrusher verpasst, der in diesem Fall auch etwas drastischer eingreifen darf und die Sounds auf 6 Bit herunterquetscht. Dadurch klingt es etwas nach alter Drum-Machine. Allerdings fügt der Bitcrusher einige unerwünschte Frequenzen im tieferen Bereich hinzu, die wir mit einem Low-Cut wieder heraus nehmen. Zusätzlich spendieren wir der Cabasa noch ein kleines Delay, das den Groove subtil unterstützt. Dieses Delay ist in seinem Frequenzgang beschnitten, so dass es etwas dumpfer klingt als das trockene Signal. Das ergibt einen lebendigeren Groove und nervt nachher im Mix in den Höhen nicht herum.

Die einzelnen Elemente des Beats werden dance-typisch hier und da gemuted und neu aufgebaut, um dem Song eine Struktur zu geben. Zusätzlich gibt es einige Fills, die sich durch stark verfremdete Sounds auszeichnen. Das erste Fill besteht bei mir aus klassischen Simmons-Toms – bei Lady Gaga ist es eher ein Synth-Sound, der den gleichen Zweck erfüllt. Die Toms durchlaufen einen Kompressor, ein Delay und einen Hall. Schließlich begegnet uns auch hier wieder der Bitcrusher, der in diesem Fall so automatisiert ist, dass er immer stärker eingreift, bis von den Toms außer Lärm nicht mehr viel übrig ist. Im Soundbeispiel hört ihr die Toms ohne, und dann mit automatisiertem Bitcrusher.

Für ein weiteres Fill brechen wir den Four-on-the-floor-Beat tatsächlich einmal auf und wechseln für einen halben Takt in einen triolischen (!) Rhythmus. Das sorgt für einen unerwarteten Bruch und garantiert die Aufmerksamkeit der Hörer und Tänzer. Unterstützt wird das Fill von weiteren, knalligen, räumlichen Snare-Samples, die nur hier vorkommen und vorwärts wie rückwärts und links wie rechts eingesetzt werden, sowie von einer Gitarre, die den chaotischen Charakter des Fills stützt. Nun können wir den Beat zusammenfügen und uns an den Rest des Arrangements machen:

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