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04.07.2008

Und genau jetzt kommt ein weiterer großer Name ins Spiel. Leo Fender, ein ausgebildeter Radiotechniker entschied sich  bei seinen Bestrebungen die Abmessungen magnetischer Tonabnehmer weiter zu reduzieren für ein vollkommen neues Konzept. Anders als beim P-90 der durch seine zwei kräftigen, unterhalb der Spule laufenden  Magnete, recht bullig daherkam, entschied sich Leo dafür sechs einzelne Magnet-Stifte (Pole Pieces) senkrecht unter jeder Saite zu platzieren und so deren Schwingungen separat abzugreifen .

Fender war es auch der als einer der ersten das neue Material Alnico einsetzte, eine Legierung aus Aluminium, Nickel und Kobald (daher auch das Kürzel), die durch ihren hohen Gauss Wert mehr  magnetische Kraft zur Verfügung stellen konnte als jeder natürliche Magnet. Doch damit war die Entwicklung noch lange nicht am Ende. Wieder war es die Unzufriedenheit einiger Musiker, die neue kreative Energie freisetzte.Die Single-Coils hatten nämlich trotz ihres sehr ausgewogenen Sounds einen ganz entscheidenden Nachteil- sie brummten mitunter doch ganz erheblich! Der Druck auf die Industrie wuchs und so sahen die  50er Jahre  einige mehr oder weniger erfolgreiche Versuche der  Hersteller die Nebengeräuschempfindlichkeit  ihrer Produkte zu reduzieren. So rüstete Fender z.B.  den sehr einstreufreundlichen Hals Pick-Up der Broadcaster (später Telecaster) mit einem Einstreuschutz in Form einer sehr dicken Metall-Kappe aus. Komplettiert wurden die Abschirm-Maßnahmen durch eine unterhalb des  Tonabnehmers montierten Kupferplatte, eine Baumaßnahme die nicht nur dabei half ungewollte  Brummgeräusche  zu reduzieren sondern  sich ganz  nebenbei unmittelbar auf den Sound  der Gitarre auswirkte und so ungewollt dabei half, den typischen Tele „Twang“ mitzuprägen.

Im Hause Gibson sah man die Maßnahmen der Konkurrenz als eher halbherzige Versuche an,  den einmal eingeschlagenen Weg zu rechtfertigen   und wandte sich  engagiert  der Realisation ganz anderer Lösungsansätze zu. Der endgültige Durchbruch gelang dem Gibson Techniker Seth Lover. Seine Idee dem Tonabnehmer durch den Einsatz  einer zusätzlichen, gegenphasig geschalteten Brummkompensationsspule die Nebengeräuschempfindlichkeit „abzugewöhnen“, war ein voller Erfolg und führte zur Markteinführung des, nach der englischen Bezeichnung der Zusatz-Spule (Humbucking Coil) benannten  Tonabnehmer-Konzepts Humbucker.  Doch Gibson für die Entwicklung des innovativen Tools die alleinigen Lorbeeren zuzuschanzen wäre nur die halbe Wahrheit. Parallel zur Arbeit im Hause Gibson gelang es nämlich auch den Technikern der Firma Gretsch ein funktionierendes  Humbucker-Konzept aus der Taufe zu heben. Wer jetzt allerdings glaubt, der Mark wäre durch das Auftauschen der Humbucker entgültig befriedigt gewesen,  der irrt sich. Gitarristen sind halt ein recht wählerisches Völkchen. Gewöhnt an den knackigen, transparenten  und höhenbetonten Sound des P-90 oder des DeArmond (beides ja Singlecoils) konnten die Humbucker beider Firmen mit ihrer deutlich mittigeren Performance, zunächst nicht wirklich  überzeugen.  In der Folgezeit gelang es Gretsch mit dem Filtertron  und Gibson mit dem legendären P.A.F. aber immer besser, ihren Doppelspulern den begehrten „Höhenkick“ anzutrainieren.

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