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Test
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26.09.2014

Numark NV Test

MIDI-Controller mit farbigen Deck Displays für Serato DJ

Der „Game Changer“ schlechthin?

Mit NV platziert Numark ein neues Produkt in dem mittlerweile fast schon übersättigten Marktsegment der DJ-MIDI-Controller, das das „DJing“ neu definieren möchte. Wie das geschehen soll? Nun, die Konsole bietet auf jeder Deck-Seite ein 4,3 Zoll großes Vollfarbdisplay, das den Blick zum Computer Screen obsolet machen und den Fokus noch stärker auf die Performance und nicht zuletzt auf die Musik verlagern soll. Die Idee an sich ist zwar nicht so taufrisch, denn auch MP3-Card/HD-Player Wacom Nextbeat und Stantons SCS 4 DJ verfolgten diesen Ansatz bereits vor einigen Jahren und ein Pioneer CDJ-2000 ist ja ebenfalls ein „Deck mit integriertem Display“. Doch im Unterschied zu den hier aufgelisteten Standalone-Tools setzt Numark beim NV auf Serato DJ und die Bildschirme dienen hier ausschließlich der Aufbereitung der Daten aus eben dieser Software. Aber ist der Blick zum Rechner von nun an wirklich Geschichte?  

Numark hat ein paar besondere Features für sein „neuestes Baby“ auf Lager, und so finden sich im NV einige Elemente des Flaggschiffs NS7 II wieder, beispielsweise die kapazitiven Regler für FX, EQ und Filter und die schwer angesagten Performance-Pads. Bei einer UVP von 839 Euro dürfen professionelle Ausgänge natürlich genau so wenig fehlen, wie ein Mikrofon-Input zur Moderation oder ein Aux-Eingang für den Notfall-iPod. Weitere Details zu den haptischen und audiovisuellen Qualitäten des smarten DJ-Controllers verrät euch der nachfolgende Artikel.

Details

Der heutige Tag beginnt mit einem freudigen Ereignis, als mir der Paketdienst bereits einige Wochen vor dem offiziellen Verkaufsstart des Numark NV ein Testmuster zustellt. Die zweite Überraschung folgt auf dem Fuß, denn bereits die Umverpackung lässt erahnen, wie kompakt der Vierkanal-Player doch im Gegensatz zum Flaggschiff des Herstellers, dem  NS7 II ausfällt. In der Box selbst findet man neben der Steuerkonsole und dem obligatorischen USB-Kabel, ein externes Netzteil, das Handbuch, Sicherheits- und Garantie-Unterlagen und ein Faltblatt, das die Prozedur zum Erhalt der Serato DJ Download-Lizenz erläutert. Die Zeit der Installationsmedien scheint vorbei zu sein.  

Ferner spendiert Numark der finalen Version einen Gutschein für ein Toolroom Records Remix-Pack, das meinem vorliegenden Testmuster allerdings noch nicht beiliegt. Letztlich entnehme ich der Box noch eine Seriennummer für das Expansion Pack „Flip“, das sich bei Bedarf als Plug-in innerhalb Serato DJ freischalten lässt.  

Mit Maßen von 548 x 340 x 54 mm und einem Gewicht von 3,2 kg ist der NV deutlich kleiner geraten und zudem leichter konstruiert, als der 15-Kilo-Bolide NS7 mit seinen direkt angetriebenen 7-Zoll-Echtvinyl-Plattern. Er ist allerdings weit davon entfernt, als dass man ihn sich „einfach so“ unter den Arm klemmen oder in eine Gigbag stopfen könnte, um zum Auftritt zu marschieren. Größentechnisch kommt er eher einem Pioneer DDJ-SR oder Numark NS6 gleich, der aber über einen analogen Vierkanal-Standalone-Mixer verfügt. Auch die Jogwheels hatte ich bei diesem Gerät etwas größer in Erinnerung, was der Einsatz des Maßbandes mit 115 mm (NS6: 150 mm) bestätigt. Ebenfalls verzichtet Numark beim NV auf ein Metallgehäuse oder Alu-Blenden, doch lässt der Kandidat weder eine professionelle Fertigungsqualität, noch adäquat zu befingernde Bedienelemente oder eine ordentliche Jogwheel-Haptik vermissen.

Audiointerface | Ein- und Ausgänge

Den Kontakt zur Außenwelt nimmt das Gerät über den symmetrischen XLR-Ausgang für den Master oder je einen Master- und Booth-Ausgang (Cinch) auf. An der Geräterückseite warten außerdem die Netzteilbuchse mit Zugentlastung, der obligatorische Einschaltknopf, eine USB-Buchse sowie je ein Line-Eingang (Aux-Cinch) und ein Mikrofoneingang (Klinke) auf „Konnektivierung“. Wir halten fest: Profi-PA und Monitoranlage dürfen gleichermaßen befeuert werden. Es lässt sich obendrein ein iPhone für das Vorgeplänkel anschließen (natürlich auch jeder andere MP3-Player, ein CDJ, ein Sampler oder Ähnliches – nur kein Plattenspieler) und für die Fraktion der Moderatoren oder Sangeskundigen ist ebenso gesorgt. Wie sich bei einem fahndenden Blick auf die Oberfläche allerdings herausstellt, muss sich der DJ bedauerlicherweise entweder für Aux oder Mike oder nichts von beidem entscheiden.  

Detaillierte technische Angaben zum integrierten Audiointerface macht das Handbuch nicht, jedoch finde ich auf dem Karton einen Hinweis, dass es sich um eine 24-Bit-Lösung handelt. Eigentümlicherweise attestiert mir der Audiomanager am Mac jedoch einen „16-Bitter“ mit einer Samplingrate von 48 kHz. Meine Recherche ergab, dass die 24-Bit-Treiber aktuell noch in Arbeit sind. Der Apple-Rechner zeigt ferner an: 0-In/4-Out, was bedeutet, dass der AUX/Mike kein USB-Input ist und daher auch nicht softwareseitig genutzt werden kann, sondern unmittelbar auf dem Masterbus des NVs landet. Somit ist der NV in der Lage, ein analoges Audiosignal auf die Beschallungsanlage durchzureichen, selbst wenn Serato nicht läuft oder kein Laptop angeschlossen ist. Jedoch erfolgt dies ohne jedwedes visuelle Feedback (Master- & Clipping-LEDs). Dem ist hinzuzufügen, dass die etwas knapp bemessene fünfschrittige LED-Kette (3x grün, 1x orange, 1x rot) ohnehin nur im Software-Betrieb aktiv ist. Sie visualisiert dann den Summenpegel und die vier Kanäle sind ihrerseits mit ampelfarbcodierten Mono-LED-Ketten mit der gleichen Unterteilung ausstaffiert.  

Nach einer 180-Grad-Drehung blicke ich vorne links auf zwei Kopfhörerausgänge in den Formaten Standard- und Miniklinke, deren Regler sich auf der gegenüberliegenden Seite einfinden. Das erste Poti dirigiert den „Stereo/Cue Mix“, der optional per Schalter auf „Split Cue“ gestellt werden darf, was ein Mono-Routing von Master und Cue auf die beiden Kopfhörerseiten zur Folge hat. Das zweite Poti bestimmt die Lautstärke des Kopfhörerverstärkers, den ich als leistungsfähig genug bezeichnen würde, um weder den Partykeller noch die Beach-Bar oder die Kiezpinte scheuen zu müssen. Aufgefallen ist mir jedoch, dass es zu Einbußen in der Klangqualität, sprich Zerren ab etwa ein Uhr kommt, wenn ich eine zweite Einheit anschließe. Relevant ist dies wohl wenn überhaupt nur für DJ-Teams, die simultan am NV auflegen wollen.

Oberflächenlayout 

In der Mitte des Mixers haben es sich in der oberen Zeile, allgemein als Master-Sektion bekannt, folgende Bedienelemente gemütlich gemacht:  

  1. Der Stellschalter AUX/Mike/Off für die zuvor erwähnten analogen Eingänge
  2. Mic Tone (Min, Max – eine etwas eigentümliche Kennzeichnung zur Einstellung der Klangfarbe)
  3. Mic/Aux Gain (Min, Max) zum Einpegeln besagter Zuspieler
  4. Boot für die „Kabinenlautstärke“, also den rückseitigen Cinch-Booth-Kanal
  5. Master für den XLR- respektive zweiten Cinch-Ausgang
  6. FX A und B, die andeuten, dass Seratos Effekte direkt auf den Masterbus angewendet werden können.  

Ihnen folgen eine Zeile tiefer die Effekt-Zuweisungstasten für die Einzelkanäle 1-4. Channel und Master-FX, soviel vorweg, schließen sich gegenseitig aus. Hier wäre es natürlich toll gewesen, hätten sich die Produktentwickler zu einem flexiblen Aux-Routing (Master/Software) durchringen können, das erlauben würde, die Effekte auch auf den Mikrofonkanal anzuwenden. Ist es aber nicht und wie ihr euch sicher denken könnt, haben die Master-FX auch keinen Einfluss auf das Aux-Signal.  

Lasse ich den Blick weiter über das Pult schweifen, erblicke ich allerhand Liebgewonnenes, beispielsweise einen Dreiband-Kill-EQ samt Gain-Regler, 45 mm lange Line-Fader für die Kanäle 1 bis 4, natürlich Vorhörtasten und einen austauschbaren 45er-Crossfader, der auf eine stufenlose Justierung der Flankensteilheit verzichtet und stattdessen über einen Curve-Switch hart oder weich geschaltet wird. Vor dem Hintergrund, dass die für Scratcher sicherlich etwas klein ausfallenden Jogwheels ohnehin nicht für Turnatblism-Tricks prädestiniert sind, ist dies sicher zu verschmerzen. Dennoch lassen sich mit dem NV natürlich Babyscratches und andere einfachere „Tricknologien“ umsetzen. Außerdem verbaut Numark vier Zuweisungsschalter und Faderstart (A/B) für den Crossfader. Nicht fehlen darf selbstverständlich das bipolare Kanalfilter, das beim NV über eine Taste im rechten Deck („Filter Roll/FX“) einen Loop-Roll oder Effekte mitdirigieren kann.  

Natürlich muss man nicht mit jedem Controller das Rad neu erfinden, zumindest was die teils gespiegelten teils symmetrisch aufgebauten Decksektionen angeht. Hier ist es mittlerweile üblich, die Transportsektion und die Performance-Pads für den direkten Zugriff unterhalb der Jogwheels zu positionieren, die Pitchbend-Buttons und den Pitch-Fader an den Seiten unterzubringen und die Effektregler in den hohen Norden zu verfrachten. Allerdings thronen über allem noch die angewinkelten, hintergrundbeleuchteten, kontraststarken 4,3-Zoll-Displays, die sich anschicken, den User bei der Musikauswahl zu unterstützen und mit „deckrelevanten“ Informationen zu versorgen – mit allen deckrelevanten Informationen? Wir werden es gleich erfahren.

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