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Test
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09.08.2016

Numark PT-01 Touring Test

Kofferplattenspieler mit integriertem Akku

On the Road again

Numark stellt mit dem PT-01 Touring einen mobilen, akkubetriebenen Kofferplattenspieler vor, der mit integriertem Phono-Preamp und USB-Audiointerface für computergestützte Vinyl-Aufnahmen die mobilen Plattenliebhaber für sich gewinnen will. Der Preis, den man für derartiges Erwachsenenspielzeug aktuell berappen muss, hält sich mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von rund 95 Euro noch in akzeptablen Niederpreisgefilden auf. Doch was kann man dafür erwarten?

Im Netz las ich diverse User-Meinungen, die ich aber gar nicht teilen konnte, da die Kritiken eindeutig zu hoch angesetzte Erwartungen zur Grundlage hatten. Ich glaube, dass man als Endkunde realistischerweise für diesen Preis ein Gerät erwarten darf und sollte, das einwandfrei funktioniert, eine akzeptable Akkuleistung liefert und bei häufigem Gebrauch trotzdem die Garantiezeit übersteht. Nicht viel mehr, aber auch nicht weniger.

Features wie ein integrierter Phono-Preamp oder ein USB-Audiointerface sind angesichts des Preises reine Hersteller-Präsente, die ähnlich wie ein Kugelschreiber oder Logo-Aufkleber zu bewerten sind. Zwar sorgen sie für eine verlängerte Feature-Liste, aber klanglich können diese Bauteile gewiss nicht mit aktuellen Soundchips mithalten. So wurden jene Elemente in diesem Artikel freilich getestet, doch deren Soundqualität hatte letztlich keine Auswirkungen auf die Gesamtbewertung.

Details

Der PT-01 Touring kommt in einer Umverpackung, die unwesentlich größer ist als er selbst. Einmal „entkleidet“, entpuppt sich der Lieferumfang für mein Dafürhalten hinsichtlich des Verwendungszwecks als durchaus vollständig. Neben dem im Koffer fest installierten Plattenspieler liefert der Hersteller noch einen Single-Puck und eine etwa acht Zoll große Slipmat aus, die aus einem beständigen festen Filz gefertigt ist. Darüber hinaus haben noch ein qualitativ gutes USB-Kabel samt Entstördrossel sowie ein 5 Volt USB-Netzteil Typ „Wandwarze“ den Weg ins Touring-Paket gefunden. Ansonsten findet man bloß eine sechssprachige Schnellstartanleitung und die obligatorischen Garantiebedingungen im Numarkschen Köfferchen.

Der 34 cm breite, 25 cm tiefe und 11 cm hohe Koffer bringt 2,7 kg auf die Waage und verfügt über einen konventionellen Plastikgriff und einen ebenso handelsüblichen Schnappverschluss, jedoch ohne Schloss, aber wofür auch? Auf der Rückseite beherbergt die aus Sperrholz gefertigte und furnierte untere Kofferschale einen Stereo-Line-Ausgang in Form eines Cinch-Buchsenduos und die Computerschnittstelle, die als USB Typ B ausgeführt wurde. Geistesgegenwärtig stecke ich die „Wandwarze“ in die Tischsteckdosenleiste und verbinde Netzteil und Koffer mit Hilfe des steifen, aber mutmaßlich gut isolierten USB-Kabels, um den Ladevorgang des integrierten Lithium-Ionen-Akkus in Gang zu setzen, was von einer roten LED unterhalb des Volume-Reglers dankend quittiert wird. Nach einer Dreiviertelstunde scheint der Akku bereits „satt“ zu sein, was die zuvor erwähnte LED wiederum signalisiert, die plötzlich und unverhofft mal eben einfach so erlischt. Stattdessen leuchtet eine darüber befindliche LED nun grün. Der Kollege scheint bereit. Fein.

Das Lager des Platters ist auf einer Kunststoffplatte arretiert, die wiederum federnd auf der Geräteoberfläche aufliegt. Ob es sich um einen echten Federmechanismus handelt oder die schwingende Aufhängung durch mehrere elastische, weil dünne Plastiklaschen erledigt wird, bleibt offen. Es könnten natürlich auch drei sehr weiche Kautschukfüße verwendet worden sein.

Der mitgelieferte MM-Tonabnehmer ist ein CR-800-10 mit einer sphärisch geschliffenen Nadel, die aus Keramik gefertigt wurde. Das Komplettsystem beheimatet einen Nadelträger aus Kunststoff und wird wie ein Nadeleinschub von vorne unten mit seinen vier Kontakten auf den nicht austauschbaren Systemträger fest gesteckt. Aufgrund des Nadelschliffs und der Materialbeschaffenheit von Nadel und Nadelträger ist ein leicht nasaler und mittenbetonter Sound, eine hörbar eingeschränkte Bandbreite und eine mäßige Hochtonauflösung zu erwarten. Wie lange die Nadel halten mag, wird die Zeit zeigen, aber 900 Betriebsstunden wie bei den prominenten DJ-Tonabnehmern von Ortofon, Stanton oder Shure sind gewiss nicht zu erwarten, was aber absolut verkraftbar ist, da das Ersatzsystem (übrigens genau das Gleiche, was auch mitgeliefert wird) im Internet für € 9,90 nachbestellt werden kann.

Als mögliche Abspielgeschwindigkeiten stehen per dreistufigem Schiebeschalter die Standards 33, 45 und 78 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung. Die Halbautomatik kann abgeschaltet werden, was grundsätzlich zu begrüßen ist. Eine Abschaltautomatik ist natürlich eine praktische Angelegenheit, solange sie anständig funktioniert.

Ein einfacher und zierlich wirkender Lift ist beim Aufsetzen der Nadel behilflich und der Tonarm kann an seiner Stütze fest arretiert werden. Der überaus griffige Lautstärkeregler schaltet im Übrigen die Maschine per Rechtsdrehung ein. Oberhalb des Volume-Reglers ist eine kleine Klinkenbuchse untergekommen, die zum Einbinden externer Abspielgeräte wie zum Beispiel MP3-Player, iPods und Smartphones dient.

Unterhalb der LEDs findet sich auf der sperrhölzernen Oberfläche noch eine weitere 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse, die den Anschluss eines Kopfhörers ermöglicht. Daran mangelt es mir ja nun wahrlich nicht und es ist sogar einer in Griffweite (ein Sennheiser HD-25), sodass dessen Stecker dank meiner aktiven Mithilfe umgehend den Weg zum Kopfhörerausgang findet. Als der Standard-DJ-Ohrwärmer nun im Koffer steckt, verstummen die beiden frontal eingelassen Breitbandlautsprecher und das Volume-Poti reguliert nun artig meine Kopfhörerlautstärke. Na also.

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