Test
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02.04.2016

Praxis

Rauf auf den DJ-Tisch mit dem Mixer, der als erster im Hause Pioneer auf eine interne 64-Bit-Signalverarbeitung setzt und es sich nun zwischen Vestax PDX Turntables, XDJ-700, iPad, einem Effektgerät und Traktors D2 gemütlich macht. An den Klinken hängen Pioneers SDJ05W Monitorboxen, die HK-Audio-Lukas Nano 600 wird via XLR gespeist. Erste Maßnahme: Ohne Signal alle Fader und Volumes aufreißen und siehe da, der Mixer hüllt sich in angenehme Stille.

Nächste Aktion: Vinyl auflegen und außerdem den XDJ ans Laufen bringen. Die Phono-Eingänge arbeiten rauscharm und natürlich. Das Audiosignal vom XDJ kommt ebenso störfrei rein. Da gibt es nichts zu kritteln. Was ich aus den Boxen vernehme, ist ein hervorragender, dynamischer, druckvoller Sound.

Dass Pioneer in Anbetracht von Rekordbox DVS und der Pioneer PLX-1000 Plattenspieler nun wieder vier Phono-Anschlüsse bereitstellt, ist nachvollziehbar und zu begrüßen, wenngleich hier kaum Turntable-Hexer an vier Plattenspielern angesprochen sind, sondern eher Protagonisten, die Rücken-an-Rücken via dualem USB-Port agieren oder Battle-Setups aufstellen wollen. Mit zwei angeschlossenen Rekordbox-Notebooks lassen sich fliegende Wechsel auch zwischen den einzelnen Kanälen vollziehen. Die Decks sind dann „geblockt“ (Audio unavailable), die Waveforms abgedunkelt dargestellt, die Tracks laufen aber weiter.

Der DJM-900NXS2 ist seitens seines Audiointerface, das mit 24 Bit Wortbreite und maximaler Samplerate vom 96 kHz antritt, natürlich mit diversen DJ-Programmen nutzbar und demnach nicht nur zu Rekordbox kompatibel, sondern auch DVS-zertifiziert, kann also bis zu vier Timecode-Signale in Pioneers Software schicken. Die Konfiguration erfolgt unter Rekordbox im DVS-Reiter des Konfigurationspanels.

Die Software ist mit einem internen, absoluten und relativen Modus ausgestattet. Im absoluten Modus sind die Sync-Funktion und die Performance-Tools wie Hotcues, Slicer und Loops deaktiviert. Hier muss man also manuell in den relativen Modus zurückschalten, um diese Tools nutzen zu können. Am besten besorgt man sich dafür einen MIDI-Controller, denn das Zuweisen von Mixerelementen scheint mir hier nicht angebracht. Da ich mich zur Fraktion der Mix-DJs zähle, sehe ich die Performance der Timecode-Steuerung nicht ganz so kritisch wie  Turntablisten. Auf meinem drei Jahre alten MacBook mit Rekordbox 4.1 und dem viel geschundenen OSX EL Captain, das seitens Pioneer noch nicht offiziell unterstützt wird, ist im Punkt Stabilität und Performance jedenfalls noch Luft nach oben. Laut Support sollte es aber bald so weit sein.

Was mir gut gefällt, ist die aufgebohrte Effektsektion, beginnend mit der separaten Send/Return-Abteilung rechts außen. Sie ermöglicht einerseits, externe Effektgeräte über die rückseitigen Klinkenanschlüsse anzusteuern, andererseits mittels Inter-App Audio, Effektoren auf einem iPad einzubinden, das via USB-Buchse angeschlossen wird, separat regelbar und als Insert oder Aux zu routen. Im Test habe ich mit Pioneers RMX-1000 App gearbeitet, ebenso mit Sugarbytes Tornado. Brillante Idee und funktioniert einwandfrei. Der separate Dry-Wet-Regler leistet hier gute Dienste.

Es folgen 14 Beat-FX, zuweisbar den Crossfader-Seiten, den Einzelkanälen, dem Master und Mike. Drei neue Klangveredler Helix, Ping Pong und Vinyl Break ersetzen Melodic, Reverse Roll und Robot. Außerdem wurde das Reverb überarbeitet. Diese Effekte wirken – und das ist ein echt tolles Feature, weil sich damit äußerst subtil agieren lässt – wahlweise auf das gesamte Frequenzspektrum ein oder nur auf Hi, Mid und Low sowie Kombinationen daraus gemäß aktivierter Tasten. Wie gehabt sind die Beat-FX separat einschaltbar und verfügen über einen Dry/Wet- und Timing-Regler sowie Beat-Tasten und die Möglichkeit, das Tempo auszulesen oder einzutappen. Über eine der Tasten gelangt man zudem in den Utility-Modus, um verschieden Mixer-Einstellungen (Mic Low-Cut, Peak Limiter, Digital-Out Samplerate, MIDI-Kanal, Talkover etc.) vorzunehmen.

Was mir auch besser gefällt als beim Vorgänger, ist das aufgeräumter und moderner wirkende Display. Das X-Pad darunter hat nun neben dem berührungsempfindlichen Stripe acht sensitive Felder mit aufgedruckten Taktungen anheimgestellt bekommen, die je nach Effekt durch Aufleuchten ihre Betriebsbereitschaft signalisieren. Ob dezent zugemischte Rolls auf Vocals, peitschende Helix Gewitter oder Vinyl Breaks, der Sound ist klasse, das X-Pad ermöglicht beatgerechte Interaktionen und die lassen sich noch mit den iPad-FX kombinieren. Sehr gut. Aufnahmetechnisch hat der DJM-900NXS2 auch einiges zu bieten, denn er offeriert das Mitschneiden der Kanäle 1-4, der beiden Crossfader-Seiten, des Mikrofoneingangs und des Master-Mixes. Hier hätte ich mir gewünscht, das Mikrofonsignal fürs Recording optional zu deaktivieren.

Schreiten wir nun zum Fazit. Einige meiner Contras aus dem DJM-900NXS Test, wie nur ein USB-Port, kein Parameter-Regler etc. sind nun ausgemerzt. Das drückt sich selbstverständlich in der Gesamtwertung aus.

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