Test
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05.09.2018

Praxis

Nach gut vier Jahren findet nun also die Wachablöse des DDJ-SX2 statt und der designierte Flottenkapitän DDJ-SX3 tritt ins Rampenlicht, seines Zeichens ganz auf das neue Serato Pro 2.02 ausgerichtet, das auch gleich die Treiber für den Controller mitbringt, darunter läuft nichts (mehr). Ansonsten benötigt man zum „reibungslosen“ Betrieb laut Mindestanforderungen des Herstellers einen Mac mit OSC 10.11 oder einen Windows Rechner mit Win7, i3, i5 oder i7 ab 1,07 GHz und 4 GB RAM werden eingefordert. Die Software landet wie gehabt via Serato Homepage auf dem Rechner, wo es einen Benutzer-Account anzulegen gilt. Die Updates (auch das Generations-Update) sind bei Serato kostenlos.

Plug & play zum Ersten

Der Controller wird nach dem Start Seratos automatisch erkannt und man kann sofort loslegen. Gemixt wird auf vier Decks, die Umschaltung der Controller-Sektionen von 1 auf 3 und 2 auf 4 betreffen die komplette Decksektion mit Ausnahme der FX-Controller oben, das Standard-Prozedere und sind gut zu handhaben.

Auch das Umschalten zwischen Software-Playern und analogem Equipment in Form von Turntables und CD-Laufwerken erfolgt quasi wie aus einem Guss. Folglich dürfen auch Anwender, die einen umfangreichen Serato-Controller zur Ergänzung eines analogen Setups suchen, mit dem DDJ-SX3 liebäugeln.

Sind zwei Laptops angeschlossen, können die Zuweisungen über die Quellwahlschalter vorgenommen werden, wobei dem jeweiligen Rechner belegte Decks als „in use“ angezeigt werden. Spielen zwei DJs im Team, drückt man zuvor auf seine Port-Taste, möchte man den Push-Encoder nebst Ladetasten zum Browsen verwenden. Ebenfalls schlüssig und gut umgesetzt.

Soundfärbung

Die „neuen“ Sound-Color FX sind sehr willkommen, bringen sie doch „etablierte“ Sounds zur Klangmanipulation ins Set, auch wenn man vom Plattenspieler oder CD spielt und nicht mit Serato DJ. Pioneer verzichtet hier allerdings auf einen Parameter-Regler zur weiteren Effektanpassung, wie man ihn beispielsweise beim DJM-900NXS2 oder bei der Standalone-Mixstation XDJ-RX2 antrifft, das finde ich ein wenig schade. Die FX sind ja quasi schon moderne Klassiker bei Pioneers Controllern/Mischern und sie klingen so:

Noch mehr Abwechslung kommt mit den integrierten Serato-FX, für die es dedizierte Regelmöglichkeiten in jedem Deck gibt (Parameter, Timing, Effektanteil). Mit an Bord ist das Basispaket von sechs Klangveredlern. Das lässt sich aber gegen bare Münze oder besser gesagt im Online-Store aufbohren. Die Serato Software kann nämlich über kostenpflichtige Plug-ins erweitert werden. Zwei davon liegen gleich bei: Serato Flip und Pitch n’ Time DJ, die sonst etwa je 30 Euro kosten. Letztgenannte Erweiterung dient der besseren Tonhöhenkorrektur als der normale Keylock, Erstgenanntes dem Cuepoint-Recording/Remixing, für das dedizierte Tasten bereitstehen.

Live-Remixing ist ohnehin ein Thema, das beim DDJ-SX3 mal wieder groß geschrieben wird. Es gibt separate Loop-Sektionen pro Deck, Slip, Censor und die 2x 16 RGB-Pads des Controllers bringen satte 11 Performance-Modi mit, darunter altbekanntes wie Hotcues, Sampler (auch anschlagsdynamisch), Slicer und Roll sowie ein paar Neuerungen:

Key-Transpose, Pitch-Play und weitere Tonhöhenspielereien

Pioneer haben beschlossen, die Möglichkeiten zur Grid-Anpassung via Controller auf die Performance-Pads zu legen und die ehemals zuständigen Tasten stattdessen mit den Funktionen zum Keymatching und -transposing zu belegen. Somit lassen sich darüber nun auf Knopfdruck die Tonarten der laufenden Musikstücke synchronisieren oder um je einen Halbton nach oben oder unten transponieren sowie resetten. Eine ähnliche Transpose-Funktion bietet der Performance-Modus Pitch-Play für gespeicherte Cue-Punkte an. Ein ungebrochener Trend bei den Serato-Controllern. Und wo wir grade schon bei den multifunktionalen, anschlagdynamischen Trigger-Pads sind: Auch Saved Flips sind hier nun abrufbar.

Praktischerweise hat auch gleich noch eine Quantisierungstaste Einzug gehalten, die Pickup-LEDs am Pitchfader hingegen wurden wegrationalisiert. Ansonsten sind die Decksektionen grundsätzlich dem Vorgänger entsprechend, bis auf die beiden in die FX-Sektionen verlegten Effektzuweisungstasten für die Decks, die vorher in der zentrale Mischeinheit residierten, wo nun das Kanal-Routing zu finden ist. Wo das vorher war, fragt ihr euch mitunter: Die Antwort ist: am Frontpanel.

Bei genauer Betrachtung entdeckt man hier und da auch leichte Abwandlungen hinsichtlich des Designs, des Layouts und der Farbgebung, nachstehend verdeutlicht. Hier zum Vergleich der SX2.

Scratch and Wheels

On-Top bringt der Kandidat eine verbesserte Jogwheel-Latenz mit. Das ermöglich noch akkuratere Scratches als beim SX2. Scratch-Pedanten könnten mitunter noch bemängeln, dass die Flankensteilheit des Crossfaders jetzt nur noch per Schalter eingestellt werden kann, wo es vorher noch eine stufenlose Regelmöglichkeit gab.

Aber nicht nur die großen 150 Millimeter im Durchmesser betragenden Jogwheels – schön, dass man diesen nach wie vor einen großen Stellenwert einräumt – sind echte Handschmeichler, der ganze SX3-Controller vom Pot über die Fader bis hin zu den Tragegriffen fasst sich wirklich wertig an, die Feature-Dichte ist umfangreich, aber gut beherrschbar. Und in puncto Klang gibt es – egal ob digital oder analog zugespielt wird – keinen Anlass zur Kritik. So soll es sein. Dem verbesserten Workflow trägt auch die Quellwahlumschaltung oberhalb der Kanäle, so wie man es vom Clubmischer kennt, bei.

Ein Hinweis sei mir jedoch an dieser Stelle erlaubt: Es gibt auch einige Geräte, die nicht ganz „rund laufen“. Hier ist von Fehlern beim Audiosignal und der LED-Beleuchtung die Rede. Weitere Infos zur Identifikation eines möglicherweise betroffenen Geräts finden sich auf der Pioneer Website, die einen Check und eine kostenlose Reparatur potenziell betroffener Hardware anbietet.

DVS-Steuerung

… ist nach einer Investition von 99 Euro ebenso möglich und zwar für bis zu 4 Turntables (zwei davon müssten dann allerdings Line-Pegel ausgeben, da es beim SX3 nur zwei Phono-Anschlüsse gibt). Ist ja auch nicht mehr so selten heute, aber den meisten Usern dürften die beiden Anschlüsse sicher reichen, die einem die DVS-Decks dann auf den zentralen Mixerkanälen 1 und 2 bereitstellen. Nur die DVS-Vinyls müssten noch gekauft werden. Sie kosten bei Thomann im Doppelpack etwa 30 Euro. 

Plug & play zum Zweiten

Die SX-Serie setzt ja bekanntlich schon seit 2012, als das erste Modell in den Handel kam, Maßstäbe für die Serato-Performance-Action, sieht sich aber zunehmend nicht nur der Konkurrenz anderer Produkte, sondern auch der Software-Hardware-Bundles aus eigenem Hause ausgesetzt.

Ein Manko in diesem Zusammenhang für mich: Anders als der Vorläufer funktioniert der SX3 nicht mehr mit rekordbox DJ plug & play, genau wie der neue DDJ-SB3. So könnte es folglich auch in der restlichen Serato-Brigade weitergehen, gesetzt dem Fall, der Hersteller bringt den DDJ-SZ und DDJ-SR „MK3“. In Zeiten, wo sich DJ-Software immer mehr gleicht, darf man dieser Marketingstrategie (die R-Serie steht für rekordbox, die S-Serie für Serato) sicher skeptisch gegenüberstehen, denn möchte man von Serato auf rekordbox umsteigen oder umgekehrt, ist ausgiebiges Remapping fällig oder man beschafft sich eben den alternativen DDJ-Controller. Die gleichen sich dann zwar fast wie ein Ei dem anderen, zeigen aber der Software entsprechend hier und da andere Funktionsaufdrucke.

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