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Test
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18.03.2021

Playtime Engineering Blipblox After Dark Test

Digitaler Desktop-Synthesizer

Synthesizer-Spielspaß von 3 bis 88?!

Es ist ja fraglos ein neuzeitlicher Fluch und Segen zugleich, dass sich dank Crowdfunding-Kampagnen und günstiger Fertigung in China auch noch die seltsamsten Ideen zur Marktreife bringen lassen. Die Spanne reicht hier vom nutzlosen Plunder bis hin zu tollen Innovationen, die auf klassischem Weg womöglich nie zustande gekommen wären. Eine dieser Crowdfunding-Errungenschaften ist die Bliplox des kalifornischen Startups Playtime Engineering. Dabei handelt es sich um einen unkonventionellen Spielzeug-Synthesizer, der sich in seiner Ursprungsversion an Kinder richtete, um ihnen einen spielerischen Zugang zum Spiel mit synthetischen Klängen zu ermöglichen. In 2018, als die Indiegogo-Kampagne startete, erreichte die kleine Box schnell mehr als genug Unterstützer, um gebaut werden zu können. Es dauerte nicht lange, da zeigte sich, dass auch "erwachsene" Kinder gehöriges Interesse an der schrulligen Kiste mit ihrem ungewöhnlichen Design hatten. Das veranlasste Playtime Engineering ein Jahr später dazu, mit einer zweiten Anschubfinanzierung eine etwas seriösere Variante auf den Markt zu bringen. Diese bietet weitere Funktionen, ein angepasstes Design und den sinnbildlichen Namenszusatz "After Dark", was impliziert, dass man sie zur Hand nimmt, wenn die "Kleinen" schon schlafen. Wir haben ausprobiert, ob sie so spannend ist, dass sie mit unter die Decke darf.

Details

Blipblox After Dark – was ist das?

Bei der Blipblox After Dark handelt es sich um einen monofonen Digitalsynthesizer, dem ein Kick- und Snaredrum-Klangerzeuger, sowie ein digitales Stereo-Multi-Tap Delay zur Seite stehen. Gesteuert wird der Synthesizer wahlweise über den integrierten Sequenzer oder – Dank MIDI-Input – von einem externen Kommando-Geber. Der Synthesizer kann mit sechzehn verschiedenen PCM-Oszillatoren betrieben und durch ein Multimode-Filter (High, Low, Band Pass) moduliert werden. Apropos Modulation: Dafür bietet der Blipblox After Dark nicht weniger als zwei in Tempo und Stärke steuerbare LFOs. Überhaupt wird der haptischen Einflussnahme hier Prinzip-bedingt viel Raum gegeben, denn die ursprüngliche Blipblox sollte ja primär für Kinder geeignet sein. Entsprechend finden sich hier für sehr viele Parameter Regler, Knöpfe und Taster für die manuelle Interaktion. Im Gespräch mit Playtime Engineering verwies der freundliche Techniker explizit darauf, dass die Blipblox vollständig entsprechend der internationalen Standards für sicheres Spielzeug für Kinder ab drei Jahren, zertifiziert ist und dass diese Zertifizierung einen nicht unerheblichen Anteil am Preis ausmacht (was die Blipblox in Relation zu regulären Synthesizern für Erwachsene etwas teurer macht). Betrieben wird die Blipblox wahlweise über drei AA-Batterien oder eine USB-Spannungsquelle. Um direkt vom Start weg musizieren zu können, ist an zentraler Stelle ein 4-Watt Lautsprecher verbaut.

Auspacken des Synthesizers

Die Bedruckung der Verpackung greift in hübscher Form den aktuellen Trend zur 1980er Jahre Nostalgie auf und gibt sich sehr auskunftsfreudig in Bezug auf Features und Möglichkeiten der innenliegenden Blipblox After Dark. In der Box befindet sich das Gerät selbst, nebst drei Batterien, eine englische Bedienungsanleitung und ein USB-Stromkabel.

Der erste Eindruck

“Ist das ein Game-Controller für einen Straßenbahn-Simulator”, lautete einer der ersten, augenzwinkernden Kommentare, als ich das Bild des “Blipblox After Dark” in meinem Insta-Feed publizierte. Aber tatsächlich: Die unkonventionelle Optik des kleinen Spielzeug-Synthesizers erinnert in jeder Hinsicht mehr an einen Game-Controller als an das Erscheinungsbild eines klassischen Synthesizers. Hauptverantwortlich dafür sind sicherlich die beiden Hebel an den Außenseiten, von denen der linke das Tempo steuert, der rechte für die Öffnung des Filters zuständig ist. Eine der offensichtlichsten Professionalisierungs-Maßnahmen von Playtime Engineering, um die neue After Dark-Variante im Vergleich zum Vorgänger zielgerichteter bedienbar zu machen, ist die Beschriftung aller Bedienelemente. Konnte man bei der ersten Blipblox noch hemmungslos unwissend an allen Reglern rumkurbeln, zeigt nun ein Aufkleber mit aufgedruckter Beschriftung in stilechtem 1980er Jahre Design, wo man gerade die Finger hat.

Was – so viel sei schon mal verraten – die nicht ganz triviale Bedienung auch nicht dramatisch vereinfacht. Denn für die vielen Mehrfachbelegungen (eine ganze Reihe mit der Kombination Ausschalten plus zwei Tasten gedrückt halten) muss man zumindest am Anfang ohnehin das Handbuch konsultieren. Mechanisch habe ich an dem Gerät in Anbetracht der Preisklasse und dem Paradigma, dass es sich hier um einen Grenzgänger aus Kinderspielzeug und Gadget handelt, nichts auszusetzen. Tatsächlich hat die sehr spielzeugartige, leichtgängige Haptik aller Drehregler und das lustige Klappern der Taster einen nicht unerheblichen Anteil am spielerischen Charme der kleinen Kiste. Als Kritikpunkt gebe ich allerdings zu Protokoll, dass ich gerne Gummifüße an der Unterseite des Gerätes gesehen hätte. Es sind zwar Ausbuchtungen im Plastik des Gehäuses vorhanden auf denen die Blipblox steht, diese sind aber erwartungsgemäß auf glatten Flächen ziemlich rutschig.

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