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02.04.2021

Oberheim SEM & Eight Voice – Soft-Synths im Vergleich

Arturia, Plugin Alliance, GForce oder Cherry Audio: Wer hat den besten Oberheim SEM / 8-Voice für die DAW?

Features, Patches und Arrangements im A/B-Vergleich

Die Erfolgsstory der Oberheim-Synthesizer beginnt mit dem SEM, und damit bereits lange vor dem großen berühmten Sprung („Jump“ von Van Halen). Ursprünglich wurde dieser kleine weiße Kasten in den frühen 1970er Jahren ohne Tasten als zusätzliche Klangerzeugung für den Minimoog konzipiert – SEM bedeutet übrigens „Synthesizer Expander Modul“. Tom Oberheim ordnete später einfach mehrere SEM-Module nebeneinander an, ergänzte einen Sequencer und konstruierte so polyfone Tastatursynthesizer. Das Glanzstück stellt der Eight Voice mit acht SEM-Modulen dar, aber auch der Two Voice und der Four Voice zählen mit zu den ersten multi-timbralen Synthesizer überhaupt. Jedes Modul liefert dabei einen eigenen Klang, der sich bestimmten Tastaturzonen zuweisen lässt. Die nachfolgenden und landläufig noch immer berühmteren Synthesizer OB-8 und OB-Xa erlauben zumindest Split- und Layer-Kreationen durch zwei verschiedene Klänge. 

Doch bereits ein einziges SEM-Modul kann es in sich haben: Es basiert auf zwei Oszillatoren, die sich synchronisieren lassen und Sägezahnwelle wie Pulsbreitenmodulation bieten. Das wesentliche Merkmal ist das Multimode-Filter. Beim SEM sind vier unterschiedliche Filtertypen vorhanden: Tiefpass, Hochpass, Bandpass und Bandsperre. Es klingt deutlich anders und flexibler als die prominente Moog-Kaskade oder andere Tiefpass-Filter. Fürs zeitbasierte Sounddesign stehen ein LFO mit Dreieckwellenform sowie zwei dreistufigen Hüllkurven bereit. Für Acid-Spielarten und brettharten Techno ist der SEM-Sound zwar weniger passend, für softere und facettenreiche Analog-Synth-Klänge aber umso besser geeignet.

Das Filter des Oberheim SEM wurde von Sequential übrigens auch bei der Entwicklung neuer Hardwaresynthesizer berücksichtigt – so etwa beim OB-6 und seiner Desktop-Variante OB-6 Module und später auch beim Pro-3. Von Doepfer gibt es Oberheims Multimode-Filter als Modul mit der Bezeichnung A-106-5 SEM Filter. Und selbstverständlich hat Oberheim selbst auch eine Neuauflage des SEM auf den Markt gebracht – sie erschien um das Jahr 2010 herum und konnte bereits im Bonedo-Test überzeugen.

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Zumindest vier der kommerziellen Softwareprodukte sind es definitiv wert, einmal ausführlicher gehört zu werden: Der Arturia SEM V und der Plugin Alliance bx_oberhausen emulieren den Oberheim SEM sowohl mono- als auch polyfon. Zwei neuere Softwareprodukte beschäftigen sich speziell mit dem Oberheim Eight Voice: GForce OB-E und Cherry Audio Eight Voice. Alles nur eine Emulation? Keineswegs, denn die Software bietet gegenüber den Originalinstrumenten aus den 70ern doch so manch zusätzliches Feature.

Erstaunlich groß ist das Preisspektrum: Es reicht von 49 Euro für den Eight Voice von Cherry Audio bis hin zu 250 US-Dollar für den Plugin Alliance bx_oberhausen. Ob die virtuellen Synthesizer auch klanglich so weit auseinander liegen? Wir werden es anhand der fast 50 einzelnen Audio-Demos herausfinden. Dabei wird das Multimode-Filter eine große Rolle spielen, aber auch die mitgelieferten, kommerziellen Presets aus mehreren Klangsparten werden wir vergleichen. Insgesamt werden wir hier aber den Blick fürs Wesentliche beibehalten und daher nicht auf weitere Details eingehen.

Die vier Kandidaten auf einen Blick

Expansiver Oberheim SEM: Arturia SEM V

Arturia ist eine der ersten Firmen, die den SEM einer breiten Masse von DAW-Anwendern anvertraute. Wie quasi alle Emulationen von Arturia bietet auch der SEM V deutlich mehr Features als der originale Synthesizer. Hauptsächlich handelt es sich dabei um den 8-Voice-Programmer für multitimbrale Klänge, eine umfangreiche Modulationsmatrix, einen Arpeggiator sowie eine Effektsektion aus Overdrive, Chorus und Delay. Der bis zu 32-fach polyfon spielbare Synthesizer kostet einzeln 149 Euro und ist in der Arturia V-Collection enthalten. Erstaunlicherweise ist er kompatibel zum Arturia iSEM, einer smarten iOS-App, und übrigens auch im Stand-alone-Betrieb anwendbar. Er gilt als Klassiker unter den SEM-Emulationen und ist bereits seit vielen Jahren am Start.

Erhabener Oberheim SEM: Plugin Alliance bx_oberhausen

Die Plugin Alliance bringt mit dem bx_oberhausen einen starken Kandidaten ins Rennen. Anders als das historische Original bietet er bis zu 32 Stimmen, einen Unisono-Modus, eine Modulationsmatrix, eine Effektsektion, einfache Frequenzmodulation sowie einen nützlichen Arpeggiator. Der Preset-Browser unterstützt das NKS-Format. Im Bonedo-Test glänzt der bx_oberhausen mit voller Punktzahl und gilt aus klanglicher Sicht inzwischen sozusagen als Referenz für Emulationen des Oberheim SEM. Regulär kostet er rund 250 US-Dollar. Ist er diesen happigen Preis wert?

https://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/brainworx-bx-oberhausen-test.html 

Vintage der Extraklasse: GForce Software OB-E

GForce aus England genießt dank hochwertiger Emulationen von Minimoog, Mellotron und anderen Vintage-Instrumenten einen ziemlich guten Ruf. Seit Februar 2021 gibt es von der Firma auch den virtuellen Oberheim Eight Voice. Er heißt OB-E und bringt leider ein kleines Manko mit: Man benötigt zur Nutzung zwingend einen Mac (Intel oder M1-Prozessor). Eine Windows-Version folgt aber hoffentlich noch. Die acht einzelnen SEM-Module lassen sich im „Group Mode“ simultan bearbeiten. Es gibt einen simplen, aber praktischen Sequenzer sowie einen Stereo-Delay-Effekt als Zugabe. Bei einem Straßenpreis von rund 170 Euro sind die Erwartungen entsprechend hoch.

Low-Budget trifft auf Qualität: Cherry Audio Eight Voice:

Den Oberheim Eight Voice emuliert auch der Cherry Audio Eight Voice als SEM in achtfacher Ausführung inklusive Zugaben wie Effekte und Sequencer – unglaublich, diese Kampfansage von Cherry Audio. Der Eight Voice ist regulär für 49 Euro zu bekommen. Die Features sind durchweg mit denen des GForce OB-E vergleichbar, wohingegen Cherry Audio sowohl eine Version für Mac OS X als auch für Windows anbietet. Dies alles nützt aber reichlich wenig, wenn das Klangbild schwächeln sollte. Wie gut klingt der preiswerteste Kandidat also? Unsere Audio-Demos werden eine Antwort liefern.

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